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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Gestern Abend hatte er sich danach sehr taktvoll verhalten. Sobald er fertig war, hatte er sich den Gürtel wieder umgeschnallt und war wortlos aus dem Zimmer gegangen. Eine Stunde später war er zurückgekehrt, nachdem ich das Licht gelöscht hatte und zu Bett gegangen war. Doch er war nicht so dumm gewesen zu versuchen, sich zu mir zu legen. Nach einem Blick in die Dunkelheit, in der ich reglos verharrte, hatte er tief aufgeseufzt, sich in sein Plaid gewickelt und sich an der Tür auf den Boden schlafen gelegt.

Ich wiederum war zu wütend und zu aufgeregt gewesen und hatte mich körperlich zu elend gefühlt, um schlafen zu können. Den Großteil der Nacht hatte ich deshalb wach gelegen. Dabei hatte ich abwechselnd über das nachgedacht, was Jamie gesagt hatte, und mit dem Wunsch gekämpft, aufzustehen und ihn in eine empfindliche Stelle zu treten.

Wäre ich objektiv gewesen, wozu ich aber nicht in der Stimmung war, hätte ich vielleicht zugegeben, dass er recht damit hatte, dass ich die Dinge nicht ernst genug nahm. Doch er hatte unrecht, wenn er behauptete, dass es daran lag, dass es dort, wo ich herkam, weniger gefährlich war. Eigentlich glaubte ich sogar eher, dass das Gegenteil der Fall war.

Diese Zeit war in vielfacher Hinsicht unwirklich für mich, wie ein Theaterstück oder ein Kostümwettbewerb. Im Vergleich mit der mechanisierten Massenvernichtung, die ich miterlebt hatte, erschienen mir die kleinen Scharmützel, deren Zeugin ich hier geworden war – ein paar mit Schwertern und Musketen bewaffnete Männer –, eher pittoresk als bedrohlich.

Die Größenordnung der Ereignisse bereitete mir Probleme. Ein Mann, der durch eine Musketenkugel umkam, war genauso tot wie einer, der durch einen Mörser getötet wurde. Der Unterschied war nur, dass der Mörser unpersönlich tötete und Dutzende von Männern auf einmal vernichtete, während die Muskete von einem Mann abgefeuert wurde, der seinem Opfer ins Auge sehen konnte. Damit war es für mich eher Mord, kein Krieg. Ab wie vielen Männern war es Krieg? Vielleicht mussten es ja zumindest so viele sein, dass sie einander nicht persönlich sehen mussten? Und doch war dies für Dougal, Jamie, Rupert und Ned eindeutig Krieg – oder zumindest eine ernste Sache. Selbst der kleine Murtagh mit dem Rattengesicht war nicht einfach von Natur aus ruppig, sondern kämpfte auch aus anderen Gründen.

Und was waren das für Gründe? Einen anderen König auf den Thron zu setzen? Hannover oder die Stuarts? Für mich waren das nach wie vor nur Namen auf einer Karte an der Klassenzimmerwand. Was waren sie im Vergleich mit dem unvorstellbaren Grauen in Hitlers Reich? Doch für die, die unter diesen Königen lebten, war es vermutlich wichtig, auch wenn es mir trivial erscheinen mochte. War der Kampf um ein selbstbestimmtes Dasein weniger wertvoll als die Notwendigkeit, eine Bedrohung für die Menschheit auszuräumen?

Gereizt hatte ich mich bewegt und mir vorsichtig das schmerzende Gesäß gerieben. Ich bedachte Jamie, der zusammengerollt an der Tür lag, mit giftigen Blicken. Er atmete zwar gleichmäßig, aber nicht tief; vielleicht konnte er ja auch nicht schlafen. Na, hoffentlich!

Zunächst hätte ich dieses ganze bemerkenswerte Ungemach am liebsten als Melodrama betrachtet; im richtigen Leben passierte so etwas einfach nicht. Ich hatte wahrhaftig schon viele Schreckmomente erlebt, seit ich durch den Stein geschritten war, doch dieser Nachmittag war bis jetzt das schlimmste Erlebnis.

Jack Randall, der Frank so ähnlich war – und doch so furchtbar unähnlich. Seine Berührung meiner Brüste hatte unvermittelt eine Verbindung zwischen meinem alten Leben und diesem hier geknüpft und meine beiden getrennten Realitäten mit einem Donnerschlag zusammengeführt. Und dann war da noch Jamie: sein Gesicht, bleich vor Angst in Randalls Fenster, vor Wut verzerrt an der Straße, vor Schmerz erstarrt nach meinen Beleidigungen.

Jamie. Jamie war real, das stimmte, realer, als je etwas anderes für mich gewesen war, selbst Frank und mein Leben nach dem Krieg. Jamie, zärtlicher Liebhaber und perfider Rächer.

