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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Anders als geplant, verließen sie die Garnison nicht nur in Begleitung der dreißig Soldaten. Bard kommandierte hundert weitere Männer zu ihrem Schutz ab, die vorausritten und ihnen einen Weg durch die Menschenmenge bahnten, welche die Straßen verstopfte. Unruhig ließ er seinen Blick über die Fassaden wandern. Armar war schon jetzt eine Ruinenstadt, und das nicht mehr nur im Stadtkern oder den weit ausgedehnten Elendsvierteln, sondern auch in den eher vornehmen, nahe der Mauer gelegenen Gegenden wie der, durch die sie gerade ritten. Schuttberge säumten den Straßenrand, überall schwelten Brände. Höchstens ein Drittel aller Häuser stand noch, und kaum eines war mehr unversehrt. Überall glaubte er schattenhafte, huschende Bewegungen wahrzunehmen. Armar starb. Einen schnellen, aber sehr qualvollen Tod.

Irgendwo, nicht weit entfernt, erscholl ein peitschender Knall, in den sich gleich darauf panikerfüllte Schreie und das Bersten von Gestein mischten. Die Pferde scheuten; sein und Shyleens Tier bäumten sich auf. Torian hatte Mühe, sich im Sattel zu halten. Voller Schadenfreude beobachtete er, wie zwei Gardisten weniger Erfolg hatten und abgeworfen wurden, aber der kleine Triumph kam ihm gleich darauf so billig vor, wie er in Wahrheit auch war. Er übertrug seinen gegen Cathar (und gegen sich selbst?) gerichteten Zorn auf die Männer, und mochten sich auch noch so viele Sadisten und Mörder unter ihren Uniformen verbergen, so waren sie doch auch zu seinem Schutz da.

Er beugte sich im Sattel vor und half einem der Männer wieder auf die Beine, während er mit der anderen Hand nach den Zügeln des Pferdes griff und es mit einem harten Ruck zur Ruhe zwang. Der Gardist bedankte sich mit einem flüchtigen Kopfnicken, während er wieder in den Sattel stieg.

Das Menschengedränge auf den Straßen nahm zu, je mehr sie sich einem der Stadttore näherten, und immer häufiger wurden sie zu Umwegen gezwungen, da selbst Bard einzusehen schien, daß es nicht ratsam war, mit nicht einmal hundertfünfzig Soldaten Gewalttätigkeiten zu provozieren. Die Flüchtenden waren so von Panik erfüllt, daß sie alles niederwalzten, was sich ihnen in den Weg zu stellen versuchte, und mochten die vordersten auch vor den Peitschen und Schwertern zurückweichen, so würden sie doch von den Nachdrängenden erbarmungslos vorwärtsgetrieben werden. Dutzende, wenn nicht gar Hunderte, vor allem Kranke, Frauen und Kinder, die gestrauchelt und gestürzt waren, mußten bereits zu Tode getrampelt worden sein.

Torian fragte sich, wie sie unter diesen Umständen überhaupt aus der Stadt kommen wollten. Doch er begriff bald, daß das Haupttor gar nicht ihr Ziel war. Sie wichen in kleine, nicht so stark belebte Seitenstraßen und Gassen aus und entfernten sich auf diese Art immer weiter vom Tor. Ein Stück der Stadtmauer war in sich zusammengestürzt, und bildete eine mehrere Meter breite Bresche.

Die Schuttberge waren mehr als mannshoch, so daß sie absteigen und die Pferde führen mußten. Dennoch war es ein halsbrecherisches Unterfangen, und sie brauchten fast eine halbe Stunde, um die Bresche zu durchqueren. Die Trümmer boten nur trügerische Sicherheit, und manche kamen unter ihrem Gewicht ins Rutschen. Besonders Torian hatte mit seinem verstauchten Fuß Schwierigkeiten und brauchte am längsten. Cathar hatte sich um die Verletzung gekümmert und eine heilende Salbe auf das Gelenk gestrichen, aber immer noch konnte Torian ihn nicht richtig belasten. Er war schweißgebadet, als er die andere Seite der Mauer erreichte, und seinen Begleitern erging es nicht anders, dennoch gönnte er ihnen keine Ruhepause, sondern trieb sie zur Eile an. Die Gefahr war noch nicht gebannt, solange sie sich in der Nähe der Stadt aufhielten, und so stiegen die Gardisten ohne zu murren wieder auf.

Sie ritten noch beinahe eine Stunde weiter. Die beiden Soldaten, die ihre Pferde verloren hatten, wurden von anderen mitgenommen. Erst als Armar mehrere Meilen hinter ihnen zurücklag, gab Torian das Zeichen zum Halten.

