Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Die Gefühle kochen immer noch hoch, wenn es um die Regulatoren geht«, erklärte Ian und schnitt sich stirnrunzelnd noch eine Scheibe Brot ab. »Die Browns haben sich der Regulation nicht angeschlossen; sie brauchten es nicht, weil der Sheriff ihr Vetter war und das halbe Berufungsgericht aus Browns oder aus Männern besteht, die mit Browns verheiratet sind.« Mit anderen Worten war die Korruption auf ihrer Seite gewesen.
Im Hinterland herrschten nach wie vor große Antipathien gegenüber den Regulatoren, obwohl die wichtigsten Anführer der Bewegung wie Hermon Husband und James Hunter die Kolonie verlassen hatten. In der Zeit nach der Schlacht von Alamance waren die meisten Regulatoren vorsichtiger geworden, wenn es darum ging, ihre Meinung zu sagen. Doch mehrere Regulatorenfamilien aus der Umgebung von Brownsville hatten ihrer Kritik gegenüber dem Einfluss der Browns auf die Lokalpolitik und -wirtschaft Ausdruck verliehen.
»Und Tige O’Brian war einer davon?«, fragte ich und spürte, wie das Brot in meinem Magen einen kleinen, harten Klumpen bildete. Jamie hatte mir erzählt, was aus den O’Brians geworden war – und ich hatte Rogers Gesicht bei seiner Rückkehr gesehen.
Jamie nickte, ohne von seiner Pastete aufzublicken.
»Auftritt Arvin Hodgepile«, sagte er und nahm einen kräftigen Bissen. Nachdem Hodgepile den Zwängen der britischen Armee geschickt entwischt war, indem er vorgab, bei dem Lagerhausbrand in Cross Creek gestorben zu sein, hatte er sich seinen Lebensunterhalt auf diverse unappetitliche Arten verdient. Und da Gleich und Gleich sich gern gesellt, hatte er schließlich eine Bande gleichgesinnter Verbrecher um sich geschart.
Diese Bande hatte klein angefangen, indem sie jeden ausraubte, der ihnen begegnete, Wirtshäuser überfiel und Ähnliches mehr. Derartiges Verhalten ist jedoch alles andere als unauffällig, und nachdem sich diverse Constabler, Sheriffs und Komitees für die Sicherheit an ihre Fersen geheftet hatten, hatten sie sich aus dem Vorgebirge zurückgezogen, wo sie angefangen hatten, und waren in die Berge gestiegen, wo sie isolierte Siedlungen und einzelne Höfe finden konnten. Außerdem hatten sie damit begonnen, ihre Opfer umzubringen, um Ärgernissen wie ihrer Identifizierung sowie der Verfolgung aus dem Weg zu gehen.
»Zumindest die meisten«, murmelte Ian. Er betrachtete das halb gegessene Ei in seiner Hand kurz, dann legte er es hin.
Während seiner Armeelaufbahn in Cross Creek hatte Hodgepile diverse Kontakte mit flussfahrenden Händlern und Küstenschmugglern geknüpft. Manche von ihnen handelten mit Fellen; andere mit allem, was ihnen Profit brachte.
»Und ihnen kam der Gedanke«, sagte Jamie und holte tief Luft, »dass Frauen, Mädchen und Jungen profitabler sind als beinahe alles andere – Whisky vielleicht ausgenommen.« Sein Mundwinkel zuckte, aber es war kein Lächeln.
»Unser Mr. Brown beharrt darauf, dass er nichts damit zu tun hatte«, fügte Ian mit zynischem Unterton hinzu. »Genauso wenig wie sein Bruder oder ihr Komitee.«
»Aber wie sind die Browns dann in Kontakt mit Hodgepiles Bande gekommen?«, fragte ich. »Und was haben sie mit den Menschen gemacht, die sie entführt haben?«
Die Antwort auf die erste Frage lautete, dass es der glückliche Ausgang eines verpfuschten Raubüberfalls war.
»Du erinnerst dich doch noch an Aaron Beardsleys Haus, aye?«
»O ja«, sagte ich und rümpfte die Nase bei dem Gedanken an diesen ekelhaften Schweinestall, um dann einen leisen Schrei auszustoßen und beide Hände vor mein gequältes Riechorgan zu schlagen.
Jamie sah mich an und steckte ein frisches Brotstück auf seine Röstgabel.
»Nun denn«, fuhr er fort, ohne auf meinen Einwand zu hören, dass ich satt war. »Die Browns haben es natürlich übernommen, als sie die Kleine adoptiert haben. Sie haben es sauber gemacht, es neu bestückt und es weiter als Handelsposten benutzt.«
Die Cherokee und die Catawba waren schon dorthin gekommen – so schauderhaft es dort war –, als Aaron Beardsley noch als Indianerhändler arbeitete, und sie hatten auch mit den neuen Inhabern weiter Geschäfte gemacht – ein Arrangement, das allen Beteiligten sehr entgegenkam.
