Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Wieder unter den Lebenden?« fragte er und erwiderte das Lächeln. Dabei musterte er den Freund aufmerksam. »Wie geht es dir?«
»Ich habe Kopfschmerzen, als hätte ich zehn Tage durchgezecht, aber sonst geht es wieder. Was ist hier eigentlich los? Ich kann mich an überhaupt nichts erinnern.«
»Cathar behauptet, er hätte dir das Leben gerettet«, sagte Torian. »Erinnerst du dich an überhaupt nichts mehr?«
Garth massierte sich die Schläfen und schloß die Augen. »Ich wollte… auf ein Schiff«, murmelte er dumpf. »Aber da war noch etwas. Dieses… dieses Rattenmaul da drüben hat etwas damit zu tun.«
»Bard?« Torian lächelte flüchtig über den Beinamen, den Garth Bard gegeben hatte.
»Ja. Er… er suchte mich. Gab vor, daß du ihn geschickt hättest. Ich… es tut mir leid, daß ich einfach so abgehauen bin, aber ich konnte nicht anders.«
»Schon gut, es war deine eigene Entscheidung. Sprechen wir nicht mehr davon.«
Garth nickte, dann versuchte er zu lächeln, doch es fiel sehr gezwungen aus. »Anscheinend ist es ohnehin unmöglich, von dir wegzukommen. Hast du diesen Kerl wirklich hinter mir hergeschickt?«
»Nein. Es war auch nicht Bard«, antwortete Torian. Er deutete zu Cathar hinüber. »Der Magier hat sein Aussehen angenommen. Ich hätte mir ein Wiedersehen auch unter anderen Umständen gewünscht. An was kannst du dich noch erinnern?«
Garth konzentrierte sich noch einmal, dann schüttelte er resignierend den Kopf. »Nichts mehr. Irgend etwas ist mit dem Schiff passiert, als ich an Bord gehen wollte, aber…« Er zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es einfach nicht mehr.«
»Ist auch nicht so wichtig. Ist mit dir wirklich alles wieder in Ordnung? Ich habe für eine Weile befürchtet, Cathar hätte dich unter seinen Willen gezwungen.«
Wieder lachte Garth gekünstelt. »Ich kann so frei denken wie immer, aber allmählich glaube ich, daß mit dir etwas nicht stimmt. Was hast du mit diesem Magier zu tun? Als ich wieder zu mir kam, hätte ich ihm im ersten Moment fast die Kehle durchgeschnitten. Und ich glaube, das werde ich auch nachholen, wenn mir jetzt nicht jemand ganz schnell eine wirklich gute Begründung liefert, warum ich es nicht tun sollte.«
»Weil du es nicht schaffen würdest«, erwiderte Torian ernst. Er berichtete mit knappen Worten, was sich zugetragen hatte, nur von dem Parasiten in seiner Schulter erwähnte er nichts. Garth hörte schweigend zu, nur sein Gesicht verdüsterte sich immer mehr.
Erst Minuten nachdem Torian geendet hatte, klärte sich sein Blick wieder, und er schüttelte ungläubig den Kopf. »Wenn mir jemand anders diesen ausgemachten Unsinn erzählt hätte, würde ich einmal kurz lachen und dann nach der Wahrheit fragen.«
»Es ist die Wahrheit.«
»Ich habe von dieser Straße der Ungeheuer gehört«, murmelte Garth. »Wenn auch nur ein Bruchteil dieser Gerüchte stimmt, fallen mir etwa zehntausend Orte in, wo ich lieber wäre. Aber es ist nur eine Legende.«
»Sag das Cathar. Er behauptet, schon durch diese Legende gezogen zu sein.«
»Und du vertraust diesem Kerl? Torian, er ist ein Schwarzer Magier, und was das bedeutet, brauche ich dir nicht zu erzählen.«
»Von Vertrauen war nicht die Rede«, korrigierte Torian. »Im Gegenteil. Seine Geschichte klingt für meinen Geschmack fast ein wenig zu überzeugend, um wahr zu sein. Wenn es ihm nur darum ginge, dieses Tor zu schließen, hätte er gewartet, bis einige seiner Brüder eingetroffen wären und sich mit ihnen auf den Weg gemacht. Ich bin sicher, daß er etwas anderes vorhat.«
»Und trotzdem unterstützt du ihn.«
»Hast du einen besseren Vorschlag?«
»Wir sollten versuchen, ihn bei erstbester Gelegenheit zu überwältigen und dann schnellstens abhauen«, knurrte Garth. »Ich schätze, daß sich auch diese nachgemachten Gardisten auf unsere Seite stellen werden.«
Torian schüttelte entschieden den Kopf. »Vergiß es. Cathar ist zu mächtig. Er traut mir so wenig wie ich ihm. Und er scheint nicht einmal Schlaf zu brauchen. Wir sind ihm ausgeliefert.« Er machte eine kurze Pause. »Aber das ist noch nicht alles, ich weiß nicht, was er in der Schattenburg wirklich will, aber ich weiß, was ich dort will. Wenn wir dorthin gelangen, haben wir vielleicht die Möglichkeit, die Herrschaft der Schwarzen Magier endgültig zu brechen. Diese Burg ist das Herz ihrer Macht, und sie steht momentan leer. Sobald Cathar das Tor geschlossen hat, bin ich der erste, der – «
Er brach ab, als er sah, wie sich Bard erhob und zu ihnen herüberkam.
