Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Am liebsten hätte ich Jamie ins Bett gesteckt, ihm einen heißen Pflasterstein an die Füße gelegt, ihm einen Senfwickel auf die Brust gepackt und ihm einen Tee aus Pfefferminze und Ephedrablättern zu trinken gegeben. Da er aber nur mit Kanonen, Fußeisen und der Hilfe mehrerer bewaffneter Männer dorthin zu bewegen gewesen wäre, gab ich mich damit zufrieden, ihm eine besonders fleischhaltige Kelle Eintopf in seine Schüssel zu schöpfen.
»Ewald«, rief Jamie einem der Muellers mit heiserer Stimme zu. Er blieb stehen und räusperte sich mit einem Geräusch, als zerrisse jemand ein Stück Flanellstoff. »Ewald – nimm Paul mit und holt noch mehr Brennholz. Die Nacht wird kalt.«
Sie war schon kalt. Die Männer standen so dicht am Feuer, dass die Fransen ihrer Schultertücher und Röcke angesengt wurden und die Spitzen ihrer Schuhe – sofern sie Schuhe hatten – nach heißem Leder stanken. Auch meine Knie und Oberschenkel standen kurz davor, Brandblasen zu bekommen, da ich gezwungenermaßen dicht am Feuer stand, um den Eintopf auszuteilen. Doch mein Rücken fühlte sich an wie Eis, trotz der alten Hose, die ich unter Hemd und Unterrock trug – sowohl als Kälteschutz als auch, um mich beim Reiten nicht wund zu scheuern. Das Hinterland von Carolina war nicht der Ort für einen Damensattel.
Nachdem die letzte Schüssel ausgeteilt war, drehte ich mich um, um meinen eigenen Eintopf mit dem Rücken zum Feuer zu essen, dankbar für die Wärme, die meinen durchgefrorenen Hintern durchströmte.
»Ist er gut, Ma’am?« Jimmy Robertson, der den Eintopf gekocht hatte, sah mir in der Hoffnung auf ein Kompliment über die Schulter.
»Wunderbar«, versicherte ich ihm. »Köstlich!« Tatsächlich war der Eintopf heiß, und ich hatte Hunger. Das plus die Tatsache, dass ich ihn nicht selber hatte kochen müssen, verlieh meinem Tonfall so viel Aufrichtigkeit, dass er sich zufrieden zurückzog.
Ich aß langsam und genoss die Hitze der Holzschüssel in meinen eisigen Händen und die beruhigende Wärme des Essens in meinem Magen. Die Kakophonie aus Husten und Niesen hinter mir konnte das Wohlgefühl nicht beeinträchtigen, das durch das Essen und die Aussicht auf Rast nach einem langen Tag im Sattel hervorgerufen wurde. Selbst der Anblick des Waldes ringsum, kalt und schwarz unter dem zunehmenden Sternenschein, konnte mich nicht beunruhigen.
Auch meine Nase hatte heftig zu laufen begonnen, aber ich hoffte, dass dies nur eine Folge des heißen Essens war. Ich schluckte versuchsweise, spürte aber weder ein Anzeichen von Halsschmerzen noch ein Rasseln von Schleim in meiner Brust. Bei Jamie rasselte es; er hatte aufgegessen und hatte sich neben mich gestellt, um sich am Feuer den Rücken zu wärmen.
»Geht es dir gut, Sassenach?«, fragte er heiser.
»Nur eine vasomotorische Rhinitis«, erwiderte ich und betupfte mir die Nase mit meinem Taschentuch.
»Wo?« Er warf einen argwöhnischen Blick in den Wald. »Hier? Ich dachte, du hast gesagt, die gibt es nur in Afrika.«
»Was – oh, Rhinozerosse. Ja, das stimmt. Ich habe nur gemeint, dass mir die Nase läuft, ich aber nicht die Grippe habe.«
»Oh, aye? Dann ist es ja gut. Ich schon«, fügte er überflüssigerweise hinzu und nieste dreimal kurz nacheinander. Er reichte mir seine leere Schüssel, um sich mit beiden Händen heftig trompetend die Nase zu putzen. Ich zuckte leicht zusammen, als ich sah, wie wund und gerötet seine Nasenlöcher aussahen. Ich hatte mit Kampfer versetztes Bärenfett in meiner Satteltasche, aber er würde sich garantiert nicht in aller Öffentlichkeit von mir einreiben lassen.