»Und das hat Hodgepile gesehen«, warf Ian ein. Hodgepiles Bande war getreu ihrer üblichen Brachialmethode, Geschäfte zu machen, in das Haus spaziert, hatte das Verwalterehepaar erschossen und mit einer systematischen Plünderung begonnen. Die elfjährige Tochter des Ehepaars, die zum Glück in der Scheune war, als die Bande eintraf, war auf ein Maultier geklettert und wie der Teufel nach Brownsville geritten, um Hilfe zu holen. Wie es das Schicksal wollte, war sie dem Komitee begegnet, das gerade von einer Erledigung zurückkehrte, und hatte es rechtzeitig zum Haus geführt, um den Räubern Paroli zu bieten.
Das hatte zu etwas geführt, was man in späteren Jahren als Patt-Situation bezeichnen würde. Die Browns hatten das Haus umzingelt. Hodgepile dagegen hatte Alicia Beardsley Brown in seiner Gewalt – das zweijährige Mädchen, das die rechtmäßige Eigentümerin des Handelspostens war und nach dem Tod seines Vaters von den Browns adoptiert worden war.
Hodgepile hatte genug Lebensmittel und Munition im Haus, um einer wochenlangen Belagerung zu trotzen; den Browns widerstrebte es, ihr wertvolles Eigentum in Brand zu setzen, um ihn ins Freie zu treiben, oder das Leben des Mädchens durch eine Erstürmung zu gefährden. Nachdem beide Seiten ein oder zwei Tage planlos in die Gegend geschossen hatten und die Browns zunehmend gereizt wurden, weil sie im Wald rings um das Haus übernachten mussten, hatte jemand im ersten Stock eine weiße Fahne geschwenkt, und Richard Brown hatte sich hineinbegeben, um mit Hodgepile zu verhandeln.
Das Ergebnis war ein auf Argwohn basierendes Abkommen gewesen. Hodgepiles Bande würde ihre Aktivitäten fortsetzen, sich dabei aber von Siedlungen fernhalten, die unter dem Schutz der Browns standen. Den Ertrag ihrer Raubzüge würde sie zum Handelsposten bringen, wo man ihn unauffällig und profitabel absetzen konnte. Hodgepiles Bande würde eine großzügige Gewinnbeteiligung erhalten.
»Den Ertrag«, sagte ich und nahm ein frisches Stück Toast von Jamie entgegen. »Das – meinst du, Gefangene?«
»Manchmal.« Seine Lippen pressten sich fest zusammen, und er schenkte mir einen Becher Cidre ein und reichte ihn mir. »Je nachdem, wo sie gerade waren. Wenn sie in den Bergen Gefangene machten, wurden diese manchmal über den Handelsposten an die Indianer verkauft. Gefangene aus dem Vorgebirge verkauften sie an Flusspiraten oder brachten sie an die Küste, um sie auf die Westindischen Inseln zu verkaufen – das brachte den besten Preis, aye? Ein vierzehnjähriger Junge brachte ihnen mindestens hundert Pfund ein.«
Meine Lippen waren taub, und das nicht nur vom Cidre.
»Wie lange?«, fragte ich angewidert. »Wie viele?« Kinder, junge Männer, junge Frauen, aus ihren Häusern gerissen und kaltblütig in die Sklaverei verkauft. Niemand, der ihnen hätte folgen können. Selbst wenn es ihnen irgendwann gelang zu entfliehen, gab es keinen Ort – keinen Menschen – mehr, an den – oder zu dem – sie zurückkehren konnten.
Jamie seufzte, er sah unaussprechlich müde aus.
»Brown weiß es nicht«, sagte Ian leise. »Sagt er. Er sagt, damit hatte er nichts zu tun.«
»Das kann er sonst wem erzählen«, knurrte ich, und meine Wut war für ein paar Sekunden stärker als mein Entsetzen. »Er war doch dabei, als Hodgepile und seine Männer hier aufgetaucht sind. Er wusste, dass sie vorhatten, den Whisky zu stehlen. Und er muss schon öfter bei ihnen gewesen sein, wenn sie … andere Dinge getan haben.«
Jamie nickte.
»Er behauptet, er hätte versucht, sie davon abzuhalten, dich mitzunehmen.«
»Das stimmt«, sagte ich knapp. »Und dann hat er versucht, sie dazu zu bringen, mich umzubringen, damit ich dir nicht verraten konnte, dass er hier gewesen war. Und dann hat er versucht, mich eigenhändig zu ertränken! Ich gehe nicht davon aus, dass er dir das ebenfalls erzählt hat.«