Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Es ist schon gut«, sagte er. »Ich habe ihnen gesagt, sie sollen heute Nacht zwei Wachen aufstellen, und jeder soll sein Schießeisen laden und griffbereit halten. Aber ich glaube, es ist schon gut.« Er blickte über mich hinweg in den Wald, aber sein Gesicht war jetzt nur noch nachdenklich.
»Ist schon gut«, wiederholte er noch einmal, diesmal sicherer.
»Ist es fort?«
Er wandte den Kopf, und seine Lippen kräuselten sich schwach. Zwischen den steifen, roten Drahthaaren seines sprießenden Bartes sah sein Mund sanft, zärtlich und verletzlich aus.
»Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt da war, Sassenach«, sagte er. »Ich hatte das Gefühl, einen Blick auf mir zu spüren, aber es kann auch ein vorbeiziehender Wolf oder eine Eule gewesen sein – oder nichts weiter als ein unruhiger spiorad, der den Wald durchstreift. Aber aye, es ist fort.«
Er lächelte mich an; ich sah das flackernde Licht, das seinen Kopf und seine Schultern umrahmte, Silhouette vor dem Feuer. Dahinter driftete der Klang von Rogers Stimme etwas lauter als das Knistern des Feuers zu mir herüber, als er die Melodie des Silkie-Songs lernte, indem er Evans heiserer, aber selbstbewusster Stimme folgte. Jamie glitt neben mir zwischen die Decken, und ich wandte mich ihm zu und tastete mich mit meinen kalten Händen zu ihm vor, um ihm heimzuzahlen, was er mir zuvor angetan hatte.
Wir erschauerten krampfhaft, und beide drängte es nach der Wärme des anderen. Ich fand ihn, und er drehte mich um und zerwühlte die Stoffschichten zwischen uns, bis er hinter mir lag, den Arm fest um mich gelegt, die kleinen, geheimen, nackten Stellen warm unter den Decken vereint. Ich lag mit dem Gesicht dem dunklen Wald zugewandt und sah zu, wie der Schein des Feuers zwischen den Bäumen umhertanzte, während Jamie sich hinter mir bewegte – dahinter, dazwischen, darin –, warm und kräftig und so langsam, dass die Zweige unter uns kaum ein Geräusch machten. Rogers Stimme erhob sich kraftvoll und klar über dem Gemurmel der Männer, und das Zittern verebbte langsam.
Sehr viel später erwachte ich unter einem blauschwarzen Himmel. Mein Mund war trocken, und ich hatte Jamies rasselnden Atem im Ohr. Ich hatte geträumt; einen jener sinnlosen Träume voller beunruhigender Wiederholungen, die beim Aufwachen sofort verblassen, aber einen unangenehmen Geschmack in Mund und Kopf zurücklassen. Da ich meine Blase entleeren und etwas trinken musste, wand ich mich vorsichtig unter Jamies Arm hervor und schlüpfte aus den Bettdecken. Er regte sich, stöhnte leise auf und schnaufte im Schlaf, erwachte aber nicht.
Ich hielt inne und legte ihm leicht die Hand auf die Stirn. Kühl, kein Fieber. Vielleicht hatte er ja doch Recht – nur eine böse Erkältung. Ich stand auf, obwohl es mir widerstrebte, die warme Zuflucht unseres Nestes zu verlassen, doch ich wusste, dass ich nicht bis zum Morgen warten konnte.
Die Lieder waren verstummt, das Feuer war geschrumpft, doch es brannte noch, und der Dienst habende Wachtposten hielt es in Gang. Es war Murdo Lindsay; ich konnte den weißen Pelz seiner Opossumfellmütze sehen, die auf etwas thronte, das aussah wie ein zusammengekauerter Haufen aus Kleidern und Decken. Der namenlose Mann aus Glasgow hockte auf der anderen Seite der Lichtung, die Muskete auf den Knien: Er nickte mir zu, das Gesicht von der Krempe seines Schlapphutes überschattet. Beim Klang meiner Schritte wandte sich die weiße Mütze ebenfalls in meine Richtung. Ich winkte schemenhaft, und Murdo nickte mir zu, dann wandte er sich wieder dem Wald zu.
Die Männer lagen eingehüllt im Kreis, in ihren Decken vergraben. Ich verspürte ein plötzliches Gefühl der Beklommenheit, als ich zwischen ihnen hindurchschritt. Immer noch im Bann der Nacht und meiner Träume, erschauerte ich beim Anblick der schweigenden Gestalten, die so still dalagen, Seite an Seite. Genauso hatte man in Amiens die Leichen der Soldaten hingelegt. In Preston. Still und verhüllt, Seite an Seite, die Gesichter verdeckt und anonym. Der Krieg sieht seinen Toten selten ins Gesicht.
