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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ich bitte um Verzeihung, Mistress. Ich würde hier nicht so eindringen, aber …«

Ich war schon dabei, die Hand auszuwickeln. Er hatte sich den Einschnitt aufgerissen – wahrscheinlich, so begriff ich mit einem kleinen Krampf im Bauch, im Lauf des Kampfes mit den Banditen. Die aufgeplatzte Wunde stellte kein großes Problem dar, doch es war Schmutz in die Wunde geraten, deren Ränder rot klafften, und die rohen Oberflächen waren mit einem Eiterfilm überzogen.

»Ihr wärt besser sofort gekommen«, sagte ich, doch lag nichts Tadelndes in meiner Stimme. Ich wusste sehr genau, warum er das nicht getan hatte – und ich wäre auch gar nicht in der Lage gewesen, mich um ihn zu kümmern, wenn er früher aufgetaucht wäre.

Er zuckte kurz mit den Achseln, bemühte sich jedoch nicht um eine Antwort. Ich wies ihm einen Platz zum Hinsetzen an und holte die notwendigen Utensilien. Zum Glück war noch etwas von der antiseptischen Salbe übrig, die ich für Jamies Splitter angerührt hatte. Das, eine schnelle Spülung mit Alkohol, ein sauberer Verband …

Er blätterte langsam mit gespitzten Lippen die Seiten von Tom Jones durch. Offenbar reichte Henry Fielding heute als Narkosemittel aus; es würde nicht nötig sein, dass ich eine Bibel holte.

»Lest Ihr gern Romane?«, fragte ich. Ich meinte es nicht unhöflich, sondern war lediglich überrascht, dass er nur einen Gedanken an etwas so Frivoles verschwendete.

Er zögerte. »Ja. Ich – ja.« Er holte sehr tief Luft, als ich seine Hand in die Schale tauchte, aber diese enthielt nur Wasser, Seifenwurz und eine geringe Menge Alkohol, und er atmete mit einem Seufzer wieder aus.

»Habt Ihr Tom Jones schon gelesen?«, fragte ich, damit er sich im Gespräch entspannte.

»Nicht ganz, obwohl ich die Handlung kenne. Meine Frau –«

Er hielt abrupt inne. Er hatte seine Frau noch nie erwähnt; ich vermutete, dass es die schiere Erleichterung über die ausbleibenden Schmerzen war, die ihn so redselig machte. Doch er schien zu begreifen, dass er den Satz beenden musste, und fuhr widerstrebend fort. »Meine Frau … hat gern gelesen.«

»Ach ja?«, murmelte ich und begann mit dem Debridement, also dem Ausschneiden der Wunde. »Hat es ihr gefallen?«

»Ich gehe davon aus.«

Es lag ein seltsamer Unterton in seiner Stimme, der mich von meiner Arbeit aufsehen ließ. Er merkte es und wandte errötend den Blick ab.

»Ich – habe die Lektüre von Romanen nicht gebilligt. Damals.«

Er schwieg eine Minute und hielt seine Hand still. Dann platzte er heraus: »Ich habe ihre Bücher verbrannt.«

Das klang schon eher nach der Art von Reaktion, die ich von ihm erwartet hätte.

»Darüber kann sie aber nicht sehr erfreut gewesen sein«, sagte ich leise, und er betrachtete mich verblüfft, als sei die Reaktion seiner Frau derart irrelevant, dass sie keine Erwähnung verdiente.

»Äh … was hat Euch denn bewegt, Eure Meinung zu ändern?«, fragte ich, während ich mich auf die Schmutzpartikel konzentrierte, die ich mit der Pinzette aus der Wunde pickte. Splitter und Rindenfasern. Was hatte er nur getan? Einen Knüppel geschwungen, dachte ich – einen Ast? Ich atmete tief durch und konzentrierte mich angestrengt auf meine Arbeit, um nur ja nicht an die Toten auf der Lichtung zu denken.

Er bewegte unruhig die Beine; jetzt verursachte ich ihm doch leichte Schmerzen.

»Ich – es – in Ardsmuir.«

»Was? Ihr habt es im Gefängnis gelesen?«

»Nein. Dort hatten wir keine Bücher.« Er holte angestrengt Luft, sah mich an, wandte dann den Blick ab und richtete ihn auf eine Zimmerecke, in der eine unternehmungslustige Spinne Mrs. Bugs Abwesenheit ausgenutzt hatte, um ein Netz zu beginnen.

»Eigentlich habe ich es nie selbst gelesen. Aber Mr. Fraser hat es sich zur Angewohnheit gemacht, den Gefangenen die Geschichte zu erzählen. Er hat ein gutes Gedächtnis«, fügte er neidisch hinzu.

