Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich kannte einmal eine Frau in Kirkcaldy, der hat eine Kuh ins Gesicht getreten«, sagte sie und beäugte mich nach wie vor kritisch, während sie den Kaffee auftrug. »Hat ihre Vorderzähne verloren, die Arme, und seitdem hat ihre Nase zur Seite gezeigt, so.« Sie bog sich zur Demonstration selbst die Nase mit dem Zeigefinger scharf zur Seite und schob gleichzeitig die Oberlippe unter die Unterlippe, um Zahnlosigkeit anzudeuten.
Ich fasste mir vorsichtig an den Nasenrücken, doch er war beruhigenderweise gerade, wenn auch stark geschwollen.
»Und dann war da noch William MacCrea aus Balgownie, der hat mit meinem Arch in Sheriffsmuir gekämpft. Ist einer englischen Pike in die Quere gekommen und ist dabei den halben Kiefer und den Großteil seiner Nase losgeworden! Arch sagt, man konnte ihm direkt in die Speiseröhre und ins Hirn sehen – aber er hat überlebt. Hat sich fast nur noch von Porridge ernährt«, fügte sie hinzu. »Und von Whisky.«
»Was für eine gute Idee«, sagte ich und legte den angeknabberten Muffin beiseite. »Ich glaube, ich hole mir auch welchen.«
Ich nahm meine Tasse mit und entfloh, so schnell ich konnte, durch den Flur in mein Sprechzimmer, während sie mir die Geschichte von Dominic Mulroney hinterherrief, der mit dem Gesicht vor eine Kirchentür in Edinburgh gelaufen war, obwohl er doch gerade stocknüchtern war …
Ich schloss die Tür des Sprechzimmers hinter mir, öffnete das Fenster, um den restlichen Kaffee hinauszuschütten, dann nahm ich die Flasche vom Regal und füllte meine Tasse bis zum Rand.
Ich hatte vorgehabt, mich bei Mrs. Bug erneut nach Lionel Browns Gesundheitszustand zu erkundigen, doch … das konnte wohl warten. Ich stellte fest, dass meine Hände wieder zitterten, und musste sie ein paar Sekunden flach auf den Tisch drücken, um sie ruhig zu stellen, bevor ich die Tasse ergreifen konnte.
Ich holte tief Luft und trank einen Schluck Whisky. Noch einen. Ja, das war besser.
Ich wurde immer noch dann und wann von kleinen Wellen grundloser Panik ergriffen. Bis jetzt war ich heute Morgen davon verschont geblieben und hatte schon gehofft, sie wären vorbei. Offensichtlich jedoch noch nicht ganz.
Ich nippte an meinem Whisky, tupfte mir den kalten Schweiß von der Stirn und sah mich nach einer sinnvollen Tätigkeit um. Malva und ich hatten gestern frisches Penizillin angesetzt und Wasserhanf- und Zahnlilientinktur hergestellt, dazu Enziansalbe.
Am Ende blätterte ich langsam in meinem großen schwarzen Notizbuch, nippte an meinem Whisky und brütete über Seiten, die von diversen schrecklichen Komplikationen bei Geburten berichteten.
Mir war zwar klar, was ich da tat, doch ich schien nicht in der Lage zu sein, es zu lassen. Ich war nicht schwanger. Dessen war ich mir sicher. Und doch fühlte sich mein Bauch sensibel an, entzündet, und ich war durch und durch verstört.
Oh, da war eine lustige Stelle; einer von Daniel Rawlings’ Einträgen, der eine Sklavin in den mittleren Jahren beschrieb, die an einer Rektovaginalfistel litt, durch die ständig ein kleines Fäkalienrinnsal in ihre Vagina lief.
Solche Fisteln wurden durch Risse während der Geburt hervorgerufen und kamen häufiger bei sehr jungen Mädchen vor, bei denen die Anstrengungen einer langen Wehentätigkeit zu Rissen führten – oder bei älteren Frauen, deren Gewebe nicht mehr so elastisch war. Natürlich bestand bei älteren Frauen die Wahrscheinlichkeit, dass mit diesem Schaden ein vollständiger Vorfall des Perineums einherging, bei dem Gebärmutter, Blase – und der Vollständigkeit halber auch der Anus – durch den Beckenboden sackten.
»Was für ein großes Glück, dass ich nicht schwanger bin«, sagte ich laut und klappte das Buch fest zu. Vielleicht versuchte ich es besser erneut mit Don Quichote.
Im Großen und Ganzen war es eine außerordentliche Erleichterung, als Malva Christie gegen Mittag an die Tür klopfte.
Sie warf einen flüchtigen Blick auf mein Gesicht, doch da sie mich tags zuvor schon gesehen hatte, nahm sie mein Aussehen kommentarlos zur Kenntnis.
