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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Des Doctors unaufhörliche Beschäftigung war es, Sarcany ausfindig zu machen und ihn aufzuheben, wie es mit seinen beiden Genossen geschehen war. Am 16. October endlich, nachdem constatirt worden war, daß Silas Toronthal sich jetzt im Stande befände, auf die ihm vorgelegten Fragen zu antworten, entschloß er sich, ein Verhör mit ihm anzustellen.

Zuvor hielt er eine Berathung über diesen Gegenstand mit Peter und Luigi ab, zu der auch Pointe Pescade gezogen wurde, dessen Ansichten nicht zu verachten waren.

Der Doctor machte sie mit seinem Vorhaben bekannt.

»Wenn man Silas Toronthal erkennen läßt, daß man Sarcany’s Aufenthalt zu erfahren wünscht, warf Luigi ein, läßt man ihn da nicht gleich vermuthen, daß man sich seines Genossen bemächtigen will?

– Ja wohl, antwortete der Doctor, doch gibt es wohl nichts Gefährliches dabei, wenn er es weiß, da er uns nicht mehr entschlüpfen kann.

– Und doch, Herr Doctor, erwiderte ihm Luigi. Silas Toronthal kann der Meinung sein, daß es in seinem Interesse liegt, nichts zu sagen, was. Sarcany schaden könnte.

– Und warum?

– Weil er sich selbst schaden würde.

– Ist mir eine Bemerkung gestattet? fragte Pointe Pescade, der sich ein wenig abseits hielt – aus Discretion.

– Gewiß, mein Freund, sagte der Doctor.

– Meine Herren, begann Pointe Pescade, ich glaube, daß bei der gegenwärtigen Trennung der beiden Gentlemen sie sich gegenseitig keine Schonung mehr aufzulegen brauchen. Herr Silas Toronthal muß Sarcany von ganzem Herzen verabscheuen, da er ihn an den Bettelstab gebracht hat. Wenn also Herr Toronthal weiß, wo Herr Sarcany sich augenblicklich befindet, wird er nicht zögern, es zu sagen – so denke ich wenigstens. Sollte er nichts sagen, so hat er eben nichts zu sagen.«

Dieses Raisonnement entbehrte nicht einer gewissen Richtigkeit. Sehr wahrscheinlich würde der Banquier, im Falle er wußte, wohin Sarcany geflüchtet war, sich nicht für verpflichtet halten, Stillschweigen zu beobachten, wenn sein eigener Vortheil es bedingen würde, dasselbe zu brechen.

»Wir werden heute noch wissen, woran wir uns zu halten haben, antwortete der Doctor, und mir soll es schon klar werden, ob Toronthal nichts weiß oder nichts wissen will. Doch da er noch nicht wissen darf, daß er in der Gewalt das Doctors Antekirtt sich befindet, da er ferner nicht wissen darf, daß Peter Bathory noch am Leben ist, so soll Luigi beauftragt werden, ihn auszuforschen.

– Ich stehe ganz zu Diensten, Herr Doctor!« erwiderte der junge Mann.

Luigi begab sich demgemäß in die Festung und wurde in die Kasematte geführt, welche Silas Toronthal zum Gefängnisse diente.

Der Banquier saß in einer Ecke an einem Tische. Er hatte soeben sein Bett verlassen. Sein moralischer Zustand hatte sich augenscheinlich noch nicht sehr gebessert. Er dachte jetzt zwar weder an seinen Ruin, noch an Sarcany. Was ihn weit directer beunruhigte, war, zu wissen, warum und an welchem Orte man ihn gefangen hielt und wer die mächtige Persönlichkeit war, die ein Interesse daran hatte, sich seiner zu bemächtigen. Er wußte nur soweit zu denken, daß er Alles zu fürchten hätte.

Als er Luigi Ferrato sah, erhob er sich; doch auf ein Zeichen, welches dieser ihm gab, setzte er sich unverzüglich wieder. Es entspann sich nun folgendes kurze Verhör während Luigi’s Besuch bei Silas Toronthal.

»Sie sind Silas Toronthal, einstmals Banquier in Triest und haben in der letzten Zeit in Ragusa Ihren Wohnsitz gehabt?

– Ich habe auf diese Frage nichts zu erwidern. Die, welche mich als Gefangenen zurückhalten, müssen wissen, wer ich bin.

– Sie wissen es.

– Wer sind sie?

– Sie werden es später erfahren.

– Und wer sind Sie?

– Ein Mann, der den Auftrag hat, Sie zu fragen.

– Von wem?

– Von denen, welchen Sie Rechenschaft schuldig sind.

– Noch einmal, wer sind dieselben?

– Ich habe es nicht nöthig, es Ihnen zu sagen.

– In diesem Falle habe ich Ihnen auch nichts zu erwidern.

