Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Wir beobachteten sie noch ein paar Minuten friedlich im gesprenkelten Licht. Schließlich signalisierte mir Jamie mit einer Berührung am Arm, dass es Zeit war, zu gehen.
Er ließ die Hand auf meinem Arm liegen, um mich zu stützen, während wir uns den Rückweg zur Straße suchten. Es war das erste Mal, seit er mich aus Fort William gerettet hatte, dass ich ihm freiwillig gestattete, mich zu berühren. Immer noch verzaubert vom Anblick der Wölfe, redeten wir nicht viel, doch allmählich wurde unser Umgang wieder lockerer.
Ich dachte an die Geschichten, die er mir erzählt hatte, und konnte ihn nur für das bewundern, was er getan hatte. Ohne ein einziges Wort der direkten Erklärung oder Entschuldigung hatte er mir die beabsichtigte Botschaft übermittelt. Ich habe dir Gerechtigkeit angedeihen lassen, so, wie man es mich gelehrt hat. Und ich habe Gnade walten lassen, soweit ich das konnte. Ich konnte dir zwar den Schmerz und die Erniedrigung nicht ersparen, aber ich mache dir meinen eigenen Schmerz und meine Erniedrigung zum Geschenk, damit du die deine leichter ertragen kannst.
»Ist es sehr schlimm für dich gewesen?«, fragte ich abrupt. »Geschlagen zu werden, meine ich. Bist du immer gut darüber hinweggekommen?«
»Meistens habe ich es vergessen, sobald es vorüber war. Nur das letzte Mal nicht, das hat eine Weile gedauert.«
»Warum?«
»Ah, nun ja. Erstens war ich sechzehn und erwachsen … dachte ich. Zweitens hat es furchtbar weh getan.«
»Du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht möchtest«, sagte ich, da ich sein Zögern spürte. »Ist es eine schmerzhafte Geschichte?«
»Nicht annähernd so schmerzhaft wie meine damalige Strafe«, erwiderte er lachend. »Nein, es macht mir nichts aus, es dir zu erzählen. Es ist nur eine ziemlich lange Geschichte, das ist alles.«
»Es ist ja auch noch weit bis Bargrennan.«
»Das stimmt. Also dann. Weißt du noch, dass ich dir erzählt habe, dass ich mit sechzehn ein Jahr in Leoch verbracht habe? Es war eine Abmachung zwischen Colum und meinem Vater – um mich mit dem Clan meiner Mutter vertraut zu machen. Ich habe zwei Jahre als Ziehsohn bei Dougal gelebt und dann ein Jahr auf der Burg, um gute Umgangsformen zu lernen und Latein und solche Dinge.«
»Oh. Ich hatte mich schon gefragt, wie es kam, dass du dort warst.«
»Aye, so war es. Ich war kräftig für mein Alter oder zumindest groß, konnte damals schon gut mit dem Schwert umgehen und war ein ziemlich guter Reiter.«
»Und bescheiden«, sagte ich.
»Nicht besonders. Dafür aber ziemlich unverschämt und noch vorlauter, als ich es heute bin.«
»Kaum auszumalen«, sagte ich belustigt.
»Nun ja, Sassenach. Ich hatte gemerkt, dass ich die Leute mit meinen Bemerkungen zum Lachen bringen konnte, also habe ich öfter gespottet, ohne groß darauf zu achten, was ich sagte oder zu wem. Ich war manchmal gemein zu den anderen Jungen, ohne es böse zu meinen; ich konnte einfach nicht widerstehen, wenn mir ein schlauer Spruch einfiel.«
Er blickte zum Himmel auf, um zu schätzen, wie spät es war.
»Also bin ich eines Tages zu weit gegangen. Ich war mit ein paar anderen Jungen in einem Korridor unterwegs und habe Mistress FitzGibbons am anderen Ende gesehen. Sie hatte einen großen Korb dabei und ist beim Gehen hin und her gewatschelt. Du weißt ja, wie sie heute aussieht; damals war sie auch nicht viel schlanker.« Verlegen rieb er sich die Nase.
»Nun, ich habe ein paar unhöfliche Bemerkungen über ihr Aussehen gemacht. Lustig, aber ausgesprochen unhöflich. Meine Kameraden haben furchtbar gelacht. Mir war nur nicht klar, dass sie mich auch gut hören konnte.«
Mit Leichtigkeit konnte ich mir die füllige Haushälterin von Leoch vorstellen. Ich selbst hatte sie zwar immer nur gutmütig erlebt, aber sie schien mir kein Mensch zu sein, den man ungestraft beleidigen konnte.
