Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich muss bei meinem Sturz hinreichend weibliche Geräusche von mir gegeben haben, denn er hielt inne und nahm in letzter Sekunde Abstand davon, mir die Muskete über den Schädel zu brummen.
»Häh?« Er ließ die freie Hand sinken und tastete sich vorsichtig vor. Als er etwas spürte, das unzweifelhaft eine Brust war, fuhr er zurück, als hätte er sich verbrannt und ließ langsam von mir ab.
»Äh … hm!«, sagte er.
»Uhh«, erwiderte ich so höflich wie möglich. Die Sterne drehten sich über mir im Kreis und schienen hell durch das blattlose Geäst. Der Mann aus Glasgow verschwand mit einem leisen, schottischen Laut der Verlegenheit. Zu meiner Linken erklang heftiges Geschrei und Gerumpel, aber im Moment konnte ich mich nur darauf konzentrieren, wieder zu Atem zu kommen.
Als ich mich wieder auf die Beine gekämpft hatte, war der Eindringling festgenommen, und sie hatten ihn ans Licht des Feuers gezerrt.
Hätte er nicht gehustet, als ich nach ihm hieb, wäre er wahrscheinlich entkommen. Doch er hustete und keuchte so schlimm, dass er kaum aufrecht stehen konnte, und sein Gesicht war von der Anstrengung, zwischendurch Luft zu schnappen, dunkel angelaufen. Die Venen auf seiner Stirn hoben sich von seiner Haut ab wie Würmer, und er machte ein gespenstisches Pfeifgeräusch, wenn er atmete – oder es versuchte.
»Was zum Teufel macht Ihr denn hier?«, wollte Jamie heiser wissen. Dann hielt er inne, um in das Husten einzustimmen.
Dies war eine rein rhetorische Frage, da der Junge ganz offensichtlich nicht in der Lage war zu sprechen. Es war Josiah Beardsley, mein potentieller Mandelpatient, und was auch immer er seit dem gathering getrieben hatte, hatte nicht merklich zur Verbesserung seiner Gesundheit beigetragen.
Ich eilte an das Feuer, in dessen Glut noch die Kaffeekanne stand. Ich ergriff sie mit einer Falte meines Schultertuches und schüttelte sie. Gut, es war noch Kaffee da, und da er seit dem Abendessen vor sich hinsimmerte, würde er so stark sein, dass der Löffel darin stand.
»Lasst ihn sich hinsetzen, lockert seine Kleider, bringt mir kaltes Wasser!« Ich schob mich in den Kreis der Männer, die den Gefangenen umstanden, indem ich sie mit der heißen Kaffeekanne aus dem Weg drängte.
Innerhalb weniger Sekunden hatte ich ihm einen Becher starken Kaffees an die Lippen gesetzt, schwarz und teerig, nur mit einem Spritzer kalten Wassers verdünnt, damit er sich nicht den Mund verbrannte.
»Bei vier langsam ausatmen, bei zwei langsam einatmen, ausatmen und einen Schluck trinken«, sagte ich. In seinen Augen war rings um die Iris das Weiße zu sehen, und in seinen Mundwinkeln hatte sich der Speichel gesammelt. Doch ich legte ihm fest die Hand auf die Schulter und drängte ihn zu atmen, zu zählen, zu atmen – und der verzweifelte Kampf ließ ein wenig nach.
Ein Schluck, ein Atemzug, ein Schluck, ein Atemzug, und als er den Kaffee ganz getrunken hatte, war seine Gesichtsfarbe von einem alarmierenden Rotton zu einer Farbe verblichen, die eher an einen Fischbauch erinnerte, mit schwachen, roten Abdrücken an den Stellen, wo die Männer auf ihn eingeschlagen hatten. Die Luft pfiff immer noch in seinen Lungen, aber immerhin atmete er, was schon eine beträchtliche Verbesserung war.
Die Männer standen murmelnd herum und beobachteten uns interessiert, aber es war kalt, es war spät, und als jetzt die Aufregung der Festnahme verflog, fingen sie an, sich hängen zu lassen und zu gähnen. Es war schließlich nur ein Junge, und noch dazu ein dürrer, kranker Kerl. Sie verdrückten sich bereitwillig zu ihren Schlafplätzen, als Jamie sie entließ, und Jamie und ich blieben mit der Fürsorge für unseren unerwarteten Gast allein.
Ich hatte ihn in einige überzählige Decken gewickelt, ihn mit kampferhaltigem Bärenfett eingerieben und ihm einen weiteren Becher Kaffee in die Hände gedrückt, bevor ich zuließ, dass Jamie ihn befragte. Dem Jungen schienen meine Zuwendungen zutiefst peinlich zu sein – er saß mit eingezogenem Kopf da, den Blick zu Boden gerichtet, aber ich wusste nicht, ob er es einfach nicht gewohnt war, dass sich jemand um ihn kümmerte, oder ob Jamie, der mit verschränkten Armen über ihm stand, ihm so zu schaffen machte.
