Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nein, das hat er nicht.« Ian wechselte einen kurzen Blick mit Jamie, und ich sah, wie sie eine unausgesprochene Übereinkunft trafen. Mir kam der Gedanke, dass ich möglicherweise gerade Lionel Browns Schicksal besiegelt hatte. Falls es so war, war ich mir nicht sicher, ob ich deswegen Schuldgefühle hatte.
»Was – was habt Ihr mit ihm vor?«, wollte ich wissen.
»Wahrscheinlich werde ich ihn hängen«, erwiderte Jamie nach einer kurzen Pause. »Aber ich habe noch ein paar Fragen, auf die ich Antworten haben will. Und ich muss mir überlegen, wie ich das Ganze am besten bewerkstellige. Denk nicht darüber nach, Sassenach; du wirst ihn nicht wiedersehen.«
Mit diesen Worten stand er auf und räkelte sich, bis seine Muskeln knackten, dann ließ er die Schultern fallen und entspannte sich mit einem Seufzer. Er gab mir die Hand und half mir auf.
»Geh zu Bett, Sassenach; ich komme sofort nach. Ich muss nur kurz noch etwas mit Ian besprechen.« Der warme Toast, der Cidre und unsere Unterhaltung hatten bewirkt, dass ich mich vorübergehend besser fühlte. Doch ich war so müde, dass ich mich kaum die Treppe hinaufschleppen konnte, und ich musste mich, benommen schwankend, auf das Bett setzen und konnte nur hoffen, dass ich die Kraft finden würde, mich auszuziehen. Es vergingen einige Minuten, ehe ich bemerkte, dass sich Jamie an der Tür herumdrückte.
»Äh …?«, sagte ich vage.
»Ich war mir nicht sicher, ob du möchtest, dass ich heute Nacht bei dir schlafe?«, fragte er zögernd. »Wenn du lieber allein bleibst, könnte ich Josephs Bett nehmen. Oder wenn du möchtest, schlafe ich neben dir auf dem Boden.«
»Oh«, sagte ich verständnislos und versuchte, diese Alternativen abzuwägen. »Nein. Bleib hier. Schlaf bei mir, meine ich.« Trotz meiner bodenlosen Erschöpfung brachte ich so etwas wie ein Lächeln zuwege. »Du kannst zumindest das Bett wärmen.«
Bei diesen Worten huschte ein höchst seltsamer Ausdruck über sein Gesicht, und ich blinzelte, weil ich mir nicht sicher war, ob ich ihn tatsächlich gesehen hatte. Doch es war so; seine Miene war hin- und hergerissen zwischen Verlegenheit und bestürzter Belustigung – und irgendwo dahinter lag der Ausdruck, den er vermutlich auf dem Weg zum Scheiterhaufen getragen hätte; heroische Schicksalsergebenheit.
»Was in aller Welt hast du getan?«, fragte ich so überrascht, dass ich aus meinem Dämmerzustand gerissen wurde.
Die Verlegenheit siegte; die Spitzen seiner Ohren liefen rot an, und auch seine Wangen verfärbten sich, selbst im schwachen Licht der Kerze, die ich auf den Tisch gestellt hatte.
»Eigentlich hatte ich vor, es dir nie zu erzählen«, murmelte er und wich meinem Blick aus. »Ich habe Ian und Roger Mac schwören lassen, dass sie schweigen.«
»Oh, sie haben geschwiegen wie die Gräber«, versicherte ich ihm. Obwohl seine Äußerung vielleicht den seltsamen Gesichtsausdruck erklärte, den Roger in letzter Zeit manchmal trug. »Was ist passiert?«
Er seufzte und schabte mit der Kante seines Schuhs über den Boden.
»Aye, nun ja. Es liegt an Tsisqua, verstehst du. Beim ersten Mal hat er es als Geste der Gastfreundschaft gemeint, aber als Ian ihm dann gesagt hat … nun ja, es war nicht das Beste, was er unter den Umständen sagen konnte, nur … Und als wir dann das nächste Mal kamen, waren sie wieder da, nur ein anderes Paar, und als ich versucht habe, sie fortzuschicken, haben sie gesagt, Bird hätte ihnen aufgetragen zu sagen, es sei um meines Schwures willen, denn was nützte ein Schwur, dessen Einhaltung mich nichts kostete. Und der Teufel soll mich holen, wenn ich weiß, ob es ihm damit ernst ist oder ob er nur glaubt, dass ich entweder nachgebe und er mich damit in der Hand hat, oder dass ich ihm seine Gewehre besorge, um der Sache ein Ende zu setzen – oder macht er sich nur auf meine Kosten lustig? Selbst Ian sagt, er weiß es nicht, und wenn er –«
»Jamie«, unterbrach ich ihn, »wovon redest du?«
Er streifte mich mit einem raschen Blick und wandte ihn wieder ab.