»Was hat sie getan?«
»Nichts – zu diesem Zeitpunkt. Ich habe erst erfahren, dass sie das Ganze gehört hatte, als sie am nächsten Tag in der Halle vor Colum getreten ist und ihm alles erzählt hat.«
»Oje.« Ich wusste, wie sehr Colum Mrs. Fitz schätzte, und ich glaubte nicht, dass er eine Respektlosigkeit ihr gegenüber auf die leichte Schulter nehmen würde. »Was ist passiert?«
»Das Gleiche, was Laoghaire passiert ist – zumindest fast.« Er gluckste.
»Nur dass mich der Übermut gepackt hat und ich aufgestanden bin und gesagt habe, dass ich eine Bestrafung mit der Faust wähle. Ich habe mir Mühe gegeben, ganz ruhig und erwachsen aufzutreten, obwohl mein Herz wild gehämmert hat und mir ein bisschen schlecht geworden ist, als ich mir Angus’ Hände angesehen habe; sie sahen aus wie Felsbrocken, und zwar ziemlich große Felsbrocken. Ein paar Leute in der Halle haben gelacht; ich war damals noch nicht so groß wie jetzt und habe weniger als die Hälfte gewogen. Angus hätte mir mit einem Schlag den Kopf vom Hals reißen können. Aber Colum und Dougal haben mich stirnrunzelnd angesehen, obwohl ich den Eindruck hatte, dass sie auch ein wenig stolz waren, dass ich den Nerv zu dieser Bitte hatte. Dann hat Colum nein gesagt – wenn ich mich wie ein Kind benähme, sollte man mich auch wie ein Kind bestrafen. Er hat genickt, und ehe ich nur einen Mucks von mir geben konnte, hat mich Angus über das Knie gelegt, mir den Kilt hochgezogen und mir vor der ganzen Halle mit dem Gürtel den Hintern versohlt.«
»Oh, Jamie!«
»Mmmpfm. Dir ist vielleicht aufgefallen, dass Angus sein Handwerk versteht? Ich habe fünfzehn Schläge bekommen, und ich könnte dir heute noch sagen, wo jeder einzelne gelandet ist.« Er erschauerte bei dem Gedanken daran. »Man konnte die Abdrücke eine ganze Woche lang sehen.«
Er streckte die Hand aus, brach ein Büschel Nadeln vom nächsten Baum am Wegesrand ab und breitete sie wie einen Fächer zwischen Daumen und Finger aus. Der Terpentingeruch wurde mit einem Mal schärfer.
»Nun, danach durfte ich aber nicht einfach gehen und mir die Wunden lecken. Als Angus mit mir fertig war, hat mich Dougal im Genick gepackt und mich zum anderen Ende der Halle geschleift. Dann musste ich auf Knien über die Steine zurückrutschen. Ich musste vor Colums Sessel niederknien und erst Mrs. Fitz und Colum um Verzeihung bitten. Danach musste ich mich bei allen Anwesenden für meine Unhöflichkeit entschuldigen, und schließlich musste ich mich bei Angus für die Prügel bedanken. Daran hätte ich mich fast verschluckt, aber er war sehr großzügig und hat mir sogar die Hand zum Aufstehen gereicht. Man hat mich neben Colum auf einen Hocker gesetzt, und ich musste dort sitzen bleiben, bis die Halle vorüber war.«
Er zog schutzsuchend den Kopf ein. »Das war die schlimmste Stunde, die ich je erlebt habe. Mein Gesicht stand in Flammen, genau wie mein Hintern, meine Knie waren blutig, und ich konnte meinen Blick nur auf meine Füße richten. Aber das Schlimmste war, dass ich fürchterlich pinkeln musste. Ich wäre fast gestorben; ich wäre lieber geplatzt, als mich auch noch vor allen einzunässen. Doch viel hat nicht gefehlt. Ich habe mein ganzes Hemd durchgeschwitzt.«
Ich verkniff es mir zu lachen. »Hättest du Colum denn nicht sagen können, was los war?«
»Er wusste ganz genau, was los war, ebenso wie alle anderen, so, wie ich mich auf dem Hocker gewunden habe. Die Leute haben schon Wetten abgeschlossen, ob ich durchhalte oder nicht.« Er zuckte mit den Schultern.
»Colum hätte mich gehen lassen, wenn ich gefragt hätte. Aber … nun ja, dann hat mich die Sturheit gepackt.« Er grinste ein wenig verlegen, und seine Zähne schimmerten weiß in seinem dunklen Gesicht. »Dachte, ich sterbe lieber, als zu fragen, und fast wäre es auch so gekommen. Als mir Colum schließlich erlaubte zu gehen, habe ich es zwar noch aus dem Saal geschafft, aber nur bis zur nächsten Tür. Dort habe ich mich hinter die Wand gestürzt und Bäche von mir gegeben; ich dachte schon, es hört gar nicht mehr auf. Also …«, er breitete selbstironisch die Hände aus und ließ die Kiefernnadeln fallen, »jetzt weißt du das Schlimmste, was mir je passiert ist.«