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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Der Gesang der Vögel im Heidekraut wurde jetzt lauter. Jamie hatte den Kopf gesenkt, so dass ich sein Gesicht nicht sehen konnte.

»Ich wusste nicht, dass er tot war«, fuhr er leise fort. »Sie haben es mir erst einen Monat später erzählt … als sie dachten, ich könnte es verkraften. Also konnte ich ihn auch nicht begraben, wie es sein Sohn hätte tun sollen. Und ich habe sein Grab noch nie gesehen – weil ich Angst habe, heimzugehen.«

»Jamie«, sagte ich. »Jamie, mein Herz.«

Nach einer Pause, die mir sehr lang erschien, sagte ich: »Aber du darfst … du kannst dich nicht selbst dafür verantwortlich machen. Jamie, du hättest doch nichts tun können, nichts anders machen können.«

»Nicht?«, sagte er. »Nein, vielleicht nicht, obwohl ich mich frage, ob es auch geschehen wäre, wenn ich mich anders entschieden hätte. Aber dieses Wissen ändert nicht viel an dem, was ich empfinde – und ich habe das Gefühl, als hätte ich ihn mit meinen eigenen Händen umgebracht.«

»Jamie …«, sagte ich noch einmal und hielt dann hilflos inne. Er ritt eine Weile schweigend vor sich hin, dann richtete er sich kerzengerade auf.

»Ich habe nie jemandem davon erzählt«, sagte er abrupt. »Aber ich dachte, du solltest es wissen – das mit Randall, meine ich. Was es ist, das zwischen ihm und mir steht.«

Was es ist, das zwischen ihm und mir steht. Das Leben eines anständigen Mannes, die Ehre eines Mädchens und eine obszöne Lust, die sich ihr Ventil in Blut und Angst suchte. Mir verknotete sich der Magen, als mir dämmerte, dass jetzt noch ein weiteres Gewicht in der Waagschale lag. Ich. Erst jetzt begann ich zu begreifen, was Jamie empfunden hatte, als er im Fenster zu Randalls Stube hockte, mit einer leeren Pistole in der Hand. Und ich begann, ihm das, was er mir angetan hatte, zu verzeihen.

Als hätte er meine Gedanken gelesen, sagte er, ohne mich anzusehen: »Weißt du … ich meine, kannst du vielleicht verstehen, warum ich es nötig fand, dich zu schlagen?«

Ich wartete einen Moment, ehe ich antwortete. Das verstand ich, ja, aber das war nicht alles.

»Ich verstehe«, sagte ich. »Und was das betrifft, verzeihe ich dir auch. Was ich dir nicht verzeihen kann«, setzte ich hinzu und erhob unwillkürlich die Stimme, »ist, dass du es genossen hast.«

Er beugte sich im Sattel vor, klammerte sich am Sattelknauf fest und lachte lange vor sich hin. Er kostete das Nachlassen der Anspannung aus, bis er schließlich den Kopf zurückwarf und sich mir zuwandte. Sein Gesicht war von Erschöpfung und Anstrengung zerfurcht – und von Fröhlichkeit. Die Kratzer auf seiner Wange waren schwarz im gedämpften Morgenlicht.

»Es genossen! Sassenach«, keuchte er, »du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich es genossen habe. Du warst so … Gott, du warst so schön. Ich war so wütend, und du hast dich so gewehrt. Es war schlimm für mich, dir weh zu tun, aber gleichzeitig wollte ich es auch. Himmel …«, sagte er und wischte sich die Nase, »ja. Ja, ich habe es genossen. Obwohl du es mir ruhig zugutehalten könntest, dass ich Zurückhaltung demonstriert habe.«

Allmählich wurde ich wieder ziemlich wütend. Ich konnte spüren, wie meine Wangen in der Morgenluft heiß anliefen.

»Zurückhaltung? Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass du demonstriert hast, wie gut du mit links zuschlagen kannst. Du hättest mich fast zum Krüppel gemacht, du arroganter schottischer Mistkerl!«

»Wenn ich dich zum Krüppel machen wollte, Sassenach, würdest du das merken«, antwortete er trocken. »Ich meine, hinterher. Ich habe auf dem Boden geschlafen, wie du dich vielleicht erinnerst.«

Ich sah ihn scharf an und atmete durch die Nase. »Oh, das nennst du also Zurückhaltung, ja?«

»Nun, ich fand es nicht richtig, mich in diesem Zustand über dich herzumachen, so gern ich es auch getan hätte. Und ich hätte es gern getan«, fügte er hinzu und lachte wieder. »Das war ein furchtbarer Dämpfer für meine natürlichen Instinkte.«

