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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Was ist passiert?« Ich hatte inzwischen fast vergessen, wütend zu sein.

»Nun, eines Tages stand ich wieder vorn – ich habe oft Schläge bekommen, weil ich nicht gut mit der rechten Hand schreiben konnte und es immer wieder mit links gemacht habe. Er hatte mich schon dreimal geschlagen – und fünf Minuten dazu gebraucht –, und vor dem nächsten Hieb hat er mir einen Vortrag gehalten, was für ein dummer, fauler, sturer Kerl ich doch wäre. Meine Hand hat furchtbar gebrannt, weil es schon das zweite Mal an diesem Tag war, und ich hatte Angst, weil ich wusste, dass ich zu Hause noch einmal Prügel bekommen würde – das war die Regel; wenn ich in der Schule geschlagen worden war, passierte das Gleiche zu Hause sofort noch einmal, weil mein Vater die Schule wichtig fand … Jedenfalls habe ich die Geduld verloren.« Seine linke Hand krümmte sich unwillkürlich um den Zügel, als wollte er die empfindliche Handfläche schützen.

Er hielt inne und sah mich an. »Ich verliere nur selten die Geduld, Sassenach, und meistens tut es mir hinterher leid.« Und eine konkretere Entschuldigung, dachte ich, würde ich wahrscheinlich nicht bekommen.

»Hat es dir damals leidgetan?«

»Nun ja, ich habe die Fäuste geballt und ihn böse angesehen – er war ein langer dürrer Kerl, vielleicht zwanzig, obwohl er in meinen Augen alt wirkte. Und dann habe ich gesagt: ›Ich habe keine Angst vor Euch, und Ihr könnt mich nicht zum Weinen bringen, ganz gleich, wie fest Ihr mich schlagt!‹« Er holte tief Luft und atmete langsam wieder aus. »Es war vermutlich ein Fehler, ihm das zu sagen, solange er die Rute noch in der Hand hielt.«

»Erzähl’s mir nicht«, sagte ich. »Er hat versucht, dir das Gegenteil zu beweisen?«

»Oh, aye, er hat es versucht.« Jamie nickte; ich sah seinen Kopf dunkel vor dem wolkenhellen Himmel. Er legte eine gewisse grimmige Genugtuung in das Wort »versucht«.

»Dann ist es ihm also nicht gelungen?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein. Zumindest ist es ihm nicht gelungen, mich zum Weinen zu bringen. Er hat mich aber dazu gebracht zu bedauern, dass ich den Mund nicht gehalten hatte.«

Er hielt einen Moment inne und wandte mir das Gesicht zu. Die Wolkendecke war aufgerissen, und das Mondlicht betonte die Kanten seines Kinns und seiner Wangen, so dass er aussah wie einer von Donatellos vergoldeten Erzengeln.

»Als dir Dougal vor unserer Hochzeit meinen Charakter beschrieben hat, hat er da zufällig erwähnt, dass ich manchmal etwas stur bin?« Seine Katzenaugen glitzerten, jetzt allerdings eher Luzifer als Erzengel Michael.

Ich lachte. »Das ist gelinde ausgedrückt. Wenn ich mich recht erinnere, hat er erzählt, dass die Frasers stur wie Felsbrocken sind und du der Schlimmste von allen bist. Ehrlich gesagt«, setzte ich trocken hinzu, »war mir so etwas auch schon aufgefallen.«

Er lächelte, während er sein Pferd um eine große Pfütze auf der Straße herumführte und das meine hinter sich herzog.

»Mmpf, nun ja, ich kann nicht behaupten, dass Dougal unrecht hat«, sagte er, als er das Hindernis hinter sich hatte. »Aber ich habe meine Sturheit geerbt. Mein Vater war genauso, und hin und wieder haben wir uns gegenseitig so an die Wand geredet, dass das Ganze nur noch mit Gewalt zu lösen war, was in den meisten Fällen damit endete, dass ich mich über den Zaun bücken musste.«

Plötzlich streckte er die Hand aus, um den Zügel meines Pferdes fester zu packen, weil das Tier plötzlich scheute. »Hooh. Ruhig. Stad!« Sein eigenes Pferd erschrak nicht so heftig, sondern schlug nur nervös mit dem Kopf.

»Was ist denn?« Trotz des Mondlichts, das Straße und Feld in fleckiges Licht tauchte, konnte ich nichts Verdächtiges erkennen. Vor uns befand sich ein dichtes Kiefernwäldchen, und es schien den Pferden zu widerstreben, näher heranzugehen.

»Ich weiß es nicht. Bleib hier und verhalte dich still. Steig auf und halte mein Pferd fest. Wenn ich dich rufe, lass die Zügel meines Pferdes los und flüchte.« Jamies Stimme war leise und beiläufig, und sie wirkte auf mich genauso beruhigend wie auf die Pferde. Er murmelte dem Pferd ein leises »sguir« zu und klopfte ihm auf den Hals, um es näher zu mir hinüberzudrängen. Dann verschwand er in der Heide, die Hand an seinem Dolch.

