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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ich nickte dumpf und beobachtete sie, wie sie nacheinander unter der großen Kastanie verschwanden, die den Weg zur Hütte der Bugs überwucherte. Ich stand mechanisch auf und begann, die Überreste des improvisierten Frühstücks wegzuräumen.

Ich war mir gar nicht sicher, ob mich Mr. Browns Schicksal besonders interessierte oder nicht. Einerseits missbilligte ich Folter und kaltblütigen Mord schon aus Prinzip. Andererseits … stimmte es zwar, dass Brown mich nicht persönlich vergewaltigt oder verletzt hatte und er in der Tat versucht hatte, Hodgepile zu meiner Freilassung zu bewegen – doch hinterher hatte er lauthals für meine Ermordung gestimmt. Und ich hegte nicht den geringsten Zweifel, dass er mich in der Schlucht ertränkt hätte, wenn Tebbe sich nicht eingemischt hätte.

Nein, dachte ich, während ich meine Tasse vorsichtig spülte und an meiner Schürze abtrocknete, vielleicht interessierte mich Mr. Brown wirklich nicht besonders.

Dennoch fühlte ich mich beklommen und aufgewühlt. Was mich eher interessierte, begriff ich, waren Ian und Fergus. Und Jamie. Es war schließlich so, dass es etwas anderes war, einen Mann in der Hitze des Gefechts umzubringen, als ihn zu exekutieren. Und ich wusste das. Wussten sie es auch?

Nun, Jamie schon.

»Und möge dein Schwur mich erlösen.« Das hatte er mir zugeflüstert, in der Nacht zuvor. Es war sogar das Letzte, was er gesagt hatte, woran ich mich erinnern konnte. Nun, schön und gut; aber ich hätte es doch vorgezogen, wenn das Bedürfnis nach Erlösung gar nicht erst entstand. Und was Ian und Fergus anging …

Fergus hatte in der Schlacht von Prestonpans gekämpft, als er zehn war. Ich konnte mich gut an das Gesicht des kleinen, französischen Waisenkindes erinnern, das mich rußverschmiert und benommen vor Schreck und Erschöpfung von einer eroberten Kanone herab ansah. Ich habe einen englischen Soldaten getötet, Milady, hatte er zu mir gesagt. Er ist gestürzt, und ich habe ihn mit meinem Messer erstochen.

Und Ian, der als Fünfzehnjähriger Reuetränen weinte, weil er glaubte, unabsichtlich einen Einbrecher in Jamies Druckerei umgebracht zu haben. Weiß Gott, was er seitdem alles getan hatte; er redete nicht darüber. Plötzlich sah ich Fergus’ Haken vor mir, mit dunklem Blut verklebt, und Ians Umriss in der Nacht. Und ich, hatte er Jamies Worte wiederholt. Ich bin es, der für sie tötet.

Es war 1773. Und am 18. April 1775 … Der Schuss, der um die Welt ging, wurde bereits geladen. Im Zimmer war es warm, doch ich erschauerte krampfhaft. Wovor in Gottes Namen glaubte ich, sie abschirmen zu können? Ganz gleich, wen von ihnen.

Plötzliches Gebrüll auf dem Dach ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken.

Ich ging vor die Tür, spähte nach oben und hielt mir zum Schutz gegen die Morgensonne eine Hand über die Augen. Jamie saß rittlings auf dem Dachfirst und wiegte sich vor und zurück. Dabei hielt er eine Hand an seinen Bauch gepresst.

»Was ist denn da oben los?«, rief ich.

»Ich habe mir einen Splitter eingefangen«, kam die gereizte Antwort, offenbar mit zusammengebissenen Zähnen.

Ich hätte gern gelacht, ließ es aber.

»Nun, dann komm herunter. Ich ziehe ihn dir heraus.«

»Ich bin aber noch nicht fertig!«

»Das ist mir egal!«, sagte ich und verlor plötzlich die Geduld mit ihm. »Komm sofort herunter. Ich will mit dir reden.«

Ein Beutel mit Nägeln fiel plötzlich klirrend ins Gras, und der Hammer folgte sofort.

Nun gut. Eins nach dem anderen.

Technisch gesehen war es wohl ein Splitter. Es war ein fünf Zentimeter langes Stück Zedernholz, und er hatte es vollständig unter den Nagel seines Mittelfingers getrieben, fast bis zum ersten Fingergelenk.

»Jesus H. Roosevelt Christ!«

»Aye«, pflichtete er mir etwas blass um die Nase bei. »So könnte man es formulieren.«

Das vorstehende Ende war zu klein, um es mit den Fingern zu packen. Ich zerrte ihn ins Sprechzimmer und riss den Splitter mit der Pinzette heraus, bevor jemand pieps sagen konnte. Jamie sagte eine ganze Menge mehr als pieps – zum Großteil auf Französisch, welches sich hervorragend zum Fluchen eignet.

