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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Und wie kommt es, dass du da ein solcher Experte bist?«, fuhr ich ihn an. »Verprügelst du etwa häufiger andere Leute?«

»Äh, nein«, sagte er und ließ sich durch meinen Ton nicht beeindrucken. »Das war mein erster Versuch. Ich habe aber reichlich Erfahrung am anderen Ende.«

»Du?« Ich starrte ihn mit offenem Mund an. Die Vorstellung, dass sich jemand diesem Muskelberg mit einem Riemen näherte, war vollkommen undenkbar.

Er lachte angesichts meiner Miene. »Als ich noch kleiner war, Sassenach. Zwischen meinem achten und dem dreizehnten Lebensjahr habe ich so oft den Hintern versohlt bekommen, dass ich es gar nicht mehr zählen konnte. Dann bin ich größer geworden als mein Vater, und es wurde unpraktisch für ihn, mich über den Zaun zu legen.«

»Dein Vater hat dich geschlagen?«

»Aye, meistens. Der Lehrer natürlich auch, und hin und wieder Dougal oder ein anderer Onkel, je nachdem, wo ich gerade war und was ich angestellt hatte.«

Trotz meiner Entschlossenheit, ihn zu ignorieren, wurde ich neugierig.

»Was hast du denn angestellt?«

Er lachte wieder, und es hallte leise, aber ansteckend durch die stille Nachtluft.

»Nun, ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Ich muss aber zugeben, dass ich es meistens verdient hatte. Zumindest glaube ich nicht, dass mich mein Pa je ungerechtfertigt geschlagen hat.« Er ging eine Minute wortlos weiter und überlegte.

»Mm. Also, einmal war es, weil ich die Hühner mit Steinen beworfen habe; einmal, weil ich auf den Kühen geritten bin und sie zu aufgeregt waren, um sich melken zu lassen; und dann, weil ich die Marmelade aus den Plätzchen gegessen und die Plätzchen übrig gelassen habe. Ah, und weil ich die Stalltür nicht richtig geschlossen habe und die Pferde aus der Scheune gelaufen sind; und weil ich das Riet des Taubenschlags in Brand gesteckt habe – das war aber keine Absicht – und weil ich meine Schulbücher verloren habe – das war Absicht – und …« Er brach schulterzuckend ab, und ich lachte unwillkürlich.

»Das Übliche eben. Aber meistens war es, weil ich den Mund aufgemacht habe, wenn ich ihn besser gehalten hätte.«

Er prustete, während er sich an etwas erinnerte. »Meine Schwester Jenny hat einmal einen Krug zerbrochen; ich hatte sie gehänselt, und sie hatte vor Wut damit nach mir geworfen. Als mein Pa hereinkam und wissen wollte, wer das war, hatte sie Angst, etwas zu sagen, und sie hat mich nur mit großen Augen angesehen – sie hat blaue Augen so wie ich, aber ihre sind hübscher, mit schwarzen Wimpern.« Wieder zuckte Jamie mit den Schultern. »Jedenfalls habe ich meinem Vater gesagt, ich wäre es gewesen.«

»Das war ja ausgesprochen anständig von dir«, sagte ich sarkastisch. »Deine Schwester muss dir sehr dankbar gewesen sein.«

»Aye, nun ja, das wäre sie vielleicht auch gewesen. Aber mein Vater hatte die ganze Zeit auf der anderen Seite der offenen Tür gestanden und hatte gesehen, was wirklich passiert war. Also hat sie Prügel bekommen, weil sie so wütend geworden ist und den Krug zerbrochen hat, und ich habe zweimal Prügel bekommen; einmal, weil ich sie gehänselt und einmal, weil ich gelogen hatte.«

»Das ist doch ungerecht!«, wandte ich empört ein.

»Mein Vater ist vielleicht nicht immer sanft mit uns umgegangen, aber ungerecht war er eigentlich nicht«, sagte Jamie unbeirrt. »Er hat gesagt, wahr ist wahr, und man sollte die Verantwortung für die eigene Handlungsweise übernehmen, was ja auch stimmt.« Er warf mir einen Seitenblick zu.

»Aber er hat gesagt, es wäre lieb von mir gewesen, die Schuld auf mich zu nehmen. Er müsste mich zwar trotzdem bestrafen, aber ich könnte mir aussuchen, ob ich den Riemen wollte oder ob ich ohne Abendessen ins Bett gehen wollte.« Er lachte reumütig und schüttelte den Kopf. »Vater kannte mich wirklich gut. Natürlich habe ich den Riemen gewählt.«

»Du bist der wandelnde Appetit, Jamie«, sagte ich.

