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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Als um sechs und einhalb Uhr Silas Toronthal und Sarcany das Spiel aufgaben, strichen sie einen baaren Gewinn von zwanzigtausend Louisd’ors ein. Sie erhoben sich von ihren Plätzen und verließen den Roulettetisch. Silas Toronthal wankte mit unsicheren Schritten einher, als wenn er ein wenig zu viel getrunken hätte – er war vielleicht benebelt von der Aufregung und der Abspannung des Gehirns. Sein gefühlloser Genosse überwachte ihn, denn es war ihm noch nicht ganz gewiß, ob Toronthal sich nicht versucht fühlen würde, mit den mehrfachen hunderttausend Franken, die mit so vielem Schweiße zurückerobert worden waren, zu entfliehen und sich seiner Herrschaft zu entziehen.

Beide durchschritten, ohne ein Wort zu sprechen, die Halle, stiegen den Vorbau hinunter und wendeten sich ihrem Hotel zu.

Pointe Pescade folgte ihnen in einiger Entfernung.

Als er ins Freie trat, sah er nahe einem der Kioske des Gartens Kap Matifu auf einer Bank sitzen.

Pointe Pescade trat an ihn heran.

»Ist der Augenblick da? fragte Kap Matifu.

– Welcher Augenblick?

– Um… um…

– Um auf die Scene zu treten?… Nein, mein Kap!… Noch nicht!… Bleibe noch hinter den Coulissen!… Hast Du gespeist?…

– Ja, Pointe Pescade.

– Meine Glückwünsche! Mir hängt der Magen bis in die Fußsohlen… wohin er doch wirklich nicht gehört. Ich werde ihn aber mir schon wieder herausholen, sobald ich Zeit habe!… Also, gehe nicht eher von hier fort, als bis ich Dich wiedergesehen habe.«

Und Pointe Pescade trat auf die Rampe zurück, welche Silas Toronthal und Sarcany hinabstiegen.

Als er sich überzeugt hatte, daß die beiden Associés sich das Diner in ihren Zimmern serviren ließen, nahm sich auch Pointe Pescade die Freiheit, an der Table d’hôte des Hotels Theil zu nehmen. Es war die höchste Zeit, und in einer halben Stunde hatte er, wie er sagte, seinen Magen wieder an den richtigen Platz gebracht, den dieses wichtige Organ in der menschlichen Maschine einnehmen muß.

Dann ging er hinaus, zündete sich eine vortreffliche Cigarre an und nahm seinen Beobachtungsposten vor dem Hotel wieder ein.

»Ich gebe, weiß Gott, eine vortreffliche Schildwache ab. Ich habe meinen Beruf verfehlt!«

Die einzige und immer wiederkehrende Frage, die er sich selbst vorlegte, lautete: werden diese Gentlemen heute noch nach Monte Carlo zurückkehren oder nicht?

Um acht Uhr erschienen Silas Toronthal und Sarcany an der Hotelthür. Pointe Pescade glaubte zu hören und zu verstehen, daß sie lebhaft stritten.

Der Banquier versuchte augenscheinlich zum letzten Male, den Verführungen zu widerstehen und den Einflüsterungen seines Genossen, denn dieser sagte schließlich mit befehlerischer Stimme:

»Es muß sein, Silas!… Ich will es!«

Sie gingen wieder die Rampe hinauf, um die Gärten von Monte Carlo zu erreichen. Pointe Pescade ging ihnen nach, konnte aber – zu seinem großen Bedauern – nichts von der Unterhaltung verstehen.

Was Sarcany in dem Tone sagte, der keine Widerrede von Seiten des Banquiers gestattete, dessen Widerstand überhaupt nach und nach sich legte, war Folgendes:

»Es wäre wahnsinnig, Silas, innezuhalten, wenn die Chance uns günstig ist…. Sie müssen den Kopf verloren haben!… Wie? Im Unglück haben wir das Spiel wie die Verrückten zwingen wollen und sollten es nun im Glück nicht wie die Vernünftigen an uns fesseln?… Es bietet sich uns eine Gelegenheit, die einzig in ihrer Art ist, eine Gelegenheit, die sich uns vielleicht nie wieder zeigen wird, uns zu Meistern unseres Schicksals zu machen, zu Herren unseres Glückes und wir wollen sie durch unsere eigene Schuld entweichen lassen?… Fühlen Sie denn nicht, Silas, daß die Chance…

– Wenn sie noch nicht erschöpft ist, murmelte Silas Toronthal.