»Du wirst den Nagel verlieren«, merkte ich an, während ich den verletzten Finger in eine kleine Schale mit Alkohol und Wasser tauchte. Blut quoll auf wie die Tinte eines Tintenfischs.

»Zum Teufel mit dem Nagel«, sagte er und knirschte mit den Zähnen. »Schneide den ganzen verdammten Finger ab, dann habe ich es hinter mir! Merde d’chèvre!«

»Bei den Chinesen war es üblich – oder nein, ich nehme an, sie tun es wohl immer noch –, den Leuten Bambussplitter unter die Fingernägel zu schieben, um sie zum Reden zu bringen.«

»Himmel! Tu me casses les couilles!«

»Offenbar eine sehr wirkungsvolle Technik«, sagte ich. Ich hob seine Hand aus der Schale und wickelte den Finger fest in einen Leinenstreifen. »Wolltest du sie ausprobieren, bevor du sie bei Lionel Brown einsetzt?« Ich versuchte, beiläufig zu klingen, und hielt meine Augen auf seine Hand gerichtet. Ich spürte, wie er seinen Blick auf mich heftete, und er schnaubte.

»Was in aller Welt hat der gute Ian dir erzählt, Sassenach?«

»Dass du vorhast, den Mann zu befragen – und Antworten zu bekommen.«

»So ist es, und das werde ich«, sagte er knapp. »Und?«

»Fergus und Ian schienen überzeugt zu sein, dass – du bereit sein könntest, jedes nötige Mittel zu ergreifen«, sagte ich sehr vorsichtig. »Sie brennen geradezu darauf, dir zu helfen.«

»Das kann ich mir vorstellen.« Der erste Schmerz hatte etwas nachgelassen. Er atmete jetzt tiefer, und sein Gesicht bekam allmählich wieder Farbe. »Fergus hat das Recht dazu. Es war seine Frau, die angegriffen worden ist.«

»Ian ist mir …« Ich zögerte, weil ich nach dem richtigen Wort suchte. Ian war mir so ruhig vorgekommen, dass es beängstigend war. »Du hast Roger nicht gebeten, dir bei dem – dem Verhör zu helfen?«

»Nein. Noch nicht.« Sein Mundwinkel verzog sich. »Roger Mac ist nicht der Richtige, um jemandem Angst zu machen, es sei denn, er ist wirklich in Rage. Er hat nichts Falsches an sich.«

»Wohingegen du, Ian und Fergus …?«

»Oh, aye«, sagte er trocken. »Gerissen wie die Schlangen, alle miteinander. Man braucht ja nur einen Blick auf Roger Mac zu werfen, um zu sehen, wie sicher die Welt in ihrer Zeit sein muss, auf ihn und die Kleine. Eigentlich tröstlich«, fügte er hinzu, und die Falte um seinen Mundwinkel vertiefte sich. »Zu wissen, dass alles besser wird, meine ich.«

Ich konnte sehen, dass er versuchte, das Thema zu wechseln, und das war kein gutes Zeichen. Ich prustete leise auf, doch das schmerzte in meiner Nase.

»Und du bist nicht in Rage? Ist es das, was du mir sagen willst?«

Er prustete seinerseits mit mehr Erfolg, antwortete aber nicht. Er legte den Kopf schief und sah mir zu, während ich mir ein quadratisches Stück Gaze zurechtlegte und anfing, getrocknete Beinwellblätter darauf zu zerreiben. Ich wusste nicht, wie ich ausdrücken sollte, was mir Kummer machte, doch er merkte eindeutig, dass es etwas gab.

»Wirst du ihn umbringen?«, fragte ich geradeheraus, während ich das Honigglas fixierte. Es war aus braunem Glas, und das Licht glühte hindurch, als sei es eine große Kugel aus klarem Bernstein.

Jamie saß still da und beobachtete mich. Obwohl ich nicht aufsah, konnte ich seinen spekulativen Blick spüren.

»Möglich«, sagte er.

Meine Hände hatten zu zittern begonnen, und ich presste sie auf die Tischplatte, um sie zur Ruhe zu bringen.

»Aber nicht heute«, fügte er hinzu. »Wenn ich ihn umbringe, werde ich es anständig machen.«

Ich war mir nicht sicher, ob ich hören wollte, wie seiner Meinung nach eine anständige Tötung aussah, aber er sagte es mir trotzdem.

»Wenn er von meiner Hand stirbt, wird es im Freien geschehen, vor Zeugen, die die Wahrheit kennen, und er wird aufrecht stehen und eine Waffe in der Hand haben. Ich will nicht, dass man sich erzählt, ich hätte einen wehrlosen Menschen getötet, ganz gleich, was für ein Verbrechen er begangen hat.«

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