Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Also«, sagte er und holte tief Luft, »bin ich zu Hauptmann Randall gegangen. Er hat die Soldaten aus dem Zimmer geschickt, so dass wir allein waren, und er hat mir einen Hocker angeboten. Dann erzählte er, mein Vater wollte eine Kaution für mich hinterlegen, doch der Vorwurf gegen mich sei ernst und für eine Kaution bedürfe es einer schriftlichen Genehmigung des Herzogs von Argyll, auf dessen Gebiet wir uns befänden. Ich vermutete, dass mein Vater vorhatte, Argyll aufzusuchen. Unterdessen, so sagte Randall weiter, sei da ja noch die Sache mit meiner zweiten Strafe.« Er hielt einen Moment inne, als wüsste er nicht genau, wie er fortfahren sollte.
»Sein Verhalten war … seltsam, fand ich. Sehr höflich, aber mit einem Unterton, den ich nicht verstand. Er hat mich unablässig beobachtet, als ob er erwartete, dass ich irgendetwas tue, dabei habe ich einfach nur still dagesessen. Er hat sich halb entschuldigt und gesagt, er bedaure, dass unser Verhältnis bis jetzt so schwierig gewesen sei, und dass er wünschte, die Umstände wären anders und so weiter.« Jamie schüttelte den Kopf. »Ich hatte keine Ahnung, wovon er redete; er hätte mich schließlich noch vor zwei Tagen am liebsten totgeschlagen. Als er aber endlich zur Sache kam, hat er kein Blatt vor den Mund genommen.«
»Und was wollte er?«, fragte ich. Jamie richtete den Blick erst auf mich, dann wandte er ihn ab. Seine Gesichtszüge waren nicht zu erkennen, aber ich hatte das Gefühl, dass er verlegen war.
»Mich«, sagte er geradeheraus.
Ich fuhr derart zusammen, dass das Pferd den Kopf hin und her warf und vorwurfsvoll schnaubte. Jamie zuckte erneut mit den Schultern.
»Er war ganz direkt. Wenn ich ihn … äh, über meinen Körper verfügen lassen würde, würde er darauf verzichten, mich ein zweites Mal auszupeitschen. Wenn nicht … würde ich wünschen, ich wäre nie geboren, hat er gesagt.«
Mir wurde übel.
»Ich habe mir schon in diesem Moment etwas in der Art gewünscht«, sagte er mit einer Spur von Humor. »Mein Magen fühlte sich an, als hätte ich Glasscherben gegessen, und wenn ich nicht gesessen hätte, hätten mir die Knie geschlottert.«
»Aber was …« Meine Stimme war heiser, und ich räusperte mich und begann von vorn. »Aber was hast du getan?«
Er seufzte. »Nun ja, ich will dich nicht anlügen, Sassenach. Ich habe darüber nachgedacht. Mein Rücken war immer noch so wund, dass ich es kaum ertragen konnte, ein Hemd anzuziehen, und mir wurde beim Aufstehen schwindelig. Die Vorstellung, das noch einmal durchzumachen … gefesselt und hilflos auf den nächsten Hieb zu warten …« Er erschauerte unwillkürlich.
»Ich wusste es ja nicht genau«, fuhr er ironisch fort, »aber ich habe mir gedacht, in den Hintern gebumst zu werden würde zumindest etwas weniger schmerzhaft sein. Es sind schon Männer unter der Peitsche gestorben, Sassenach, und ich hatte das Gefühl, dass er dieses Schicksal auch für mich vorgesehen hatte, falls ich mich so entschied.« Er seufzte erneut.
»Aber … nun ja, ich konnte den Kuss meines Vaters noch auf meiner Wange spüren, und habe daran gedacht, was er sagen würde, und … ich konnte es einfach nicht. Auf den Gedanken, was mein Tod vielleicht für meinen Vater bedeuten würde, bin ich nicht gekommen.« Er prustete, als fände er irgendetwas komisch. »Außerdem dachte ich, der Mann hat schon meine Schwester vergewaltigt – der Teufel soll mich holen, wenn er mich auch noch bekommt.«
Ich wiederum fand das gar nicht komisch. Ein weiteres Mal sah ich Jack Randall in einem neuen, noch abstoßenderen Licht. Jamie rieb sich den Nacken, dann ließ er die Hand auf den Sattelknauf sinken.
»Also habe ich das bisschen Mut zusammengenommen, das ich zu diesem Zeitpunkt noch hatte, und habe nein gesagt. Ich habe es unüberhörbar gesagt und sämtliche Schimpfwörter hinzugefügt, die mir für ihn eingefallen sind, so laut ich konnte.«
Er verzog das Gesicht. »Ich hatte Angst, dass ich es mir anders überlegen würde, wenn ich darüber nachdachte; ich wollte sichergehen, dass es kein Zurück für mich gab. Obwohl es vermutlich sowieso nicht möglich ist, ein solches Angebot taktvoll zurückzuweisen«, fügte er nachdenklich hinzu.