Er war klein für einen Vierzehnjährigen, und so dünn, dass er fast nur noch aus Haut und Knochen bestand; ich hätte seine Rippen zählen können, als ich ihm das Hemd öffnete, um sein Herz abzuhören. Auch ansonsten war er keine Schönheit; sein schwarzes Haar war kurz geschnitten und stand in verklebten Stacheln schmutzig, fettig und verschwitzt von seinem Kopf ab. Im Großen und Ganzen sah er aus wie ein verlauster Affe mit großen, schwarzen Augen in einem Gesicht, das vor Sorge und Argwohn verkniffen war.
Als ich endlich für ihn getan hatte, was ich konnte, war ich mit seinem Aussehen zufrieden. Auf mein Kopfnicken hin hockte sich Jamie neben dem Jungen auf den Boden.
»Nun, Mr. Beardsley«, sagte er freundlich. »Seid Ihr gekommen, um Euch unserer Miliz anzuschließen?«
»Äh … nein.« Josiah drehte den Holzbecher zwischen seinen Händen hin und her, ohne aufzublicken. »Ich … äh … hatte etwas zu erledigen, das mich zufällig in diese Gegend geführt hat, das ist alles.« Er sprach so heiser, dass ich mitfühlend zusammenfuhr, als ich mir vorstellte, wie wund sein entzündeter Hals sein musste.
»Ich verstehe.« Jamie sprach leise und freundlich. »Dann habt Ihr also zufällig unser Feuer gesehen und wolltet um einen Unterschlupf und etwas zu essen bitten?«
»Aye, genau.« Der Junge schluckte unter sichtlichen Schwierigkeiten.
»Mmpfm. Aber Ihr seid doch schon einmal hier gewesen, oder? Ihr wart kurz nach Sonnenuntergang im Wald. Warum habt Ihr Euch erst nach dem Mondaufgang zu erkennen gegeben?«
»Ich habe … war nicht …«
»Oh doch, das wart Ihr.« Jamies Stimme war immer noch freundlich, aber bestimmt. Er streckte die Hand aus, packte die Vorderseite von Josiahs Hemd und zwang den Jungen, ihn anzusehen.
»Hört mir zu, Mann. Wir haben eine Abmachung. Ihr seid mein Pächter; das steht fest. Das heißt, Ihr habt ein Anrecht auf meinen Schutz. Es heißt aber auch, dass ich ein Anrecht darauf habe, die Wahrheit zu hören.«
Josiah erwiderte seinen Blick, und seine Miene war zwar voller Angst und Argwohn, doch er strahlte auch eine Selbstkontrolle aus, die ihn viel älter als vierzehn erscheinen ließ. Er machte keinen Versuch, den Blick abzuwenden, und es lag ein Ausdruck tiefer Berechnung in seinen schlauen, schwarzen Augen.
Dieses Kind – wenn man ihn denn als Kind betrachten konnte, was Jamie eindeutig nicht tat – war es gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein.
»Ich habe Euch gesagt, Sir, dass ich im Dezember zu Euch kommen würde, und das habe ich auch vor. Was ich in der Zwischenzeit tue, ist meine Sache.«
Jamies Augenbrauen fuhren hoch, doch er nickte bedächtig und lockerte seinen Griff.
»Das ist wahr. Ihr müsst aber zugeben, dass man neugierig werden könnte.«
Der Junge öffnete den Mund, als wolle er reden, überlegte es sich jedoch anders und vergrub stattdessen die Nase in seinem Kaffeebecher.
Jamie versuchte es noch einmal.
»Können wir Euch Hilfe bei Eurer Erledigung anbieten? Werdet Ihr wenigstens ein Stück mit uns reisen?«
Josiah schüttelte den Kopf.
»Nein. Ich bin Euch zu Dank verpflichtet, Sir, aber diese Erledigung führe ich am besten allein aus.«
Roger war nicht schlafen gegangen, sondern saß ein kleines Stück hinter Jamie und sah schweigend zu. Jetzt beugte er sich vor und heftete seine grünen Augen auf den Jungen.
»Diese Erledigung, von der Ihr da sprecht«, sagte er. »Sie hat nicht zufällig etwas mit dieser Narbe auf Eurer Hand zu tun?«
Der Becher prallte auf den Boden, und aufspritzender Kaffee traf mein Gesicht und mein Leibchen. Der Junge war aus den Decken gefahren und hatte die Lichtung schon halb überquert, bevor ich die Augen zukneifen und sehen konnte, was vorging – und zu diesem Zeitpunkt war Jamie schon auf den Beinen und hinter ihm her. Der Junge war um das Feuer gerannt; Jamie sprang darüber. Sie verschwanden im Wald wie Fuchs und Jagdhund, und Roger und ich starrten ihnen mit offenen Mündern nach.