»Wir sollten weiterreiten«, schlug er vor und verzog sein Rattengesicht zu einem Grinsen. »Wollt Ihr den Befehl zum Aufbruch selber geben, oder soll ich es an Eurer Stelle tun, hoher Herr?«
Torian musterte ihn wie ein besonders widerwärtiges Insekt, schnaubte verächtlich und stand auf. Bard hatte es immer noch nicht verwunden, daß Cathar ausdrücklich Torian die Befehlsgewalt über ihre kleine Armee übertragen hatte, und nicht ihm. Er schob sich dicht an dem ehemaligen Kommandanten der Stadtgarde vorbei und schien nicht einmal zu bemerken, daß er ihm versehentlich fest auf den Fuß trat.
»Reiten wir«, entschied er grob.
Sie ritten bis zum Abend. Erst als die Sonne völlig untergegangen war, schlugen sie im Schutz eines niedrigen Talkessels ein Nachtlager auf. Es sah nicht nach Regen aus, dennoch gab Torian Befehl, die Zelte aufzuschlagen. Das Wetter hier an der Küste war unberechenbar, und auch die bei Tage herrschende Hitze konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich der Sommer seinem Ende zuneigte. In den Nächten wurde es bereits empfindlich kalt, zumal der Wind vom Meer her wehte und kühle Seeluft über das Festland trieb.
Den ganzen Nachmittag hindurch hatte Torian kaum ein Wort gesprochen, sondern versucht, Klarheit über Garth zu gewinnen, ohne daß es ihm gelungen war. Der Dieb schien die Folgen des Schocks abgeschüttelt zu haben. Er sprach wie früher, seine Bewegungen besaßen wieder die alte, seinem Körpergewicht hohnsprechende Geschmeidigkeit, und seine offenen Worte hatten bewiesen, daß sein Willen nicht von Cathar beeinflußt war.
Und doch hatte er sich verändert. Sie sprachen miteinander, als ob es niemals eine Trennung gegeben hätte, aber etwas war nicht so, wie es sein sollte. Ein winziger Teil dessen, was ihre Freundschaft ausgemacht hatte, war nicht mehr da. Torian spürte, daß sich plötzlich etwas wie eine unsichtbare Kluft zwischen ihnen aufgetan hatte. Aber er verstand nicht, warum. Etwas an Garth war ihm… fremd geworden, doch vielleicht lag es nur daran, daß es dem Hünen doch noch nicht so gutging, wie er vorgab.
Von kurzen Pausen abgesehen, verbrachten sie auch den folgenden Tag im Sattel. Sie folgten dem Verlauf der Küste nach Norden, hielten sich auf dem nur wenige Dutzend Meilen breiten Streifen fruchtbaren Hügellandes, der noch zwischen dem Meer und der Staubwüste im Herzen Caracons verblieben war, weil der feuchte Boden hier der Wüste trotz ihres unerbittlichen Ansturmes noch nicht erlaubt hatte, über das Gebirge im Westen vorzudringen. Torian sah die Gipfel der Berge als ferne Schemen, die immer weiter zurückwichen, je tiefer die kleine Gruppe nach Norden vordrang. Im gleichen Maße wurde das Land öder, und sie fanden auch kein Wild zum Jagen mehr, so daß sie auf ihre mitgeführten Vorräte zurückgreifen mußten.
Am Morgen des dritten Tages frischte der Wind auf und trieb vom Meer her formlosen Gespenstern gleiche Nebelfetzen heran, und mit dem Nebel kamen Kälte und Feuchtigkeit wie Vorboten des bevorstehenden Herbstes. Der Himmel zeigte sich in düsterem Grau, hinter dem sich die Sonne verbarg.