»Äh … von nackten Frauen«, platzte er heraus und wurde so rot wie ein Stück neuer Flanellstoff.
Ich starrte ihn einen Augenblick an. Ich hatte zwar leichtes Ohrensausen, aber hören konnte ich trotzdem gut. Ich zeigte mit dem Finger auf ihn – vorsichtig, weil all meine Finger blau geschwollen waren.
»Du«, sagte ich in gemäßigtem Tonfall, »komm sofort her. Setz dich hierhin –«, ich wies neben mir auf das Bett, »– und erkläre mir in Worten, die nicht mehr als eine Silbe haben, was du getan hast.«
Das tat er, mit dem Ergebnis, dass ich fünf Minuten später flach auf dem Bett lag und vor Lachen keuchte, gleichzeitig stöhnte, weil meine angeknacksten Rippen schmerzten, und mir die Tränen über die Schläfen in die Ohren liefen.
»Ogottogottogott«, keuchte ich. »Das ertrage ich nicht, wirklich nicht. Hilf mir, mich hinzusetzen.« Ich hielt ihm die Hand hin, jaulte vor Schmerzen auf, als sich seine Finger um mein aufgescheuertes Handgelenk schlossen, richtete mich jedoch schließlich auf und beugte mich vor, ein Kissen vor meinen Bauch gedrückt, das ich jedes Mal fester drückte, wenn mich ein neuer Lachanfall schüttelte.
»Ich bin froh, dass du das so komisch findest, Sassenach«, sagte Jamie extrem trocken. Er selbst hatte die Fassung weitgehend zurückerlangt, obwohl sein Gesicht noch gerötet war. »Bist du sicher, dass du keinen hysterischen Anfall hast?«
»Nein, ganz und gar nicht.« Ich zog die Nase hoch und betupfte mir die Augen mit einem feuchten Leinentaschentuch, dann prustete ich erneut auf, weil ich nicht an mich halten konnte. »Oh! Au, Gott, das tut weh.«
Seufzend goss er mir einen Becher Wasser aus der Feldflasche neben dem Bett ein und hielt ihn mir an die Lippen. Es war kühl, aber ziemlich schal; ich hatte den Eindruck, dass es schon dort gestanden hatte, bevor …
»Na schön«, sagte ich. Ich schob den Becher beiseite und tupfte mir sorgfältig die Feuchtigkeit von den Lippen. »Es geht mir besser.« Ich atmete flach und spürte, wie sich mein Herzschlag zu verlangsamen begann. »Nun. Also. Jetzt weiß ich wenigstens, warum du immer, wenn du von den Cherokee zurückkommst, so – so –« Ich spürte ein haltloses Kichern aufsteigen und beugte mich stöhnend vor, um es zu unterdrücken. »Ach, du lieber Himmel. Und ich dachte, es wäre der Gedanke an mich gewesen, der dich vor Lust wahnsinnig gemacht hat.«
Da prustete er selbst, wenn auch nur schwach. Er stellte den Becher hin, erhob sich und schlug die Bettdecke zurück. Dann sah er mich an, und sein Blick war klar und unverstellt.
»Claire«, sagte er ganz sanft, »es war der Gedanke an dich. Er war es immer, und er wird es immer sein. Geh ins Bett und mach die Kerze aus. Sobald ich die Fensterläden geschlossen, das Kaminfeuer abgedeckt und die Tür verriegelt habe, komme ich und halte dich warm.«
»Töte mich.« In Randalls Augen brannte das Fieber. »Töte mich«, sagte er. »Mein größter Wunsch.«
Er erwachte ruckartig – hörte das Echo der Worte in seinem Kopf, sah die Augen, sah das regenverklebte Haar, Randalls Gesicht, nass wie das eines Ertrunkenen.
Er rieb sich selbst fest mit der Hand über das Gesicht, überrascht, dass seine Haut trocken war, sein Bart nicht mehr als ein Schatten. Das Gefühl von Nässe, des juckenden, schuppigen Bartwuchses eines ganzen Monats waren noch so stark, dass er aufstand, instinktiv leise, und zum Fenster ging, wo Mondlicht durch die Ritzen des Fensterladens fiel. Er goss etwas Wasser in die Schüssel, schob die Schüssel an eine Stelle, auf die Licht fiel, und blickte hinein, um sich von diesem hartnäckigen Gefühl zu befreien, jemand anderes zu sein, irgendwo anders zu sein.
Das Gesicht im Wasser war nicht mehr als ein ausdrucksloses Oval, aber glatt rasiert, und das Haar lag lose auf den Schultern, war nicht für die Schlacht zusammengebunden. Und doch kam es ihm vor wie das Gesicht eines Fremden.