»Bist du dir wirklich sicher, dass wir nicht weiterreiten sollten?«, fragte ich, während ich ihn beobachtete. »Geordie sagt, es ist nicht mehr weit bis zu dem Dorf, und es gibt so etwas wie eine Straße.«
Ich kannte die Antwort darauf schon; er war kein Mann, der um seines persönlichen Wohlbefindens willen seine Strategie änderte. Außerdem war das Lager bereits aufgeschlagen, und es brannte ein schönes Feuer. Dennoch, ganz abgesehen von meinem eigenen Wunsch nach einem warmen, sauberen Bett – oder auch einfach nur einem Bett, ich war gar nicht wählerisch –, machte ich mir Sorgen um Jamie. Aus der Nähe hatte das Seufzen in seinem Atem einen tieferen, pfeifenden Unterton, der mir nicht gefiel.
Er wusste, was ich meinte. Er lächelte und steckte sich das nasse Taschentuch in seinen Ärmel.
»Ich werd’s überleben, Sassenach«, sagte er. »Es ist nur eine kleine Erkältung. Mir ist es schon oft viel schlechter gegangen.«
Paul Mueller hievte ein neues Holzscheit in das Feuer; ein großes Glutstück zersplitterte und flammte dröhnend auf, so dass wir zur Seite traten, um dem Funkenregen auszuweichen. Da mein Rücken inzwischen gut durchgebraten war, drehte ich mich mit dem Gesicht zum Feuer. Jamie blieb jedoch mit dem Gesicht nach außen stehen und runzelte leicht die Stirn, während er den Blick über die Schatten des düsteren Waldes schweifen ließ.
Das Stirnrunzeln entspannte sich, und als ich mich umdrehte, sah ich zwei Männer aus dem Wald kommen, die sich Nadeln und Rindenstücke aus den Kleidern schüttelten. Jack Parker und ein neuer Mann – ich kannte seinen Namen noch nicht, aber er war ganz offensichtlich erst vor kurzem eingewandert, seinem Akzent nach aus Glasgow.
»Alles ruhig, Sir«, sagte Parker und salutierte, indem er kurz seinen Hut berührte. »Aber erbärmlich kalt.«
»Aye, ich hab meine Eier schon seit heut Mittag nicht mehr gespürt«, fiel der Mann aus Glasgow ein und rieb sich an der entsprechenden Stelle, während er sich ans Feuer begab. »Könnte gut sein, dass sie gar nich’ mehr da sind!«
»Das kann ich dir nachfühlen, Mann«, sagte Jamie grinsend. »Ich wollte gerade noch pinkeln gehen, konnte aber nichts mehr finden.« Unter allgemeinem Gelächter wandte er sich ab und entfernte sich, um nach den Pferden zu sehen, in der Hand eine zweite, halb geleerte Schüssel Eintopf.
Die anderen Männer bereiteten schon ihre Schlafplätze vor und debattierten, ob es klüger sei, mit dem Kopf oder den Füßen am Feuer zu schlafen.
»Du verkohlst dir die Schuhsohlen, wenn du zu dicht ans Feuer kommst«, argumentierte Evan Lindsay. »Siehst du? Hab mir alle Stifte verbrannt, und jetzt sieh dir das an!« Er hob seinen großen Fuß und zeigte seinen zerschlissenen Schuh, der mit grobem Zwirn umwickelt war, damit er nicht auseinander fiel. Ledersohlen und Absätze wurden manchmal vernäht, meistens jedoch mit kleinen, geschnitzten Holz- oder Lederstiften befestigt und mit Kiefernharzkleber oder einem anderen Klebstoff verklebt. Der Kiefernkleber war hoch brennbar; ich hatte schon gesehen, wie dann und wann die Funken von den Schuhen der Männer aufstoben, wenn sie mit den Füßen zu nah am Feuer schliefen und ein Schuhstift von der Hitze plötzlich Feuer fing.
»Besser, als wenn man sich die Haare abfackelt«, entgegnete Ronnie Sinclair.
»Ich glaube nicht, dass die Lindsays sich da große Sorgen machen müssen.« Kenny grinste seinen älteren Bruder an und zog an der Strickmütze, die er – genau wie seine beiden Brüder – auf dem fast kahlen Kopf trug.
»Aye, ich bin immer für den Kopf«, pflichtete Murdo ihm bei. »Besser, als wenn man sich die Kopfhaut verkühlt; das geht sofort auf die Leber über, und schon ist man tot.« Murdo war stets zärtlich um seine Kopfhaut besorgt und ließ sich nur selten ohne seine gestrickte Schlafmütze oder seinen merkwürdigen Hut sehen, der aus Opossumfell bestand und extravagant mit Stinktierpelz gesäumt war. Er warf einen neidischen Blick auf Roger, der sich gerade das dichte, schwarze Haar mit einem Lederriemen zusammenband.
»MacKenzie braucht sich keine Sorgen zu machen; er hat ’nen Pelz wie ein Bär!«