»Über mich herzumachen?«

»Nun, unter den Umständen würde ich es kaum ›lieben‹ nennen, du vielleicht?«

»Wie auch immer du es nennen möchtest«, erwiderte ich gleichmütig, »es ist gut, dass du es nicht versucht hast, sonst würden dir jetzt ein paar wertvolle Teile deiner Anatomie fehlen.«

»Dieser Gedanke ist mir auch gekommen.«

»Wenn du glaubst, du hast Applaus verdient, weil du die Körperverletzung nicht noch mit einer Vergewaltigung gekrönt hast …« Der Rest des Satzes blieb mir vor Empörung im Hals stecken.

Wir ritten etwa eine halbe Meile schweigend weiter. Dann seufzte er tief. »Ich sehe schon, dass ich dieses Gespräch besser nicht angefangen hätte. Was ich eigentlich wollte, war, vorsichtig auf die Frage hinzuarbeiten, ob du es mir erlauben würdest, dein Bett wieder zu teilen, wenn wir nach Bargrennan kommen.« Er hielt schüchtern inne. »Es ist ein bisschen kalt auf dem Boden.«

Ich ritt noch gute fünf Minuten weiter, ehe ich antwortete. Als ich mir zurechtgelegt hatte, was ich sagen wollte, stellte ich mein Pferd auf der Straße quer, so dass Jamie ebenfalls anhalten musste. Die ersten Dächer von Bargrennan waren bereits in Sichtweite.

Ich trieb mein Pferd an seine Seite, so dass uns nicht einmal ein halber Meter trennte. Ich sah ihm eine Minute direkt ins Auge, ehe ich sprach.

»Würdest du mir die Ehre erweisen, mein Bett zu teilen, mein Herr und Meister?«, fragte ich höflich.

Da offensichtlich sein Argwohn geweckt war, überlegte er kurz, dann nickte er genauso förmlich. »Ja. Danke.« Er machte schon Anstalten, weiterzureiten, als ich ihn aufhielt.

»Nur eines noch, Herr«, bat ich immer noch sehr höflich.

»Aye?«

Ich riss die Hand aus meiner geheimen Rocktasche, und die Morgensonne schlug Funken auf der Dolchklinge, die ich ihm an die Brust hielt.

»Wenn«, zischte ich durch die Zähne, »du noch einmal die Hand gegen mich erhebst, James Fraser, schneide ich dir das Herz heraus und brate es mir zum Frühstück!«

Es folgte eine lange Pause, die nur von den Geräuschen der Pferde und dem Klirren des Zaumzeugs unterbrochen wurde. Dann hielt er mir die offene Hand entgegen.

»Gib ihn mir.« Als ich zögerte, sagte er ungeduldig: »Ich werde dir nichts tun. Gib ihn mir!«

Er hielt den Dolch an der Klinge fest, senkrecht, so dass sich die Morgensonne in dem Mondstein fing und ihn aufleuchten ließ. Während er den Dolch wie ein Kruzifix hochhielt, rezitierte er etwas auf Gälisch. Ich erkannte den Text von der Eidzeremonie in Colums Halle, doch er ließ um meinetwillen die englische Übersetzung folgen:

»Ich schwöre beim Kreuz unseres Herrn Jesus Christus und bei dem heiligen Eisen in meiner Hand, dir meine Gefolgschaft zu gewähren und dem Namen der MacKenzies meine Treue zu schwören. Sollte sich meine Hand je gegen dich erheben, so möge mir dies heilige Eisen das Herz durchbohren.« Er küsste den Dolch an der Verbindungsstelle zwischen Heft und Klinge und gab ihn mir zurück.

»Ich spreche keine leeren Drohungen aus, Sassenach«, sagte er und zog die Augenbraue hoch, »und ich schwöre keinen Meineid. Können wir jetzt ins Bett gehen?«

Kapitel 23

Die Rückkehr nach Leoch

Dougal schritt ungeduldig vor dem Red Boar hin und her, weil er auf uns wartete.

»Du hast es also geschafft, wie?«, fragte er und sah beifällig zu, wie ich ohne Hilfe abstieg, auch wenn ich am Boden kurz strauchelte. »Tapferes Mädchen – zehn Meilen ohne einen Laut. Geh schon zu Bett, du hast es dir verdient. Ich bringe mit Jamie die Pferde in den Stall.« Er klopfte mir sacht auf den Hintern. Ich folgte seinem Vorschlag nur zu gern und war schon eingeschlafen, ehe mein Kopf auf dem Kissen landete.

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