Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Das Eiland bildete eine Gefahr für die Insel. (S. 474.)
Die Vorbereitungen zur Vertheidigung der Insel waren, wie man weiß, noch nicht beendet. Wenn es auch nicht möglich sie in absehbarer Zeit zu Ende zu führen, so waren doch wenigstens Vorräthe an Munition jeder Gattung in dem Arsenale von Antekirtta überaus reichlich vorhanden.
Antekirtta, welches von den Küsten der Cyrrhenäischen Halbinsel an zwanzig Meilen entfernt liegt, wäre vollständig isolirt im Innern dieses Golfes, wenn nicht ein Eiland, bekannt unter dem Namen Eiland Kencraf, welches ungefähr dreihundert Meter im Umkreise mißt, zwei Meilen von seiner südöstlichen Spitze auftauchen würde. Dieses Eiland sollte nach des Doctors Idee als Deportationsort dienen, wenn jemals ein Kolonist diese Strafe verdiente; diese Verbannung würde dann von dem regulären Gerichtshofe der Insel über den Betreffenden verhängt werden – ein Fall, der sich aber bis dahin noch nicht ereignet hatte. Zu diesem Zwecke waren auf dem Eilande einige Baracken aufgeführt worden.
Das Eiland Kencraf war aber durchaus unbefestigt, und falls eine feindliche Flotte Antekirtta angriff, bildete es lediglich durch seine Lage eine Gefahr für die Insel. Es genügte, dort zu landen, um aus dem Eilande eine solide Operationsbasis zu machen. Neben der Bequemlichkeit, die es als Niederlage von Lebensmitteln und Munition bot und neben der Möglichkeit, eine Batterie dort zu errichten, konnte es für die Belagerer ein sehr ernsthafter Stützpunkt werden; es wäre weit besser gewesen, es hätte nicht existirt, da die Zeit fehlte, es in Vertheidigungszustand zu setzen.
Die Lage des Eilandes Kencraf und die Vortheile, welche ein Feind aus ihm gegen Antekirtta ziehen konnte, beunruhigten den Doctor unablässig. Nachdem er Alles reiflich erwogen hatte, entschloß er sich, es zu zerstören, zu gleicher Zeit aber diese Sprengung mit der Vernichtung von einigen hundert Seeräubern, die vielleicht die Kühnheit haben würden, sich auf Kencraf festzusetzen, zu verbinden.
Dieser Plan gelangte zur sofortigen Ausführung. Durch vollständige Durchgrabung des Erdreiches des Eilandes wurde dasselbe schnell zu einer großen Minenkammer umgewandelt und mit Antekirtta durch einen unterseeischen Draht in Verbindung gesetzt. Ein elektrischer Strom, der durch diesen Draht geleitet wurde, war ausreichend, jede Spur seines einstigen Daseins von der Oberfläche des Meeres verschwinden zu lassen.
Weder mit gewöhnlichem Pulver, weder mit Schießbaumwolle noch mit Dynamit wollte der Doctor diese furchtbare Zerstörungskraft entwickeln. Er kannte die Zusammensetzung eines neuen Explosionsstoffes, der neuerdings entdeckt worden war und dessen zerstörende Eigenschaften so bedeutende sind, daß man wohl sagen kann, er ist im Vergleich zum Dynamit das, was das Dynamit im Vergleich zum gewöhnlichen Pulver ist. Viel handlicher als das Nitro-viel transportabler, weil es nur die Anwendung von zwei isolirten Flüssigkeiten erfordert, deren Mischung sich erst im Augenblicke des Gebrauches bildet, viel widerstandsfähiger gegen das Einfrieren bis zu zwanzig Graden unter Null, während das Dynamit schon bei fünf oder sechs Graden erstarrt, und durch einen heftigen Stoß explodirbar wie das Zündhütchen, ist dieses Mittel ebenso furchtbar als einfach in seiner Anwendung.
