Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Aus der Ruhe gebracht, ließ er das Wasser in der Schüssel und ging auf leisen Sohlen zum Bett zurück.
Sie schlief. Er hatte nicht einmal an sie gedacht, als er erwachte, doch jetzt beruhigte ihn ihr Anblick. Dieses Gesicht kannte er, obwohl es so geschunden und geschwollen war.
Er legte die Hand auf das Bett und spürte das beruhigend greifbare Holz. Manchmal ließ ihn ein Traum nach dem Aufwachen nicht in Ruhe, und die reale Welt erschien ihm geisterhaft und blass. Manchmal hatte er Angst, er wäre ein Geist.
Doch die Laken legten sich kühl auf seine Haut, und Claires Wärme gab ihm Sicherheit. Er streckte die Hand nach ihr aus, und sie drehte sich um, schmiegte sich mit einem leisen, zufriedenen Seufzer mit dem Rücken an ihn, und ihr runder Hintern presste sich fest gegen ihn.
Sie schlief sofort wieder ein; sie war gar nicht richtig wach geworden. Es drängte ihn, sie zu wecken, damit sie mit ihm sprach – nur um ganz sicher zu sein, dass sie ihn sehen konnte, ihn hören konnte. Doch er hielt sie einfach nur fest und behielt über ihren Lockenkopf hinweg die Tür im Auge, so als könnte sie sich öffnen, und als könnte Jack Randall dort stehen, nass und triefend.
Töte mich, hatte er gesagt. Mein größter Wunsch.
Sein Herz schlug langsam und hallte in seinem Ohr wider, das er gegen das Kissen gedrückt hatte. Manchmal lauschte er des Nachts beim Einschlafen darauf, beruhigt durch das satte, monotone Pochen. Manchmal, so wie jetzt, hörte er stattdessen die Totenstille zwischen den Schlägen – jene Stille, die uns alle geduldig erwartet.
Er hatte die Bettdecke über sich gezogen, schob sie jetzt aber wieder zurück, so dass Claire zugedeckt war, sein Rücken aber entblößt war, der Kühle des Zimmers ausgesetzt, damit er nicht gewärmt in den Schlaf glitt und riskierte, dass der Traum wiederkehrte. Sollte der Schlaf doch mit der Kälte um ihn ringen und ihn schließlich von der Klippe des Bewusstseins reißen, in die Tiefe des schwarzen Vergessens.
Denn er wollte nicht wissen, was Randall mit diesen Worten gemeint hatte.
Kapitel 32
Der Galgen ist viel zu schade
Am nächsten Morgen war Mrs. Bug wieder in der Küche, und Kochgerüche durchzogen die warme Luft. Sie verhielt sich ganz normal, und abgesehen von einem Blick auf mein Gesicht und einem »Tsk!«, schien sie mich nicht bemuttern zu wollen. Entweder besaß sie mehr Taktgefühl, als ich gedacht hatte, oder Jamie hatte mit ihr geredet.
»Hier, a muirninn, esst das, solange es noch warm ist.« Mrs. Bug ließ ein Häufchen Truthahnpfanne auf meinen Teller gleiten und krönte das Ganze geschickt mit einem Spiegelei.
Ich nickte dankend und griff ohne große Begeisterung nach meiner Gabel. Mein Kiefer schmerzte noch so, dass ich nur sehr langsam und qualvoll essen konnte.
Das Ei war kein Problem, aber mir hing ein kräftiger, fettiger Geruch nach verbrannten Zwiebeln in der Nase. Ich trennte ein Kartoffelstückchen aus dem Berg heraus und zerdrückte es mit der Zunge an meinem Gaumen, anstatt es zu kauen, bevor ich es mit einem Schluck Kaffee hinunterspülte.
Mehr um mich abzulenken, als weil ich es wirklich wissen wollte, fragte ich: »Und wie geht es Mr. Brown heute Morgen?«
Sie presste die Lippen aufeinander, und sie klatschte ihre Bratkartoffeln in die Pfanne, als wären sie Browns Gehirn.
»Nicht halb so schlecht, wie es ihm gehen sollte«, zischte sie. »Der Galgen ist viel zu schade für ihn, diesen alten, vor Würmern wimmelnden Misthaufen.«
Ich spuckte das Kartoffelstückchen aus, das ich gerade durch die Mangel drehte, und trank hastig noch einen Schluck Kaffee. Der traf meinen Magen und kam sofort wieder hoch. Ich schob die Bank zurück und hielt auf die Tür zu, die ich gerade noch rechtzeitig erreichte, um mich in den Brombeerbusch zu übergeben. Ich spuckte Kaffee, Galle und Spiegelei.