Ich sah und hörte mich angestrengt um, weil ich herausfinden wollte, was die Pferde so nervös machte; sie scharrten mit den Hufen, und ihre Ohren und Schweife zuckten. Inzwischen hatte der Nachtwind die Wolken verweht, und nur ein paar verstreute Fetzen huschten noch vor dem gleißenden Mond vorüber. Trotz der Helligkeit konnte ich aber weder auf der Straße noch in dem bedrohlichen Wäldchen etwas erkennen.

Dort war es zwar dunkel, aber nicht still. Die Kiefern rauschten leise vor sich hin, Millionen von Nadeln, die sich im Wind wiegten. Es waren sehr alte Bäume, gespenstisch im Zwielicht. Gymnospermen, Koniferen, die geflügelte Samen verstreuten, viel älter und gestrenger als die weich belaubten Eichen und Eschen mit ihrem filigranen Geäst. Ein passender Ort für Ruperts Gespenster und böse Geister.

Nur du, dachte ich über mich selbst verärgert, bringst es fertig, dir Angst vor einem Haufen Bäume einzureden. Aber wo war Jamie?

Die Hand, die mich am Oberschenkel packte, ließ mich aufquietschen wie eine verschreckte Fledermaus; so klang es nun einmal, wenn man mit dem Herzen in der Kehle zu schreien versuchte. Mit der unvernünftigen Wut eines Menschen, der grundlos verängstigt ist, trat ich nach ihm und traf ihn vor die Brust.

»Schleich dich doch nicht so an mich heran!«

»Schsch«, flüsterte er, »komm mit mir.« Er zog mich ohne Umschweife aus dem Sattel, stellte mich auf den Boden und band hastig die Pferde an, die uns beklommen nachwieherten, als er mich in das hohe Gras hinausführte.

»Was ist denn?«, zischte ich, während ich blindlings über Wurzeln und Steine stolperte.

»Still. Sag nichts. Schau auf den Boden und beobachte meine Füße. Tritt in meine Spuren und bleib stehen, wenn ich dich berühre.«

Langsam und mehr oder weniger leise betraten wir den Rand des Kiefernwäldchens. Es war dunkel unter den Bäumen, denn hier fielen nur Lichtkrümel auf die Nadelschicht unter unseren Füßen. Selbst Jamie konnte darauf nicht lautlos gehen, doch das Rascheln der trockenen Nadeln am Boden ging im Rauschen der grünen Nadeln über uns unter.

Eine Masse aus Granit erhob sich aus dem Waldboden und zerteilte die Nadelschicht. Hier ließ mich Jamie vorgehen und lenkte meine Hände und Füße, während ich den bröckeligen Felsen erkletterte. Oben hatten wir genug Platz, um uns bäuchlings nebeneinanderzulegen. Jamie, der kaum atmete, hielt mir den Mund an das Ohr. »Zehn Meter vor uns, rechts. Auf der Lichtung. Siehst du sie?«

Sobald ich sie sah, hörte ich sie auch. Wölfe, ein kleines Rudel, vielleicht acht oder zehn Tiere. Kein Geheul. Ihre Beute lag im Schatten, ein dunkler Fleck und ein Bein, das wie ein Stöckchen nach oben ragte und vibrierte, weil Zähne an dem Kadaver zerrten. Hin und wieder leises Knurren und Jaulen, wenn ein Welpe von Bissen eines erwachsenen Tiers verjagt wurde, zufriedene Fressgeräusche, Knirschen und das Knacken eines Knochens.

Als sich meine Augen dann besser an die mondgefleckte Szene gewöhnt hatten, konnte ich mehrere pelzige Gestalten ausmachen, die sich satt und friedlich unter den Bäumen ausgestreckt hatten. Hier und dort schimmerte graues Fell auf, weil die Wölfe, die noch fraßen, nach zarten Stücken suchten, die von den zuvor Speisenden übersehen worden waren.

Ein breiter gelbäugiger Kopf hob sich plötzlich mit gespitzten Ohren in einem der Lichtflecke. Der Wolf stieß einen leisen, drängenden Laut aus, irgendwo zwischen Jaulen und Knurren, und unvermittelt herrschte Stille unter den Bäumen.

Seine Safranaugen schienen sich geradewegs auf mich zu richten. Die Haltung des Tiers drückte weder Angst noch Neugier aus, sondern schien mich nur wachsam zur Kenntnis zu nehmen. Jamies Hand auf meinem Rücken mahnte mich, mich nicht zu bewegen. Allerdings hatte ich auch kein Bedürfnis davonzulaufen. Ich hätte stundenlang mit dem Blick der Wölfin verbunden bleiben können, doch sie – ich war mir sicher, dass es ein Weibchen war, obwohl ich nicht wusste, wieso – zuckte einmal mit den Ohren, als entließe sie mich, dann beugte sie sich wieder über ihre Mahlzeit.

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