»Was macht die Hand Eures Vaters?«, fragte ich.
»Oh, sie heilt gut, Ma’am«, erwiderte sie schnell. »Ich habe sie mir angesehen, wie Ihr gesagt habt, aber es sind keine roten Streifen da, kein Eiter und nur eine leichte Rötung direkt neben dem Schnitt. Ich habe ihn mit den Fingern wackeln lassen, wie Ihr es aufgetragen habt«, fügte sie hinzu, und ein Grübchen tauchte kurz auf ihrer Wange auf. »Er wollte es nicht und hat sich angestellt, als hätte ich ihn mit Dornen gestochen – aber er hat es getan.«
»Oh, gut gemacht!«, sagte ich und klopfte ihr auf die Schulter, woraufhin sie vor Freude rot wurde.
»Ich finde, damit habt Ihr Euch ein Honigbrötchen verdient«, fügte ich hinzu, da mir das herrliche Backaroma in die Nase stieg, das seit einer Stunde aus der Küche durch den Flur wehte. »Kommt mit.«
Doch als wir in den Flur traten und uns der Küche zuwandten, hörte ich hinter uns ein seltsames Geräusch. Draußen erklang ein kurioses Pochen und Schleifen, als trampelte ein großes Tier über die unterhöhlten Bretter der Eingangstreppe.
»Was ist das?«, sagte Malva und sah sich alarmiert um.
Lautes Stöhnen antwortete ihr, gefolgt von einem Rumpeln, das die Haustür erschütterte, als etwas dagegen fiel.
»Jesus, Maria und Josef!« Mrs. Bug kam aus der Küche geschossen und bekreuzigte sich. »Was ist denn das?«
Mein Herz hatte bei den Geräuschen zu rasen begonnen, und mein Mund wurde trocken. Etwas Großes, Dunkles blockierte den Lichtstreifen, der unter der Tür hindurchfiel, und abgehacktes Atmen, das von Stöhnlauten unterbrochen wurde, war deutlich zu hören.
»Nun, was es auch immer ist, es ist krank oder verletzt«, sagte ich. »Bleibt hier stehen.« Ich wischte mir die Hände an der Schürze ab, schluckte, trat vor und zog die Tür auf.
Im ersten Moment erkannte ich ihn gar nicht; er war nicht mehr als ein Haufen wunder Haut, wilder Haare und zerlumpter, schmutzverschmierter Kleider. Doch dann kämpfte er sich auf ein Knie hoch, hob keuchend den Kopf und zeigte mir sein leichenblasses, schweißglänzendes Gesicht, das voller blauer Flecken war.
»Mr. Brown?«, sagte ich ungläubig.
Sein Blick war glasig; ich war mir nicht sicher, ob er mich überhaupt sah, doch meine Stimme erkannte er eindeutig, denn er bewegte sich ruckartig auf mich zu und hätte mich beinahe umgeworfen. Ich trat abrupt zurück, doch er bekam meinen Fuß zu fassen, hielt sich daran fest und rief: »Gnade! Mistress, habt Erbarmen mit mir, ich flehe Euch an!«
»Was zum – lasst los. Loslassen, sage ich!« Ich bewegte meinen Fuß, um ihn abzuschütteln, doch er klebte wie eine Klette daran und rief weiter um Gnade, ein heiserer, verzweifelter Singsang.
»Oh, Ruhe jetzt, Mann«, sagte Mrs. Bug gereizt. Nachdem sie sich vom Schreck seines Eindringens erholt hatte, war sie von seinem Erscheinen nicht aus der Fassung zu bringen, wenn es sie auch beträchtlich zu ärgern schien.
Lionel Brown gab keine Ruhe, sondern fuhr trotz meiner Versuche, ihn zu beruhigen, fort, mich um Gnade anzuflehen. Er wurde unterbrochen, als sich Mrs. Bug mit einem großen Fleischhammer in der Hand an mir vorbeidrängte und Mr. Brown einen kräftigen Hieb auf den Kopf verpasste. Er verdrehte die Augen und fiel ohne ein weiteres Wort vornüber aufs Gesicht.
»Ich bedaure wirklich, Mrs. Fraser«, sagte Mrs. Bug entschuldigend. »Es ist mir unerklärlich, wie er entwischt ist, ganz zu schweigen davon, wie er den ganzen Weg bis hierher schaffen konnte!«
Ich wusste auch nicht, wie er entwischt war, aber es war völlig klar, wie er sich vorwärtsbewegt hatte – er war gekrochen und hatte sein gebrochenes Bein hinter sich hergezogen. Seine Hände und Beine waren zerkratzt und blutig, seine Hose hing in Fetzen, und er war mit Schlammspuren übersät und hatte überall Gras und Laub kleben.