Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Eza.
Am Tische des Trente et Quarante hatte Silas Toronthal sofort seine Bekümmernisse vergessen. Er spielte jetzt nicht mehr mit Furcht, sondern wüthend, genauer ausgedrückt, wie ein Mann, der nicht zögern will, sich selbst hineinzulegen. Kann man übrigens behaupten, daß es hierbei eine bestimmte Regel zu spielen, sein Geld anzulegen gibt? Ersichtlich nicht, obgleich es die Spielhabitué’s behaupten. Man ist vollständig dem Zufalle unterthan. Der Banquier spielte also unter der Aufsicht Sarcany’s, dessen Interesse an dieser hohen Partie ein doppeltes war, wie immer auch das Ende sein würde.
Während der ersten Stunde waren Gewinn und Verlust fast die gleichen. Der Sieg begann schon sich auf die Seite von Silas Toronthal zu neigen.
Sarcany und er glaubten nun des Erfolges gewiß zu sein. Sie reizten sich selbst und forderten nur noch das Maximum heraus. Bald aber hatte die Bank wieder Oberhand, welche natürlich nicht die Dummheit macht, aus sich herauszugehen und deren, den Spielern aufgelegtes Maximum die Interessen in so beträchtlichem Maße schützt.
Es gab furchtbare Hiebe. Der ganze Gewinn, den Silas Toronthal am Nachmittage eingeheimst hatte, ging nach und nach wieder verloren. Es war schrecklich zu sehen, wie der Banquier mit verzerrten Mienen und weitaufgerissenen Augen sich an den Tischrand, an seinen Stuhl klammerte, an die Bankbillets, an die Goldrollen, die seine Hand nicht freigeben wollte, mit den Bewegungen, dem Aufspringen und den Zuckungen eines Mannes, der ertrinkt. Und Niemand da, der ihn vom Rande des Abgrundes zurückgerissen hätte. Nicht ein Arm, der ihm hingereicht wurde, an dem er sich hätte festklammern können! Kein Versuch Seitens Sarcany’s, ihn von dem Platze zu entfernen, fortzuschleppen, ehe sein Ruin vollständig war, ehe sein Kopf in den Fluthen seines Bankerotts versank.
Um zehn Uhr hatte Silas Toronthal seinen letzten Einsatz gemacht, das letzte Maximum gewagt. Er hatte es gewonnen, dann wieder verloren. Und als er sich mit verwirrtem Haar erhob, kam ihm der Wunsch, die Säle des Casinos möchten zusammenstürzen und Alles vergraben, was sich in ihnen befand, denn er besaß ja nichts mehr – nichts mehr von den Millionen, welche ihm sein mit den Millionen des Grafen Sandorf neu aufgebautes Bankhaus hinterlassen hatte.
Silas Toronthal verließ in der Begleitung Sarcany’s, der sein Kerkermeister zu sein schien, die Spielsäle, er durchschritt die Vorhalle und stürzte aus dem Casino hinaus. Beide flüchteten durch die Anlage in die Fußpfade hinein, welche zur Turbie hinausführen.
Pointe Pescade war ihnen bereits auf den Fersen. Er hatte Kap Matifu im Vorübergehen von der Bank aufgeschreckt, auf welcher der Hercules noch in einem Halbschlaf versanken saß und ihm zugerufen:
»Hurtig!… Gebrauche Deine Augen und Beine!«
Und Kap Matifu hatte sofort mit ihm die Fährte eingeschlagen, welche sie nicht mehr verlieren durften.
Sarcany und Silas Toronthal schritten nebeneinander weiter und stiegen allmählich immer höher, indem sie den gewundenen Fußpfaden folgten, welche sich auf dieser Seite des Gebirges durch die Oliven-und Orangenbäume hindurchschlängeln. Diese muthwilligen Zickzacklinien machten es Kap Matifu und Pointe Pescade bequem, Jene nicht aus den Augen zu verlieren, aber vernehmen konnten sie nicht, was Jene sprachen.
»Kommen Sie in das Hotel zurück, Silas, hörte Sarcany nicht auf, mit befehlerischer Stimme zu wiederholen. Kommen Sie zurück!… Gewinnen Sie doch Ihre Kaltblütigkeit wieder!…
– Nein!… Wir sind ruinirt!… Wir wollen uns trennen!… Ich will Sie nicht mehr sehen!… Ich will nicht mehr…
– Uns trennen?… Und warum!… Sie werden mir folgen, Silas!… Morgen verlassen wir Monaco!… Wir haben noch genügend Geld, um Tetuan zu erreichen, und dort werden wir unser Werk vollenden!
– Nein, Nein!… Lassen Sie mich, Sarcany, lassen Sie mich!« erwiderte Silas Toronthal.