Und wie kam es, dass ich aus einer liebevollen Umarmung erwachte und nur an Krieg und die schlafenden Reihen der Gefallenen dachte? Das fragte ich mich, während ich leise an der Reihe der verhüllten Körper vorbeitappte. Nun, angesichts unserer Order war die Antwort leicht. Wir steuerten geradewegs auf eine kriegerische Auseinandersetzung zu – wenn nicht jetzt, so doch bald.
Eine der in Decken gewickelten Gestalten ächzte, hustete und drehte sich um. Ihr Gesicht blieb unsichtbar und war von denen der anderen nicht zu unterscheiden. Die Bewegung jagte mir einen Schrecken ein, doch dann schob sich ein großer Fuß aus der Decke und ließ Evan Lindsays mit Zwirn umwickelten Schuh erkennen. Ich spürte, wie die angstvolle Last meiner Einbildungskraft angesichts dieses Zeichens von Leben und Individualität leichter wurde.
Es ist die Anonymität des Krieges, die das Morden möglich macht. Wenn die namenlosen Toten auf den Grabsteinen und Zenotaphen wieder beim Namen genannt werden, erhalten sie die Identität zurück, die sie als Soldaten verloren haben, und nehmen ihren Platz im trauernden Gedenken ein, die Geister der Söhne und Geliebten. Vielleicht würde unsere Reise ja in Frieden enden. Doch der kommende Konflikt … davon würde die ganze Welt hören, und ich ging an den letzten der schlafenden Männer vorbei, als wandelte ich durch einen Albtraum, aus dem ich noch nicht vollends erwacht war.
Ich hob eine Feldflasche auf, die bei den Satteltaschen auf dem Boden lag, und trank in tiefen Zügen. Das Wasser war beißend kalt, und meine ernsten Gedanken begannen zu verfliegen, fortgespült von seinem reinen, süßen Geschmack. Ich hielt inne und schnappte vor Kälte nach Luft. Dann wischte ich mir den Mund ab.
Am besten nahm ich etwas Wasser für Jamie mit; wenn ihn meine Abwesenheit nicht aufgeweckt hatte, so würde meine Rückkehr es tun, und ich wusste, dass sein Mund ebenfalls trocken sein würde, da er gegenwärtig absolut nicht in der Lage war, durch die Nase zu atmen. Ich schlang mir den Trageriemen der Feldflasche über die Schulter und trat in den Schutz des Waldes.
Es war kalt unter den Bäumen, aber die Luft war still und kristallklar. Die Schatten, die vom Feuer aus so unheimlich ausgesehen hatten, machten von hier aus einen seltsam beruhigenden Eindruck. Von der knisternden Glut des Feuers abgewandt, gewöhnten sich meine Augen und Ohren allmählich an die Dunkelheit. Ich hörte neben mir ein kleines Tier im trockenen Gras rascheln, und in der Ferne erklang der unerwartete Ruf einer Eule.
Als ich fertig war, blieb ich noch einige Minuten reglos stehen und genoss die Einsamkeit des Augenblicks. Es war sehr kalt, aber auch sehr friedvoll. Jamie hatte Recht gehabt, dachte ich; was auch immer sich vorhin hier aufgehalten haben mochte, jetzt beherbergte der Wald nichts Feindseliges mehr.
Als hätten meine Gedanken ihn herbeigerufen, hörte ich vorsichtige Schritte und das langsame, pfeifende Rasseln seines Atems. Er hustete, ein ersticktes, keuchendes Geräusch, das mir überhaupt nicht gefiel.
»Ich bin hier«, sagte ich leise. »Was macht deine Brust?«
Der Husten wurde durch ein plötzliches, panisches Pfeifen abgewürgt, und es folgte ein wirres Knirschen im Laub. Ich sah, wie Murdo am Feuer aufschrak, die Muskete in der Hand, und dann schoss eine dunkle Gestalt an mir vorbei.
»Hoppla!«, sagte ich, eher überrascht als erschrocken. Die Gestalt stolperte, und ich schwang mir reflexiv die Feldflasche von der Schulter und wirbelte sie an ihrem Riemen herum. Sie traf die Gestalt mit einem dumpfen Geräusch im Rücken, und wer auch immer es war – bestimmt nicht Jamie – fiel hustend auf die Knie.
Es folgte ein kurzes Chaos – Männer fuhren explosionsartig aus ihren Decken hoch wie die aufgescheuchten Hühner, brüllten zusammenhanglose Worte und richteten ein heilloses Durcheinander an. Der Mann aus Glasgow sprang mit einem Satz über mehrere verknäulte Körper hinweg und raste brüllend in den Wald, das Gewehr über den Kopf erhoben. Er preschte in die Dunkelheit und ging auf die erste Gestalt los, die er sah – zufälligerweise war ich es. Ich flog kopfüber in das Laub, wo ich sehr unelegant auf dem Rücken landete und mir die Luft wegblieb, weil sich der Mann auf meinen Bauch setzte.