Möglicherweise war das ja Teil des Problems. Jamie nahm meine Sinne so vollständig ein, dass seine Umgebung beinahe unwichtig zu sein schien. Doch ich konnte es mir nicht länger erlauben, sie zu ignorieren. Meine Unüberlegtheit hatte ihn fast das Leben gekostet, und bei dem Gedanken, ihn zu verlieren, verknotete sich mir der Magen.

Ich hatte mich plötzlich hingesetzt, weil ich zu ihm gehen und ihm sagen wollte, dass er zu mir ins Bett kommen sollte. Doch als ich mit meinem Gewicht auf den Hinterlassenschaften seines Handwerks landete, überlegte ich es mir genauso plötzlich anders, und ich warf mich wütend wieder auf den Bauch.

Ich hatte die ganze Nacht zwischen Wutausbrüchen und philosophischen Anwandlungen gependelt, und jetzt war ich völlig erschöpft. Ich verschlief den ganzen Nachmittag und stolperte dann benommen zu einem leichten Abendessen nach unten, als Rupert mich gegen Abend weckte.

Dougal hatte zwar mit Sicherheit über die Kosten geflucht, doch er hatte ein neues Pferd für mich aufgetrieben. Ein kräftiges, wenn auch nicht sehr elegantes Tier mit einem freundlichen Blick und einer kurzen Stoppelmähne, dem ich sofort den Namen Thistle gab.

Allerdings hatte ich keinen Gedanken an die Wirkung eines langen Rittes nach einer Prügelstrafe verschwendet. Ich warf einen skeptischen Blick auf Thistles Sattel und begriff plötzlich, was mir blühte. Ein dicker Umhang landete quer über dem Sattel, und Murtaghs glänzendes schwarzes Rattenauge blinzelte mir von der anderen Seite verschwörerisch zu. Ich beschloss, dass ich zumindest in würdevollem Schweigen leiden würde, und biss grimmig die Zähne zusammen, als ich mich in den Sattel hievte.

Es schien eine stumme Absprache der Ritterlichkeit unter den Männern zu geben; sie legten in häufigen Abständen Pausen ein, um sich einer nach dem anderen zu erleichtern, so dass ich für ein paar Minuten absteigen und mir unauffällig das schmerzende Hinterteil reiben konnte. Hin und wieder schlug einer von ihnen vor, anzuhalten und etwas zu trinken, was zur Folge hatte, dass ich ebenfalls anhalten musste, denn Thistle trug die Wasserflaschen.

Auf diese Weise bewegten wir uns ein paar Stunden vorwärts, doch der Schmerz wurde ständig schlimmer, und ich rutschte ständig im Sattel hin und her. Zur Hölle mit dem würdevollen Leiden, beschloss ich schließlich; ich musste einfach eine Weile absteigen.

»Hoh!«, sagte ich zu Thistle und schwang mich zu Boden. Ich gab vor, ihren linken Vorderhuf zu untersuchen, während sich die anderen Pferde um uns scharten.

»Ich fürchte, sie hatte sich einen Stein unter das Eisen getreten«, flunkerte ich. »Ich habe ihn zwar herausbekommen, aber ich führe sie besser ein Stück; ich möchte ja nicht, dass sie lahm wird.«

»Nein, das wäre natürlich nicht gut«, sagte Dougal. »Schön, dann geh ein Stück zu Fuß, aber es muss jemand bei dir bleiben. Die Straße ist zwar verlassen, aber es kommt nicht in Frage, dass du allein hier herumwanderst.« Jamie stieg auf der Stelle ab.

»Ich gehe mit ihr«, sagte er leise.

»Gut. Aber haltet euch nicht zu lange auf. Wir müssen vor Tagesanbruch in Bargrennan sein; der Wirt im Red Boar ist unser Freund.« Mit einer Handbewegung sammelte er die anderen um sich, und sie trabten los und ließen uns im Staub zurück.

Die mehrstündige Sattelfolter hatte meine Laune nicht verbessert. Sollte er meinetwegen mit mir zu Fuß gehen. Ich würde eher zur Hölle fahren, als mit ihm zu sprechen, dem sadistischen, brutalen Mistkerl.

Er sah zwar im Zwielicht nicht besonders sadistisch aus, aber ich nahm mir vor, hart zu bleiben. Ich humpelte vor mich hin und würdigte ihn keines Blickes.

Meine gequälten Muskeln protestierten zunächst angesichts der ungewohnten Bewegung, doch nach einer halben Stunde fiel mir das Gehen schon leichter.

»Morgen wird es besser«, stellte Jamie beiläufig fest. »Nur mit dem Sitzen wird es noch einen Tag länger dauern.«

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