– Es sei! Sie waren in Monte Carlo mit einem Manne zusammen, den Sie schon seit Langem kannten und der seit Ihrer Abreise von Ragusa nicht von Ihrer Seite gewichen ist. Dieser Mann, ein Tripolitaner von Geburt, nennt sich Sarcany. Er ist entkommen, gerade als Sie auf der Landstraße nach Nizza festgenommen wurden. Ich bin beauftragt, Sie zu fragen: Wissen Sie, wo sich gegenwärtig dieser Mann aufhält, und wollen Sie es, wenn Sie es wissen, sagen?«

Silas Toronthal hütete sich wohl, darauf zu antworten. Wenn man wissen wollte, wo Sarcany war, so geschah es offenbar deshalb, um sich Sarcany’s ebenso zu bemächtigen, wie man sich seiner bemächtigt hatte. Zu welchem Zwecke? Gemeinsamer Thaten aus ihrer Vergangenheit wegen und noch genauer ausgedrückt, Dinge wegen, die sich auf die Verschwörung von Triest bezogen? Doch wie sollten diese Vorgänge bekannt geworden sein und welcher Mann konnte ein Interesse daran haben, den Grafen Mathias Sandorf und seine beiden Freunde, die nun schon länger als fünfzehn Jahre todt waren, zu rächen? Das war es, was sich der Banquier zuerst fragte. Jedenfalls war die Annahme gerechtfertigt, daß er nicht dem Spruche einer regelrechten Gerichtsbarkeit unterworfen war, deren Thätigkeit sich auf ihn und seinen Genossen zu erstrecken drohte – was ihn nur noch mehr beunruhigen mußte. Obwohl er nicht daran zweifelte, daß Sarcany nach Tetuan in das Haus Namir’s geflüchtet war, woselbst er seine letzte Partie und in allernächster Zeit spielen wollte, entschloß er sich doch, nichts hierüber zu sagen. Wenn späterhin sein Interesse ihm befahl zu reden, würde er sprechen. Bis dahin war ihm sehr daran gelegen, sich äußerst reservirt zu verhalten.

»Nun?… fragte Luigi, nachdem er dem Banquier Zeit zum Nachdenken gelassen hatte.

– Mein Herr, antwortete Silas Toronthal, ich könnte Ihnen antworten, daß ich weiß, wo Sarcany ist, von dem Sie mir sprechen und daß ich es nicht sagen will. In Wahrheit aber weiß ich wirklich nicht, wo er ist.

– Das ist Ihre einzige Antwort?

– Die einzige und wahre.«

Luigi zog sich hierauf zurück und erstattete dem Doctor Bericht über seine Unterhaltung mit Silas Toronthal. Da die Antwort des Banquiers im Grunde genommen nichts Anstößiges barg, so mußte man damit vorläufig zufrieden sein. Um Sarcany’s Spur wieder aufzufinden, konnte also vorderhand nichts weiter geschehen, als die Nachforschungen zu vervielfältigen und dabei weder Geld noch Mühen zu sparen.

Während der Doctor auf irgend ein Anzeichen wartete, welches ihm erlaubte, den Feldzug auf’s Neue zu eröffnen, hatte er sich mit Fragen zu beschäftigen, welche die Sicherheit Antekirttas sehr nahe angingen.

Es waren ihm insgeheim Nachrichten aus den afrikanischen Provinzen neuerdings zugegangen. Seine Agenten empfahlen ihm, die Küsten des Golfes der Sidra sorgfältig überwachen zu lassen. Nach ihren Meinungen schien die Genossenschaft der Senusisten

Die »Electrics« erhielten Befehl, im Meere der Syrten zu kreuzen. (S. 473.)

ihre Streitkräfte an der tripolitanischen Grenze sammeln zu wollen. Eine allgemeine Bewegung derselben ging allmählich den Gestaden der Syrten zu. Zwischen dem Großmeister und den verschiedenen Zauyias Nord-Afrikas fand ein Austausch von Meldungen mittelst reitender Boten statt. Aus dem Auslande anlangende Waffen wurden für Rechnung der Brüderschaft geliefert und ausgehändigt. Ein Zusammenziehen von Mannschaften vollzog sich ganz offenbar in dem Vilajet von Ben-Ghazi, also in der nächsten Nachbarschaft Antekirttas.

Zur Abwendung einer Gefahr, welche bedenklich werden konnte, mußte der Doctor alle Maßnahmen treffen, welche die Klugheit gebot. Während der drei letzten Wochen des Octobers unterstützten ihn Peter und Luigi wacker bei diesem Werke und auch alle Kolonisten standen ihm hilfreich zur Seite. Pointe Pescade wurde mehrfach heimlich an das afrikanische Gestade geschickt, um sich mit den Agenten ins Einvernehmen zu setzen. Es wurde constatirt, daß die Gefahr, welche die Insel bedrohte, nichts weniger als eine imaginäre war. Die Piraten von Ben-Ghazi, unterstützt durch eine vollkommene Mobilisirung der Bundesbrüder der ganzen Provinz, bereiteten eine Expedition vor, deren Ziel die Insel Antekirtta war. Stand diese Expedition nahe bevor? Darüber war nichts zu erfahren. Jedenfalls befanden sich die Senusistenführer noch in ihren südlichen Vilajets, und es war mehr als wahrscheinlich, daß keine wichtige Unternehmung ohne ihre persönliche Leitung zur Ausführung gebracht würde. Deshalb hatten auch die »Electrics« den Befehl erhalten, in den Gewässern des Meeres der Syrten zu kreuzen, um sowohl die Küsten der Cyrrhenäischen Halbinsel und von Tripolis, und auch das Gestade von Tunesien bis zum Kap Bon zu beobachten.

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