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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Eine alte Frau saß vor der Thür… (S. 484.)

– Widersetzen sich denn die Behörden der Regentschaft, wenigstens die französischen Autoritäten nicht dieser Einschmuggelei von Waffen und Munition? fragte Luigi.

– Man weiß in Tunis wohl kaum, was auf dieser Seite des Kaps Bon geschieht, antwortete der Doctor, und wenn die Franzosen selbst Herren von Tunesien sein werden, steht es leider zu befürchten, daß dieser ganze östliche Abhang der Djebels ihnen auf lange hinaus noch entschlüpft. Wie dem auch immer sei, diese Waare scheint mir sehr verdächtig und würde die Schnelligkeit unseres »Ferrato« uns nicht vor jedem Angrise sicher stellen, so würde jene Flotille gewiß nicht zögern, auf uns loszugehen.«

Wenn die Araber wirklich die Gedanken hegten, welche ihnen der Doctor unterschob, so war in der That nichts zu befürchten. Die Dampf-Yacht hatte in weniger als einer halben Stunde die kleine Rhede von Sidi-Yusuf durchmessen. Nachdem sie die Spitze von Kap Bon erreicht hatte, das so massiv aus dem tunesischen Festlande herausgearbeitet ist, doubtirte sie schnell den Leuchtthurm auf seinem äußersten Ende, das ganze wundervolle System von starrenden Klippen.

Der »Ferrato« dampfte mit voller Geschwindigkeit durch den Golf von Tunis, den man zwischen Kap Bon und Kap Carthago liegend versteht. Zu seiner Linken entwickelte sich die Reihe der Abhänge des Djebels Bon-Karnin, des Djebels Rossas und des Djebels Zaghuan mit einigen Ortschaften, welche hier und dort in den Grund der Schluchten hineingebaut sind. Rechts schimmerte im ganzen Glanze des arabischen Kasbah, im vollen Sonnenlichte die heilige Stadt Sidi-Bu-Saïd, die vielleicht eine der Vorstädte des alten Carthago ist. Weiter hinten stieg Tunis, weiß erglänzend in der Sonne über dem See vom Bahira auf, ein wenig rückwärts von dem Arm, den La Golette allen den von den europäischen Packetbooten Ausgeschissten entgegenstreckt.

In einer Entfernung von zwei oder drei Meilen vom Hafen ankerte ein Geschwader französischer Kriegsschiffe; weiter dem Lande zu schaukelten einige Handelsschiffe vor ihren Ketten; ihre verschiedenen Flaggen gaben der Rhede ein buntes Aussehen.

Es war ein Uhr, als der »Ferrato« die Anker warf, drei Längen vor dem Hafen La Golette. Nachdem die üblichen Formalitäten erfüllt waren, wurde den Passagieren der Dampf-Yacht der freie Zutritt zum Festlande gewährt. Der Doctor, Peter, Luigi und seine Schwester nahmen in dem Schiffsboote Platz, welches sofort abstieß. Nachdem es den Molo passirt hatte, glitt es durch den schmalen Canal, der stets von, an beiden Seiten des Quais ankernden Schiffen dicht gefüllt ist, und langte vor dem unregelmäßigen, mit Bäumen bepflanzten, von Landhäusern, Agenturen, Kaffees eingerahmten Platze an, auf dem Malteser, Juden, Araber, französische Soldaten und Eingeborene durcheinander wimmeln, vor dem Eingange zur Hauptstraße von La Golette.

Der Brief von Borik war aus Carthago datirt, und dieser Name, nebst einigen auf der Erdoberfläche zerstreut liegenden Ruinen ist Alles, was von der Stadt Hannibal’s übrig geblieben ist.

Um an die Küste von Carthago zu kommen, braucht man nicht die kleine italienische Eisenbahn zu benützen, die La Golette und Tunis verbindet und um den See von Bahira herumführt. Entweder am Ufer entlang, dessen fester und harter Sand den Fußgängern einen vortrefflichen Fußpfad bietet, oder auf einer staubigen Straße, die etwas weiter zurück durch die Ebene geführt ist, langt man bequem an den Fuß des Hügels, der die Kapelle des heiligen Ludwig und das Kloster der algerischen Missionäre trägt.

Als der Doctor und seine Begleiter ausstiegen, befanden sich gerade mehrere Wagen, mit kleinen Pferden davor, wartend auf dem Platze. Im Handumdrehen hatte man den einen dieser Wagen bestiegen und dem Kutscher Befehl ertheilt, in möglichster Eile nach Carthago zu fahren. Der Wagen durchfuhr im schnellsten Trab seiner Pferde die Hauptstraße von La Golette und passirte die prächtigsten Landhäuser, welche die reichen Tunesen während der großen Hitze bewohnen, ferner die Paläste von Keradine und Mustapha, die sich an der Küste, an den Eingängen zu den alten Häfen der carthaginiensischen Hauptstadt erheben. Vor mehr als zweitausend Jahren bedeckte die Nebenbuhlerin Roms diese ganze Uferstrecke, von der Spitze von La Golette bis zum Kap, welches jetzt noch ihren Namen trägt.