»Nein«, stimmte ich ihm trocken zu. »Ich denke, er wäre auf keinen Fall begeistert gewesen, ganz gleich, wie du es gesagt hättest.«
»Das war er auch nicht. Er hat mir den Handrücken vor den Mund geschlagen, um mich zum Schweigen zu bringen. Ich bin zu Boden gestürzt – ich war immer noch ein bisschen schwach –, und er hat sich über mich gestellt und einfach nur wortlos auf mich hinuntergestarrt. Ich war nicht so dumm, zu versuchen aufzustehen, ich habe einfach nur reglos dagelegen, bis er die Soldaten gerufen hat, die mich in meine Zelle zurückführen sollten.« Er schüttelte den Kopf. »Er hat keine Miene verzogen, als ich ging, sondern nur gesagt: ›Wir sehen uns am Freitag‹, als hätten wir eine geschäftliche Verabredung oder etwas in der Art.«
Die Soldaten hatten Jamie nicht in die Zelle zurückgesteckt, die er sich mit drei anderen Gefangenen geteilt hatte. Stattdessen hatte man ihn allein in ein kleines Zimmer gesteckt, wo er ohne Ablenkung auf die Abrechnung am Freitag warten durfte, abgesehen vom täglichen Besuch des Garnisonsarztes, der ihm den Rücken verband.
»Er war zwar kein großer Arzt«, sagte Jamie, »aber er war gut zu mir. Als er am zweiten Tag mit seinem Gänseschmalz und der Holzkohle kam, hat er mir eine kleine Bibel mitgebracht, die einem Gefangenen gehört hatte, der gestorben war. Er sagte, er hätte gehört, dass ich Papist bin, und ob ich nun Trost in Gottes Wort fände oder nicht, ich könnte ja zumindest meine Sorgen mit dem vergleichen, was Hiob durchgemacht hat.« Er lachte.
»Seltsamerweise hat es mich getröstet. Unser Herr musste schließlich auch die Geißel ertragen, und ich konnte darüber nachsinnen, dass ich zumindest nicht hinterher ins Freie gezerrt und gekreuzigt werden würde. Andererseits«, setzte er hinzu, »musste sich unser Herr auch keine unsittlichen Anträge von Pontius Pilatus anhören.«
Jamie hatte die kleine Bibel noch. Er kramte in seiner Satteltasche danach und gab sie mir, damit ich sie mir ansehen konnte. Es war ein abgenutztes, keine fünfzehn Zentimeter großes, in Leder gebundenes Büchlein, das auf so dünnem Papier gedruckt war, dass die Worte der einen Seite auf die andere durchschienen. Auf der ersten Seite stand Alexander William Roderick MacGregor, 1733. Die Tinte war verblichen und verschwommen und der Einband gewellt, als wäre das Buch mehrmals nass geworden.
Ich drehte das schmale Buch neugierig um. Obwohl es so dünn war, musste es ihn einige Mühe gekostet haben, es während seiner Reisen und Abenteuer der letzten vier Jahre bei sich zu behalten.
»Ich habe dich noch nie darin lesen sehen.« Behutsam gab ich es ihm zurück.
»Nein, deshalb verwahre ich es auch nicht«, erklärte er. Er steckte es wieder ein und strich dabei mit dem Daumen über die Kante des abgenutzten Einbandes. Geistesabwesend klopfte er auf die Satteltasche.
»Alex MacGregor hat noch eine unbezahlte Rechnung offen. Ich habe vor, sie eines Tages einzutreiben.« Dann kehrte er zu seiner Erzählung zurück. »Jedenfalls wurde es endlich Freitag, und ich weiß gar nicht, ob ich darüber froh oder unglücklich war. Das Warten und die Angst waren beinahe schlimmer, als ich vermutete, dass es der Schmerz sein würde. Aber als es so weit war …« Er bewegte sich mit diesem seltsamen, angedeuteten Achselzucken, als glättete er das Hemd über seinem Rücken. »Nun, du hast die Narben ja gesehen. Du weißt, wie es war.«
»Nur weil Dougal es mir erzählt hat. Er sagt, er war dabei.«
Jamie nickte. »Aye, er war dabei. Und mein Vater ebenfalls, obwohl ich das in dem Moment nicht wusste. In meinen Gedanken war damals nicht viel Raum für etwas anderes als meine eigenen Sorgen.«
»Oh«, sagte ich langsam, »und dein Vater …«
»Mmm. Da ist es passiert. Ein paar der Männer haben mir hinterher erzählt, sie hätten nach der Hälfte der Prügel gedacht, ich wäre tot, und mein Vater dachte das wahrscheinlich auch.« Er zögerte, und seine Stimme war belegt, als er fortfuhr. »Als ich zusammengebrochen bin – so hat Dougal es mir erzählt –, hat mein Vater einen unterdrückten Laut ausgestoßen und sich an den Kopf gefasst. Dann ist er zusammengesackt wie ein Stein. Und ist nicht wieder aufgestanden.«