– Nein, hundert Mal nein, erwiderte Sarcany. Man kann das nicht so erklären, zum Teufel, aber man fühlt das, es dringt bis in das innerste Mark der Knochen!… Eine Million erwartet uns noch heute Abend an den Tischen von Monte Carlo!… Ja, eine Million, und mir soll sie nicht entgehen!

– Spielt doch Sarcany!

– Ich?… Allein spielen?… Nein, mit Ihnen spielen, Silas, ja!… Und wenn zwischen uns gewählt werden müßte, so würde ich Ihnen unbedingt den Platz einräumen!… Das Glück neigt zu einer Person und offenbar ist es bei Ihnen wieder eingekehrt!… Spielen Sie und Sie werden gewinnen!… Ich will es!«

Sarcany wollte bei Licht betrachtet nur, daß Silas Toronthal es nicht bei dem Besitz einiger hunderttausend Franken bewenden ließe, welche diesem die Mittel an die Hand gegeben haben würden, sich seiner Macht zu entziehen. Er wollte, daß sein Genosse wieder der Millionär würde, der er einst gewesen war, oder ein Bettler. War Jener wieder reich, so konnte er das Leben weiter fortsetzen, welches sie bis dahin geführt hatten. War er ruinirt, so mußte er wohl oder übel Sarcany überallhin folgen, wohin dieser es haben wollte. In beiden Fällen hatte er von Silas Toronthal nichts zu befürchten.

Silas Toronthal übrigens, obwohl er Widerstand zu leisten versuchte, fühlte jetzt alle Leidenschaften des Spielers in sich regen. Er war so elendiglich zerworfen mit sich selbst, daß er Furcht und Lust zugleich empfand, in die Säle des Casinos zurückzukehren. Sarcany’s Worte hatten ihm Feuer in das Blut gegossen. Das Schicksal hatte sich sichtlich für ihn erklärt und zwar während der letzten Stunden mit einer so großen Beständigkeit, daß es wirklich unverzeihlich gewesen wäre, innezuhalten.

Der Narr! Er setzte, wie alle Spieler thun, voraus, daß die Gegenwart dasselbe bringen würde, was nur der Vergangenheit angehören konnte. Anstatt zu sagen: Ich habe die Chance gehabt – was ja die Wahrheit war – sagte er sich: Ich habe Chance – was falsch ist. Und trotzdem greift in dem Gehirn aller derjenigen, welche auf den Zufall rechnen, keine andere Ueberlegung Platz, als diese. Sie vergessen zu sehr, was erst jüngst ein großer Mathematiker Frankreichs gesagt hat: »Der Zufall hat Launen, keine Gewohnheiten.«

Inzwischen waren Sarcany und Silas Toronthal vor dem Casino angelangt, stets gefolgt von Pointe Pescade. Hier blieben sie einen Augenblick stehen.

»Kein Zaudern, Silas! mahnte Sarcany… Sie sind doch entschlossen zu spielen? Nicht wahr?

– Ja!… Entschlossen Alles gegen Alles zu setzen, antwortete der Banquier, dessen Schwanken gewichen war, sobald er sich auf der untersten Stufe des Casinogebäudes befand.

– Es ist nicht mein Fall, Sie beeinflussen zu wollen, nahm Sarcany von Neuem das Wort. Verlassen Sie sich auf Ihre Eingebung, nicht auf die meinige. Sie kann mich täuschen… Wollen Sie zur Roulette gehen…?

– Nein, zum Trente et Quarante, antwortete Silas Toronthal und betrat die Vorhalle.

– Sie haben Recht, Silas. Hören Sie nur auf sich selbst!… Die Roulette hat Ihnen soeben beinahe ein Vermögen eingebracht… Das Trente et Quarante mag das Fehlende ergänzen.«

Beide wanderten erst in den Sälen umher. Zehn Minuten später sah sie Pointe Pescade an einem der Tische, wo Trente et Quarante gespielt wird, Platz nehmen.

Bei diesem Spiele lassen sich in der That kühnere Züge vornehmen. Hier beträgt das Maximum zwölftausend Franken, obgleich die Chancen einfacherer Natur sind, obgleich nur gegen das Refait gekämpft zu werden braucht, und wenige Passes schon können beträchtliche Differenzen hinsichtlich des Gewinnes oder Verlustes erzeugen. Hier ist das Liebhabertheater, das heißt, hier sind die großen Spieler zu finden. Hier bauen sich Vermögen oder Ruine mit Schwindel erregender Schnelligkeit auf, auf welche die Börsen von Paris, New-York oder London mit Recht eifersüchtig sein könnten.

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