Und er stieß ihn heftig von sich, als jener ihn anfassen wollte. Dann schritt er so schnell weiter, daß Sarcany ihn kaum einzuholen vermochte. Dessen unbewußt, was er that, riskirte Silas Toronthal, in die reißenden Gießbäche zu stürzen, oberhalb deren sich das Netz der Fußpfade entwickelt. Ein einziger Gedanke beherrschte und quälte ihn unaufhörlich: Monte Carlo zu fliehen, wo sein Ruin sich vollzogen hatte, Sarcany zu fliehen, dessen Rathschläge ihn in den Abgrund geführt, mit einem Worte, zu fliehen, dem Zufalle nach, ohne Ziel und Zweck, ohne zu wissen, wohin und was aus ihm werden würde.
Sarcany fühlte wohl, daß, wenn er nicht mehr Vernunft besäße als sein Genosse, dieser ihm entschlüpfen würde. Ja, wenn der Banquier nicht Kenntniß von den Geheimnissen gehabt hätte, die ihn verderben oder wenigstens unheilbar dies letzte Spiel, welches er noch spielen wollte, vereiteln konnten, so hätte er sich wenig Sorgen um den Mann gemacht, den er an den Rand des Verderbens gebracht hatte. Doch ehe Silas Toronthal ganz hineinstürzte, konnte er einen letzten Schrei ausstoßen und dieser Schrei war es, den Sarcany ersticken mußte.
Von dem Gedanken an das Verbrechen, das zu begehen er entschlossen war, bis zu dessen unmittelbarer Ausführung war nur ein Schritt und diesen Schritt zögerte Sarcany nicht zu gehen. Was er eigentlich auf der Landstraße von Tetuan thun wollte, in der Einsamkeit der marokkanischen Landschaft, hinderte Niemand ihn noch in dieser Nacht zu thun, sobald die Anlagen erst von den Besuchern verlassen worden waren.
Doch zu dieser Stunde gab es noch zwischen Monte Carlo und der Turbie Nachzügler, welche die Rampen hinauf oder hinunter stiegen. Ein Schrei von Silas Toronthal hätte sie zu seiner Hilfe herbeilocken können, der Mörder aber wollte, daß der Todtschlag unter solchen Umständen vor sich ginge, die Niemand verdächtigen konnten. Daher der Zwang, warten zu müssen. Weiter oben, jenseits der Turbie und der Grenze des Reiches von Monaco, auf der Straße der Corniche, welche in einer Höhe von zweitausend Meter in die Seitenwände der untersten Absätze der Seealpen eingehauen ist, konnte Sarcany sein Vorhaben mit voller Sicherheit ausführen. Wer hätte da seinem Opfer zu Hilfe kommen sollen? Wie hätte man den Leichnam von Silas Toronthal auf dem Grunde der Schluchten, welche die Straße eingrenzen, auffinden können?
Sarcany wollte indessen erst noch einmal versuchen, seinen Genossen aufzuhalten und ihn nach Monte Carlo zurückzuführen.
»Komm, Silas, komm, rief er und ergriff dessen Arm. Morgen fangen wir noch einmal an!… Ich besitze noch etwas Geld!…
– Nein!… Lassen Sie mich… lassen Sie mich!…« rief Silas Toronthal in einem letzten Wuthanfalle.
Wenn er stark genug gewesen wäre, sich mit Sarcany in einen Kampf einzulassen, wenn er Waffen bei sich gehabt hätte, würde er gewiß nicht gezögert haben, Rache für alles Unheil zu nehmen, welches sein einstiger Makler in Tripolis über ihn gebracht hatte.
Silas Toronthal stieß mit der einen Hand, welcher der Zorn Stärke verlieh, Sarcany zurück; dann wendete er sich der letzten Krümmung des Pfades zu und überschritt einige Stufen, die zwischen kleinen, etagenförmig angelegten Gärten, in roher Manier in den Fels gehauen waren. Bald hatte er die Hauptstraße der Turbie erreicht, die über den schmalen Paß führt, welcher den Hundskopf vom Rumpf des Berges Agal trennt, die einstige Grenze zwischen Italien und Frankreich.
»Geh’ nur, Silas, rief Sarcany nochmals. Geh’ nur, Du wirst nicht weit kommen!«
Er warf sich nach rechts, überkletterte einen niedrigen Steinwall, durchschritt flink einen Treppengarten und eilte dann schnell fort, um Silas Toronthal auf der Straße vorauszukommen. Pointe Pescade und Kap Matifu hatten, obwohl sie von der Unterhaltung nichts verstehen konnten, gesehen, wie der Banquier Sarcany heftig zurückstieß und Sarcany im Dunkel verschwand.
»Der Teufel hat seine Hand im Spiel! rief Pointe Pescade. Der Beste entwischt uns wahrscheinlich… Es fehlt nicht viel und der Andere macht es ebenso!… Jedenfalls ist auch Toronthal eine gute Beute… Uebrigens haben wir keine Wahl… Vorwärts, mein Kap, vorwärts!«