Die auf einem kleinen, zweihundert Fuß hohen Hügel erbaute Kapelle des heiligen Ludwig erhebt sich auf demselben Platze, auf welchem, wie festgestellt ist, der König von Frankreich im Jahre 1270 gestorben ist. Sie nimmt den Mittelpunkt einer kleinen Anlage ein, die mehr antike Scherben, architektonische Fragmente, Bruchstücke von Statuen, Vasen, Säulen, Inschriften, Capitälen, Pfeilern als Bäume oder Gebüsche zählt. Dahinter befindet sich das Kloster der Missionäre, deren Prior augenblicklich der Vater Delattre, ein gelehrter Archäologe, ist. Von der Höhe dieser Anlage beherrscht man die ganze Sandküste von Kap Carthago an bis zu den ersten Häusern von La Golette.

Am Fuße des Hügels erheben sich einige Paläste arabischer Bauart mit Säulenreihen nach englischer Mode; sie spiegeln im Meere ihre eleganten Verpfählungen wieder, an denen die Boote der Rhede anlegen können. Jenseits liegt der herrliche Golf, dessen sämmtliche Vorgebirge, Kaps, Bergzüge in Ermangelung von Ruinen mit geschichtlichen Erinnerungen bedacht sind.

Neben den Palästen und Landhäusern, welche sich bis an die Stelle der alten Kriegs-und Handelshäfen hin erheben, findet man auch hier und dort, in den Falten der Hügel verstreut, inmitten der Steingerölle auf einem grauen und der Cultur fast unzugänglichen Boden, elende Häuschen, in denen die Armen der Umgebung wohnen. Die Meisten von ihnen kennen kein anderes Gewerbe, als auf der Erdoberfläche oder innerhalb der obersten Bodenlage mehr oder weniger kostbare Scherben aus der carthaginiensischen Zeit, Bronzen, Edelsteine, Töpfereien, Medaillen, Geldstücke zu suchen, die das Kloster ihnen für sein archäologisches Museum gern abkauft – weit mehr aus Mitleid als aus Bedürfniß.

Einige dieser Unterschlüpfe haben nur zwei oder drei Mauerwände. Man könnte sie Ruinen von Marabuts nennen, die in dem Klima dieses sonnenreichen Gestades weiß geblieben sind.

Der Doctor und seine Gefährten fuhren von einem dieser Häuschen zum anderen und besichtigten sie alle; sie suchten die Behausung von Frau Bathory, mochten aber nicht glauben, daß sie bis zu diesem Grade des Elends gesunken war.

Plötzlich hielt der Wagen vor einer zerfetzten Behausung, deren Thür nur einem Loche glich, das in die halb von dem Grün der Pflanzen verdeckte Mauer gestoßen war.

Eine alte Frau, deren Kopf eine schwarze Kappe bedeckte, saß vor dieser Thür.

Peter hatte sie sofort wiedererkannt! – Er hatte einen Schrei ausgestoßen!… Es war seine Mutter!… Er stürzte zu ihr, ließ sich vor ihr auf die Knie nieder und schloß sie in seine Arme…. Doch sie erwiderte nicht seine Liebkosungen, sie schien ihn nicht wiederzuerkennen.

»Mutter!… Mutter!« rief er, während der Doctor, Luigi, seine Schwester sich um sie drängten.

Um die Ecke der Ruine trat in diesem Augenblicke ein Greis.

Es war Borik.

Er erkannte zuerst den Doctor Antekirtt und seine Knie beugten sich. Dann bemerkte er Peter… Peter, dessen Leichenzuge er bis auf den Friedhof von Ragusa gefolgt war…. Das war zu viel für ihn. Er fiel, ohne eine Bewegung von sich zu geben, um, nur seine Lippen stammelten noch die Worte:

»Sie hat keinen Verstand mehr!«

Jetzt, wo der Sohn seine Mutter wiederfand, war nur noch ein träger, bewußtlos handelnder Körper von ihr übrig. Der Anblick ihres Kindes, das sie todt glauben mußte, welches plötzlich vor ihren Augen auftauchte, war nicht einmal im Stande, ihr die Erinnerung an die Vergangenheit wiederzugeben… Frau Bathory hatte sich erhoben, ihre Augen blickten verstört, aber noch lebhaft. Ohne irgend etwas gesehen, ohne ein Wort gesprochen zu haben, ging sie in den Marabut zurück, wohin ihr Maria auf einen Wink des Doctors folgte.

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