Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er nickte, sagte aber nichts, da er seinen Tagesvorrat an Geselligkeit offenbar aufgebraucht hatte. Doch ich merkte, wie sein Blick auf dem Buchdeckel hängenblieb, und einem Impuls folgend, bot ich es ihm an.
»Möchtet Ihr es ausleihen? Ihr solltet es wirklich selbst lesen; Jamie kann sich doch bestimmt nicht an jedes Detail erinnert haben.«
»Oh!« Er machte ein verblüfftes Gesicht und schürzte stirnrunzelnd die Lippen, als hätte er den Verdacht, dass dies eine Art Falle sei. Doch als ich darauf bestand, ergriff er das Buch, das er mit einem solchen Ausdruck verstohlener Gier an sich nahm, dass ich mich fragte, wie lange es her war, dass er etwas anderes als die Bibel zum Lesen gehabt hatte.
Er nickte mir zum Dank zu, setzte seinen Hut auf und wandte sich zum Gehen. Ohne groß zu überlegen, fragte ich: »Habt Ihr Euch je bei Eurer Frau entschuldigen können?«
Das war ein Fehler. Sein Gesicht verzog sich zu einer kalten Miene, und seine Augen wurden so ausdruckslos wie die einer Schlange.
»Nein«, sagte er knapp. Im ersten Moment dachte ich, er würde das Buch wieder hinlegen und sich weigern, es mitzunehmen. Doch stattdessen presste er die Lippen zusammen, klemmte sich den Band noch fester unter den Arm und stolzierte ohne jedes weitere Abschiedswort davon.
Kapitel 31
Und dann zu Bett
Dann kam niemand mehr. Als es dunkel wurde, wurde ich zunehmend kribbeliger; ich fuhr bei jedem Geräusch zusammen und suchte die länger werdenden Schatten unter den Kastanien nach Männern ab, die dort auf der Lauer lagen, oder nach Schlimmerem. Ich hatte das Gefühl, ich sollte etwas kochen; Jamie und Ian hatten doch sicher vor, zum Abendessen nach Hause zu kommen? Oder vielleicht sollte ich lieber zu Roger und Brianna gehen.
Aber ich schrak vor der Vorstellung zurück, irgendeiner Art von Sorge ausgesetzt zu sein, ganz gleich, wie gut sie gemeint war. Ich hatte zwar noch nicht den Mut gefasst, in den Spiegel zu schauen, doch ich war mir hinreichend sicher, dass mein Anblick Jemmy einen Schreck einjagen würde – oder zumindest eine Menge Fragen nach sich ziehen würde. Ich wollte nicht in die Situation geraten, ihm erklären zu müssen, was mir zugestoßen war. Ich war mir ziemlich sicher, dass Jamie Brianna gebeten hatte, mich eine Weile in Ruhe zu lassen, und das war gut so. Ich war wirklich nicht in der Verfassung, so zu tun, als sei alles in Ordnung. Noch nicht.
Ich drückte mich in der Küche herum, hob ziellos Gegenstände auf und legte sie wieder hin. Ich öffnete die Schubladen der Anrichte und schloss sie wieder – dann öffnete ich die zweite Schublade noch einmal. Dort bewahrte Jamie seine Pistolen auf.
Die meisten davon waren weg. Es war nur noch die goldverzierte Pistole da, die nicht geradeaus schoss, dazu ein paar Patronen und ein winziges Pulverhorn, wie man es für extravagante Duellierpistolen herstellte.
Meine Hände zitterten kaum, als ich sie lud und ein wenig Pulver auf das Pfännchen schüttete.
Als sich eine ganze Weile später die Hintertür öffnete, saß ich am Tisch, hatte Don Quichote vor mir liegen und zielte mit beiden Händen auf die Tür.
Ian erstarrte eine Sekunde.
»Auf diese Entfernung würdest du im Leben niemanden mit einer Pistole treffen, Tante Claire«, sagte er nachsichtig und trat ein.
»Das wüsste derjenige aber nicht, oder?« Ich legte die Pistole vorsichtig hin. Meine Handflächen waren feucht, und meine Finger schmerzten.
Er nickte, weil er begriff, was ich meinte, und setzte sich.
»Wo ist Jamie?«, fragte ich.
»Er wäscht sich. Geht es dir gut, Tante Claire?« Seine sanften rehbraunen Augen verschafften sich beiläufig, aber sorgfältig einen Eindruck von meinem Zustand.
»Nein, aber ich werd’s überleben.« Ich zögerte. »Und … Mr. Brown? Hat er – euch irgendetwas erzählt?«
Ian stieß ein verächtliches Geräusch aus.
