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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Peter war unbeweglich vor der Thür stehen geblieben, er war unfähig und wagte nicht einen Schritt zu thun.

Inzwischen hatte Borik durch die Bemühungen des Doctors sein Bewußtsein wiedererlangt.

»Sie, Herr Peter, Sie… am Leben! rief er aus.

– Ja, antwortete dieser, ja, lebend… wenngleich ich wünschte, todt zu sein!«

Der Doctor klärte mit wenigen Worten Borik über die Vorgänge in Ragusa auf. Dann erzählte der alte Diener seinerseits unter großer Anstrengung von den zwei Monaten ihres Elends.

»Vor allen Dingen, fragte der Doctor zunächst, hat der Tod ihres Sohnes Frau Bathory um den Verstand gebracht?

– Nein, Herr, nein,« antwortete Borik.

Er erzählte Folgendes.

Frau Bathory, die damals allein auf Erden stand, hatte Ragusa verlassen wollen, um sich in dem Dorfe Vinticello niederzulassen, woselbst noch einige Glieder ihrer Familie wohnten. Während dieser Zeit war man darauf bedacht, das Wenige zu veräußern, was noch in dem kleinen Hause ihr Eigenthum war, denn sie wollte es nicht länger bewohnen.

Sie kam deshalb sechs Wochen später in Borik’s Begleitung nach Ragusa zurück, um ihre Geschäfte abzuwickeln, und als sie in der Marinella-Straße angelangt war, fand sie in dem Briefkasten am Hause ein Schreiben vor.

Sie las diesen Brief und stieß einen Schrei aus, gerade so, als ob der Inhalt ihrer Vernunft den ersten Stoß gegeben hätte, dann eilte sie die Straße hinunter in den Stradone, überschritt diesen und klopfte an die Thür des Hotels Toronthal, welche sich sofort öffnete.

»Des Hotels Toronthal? rief Peter.

– Ja! erwiderte Borik, und als ich Frau Bathory eingeholt hatte, erkannte sie mich nicht mehr… Sie war…

– Warum war nur meine Mutter in das Hotel Toronthal geeilt?… Ja… warum? wiederholte Peter, der den alten Diener betrachtete, als wäre er nicht im Stande, dessen Worte zu begreifen.

– Sie wollte jedenfalls Herrn Toronthal sprechen, antwortete Borik, Herr Toronthal aber hatte zwei Tage vorher mit seiner Tochter das Hotel verlassen; man wußte nicht, wohin er gereist war.

– Und dieser Brief… dieser Brief?

– Ich habe ihn nicht wiederfinden können, Herr Peter, antwortete der Greis. Sei es, daß ihn Frau Bathory verloren oder zerstört hat, sei es, daß man ihn ihr genommen hat, kurz, ich habe nie erfahren, was er enthielt.«

Es gab hier also ein Geheimniß. Der Doctor, welcher dem Berichte zugehört hatte, ohne ein Wort hineinzureden, wußte nicht sich diesen Schritt der Frau Bathory zu enträthseln. Welcher befehlerische Beweggrund hatte sie nach dem Hotel im Stradone hintreiben können, das sie vor allen anderen Dingen hätte meiden müssen und warum hatte sie, als sie das Verschwinden von Silas Toronthal hörte, eine so heftige Erschütterung erlitten, daß sie den Verstand verlor?

Die Erzählung des alten Dieners war in wenigen Minuten beendet. Nachdem es ihm geglückt war, den Zustand der Frau Bathory zu verheimlichen, beschäftigte er sich damit, die letzten Habseligkeiten, die ihr geblieben waren, zu veräußern. Der nur still und sanft sich äußernde Wahnsinn der unglücklichen Frau Bathory hatte es ihm ermöglicht, jeden Verdacht zu vermeiden. Er wollte nichts anderes, als Ragusa verlassen und gleichviel wohin flüchten, unter der Bedingung, daß dieser Ort fern von dieser verwünschten Stadt lag. Einige Tage später gelang es ihm, sich mit Frau Bathory auf einem der Packetboote einzuschiffen, welche den Dienst an den Küsten des Mittelmeeres versehen und auf diese Weise kam er nach Tunis oder vielmehr nach La Golette. Hier beschloß er sich festzusetzen.

In den Ruinen dieses verlassenen Marabuts widmete der Greis sich vollständig der Pflege, die der geistige Zustand der Frau Bathory beanspruchte, welche mit der Vernunft zugleich auch die Rede verloren zu haben schien. Doch seine Hilfsquellen waren so winziger Natur, daß er den Augenblick herannahen sah, in welchem Beide auf die letzte Stufe des Elends gesunken sein würden.

