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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Garth blieb stehen und entschloß sich, sein trotziges Schweigen zu brechen. »Irgendwer hat mir vor ein paar Minuten erzählt, im Hafen wimmele es nur so von Blauröcken«, knurrte er und ließ seinen Blick über die Kaianlagen schweifen. Mehrere Schiffe lagen hier vor Anker, einige hundert Schritte entfernt auch das größte von allen, die NOVATAN. Gedämpftes Lachen und Fetzen von Seemannsliedern und rauhen Scherzen drangen an sein Ohr. Mit leisem Klatschen schlug das Wasser gegen die Mauern. Alles machte einen so normalen Eindruck, daß es schon wieder nicht mehr normal wirkte. Ganz und gar nicht. Aber vielleicht war er auch nur übernervös.

»Das verstehe ich auch nicht«, entgegnete Bard. »Du solltest nicht weitergehen. Das riecht alles ganz verdammt nach einer Falle, wenn du meinen Rat hören willst.«

Garth verkniff sich die Bemerkung, daß er dies ganz und gar nicht vorhatte. Er ging ein Stück weiter, so daß er die NOVATAN besser sehen konnte, blieb dann im Schatten einer Hauswand stehen und starrte weiterhin auf die Pier hinaus, an welcher der Kapersegler vertäut war. An Deck des Schiffes brannten einige Kohlefeuer, vor denen sich schemenhaft die Silhouetten von Matrosen abhoben. Nirgendwo war auch nur der Zipfel einer Uniform zu sehen.

»Irgend etwas stimmt hier nicht«, wiederholte Garth. Er seufzte, drehte sich halb zu Bard herum und sah ihn fragend an. »Kannst du schwimmen?«

»Schwimmen?« Bard schüttelte überrascht den Kopf. »Nein.«

»Gut«, sagte Garth. Dann fuhr er vollends herum, packte Bard am Kragen und hob ihn mit einer Hand mühelos ein Stück weit in die Höhe. Ebenso mühelos schlug er mit dem anderen Arm die Hand des Rattengesichtes zur Seite, als dieser nach seinem Schwert zu greifen versuchte. »Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, daß du etwas damit zu tun hast«, erklärte er, beinahe im Plauderton. »Ich würde dir raten, mir jetzt ganz schnell ein paar Fragen zu beantworten. Es sei denn, du möchtest ein Bad nehmen…« Er grinste, hob Bard ohne sichtliche Anstrengung noch ein Stück höher und schwenkte ihn gleichzeitig herum, bis seine strampelnden Beine über der Kaimauer hingen.

»Du bist verrückt«, keuchte Bard. »Laß mich runter. Hast du schon vergessen, daß ich dir das Leben gerettet habe?«

»Nein, das habe ich keineswegs, auch wenn ich es am liebsten täte«, knurrte Garth, ohne seinen Griff auch nur für eine Sekunde zu lockern. »Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto sonderbarer kommt es mir vor. Ich bin vielleicht dumm, weißt du, aber nicht ganz so blöd, wie du aussiehst. Solch eine Schlafmütze kann der Kommandant der Stadtgarde doch gar nicht sein, daß er solche Trottel ausschickt, um Garth, die Hand, zu fangen.«

»Das ist er auch nicht«, würgte Bard hervor. »Aber er ist tot, wenn du ihn nicht sofort losläßt, und ich verspreche dir, daß du ihn nur um ein paar Sekunden überleben wirst.«

»Du – «

Garth war so verblüfft, daß er den Rattengesichtigen tatsächlich freigab. Bard kreischte, warf sich noch in der Luft herum und prallte eine Handbreit vor dem Kai auf den Boden. Garth richtete die Spitze des Schwertes auf seine Kehle. »Was soll das heißen?« fragte er.

»Ich bin nicht nur Bard, sondern Kommandant Bard«, schnappte das Rattenmaul. Die Waffe, die auf seine Kehle gerichtet war, schien ihn eher wütend zu machen, als daß sie ihn in Schrecken versetzte. »Es hat wohl keinen Sinn, dir noch länger etwas vorzuspielen.«

»Aber dann – « Garth verstummte und blickte sich noch einmal um. Mit einem Mal glaubte er die Spitzen der Pfeile geradezu spüren zu können, die aus dem Dunkel auf ihn gerichtet waren. Sein Gefühl hatte ihn nicht getrogen. Es war eine Falle. Er überlegte, ob er Bard an sich reißen und als lebende Deckung nehmen sollte, verwarf den Gedanken aber sofort wieder. Nicht nur, daß er fünf Männer von der Statur des Rattengesichts gebraucht hätte, um sich dahinter zu verbergen, war es auch sinnlos, daß er nicht einmal wußte, in welcher Richtung die Soldaten lauerten. Vielleicht überall.