Wie erhält man es? Lediglich durch die Thätigkeit des anhydrischen und reinen Salpeteroxyd im flüssigen Zustande auf diverse kohlenstoffhaltige, mit mineralischen Oelen durchsetzte, vegetabilische, animalische oder Theile von anderen Fettsubstanzen enthaltende Körper. Aus diesen beiden Flüssigkeiten, die von einander getrennt unschädlich sind und sich in einander auflösen, macht man eine einzige in der gewünschten Menge, wie man eine Wasser-oder Weinmischung herstellen würde. Eine Gefahr bei der Herstellung existirt nicht. Das ist das Panciastil, ein Wort, welches »Alles brechend« bedeutet, und es bricht in Wahrheit auch Alles.
Dieses Zerstörungsmittel wurde in Form zahlreicher Flatterminen in das Erdreich des Eilandes gesenkt. Mit Hilfe des unterseeischen Drahtes von Antekirtta, der den elektrischen Funken auf die Zündhütchen übertragen sollte, mit denen jede Mine versehen war, konnte die Explosion sofort erfolgen. Da es sich jedoch ereignen konnte, daß der Leitungsdraht nicht functionirte durch irgend welche Zufälligkeiten, so waren im Uebermaße der Vorsicht eine gewisse Anzahl Apparate in den festen Boden des Eilandes eingelassen und untereinander durch verschiedene unterirdische Drähte verbunden worden. Es genügte, daß ein Fuß zufällig auf der Erdoberfläche die Plättchen eines dieser Apparate streifte, um die Kette zu schließen, den Strom zu erzeugen und die Explosion hervorzurufen. Es war also mit Leichtigkeit die völlige Zerstörung des Eilandes Kencraf zu bewirken, wenn zahlreiche Angreifer dort landeten.
Diese Arbeiten waren in den ersten Tagen des November bereits weit vorgeschritten, als ein Zwischenfall eintrat, der den Doctor zwang, die Insel auf einige Tage zu verlassen.
Am 3. November Früh warf der Dampfer, der zum Kohlentransporte zwischen Cardiff und Antekirtta diente, im Hafen dieser Insel Anker. Unwetter hatte ihn gezwungen, während seiner Ueberfahrt Schutz in Gibraltar zu suchen. Dort fand der Kapitän einen postlagernden Brief vor, der an die Adresse des Doctors gerichtet war. Dieser Brief war schon eine geraume Zeit hindurch von Postanstalt zu Postanstalt längs der Küste des Mittelländischen Meeres gesandt worden, ohne indessen seinen Adressaten erreichen zu können.
Der Doctor nahm diesen Brief, dessen Umhüllung die Poststempel von Malta, Catania, Ragusa, Ceuta, Otranto, Malaga und Gibraltar trug.
Die Aufschrift – unbeholfene, in zitternden Formen geschriebene Buchstaben – verrieth eine Hand, welche nicht mehr die Uebung, vielleicht auch nicht mehr die Kraft zum Schreiben hatte. Ueberdies trug die Adresse nur einen Namen, den des Doctors, mit folgender rührender Empfehlung:
»Herrn Doctor Antekirtt.
Durch die Güte Gottes.«
Der Doctor erbrach die Umhüllung und öffnete den Brief – ein schon vergilbtes Blatt Papier. Er las:
»Herr Doctor!
Möge Gott diesen Brief in Ihre Hände fallen lassen!… Ich bin schon sehr alt…. Ich kann sterben…. Sie wird allein auf Erden stehen…. Haben Sie auf die letzten Tage eines so schmerzensreichen Lebens Mitleid mit Frau Bathory!… Kommen Sie ihr zu Hilfe…. Kommen Sie!
Ihr ergebener Diener
Borik.«
Dann in einer Ecke: »Carthago« und darunter die Worte »Regentschaft Tunis«.
Der Doctor befand sich allein im Stadthause, als er Kenntniß von dem Inhalte dieses Briefes nahm. Es war ein Schrei der Freude und der Hoffnungslosigkeit, der ihm zu gleicher Zeit entfloh – der Freude, weil er endlich die Spuren von Frau Bathory gefunden hatte – der Hoffnungslosigkeit oder vielmehr der Furcht, denn die Poststempel zeigten an, daß der Brief schon vor einem Monat geschrieben worden war.