»Ja, das stimmt«, murmelte ich. »Ich werde die Wunde nicht nähen; es wird besser sein, sie offen zu lassen, damit die Flüssigkeit ablaufen kann. Es gibt leider keine so ordentliche Narbe«, fügte ich bedauernd hinzu, »aber ich denke, sie wird gut verheilen.«

Ich trug reichlich Salbe auf die Verletzung auf und zog die Wundränder so dicht zusammen, wie ich es konnte, ohne die Blutzufuhr abzuschnüren. Brianna hatte mit selbstklebenden Pflastern herumexperimentiert und etwas ganz Nützliches zustande gebracht – kleine schmetterlingsförmige Läppchen aus gestärktem Leinen und Kiefernteer.

»Dann hat Euch Tom Jones also gefallen, ja?«, kehrte ich zum Thema zurück. »Ich hätte nicht gedacht, dass Ihr ihn für einen bewundernswerten Charakter halten würdet. Ich meine, er ist kein besonderes moralisches Vorbild.«

»Das tue ich auch nicht«, sagte er unverblümt. »Aber ich habe eingesehen, dass Romanliteratur –«, er sprach das Wort vorsichtig aus, als sei es gefährlich, »– vielleicht doch nicht nur zu Untätigkeit und Verruchtheit verleitet, wie ich gedacht hatte.«

»Ach, nein?«, sagte ich belustigt, versuchte aber aus Rücksicht auf meine Lippe, nicht zu lächeln. »Was sind denn Eurer Meinung nach ihre rettenden Vorzüge?«

»Aye, nun ja.« Er runzelte nachdenklich die Stirn. »Ich fand es höchst bemerkenswert. Dass etwas, das im Grunde nicht mehr ist als ein Lügengespinst, es irgendwie doch zu einer nützlichen Wirkung brachte. Denn so ist es gewesen«, schloss er und klang überrascht.

»Tatsächlich? Inwiefern?«

Er legte den Kopf schief und überlegte.

»Es bot natürlich Ablenkung. Unter solchen Umständen ist Ablenkung nichts Böses« versicherte er mir. »Zwar ist es natürlich erstrebenswerter, sich ins Gebet zu flüchten …«

»Oh, natürlich«, murmelte ich.

»Aber darüber hinaus … hat es die Männer zusammengeschweißt. Man würde ja nicht glauben, dass sich solche Männer – Highlander, Bauern – mit … solchen Situationen, solchen Personen identifizieren würden.« Er wies mit der freien Hand auf das Buch und damit auf solche Personen wie Squire Allworthy und Lady Bellaston, vermutete ich.

»Aber sie haben sich stundenlang darüber unterhalten – sich am nächsten Tag bei der Arbeit gefragt, warum sich Junker Northerton gegenüber Miss Western so verhalten hatte, wie er es getan hatte, und darüber diskutiert, ob sie sich wohl selbst genauso verhalten hätten.« Sein Gesicht erhellte sich ein wenig, als er sich an etwas erinnerte. »Und irgendwann kam regelmäßig der Punkt, an dem ein Mann den Kopf geschüttelt und gesagt hat: ›Zumindest hat mich so noch niemand behandelt!‹ Er mochte hungrig sein und frieren, mit Wunden übersät und für immer von seiner Familie und seiner gewohnten Umgebung getrennt sein – und doch fand er Trost darin, niemals die Wechselhaftigkeit durchgestanden haben zu müssen, die diesen imaginären Wesen widerfuhr!«

Er lächelte tatsächlich bei diesem Gedanken und schüttelte den Kopf, und ich fand, dass ihm das Lächeln sehr gut stand.

Ich war fertig und legte seine Hand auf den Tisch.

»Danke«, sagte ich leise.

Er machte ein verblüfftes Gesicht.

»Was? Wofür?«

»Ich vermute, dass diese Verletzung das Resultat eines K-Kampfes um meinetwillen gewesen ist«, stotterte ich. Ich berührte sacht seine Hand. »Ich, äh … nun ja.« Ich holte tief Luft. »Danke.«

»Oh.« Jetzt sah er völlig bestürzt und sehr verlegen aus.

»Ich … erm … hmm!« Er schob den Hocker zurück und erhob sich nervös.

Ich erhob mich ebenfalls. »Ihr müsst die Salbe täglich frisch auftragen«, informierte ich ihn, jetzt wieder in geschäftsmäßigem Tonfall. »Ich rühre noch eine Portion an; Ihr könnt sie holen oder Eure Tochter schicken.«

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