»Warum diese Komödie?« fragte er. »Wenn du mich umbringen willst, hättest du das leichter haben können. Deine Männer können mich vielleicht immer noch töten, aber dann wirst du mit mir zur Hölle fahren.«

»Wer spricht denn von umbringen?« erwiderte Bard überrascht. »Im Gegenteil, wir haben die gleichen Ziele. Ich wollte nur sichergehen, daß du das Schiff tatsächlich nimmst. Weißt du, bei den Unruhen in der Stadt sind wir gar nicht mehr daran interessiert, dich festzunehmen. Das beste ist, wenn du auf Nimmerwiedersehen aus Armar verschwindest, genau wie deine Freunde, die sich bereits auf dem Weg nach Lacom befinden. Also geh schon auf dein Schiff und hau ab von hier.«

Zögernd blickte Garth zur NOVATAN hinüber. Bards Worte klangen logisch, und doch… irgend etwas daran störte ihn. An Bord des Schiffes schien alles seinen gewohnten Gang zu gehen; wahrscheinlich ahnte nicht einmal jemand, was wenige Schritte neben ihnen geschah. Er fragte sich, ob er dem Kommandanten trauen konnte. Aber welche Wahl hatte er schon? »Gut«, sagte er widerwillig. »Ich werde mit der NOVATAN davonsegeln und Armar verlassen. Für immer.« Er lächelte grimmig. »Aber wenn wirklich alles so einfach ist, wie du mich glauben machen willst, dann hast du doch sicher nichts dagegen, bis zum Ablegen des Schiffes bei mir zu bleiben, nicht wahr?« Garth unterstrich seine Frage mit einer knappen Bewegung des Schwertes. »Und denk daran, daß ich immer noch genug Zeit finde, dir die Kehle durchzuschneiden, falls deine Schergen einen Fehler machen.«

Bard nickte. »Das hatte ich ohnehin vor«, behauptete er. »Nur, um sicher zu sein, daß du dich beim Ablegen auch an Bord befindest. Gehen wir.«

Garth hielt die Schwertspitze ununterbrochen auf den Rücken des Rattengesichtes gerichtet, während sie hintereinander über die Pier schritten und sich der NOVATAN näherten. Auch jetzt blieb dort noch alles ruhig. Erst als sie nahe genug herangekommen waren, daß man Garth erkannte, sah er, wie sich die gespannten Bögen einiger Männer hinter der Reling senkten. Auch die anderen saßen keineswegs nur so gelassen herum, wie es von weitem den Anschein erwecken sollte. Beinahe die gesamte Besatzung befand sich an Deck, und alle Männer waren bis an die Zähne bewaffnet, anstatt sich während der Ankerzeit in ihren Kajüten auszuruhen und neue Kraft für die bevorstehende Überfahrt zu sammeln. Garth spürte fast überdeutlich die nervöse Stimmung, die auf der NOVATAN herrschte.

Die Reihen der Männer teilten sich, und Kapitän Harlon trat an die Reling; in der herrschenden Dunkelheit nicht mehr als ein massiger Schatten, der sich schwarz gegen den Sternenhimmel und die wenigen Feuer auf dem Schiff abhob. »Wer ist dieser Mann, Garth?« fragte er scharf. »Es war verabredet, daß du allein kommst.«

»Er ist ein guter Freund«, erwiderte der Dieb. »Keine Sorge, vor dem Auslaufen ist er verschwunden.«

»Ich mag keine Fremden auf meinem Schiff«, brummte Harlon, während zwei seiner Matrosen eine breite Laufplanke an Land schoben. »Aber meinetwegen. Wir warten ohnehin nur noch auf die Papiere der Hafenbehörde, dann lichten wir Anker. Irgend etwas Seltsames geht vor in Armar, und ich will so schnell wie möglich weg.«

»Nichts dagegen.« Garth verbarg das Schwert unter dem Mantel, da es wohl seltsam gewirkt hätte, einen ›guten Freund‹ mit Waffengewalt auf das Schiff zu treiben. »Du zuerst«, befahl er leise und bedeutete Bard, weiterzugehen.

Bard nickte, machte einen Schritt und blieb mitten in der Bewegung stehen, so abrupt, daß Garth ihm um ein Haar das Schwert in den Rücken gestoßen hätte. Aber er schien den schmerzhaften Stich gar nicht zu spüren. Aus entsetzt geweiteten Augen starrte er auf einen Punkt nicht weit von der NOVATAN entfernt. Garth wandte den Kopf.

Und was er sah, ließ ihn aufschreien.

Die NOVATAN zerbarst vor ihren Augen. Die Masten zersplitterten, von einer geisterhaften Macht wie Streichhölzer geknickt, dann wurde das ganze Schiff wie von einer unsichtbaren Riesenfaust gepackt und ein gutes Stück weit in die Höhe gerissen, stürzte mit vernichtender Wucht ins Wasser zurück und begann wie ein Stein zu versinken. Alles war unglaublich schnell gegangen, und beinahe lautlos.

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