»Hat sich in die Hosen gemacht, als Jamie den Dolch aus dem Gürtel gezogen hat, um sich die Fingernägel zu reinigen. Wir haben ihn nicht angerührt, Tante Claire, keine Sorge.«
An diesem Punkt kam Jamie herein, glatt rasiert, die Haut kalt und frisch vom Brunnenwasser, das Haar feucht an den Schläfen. Trotzdem sah er todmüde aus, die Falten hatten sich tief in sein Gesicht gegraben, und seine Augen lagen im Schatten. Dieser Schatten hob sich jedoch ein wenig, als er mich mit der Pistole sah.
»Ist schon gut, a nighean«, sagte er leise und berührte meine Schulter, als er sich neben mich setzte. »Ich habe Männer eingeteilt, die das Haus bewachen – für alle Fälle. Obwohl ich frühestens in ein paar Tagen Ärger erwarte.«
Der Atem entfuhr mir in einem langen Seufzer.
»Das hättest du mir doch sagen können.«
Er warf mir einen überraschten Blick zu.
»Ich bin davon ausgegangen, dass du es weißt. Du hast doch wohl nicht gedacht, ich würde dich schutzlos zurücklassen, oder, Sassenach?«
Ich schüttelte den Kopf, denn im Moment konnte ich nichts sagen. Wäre ich zu logischem Denken in der Lage gewesen, hätte ich das natürlich nicht gedacht. So aber hatte ich den Nachmittag in einem Zustand stummer – und unnötiger – Todesangst verbracht, mir Dinge ausgemalt, mich an Dinge erinnert …
»Es tut mir leid, Liebes«, sagte er leise und legte seine große, kalte Hand auf die meine. »Ich hätte dich nicht allein lassen sollen. Ich dachte –«
Ich schüttelte den Kopf, legte aber meine andere Hand auf die seine und drückte fest zu.
»Nein, es war schon gut so. Abgesehen von Sancho Pansa, hätte ich keine Gesellschaft ertragen können.«
Er richtete den Blick auf Don Quichote, dann auf mich, und zog die Augenbrauen hoch. Das Buch war auf Spanisch.
»Nun, es ist zum Teil sehr dicht am Französischen, und die Geschichte kenne ich sowieso«, sagte ich. Ich holte tief Luft, tröstete mich, so gut es ging, an der Wärme des Feuers, dem Flackern der Kerze und an der Nähe der beiden Männer, kräftig, solide, pragmatisch und – zumindest nach außen hin – nicht aus der Fassung zu bringen.
»Gibt es irgendetwas zu essen, Tante Claire?«, erkundigte sich Ian und stand auf, um nachzusehen, da ich selbst keinen Appetit hatte und zu nervös war, um mich in irgendeiner Richtung zu konzentrieren. Ich hatte weder zu Mittag gegessen noch Abendessen gemacht – doch in diesem Haus gab es immer Essen. Und ohne große Umschweife hatten sich Jamie und Ian in kürzester Zeit mit den Resten einer kalten Rebhuhnpastete versorgt, einigen hartgekochten Eiern, einem Schüsselchen Mixed Pickles und einem halben Brotlaib, den sie in Scheiben schnitten und an einer Gabel über dem Feuer rösteten, woraufhin sie die Scheiben mit Butter bestrichen und sie auf eine Weise in mich hineinstopften, die keinen Widerspruch duldete.
Heißer Toast mit Butter hat etwas unbeschreiblich Tröstendes, selbst wenn man vorsichtig mit einem verletzten Kiefer daran herumknabbert. Mit vollem Magen fühlte ich mich bald viel ruhiger und war imstande, mich zu erkundigen, was sie von Lionel Brown erfahren hatten.
»Er hat alles auf Hodgepile geschoben«, sagte Jamie zu mir, während er sich Pickles auf ein Stück Pastete lud. »Was ja zu erwarten war.«
»Du bist Arvin Hodgepile schließlich nicht begegnet«, sagte ich und erschauerte leise. »Äh … lebend, meine ich.«
Er warf mir einen scharfen Blick zu, ging aber nicht weiter darauf ein, sondern überließ es Ian, mir Browns Version der Ereignisse zu schildern.
Alles hatte damit angefangen, dass er und sein Bruder Richard ihr Komitee für die Sicherheit ins Leben riefen. Dies, so hatte er beharrlich behauptet, war nur als Dienst an der Gemeinschaft gedacht, schlicht und ergreifend. Bei diesen Worten prustete Jamie verächtlich, unterbrach aber nicht.
Die meisten männlichen Einwohner von Brownsville hatten sich dem Komitee angeschlossen – die meisten Siedler und Kleinbauern der Umgegend nicht. Dennoch, so weit, so gut. Das Komitee hatte sich um eine Reihe von Kleinigkeiten gekümmert und in einigen Fällen von tätlichen Angriffen oder Diebstahl und Ähnlichem für Gerechtigkeit gesorgt. Und obwohl sie das eine oder andere Schwein oder erlegte Stück Wild als Bezahlung für ihre Mühen konfisziert hatten, hatte es keine großen Beschwerden gegeben.