In dieser Lage erinnerte sich der alte Diener des Doctors Antekirtt und des Interesses, welches diesem die Familie Bathory stets eingeflößt hatte. Doch Borik wußte nicht, wo sich der Doctor ständig aufhielt. Er schrieb ihm indessen und diesen Brief, der einen Verzweiflungsschrei enthielt, vertraute er dem Walten der Vorsehung an. Es schien, als ob die Vorsehung eine gute Postbehörde war, denn der Brief war, wie bekannt, an seine Adresse gelangt.

Ueber das, was jetzt zu thun war, konnte kein Zweifel herrschen. Frau Bathory, die sich nicht im Geringsten sträubte, wurde zum Wagen geführt, in welchem sie mit ihrem Sohne, Borik und Maria Platz nahm, die sie nicht mehr verlassen sollte. Während der Wagen dann den Weg nach Golette einschlug, kehrten der Doctor und Luigi dahin zu Fuß längs des Ufers zurück.

Eine Stunde später schifften sich Alle auf der Yacht ein, die unter Dampf geblieben war. Der Anker wurde sofort emporgewunden, und sobald der »Ferrato« Kap Bon doublirt hatte, kam sie in den Bereich der Leuchtfeuer von Pantellaria. Am folgenden Morgen bei Tagesanbruch warf sie im Hafen von Antekirtta Anker.

Frau Bathory wurde sofort an das Land gebracht und nach Artenak in eines der Zimmer des Stadthauses überführt; Maria verließ sogar ihr Haus, um in der Nähe derselben weilen zu können.

Welch neuer Gegenstand für den Schmerz Peter Bathory’s! Seine Mutter ihrer Vernunft beraubt, seine Mutter wahnsinnig geworden unter Umständen, die jedenfalls unerklärlich bleiben würden! Wenn die Ursache dieses Wahnsinnes bekannt gewesen wäre, so hätte man vielleicht doch eine heilsame Reaction herbeiführen können. Aber man wußte nichts, man konnte nichts wissen.

»Sie muß geheilt werden!… Ja… sie muß!« sagte sich der Doctor, der sich dieser Aufgabe völlig widmete.

Ein schwieriges Unterfangen, denn Frau Bathory blieb unablässig in vollständigem Unbewußtsein ihrer Verrichtungen und niemals stieg eine Erinnerung an die Vergangenheit in ihr auf.

War der Fall nicht ganz dazu angethan, die Macht der Gedankeneingebung, welche der Doctor in einem so hohen Grade besaß und von der er schon so unleugbare Beweise gegeben hatte, zu erproben, um den geistigen Zustand Frau Bathory’s aufzubessern? Konnte man nicht mittelst magnetischen Einflusses die Vernunft in ihr wachrufen und sie erhalten, bis die Reaction sich vollzogen hatte?

Peter Bathory beschwor den Doctor, selbst das Unmögliche zur Heilung seiner Mutter zu versuchen.

»Nein, meinte der Doctor, es kann nicht gelingen. Die Irren sind die widerspenstigsten Versuchsobjecte auf diesem Gebiete der Willensübertragung. Um diesen Einfluß zu erproben, müßte Deine Mutter, lieber Peter, noch einen persönlichen Willen haben, dem ich den meinigen unterschieben könnte. Ich wiederhole Dir, ich könnte auf sie keine Wirkung ausüben!

– Nein!… Ich kann die Richtigkeit des Gesagten nicht zugestehen, antwortete Peter, der sich nicht zufrieden geben konnte. Ich muß daran festhalten, daß eines Tages meine Mutter ihren Sohn wiedererkennen wird… ihren Sohn, den sie für todt hält!…

– Ja… den sie für todt hält! erwiderte der Doctor. Halt… vielleicht wenn sie Dich am Leben glaubt… oder wenn sie vor Dein Grab geführt, Dich plötzlich auftauchen sähe…«

Der Doctor hielt diesen Gedanken fest. Warum sollte eine moralische Erschütterung nicht ohne eine Einfluß auf den Geist Frau Bathory’s sein, wenn sie unter günstigen Bedingungen sich vollzog.

»Ich werde den Versuch machen,« rief der Doctor.

Als er Peter erklärt, auf welche Probe sich seine Hoffnung, dessen Mutter heilen zu können, aufbaute, fiel ihm dieser in die Arme.

Von dem Tage an war es beider Sorge, die Scenerie, welche den Versuch begünstigen sollte, vorzubereiten. Es handelte sich um nichts Geringeres, als in Frau Bathory die Wirkungen der Erinnerung wieder lebendig zu machen, die durch ihren gegenwärtigen Zustand vernichtet worden waren, und das unter solchen Umständen, daß eine Reaction in ihrem Geiste Platz greifen konnte.

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