»Aye«, pflichtete er mir ohne Groll bei, »das war schon immer so. Du ebenfalls, du Vielfraß«, sagte er zu seinem Pferd. »Warte gefälligst, bis wir Rast machen.« Er ruckte am Zügel, um die suchende Nase seines Pferdes aus den lockenden Grasbüscheln am Straßenrand zu holen.

»Aye, Vater ist gerecht gewesen«, fuhr er fort, »und er hat immer mit Bedacht gehandelt, obwohl ich das damals nicht zu schätzen wusste. Ich musste nie auf meine Prügel warten; wenn ich etwas falsch gemacht habe, wurde ich auf der Stelle bestraft – oder zumindest, sobald er es erfuhr. Er hat immer dafür gesorgt, dass ich wusste, wofür ich Hiebe bekomme, und wenn ich mich verteidigen wollte, durfte ich das tun.«

Oh, darauf willst du also hinaus, dachte ich. Du entwaffnender Intrigant. Ich bezweifelte zwar, dass es ihm gelingen würde, mich so zu umgarnen, dass ich meinen festen Entschluss aufgab, ihm bei nächster Gelegenheit die Eingeweide herauszureißen, aber er konnte es gern versuchen.

»Hast du je dabei gewonnen?«, fragte ich.

»Nein, normalerweise stand da ja nichts zur Debatte, weil der Angeklagte schon gestanden hatte. Aber manchmal habe ich es geschafft, dass die Strafe ein bisschen gemildert wurde.« Er rieb sich die Nase.

»Einmal habe ich ihm verkündet, dass ich es für eine unzivilisierte Methode halte, seinen Willen zu bekommen, indem man den eigenen Sohn schlägt. Er hat erwidert, ich hätte so viel Verstand wie der Zaunpfahl, neben dem ich stand, wenn überhaupt. Außerdem hat er gesagt, Respekt vor den Eltern sei einer der Eckpfeiler der Zivilisation, und solange ich das nicht begriffen hätte, sollte ich mich damit abfinden, mir auf die Zehen zu starren, während mir einer meiner barbarischen Eltern den Hintern versohlte.«

Diesmal lachte ich mit. Es war friedlich auf der Straße, und es herrschte jene absolute Ruhe, die sich einstellt, wenn man meilenweit von jedem anderen Menschen entfernt ist. Die Art von Ruhe, die in meiner eigenen Zeit so schwer zu finden war, wo Maschinen der verlängerte Arm der Menschen waren und eine einzelne Person mehr Lärm erzeugen konnte als eine ganze Menschenmenge. Hier war nur das Rascheln der Pflanzen zu hören, das gelegentliche Skriek eines Nachtvogels und die gedämpften Tritte der Pferde.

Inzwischen fiel mir das Gehen leichter, weil sich meine verkrampften Muskeln durch die Bewegung lockerten. Auch meine Gereiztheit begann nachzulassen, während ich Jamies selbstironischen Geschichten zuhörte.

»Natürlich wäre es mir am liebsten gewesen, gar nicht geschlagen zu werden, aber wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre mir mein Pa eindeutig lieber gewesen als der Lehrer. In der Schule haben wir es meistens mit der Rute auf die Handfläche bekommen statt auf den Hintern. Vater hat gesagt, wenn er mich auf die Hand schlagen würde, könnte ich ja nicht mehr arbeiten, aber wenn er mir den Hintern versohlte, hätte ich wenigstens keine Lust, untätig herumzusitzen. Meistens hatten wir jedes Jahr einen anderen Lehrer; sie haben es nie lange ausgehalten und sind entweder Bauern geworden oder in bessere Gegenden abgewandert. Lehrer bekommen so wenig Geld, dass sie immer klapperdürr sind und hungern. Nur einmal hatte ich einen fetten Lehrer, und ich konnte nie glauben, dass er ein richtiger Lehrer war; er sah aus wie ein verkleideter Pfarrer.« Ich dachte an den rundlichen kleinen Vater Bain und pflichtete ihm lächelnd bei.

»An einen Lehrer kann ich mich besonders erinnern, weil er uns gezwungen hat, mit ausgestreckter Hand vor der Klasse zu stehen. Dann hat er uns einen Vortrag über unsere Fehler gehalten, ehe er loslegte, und zwischen den einzelnen Hieben ging es so weiter. Ich habe dann mit schmerzenden Fingern dagestanden und einfach nur gebetet, dass er mit dem Gerede aufhört und mit dem Prügeln weitermacht, ehe ich den Mut verliere und anfange zu weinen.«

»Ich vermute, genau darum ging es ihm«, sagte ich nickend und empfand unwillkürlich Mitgefühl.

»Oh, aye«, erwiderte er nüchtern. »Es hat aber eine Weile gedauert, bis ich das begriffen habe. Und dann konnte ich natürlich wie üblich den Mund nicht halten.« Er seufzte.

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