Mir war dumpf bewusst, dass Mrs. Bug ängstlich in der Tür stand, und winkte sie mit einer Hand beiseite. Sie zögerte kurz, trollte sich dann aber wieder in die Küche, als ich aufstand und zum Brunnen ging.
Das gesamte Innere meines Kopfes schmeckte nach Kaffee und Galle, und in meiner Nase biss es fürchterlich. Es fühlte sich so an, als blutete meine Nase wieder, doch als ich sie zögernd mit dem Finger berührte, stellte ich fest, dass dem nicht so war. Vorsichtiges Ausspülen mit Wasser reinigte meinen Mund und vertrieb den ekelhaften Geschmack ein wenig – konnte aber die Panik nicht ertränken, die der Übelkeit auf dem Fuße gefolgt war.
Ich hatte plötzlich den deutlichen und durch und durch bizarren Eindruck, keine Haut mehr zu haben. Meine Beine wackelten, und ohne mich um Splitter zu kümmern, setzte ich mich auf den Baumstumpf, auf dem wir unser Brennholz spalteten.
Ich kann’s nicht, dachte ich. Ich kann es einfach nicht.
Ich saß auf dem Hackklotz, und mir fehlte der Antrieb aufzustehen. Ich konnte meine Gebärmutter spüren, ganz deutlich. Ein kleines, rundes Gewicht in meinem Unterbauch, das sich schwach geschwollen und sehr empfindlich anfühlte.
Nichts, dachte ich mit aller Entschlossenheit, die ich aufbringen konnte. Völlig normal. An einem bestimmten Punkt in meinem Zyklus fühlt sie sich regelmäßig so an. Und nach dem, was wir getan hatten, Jamie und ich … nun, kein Wunder, wenn ich mir meiner Einzelbestandteile immer noch bewusst war. Natürlich hatten wir es letzte Nacht nicht getan; ich hatte mir nur gewünscht, dass er mich festhielt. Andererseits wäre ich vor Lachen fast geplatzt. Auch jetzt entfuhr mir bei dem Gedanken an Jamies Beichte ein kurzer Lacher. Es schmerzte, und ich umklammerte meine Rippen, fühlte mich aber etwas besser.
»Nun, zum Kuckuck damit«, sagte ich laut und stand auf. »Ich habe zu tun.«
Angetrieben durch diese tapfere Absichtserklärung, holte ich meinen Korb und mein Messer, sagte Mrs. Bug, dass ich gehen würde, und brach zum Haus der Christies auf.
Ich würde nach Toms Hand sehen und Malva fragen, ob sie mit mir kommen würde, um Ginsengwurzeln zu suchen – und was uns sonst noch an Nützlichem unterkam. Sie war eine gute Schülerin, die genau beobachten konnte, schnell begriff und ein gutes Pflanzengedächtnis hatte. Und ich wollte ihr beibringen, wie man Penizillin-Kolonien anlegte. In meiner Sammlung feuchter, schimmliger Abfälle herumzufingern, würde mir guttun. Ich ignorierte den leichten Brechreiz, der sich bei diesem Gedanken regte, und hob mein geschundenes Gesicht in die Morgensonne.
Und ich würde mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, was Jamie mit Lionel Brown vorhatte.
Kapitel 33
In welchem Mrs. Bug Hand anlegt
Am nächsten Morgen ging es mir um einiges besser. Mein Magen hatte sich beruhigt, und auch emotional fühlte ich mich wieder belastbarer; eine gute Sache, da Jamies Warnungen gegenüber Mrs. Bug, mich in Ruhe zu lassen, eindeutig nicht mehr wirkten.
Alles schmerzte weniger, und meine Hände sahen wieder fast normal aus – aber ich war immer noch schrecklich müde, und eigentlich tat es sogar ausgesprochen gut, meine Füße auf die Kaminbank zu legen und mir eine Tasse heißen Kaffee nach der anderen bringen zu lassen – der Tee ging uns allmählich aus, und für die nächsten Jahre standen die Chancen, dass wir neuen bekamen, nicht sehr gut – und dazu schälchenweise Reispudding mit Rosinen.
»Und Ihr seid Euch ganz sicher, dass Euer Gesicht sich wieder in etwas verwandeln wird, das wie ein Gesicht aussieht, ja?« Mrs. Bug reichte mir einen frischen Muffin, von dem Butter und Honig trieften, und sah mich mit gespitzten Lippen skeptisch an.
Ich war versucht, sie zu fragen, wonach denn das Ding an der Vorderseite meines Kopfes jetzt aussah, doch ich war mir ziemlich sicher, dass ich die Antwort nicht hören wollte. Stattdessen begnügte ich mich mit einem knappen »Ja« und der Bitte um noch etwas Kaffee.