Torian begab sich zu dem Offizier, der die hundert Gardisten anführte, die sie entgegen des ursprünglichen Planes bis hierhin begleitet hatten.

»Hier trennen sich unsere Wege«, erklärte er. Er deutete mit dem Kopf in die Richtung, aus der sie gekommen waren. »Es hat keinen Sinn, wenn ihr nach Armar zurückkehrt. Dort findet ihr höchstens den Tod. Warnt die Bewohner der naheliegenden Gehöfte, dann kümmert euch um die Flüchtenden. Auch sie werden Schutz brauchen. Führt sie sicher nach Tidore oder in andere Städte.«

»Wie ihr befehlt.« Der Stimme des Mannes war die Erleichterung anzuhören, nicht in die sterbende Stadt zurückreiten zu müssen. Torian bezweifelte ohnedies, daß er es getan hätte. »Aber gestattet mir und meinen Männern, noch ein paar Minuten auszuruhen.«

Torian nickte, drehte sein Pferd wortlos herum und ritt zu Shyleen zurück. Vielleicht war es das beste, dem Beispiel der Männer zu folgen und ebenfalls eine kurze Rast einzulegen. Der Weg, der vor ihnen lag, war vielleicht nicht sehr weit, aber mit Sicherheit anstrengend. Er beobachtete, wie sich die Männer im Gras niederließen, stieg aber selbst noch nicht ab, sondern trabte einen niedrigen Hügel hinauf, von wo aus er einen guten Überblick über die Stadt hatte, die sie hinter sich gelassen hatten.

Es war das erste Mal, daß er das ganze Ausmaß der Verwüstungen überschauen konnte. Und beinahe wünschte er sich, es nicht getan zu haben.

Eine ungeheuere Menschenmenge wälzte sich zwischen den Ruinen hindurch, und er glaubte die verzweifelten Schreie der Menschen bis hierher zu hören, auch wenn er genau wußte, daß es unmöglich war. Es war ein Anblick, der sich tief in sein Inneres grub und den er sein ganzes Leben lang nicht mehr würde vergessen können. Armar war verloren. Selbst wenn sie die Schattenburg erreichen sollten und es ihnen gelang, das Tor zu schließen, würde die Stadt bis dahin dem Erdboden gleichgemacht sein. Der Gedanke, daß es nicht die einzige Stadt bleiben sollte, sondern sich das Tor über ganz Tremon und darüber hinaus ausbreiten würde, wenn es nicht gestoppt würde, erschien ihm unfaßbar. Es war… einfach absurd. Zu schrecklich, als daß er auch nur so etwas wie Furcht empfinden konnte.

Wenn er überhaupt etwas fühlte, dann einen tiefen, mit Haß gemischten Zorn auf Cathar und seine Brüder. Sie hatten dieses Grauen verursacht, auch wenn es sie selbst das Leben gekostet hatte. Und er würde diesen Haß nicht mehr unterdrücken, sondern ihn am Leben erhalten, auch wenn Cathar und er vorläufig zu Verbündeten geworden waren. Es änderte nichts daran, daß sie Feinde waren.

Todfeinde.

Torian wußte nicht, wie lange er auf die sterbende Stadt hinabgestarrt hatte, bis er sein Pferd mit einem unnötig harten Ruck herumriß und zu den anderen zurückkehrte.

Ruhe hatte sich über dem Rastplatz ausgebreitet. Die hundert Gardisten waren bereits fortgeritten, als Torian eintraf. Shyleen sah ihm entgegen, doch er wich ihrem Blick aus, stieg vom Pferd und ließ sich etwas abseits von den anderen im Schatten eines Baumes nieder. Er wollte mit niemandem sprechen, nicht einmal mit ihr. Er wollte allein sein. Zu viel war in den vergangenen Tagen auf ihn eingestürmt, das er noch längst nicht begriffen und verarbeitet hatte. Alles erschien ihm so bizarr, daß er glaubte, nur die Augen schließen und wieder öffnen zu müssen, um aus einem wirren Fiebertraum zu erwachen.

Aber es war Realität. Er sah Garth ein Stück entfernt im Gras sitzen und dumpf vor sich hinbrüten. Gelegentlich runzelte er die Stirn und wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht herum, als wollte er Fliegen verscheuchen. Obwohl Torian sich am liebsten zurückgelehnt und ein wenig gedöst hätte, drängte er die Müdigkeit zurück. Er hatte in der vergangenen Nacht kaum geschlafen, aber wenn er jetzt einnickte, würde er sich hinterher nur um so müder fühlen, denn es war noch zu früh, um sich eine längere Rast zu gönnen. So stand er nach kurzem Zögern auf und ging zu Garth hinüber. Der Dieb hob bei seinem Nahen den Kopf und lächelte unsicher. Torian setzte sich neben ihn.

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