Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Zwar schlief ich wie ein Stein, als Jamie neben mir unter die Decke kroch, doch am späten Nachmittag wurde ich unvermittelt wach und war fest davon überzeugt, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte.
»Horrocks!«, rief ich aus und setzte mich kerzengerade hin.
»Häh?« Aus dem Tiefschlaf gerissen, fuhr Jamie seitlich aus dem Bett und landete in der Hocke auf dem Boden, die Hand an dem Dolch, der auf seinen Kleidern lag. »Was?!«, keuchte er und sah sich wild im Zimmer um. »Was ist?«
Ich verkniff es mir, über den Anblick zu kichern, den er bot, nackt auf dem Boden, während sein rotes Haar in alle Himmelsrichtungen abstand.
»Du siehst aus wie ein aufgeschrecktes Stachelschwein.«
Er funkelte mich böse an, erhob sich und legte den Dolch wieder auf den Hocker mit seinen Kleidern.
»Und du konntest nicht warten, bis ich wach bin, um mir das zu sagen?«, erkundigte er sich. »Du meinst, es würde mehr Eindruck machen, wenn du mich aus dem Schlaf reißt, indem du mir ›Mistbock‹ ins Ohr brüllst?«
»Doch nicht ›Mistbock‹«, erklärte ich. »Horrocks. Mir war plötzlich eingefallen, dass ich völlig vergessen hatte, dich nach ihm zu fragen. Hast du ihn gefunden?«
Er setzte sich auf das Bett, ließ den Kopf in seine Hände sinken und rieb sich heftig das Gesicht, als wollte er die Durchblutung anregen.
»Oh, aye«, hörte ich ihn zwischen den Fingern hindurch gedämpft sagen. »Aye, ich habe ihn gefunden.«
Ich konnte an seinem Tonfall erkennen, dass ihm der Deserteur nichts Gutes erzählt hatte.
»Wollte er dir doch nichts verraten?«, fragte ich mitfühlend.
Mit einer solchen Weigerung hatte er immer gerechnet, obwohl Jamie bereit gewesen war, sich nicht nur von seinem eigenen Geld und einer Summe zu trennen, die ihm Dougal und Colum zur Verfügung gestellt hatten, sondern auch vom Ring seines Vaters, wenn es nötig wurde.
Jamie legte sich wieder neben mich und starrte zur Decke.
»Nein«, sagte er. »Nein, er hat es mir schon erzählt. Sogar zu einem annehmbaren Preis.«
Ich stützte mich auf meinen Ellbogen, um ihm ins Gesicht sehen zu können.
»Und?«, wollte ich wissen. »Wer hat denn den Sergeant-Major erschossen?«
Er blickte mich an und lächelte grimmig.
»Randall.« Er schloss die Augen.
»Randall?«, sagte ich verständnislos. »Aber warum denn?«
»Ich weiß es nicht«, antwortete er, ohne die Augen zu öffnen. »Ich könnte den Grund vermutlich erraten, doch es spielt keine große Rolle. Keine Chance, es zu beweisen.«
Da musste ich ihm beipflichten. Ich ließ mich neben ihm auf das Bett sinken und betrachtete die schwarzen Eichenbalken an der Decke.
»Was kannst du denn jetzt tun?«, fragte ich. »Nach Frankreich gehen? Oder vielleicht …«, mir kam ein brillanter Gedanke, »vielleicht nach Amerika? Du würdest in der Neuen Welt gewiss deinen Weg gehen.«
»Über das Meer?« Er erschauerte kurz. »Nein. Nein, das könnte ich nicht.«
»Nun, was denn dann?« Ich wandte ihm den Kopf zu. Er klappte ein Auge gerade so weit auf, um mir einen angesäuerten Blick zuzuwerfen.
»Ich dachte, für den Anfang könnte ich vielleicht noch eine Stunde schlafen«, sagte er, »aber das ist anscheinend nicht der Fall.« Resigniert rutschte er ein Stück in die Höhe und lehnte sich an die Wand. Ich war vorhin zu müde gewesen, um die Bettwäsche abzuziehen, und neben seinem Knie entdeckte ich jetzt einen verdächtigen schwarzen Fleck auf der Decke, den ich argwöhnisch im Blick behielt, während Jamie redete.
»Du hast recht«, stimmte er mir zu, »wir könnten nach Frankreich gehen.« Ich zuckte zusammen, da ich vorübergehend vergessen hatte, dass auch ich jetzt Teil seiner Entscheidung war, wie auch immer diese aussehen mochte.
»Aber da gibt es nicht viele Möglichkeiten für mich«, sagte er und kratzte sich geistesabwesend am Oberschenkel. »Nur das Söldnerleben, und das ist nichts für dich. Oder nach Rom an den Hof von König James. Das lässt sich womöglich bewerkstelligen; ich habe ein paar Fraser-Onkel, die dort Verbindungen haben und mir helfen würden. Für Politik habe ich zwar nicht viel übrig und noch weniger für Prinzen, aber aye, möglich wäre es. Doch ich würde lieber erst versuchen, meinen Namen in Schottland reinzuwaschen. Wenn mir das gelänge, würde ich schlimmstenfalls als Kleinbauer auf Fraser-Gebiet enden, bestenfalls könnte ich vielleicht sogar zurück nach Lallybroch.« Sein Gesicht verdüsterte sich, und ich wusste, dass er an seine Schwester dachte. »Wenn es nur um mich ginge«, sagte er leise, »würde ich das nicht tun, aber es geht ja nicht mehr nur um mich.«
Er blickte auf mich hinunter und lächelte, und seine Hand glättete mir sacht das Haar. »Manchmal vergesse ich, dass du jetzt da bist, Sassenach.«
Ich fühlte mich außerordentlich unangenehm. Im Grunde genommen fühlte ich mich sogar wie eine Verräterin. Hier war er nun, schmiedete Pläne, die sein ganzes Leben betrafen, und berücksichtigte dabei stets mein Wohlergehen und meine Sicherheit, während ich alles darangesetzt hatte, ihn im Stich zu lassen, und ihn dabei in beträchtliche Gefahr gebracht hatte. Zwar hatte ich das nicht gewollt, aber es änderte nichts an der Tatsache. Selbst jetzt dachte ich noch, dass ich es ihm ausreden sollte, nach Frankreich zu gehen, weil es mich nur weiter von meinem eigenen Ziel entfernen würde: dem Steinkreis.
»Aber wäre es für dich denn wirklich möglich, in Schottland zu bleiben?«, fragte ich, ohne ihn anzusehen. Ich hatte das Gefühl, dass sich der schwarze Fleck auf der Bettdecke bewegt hatte, doch ich war mir nicht ganz sicher. Ich ließ die Stelle nicht mehr aus den Augen.
Jamies Hand wanderte unter mein Haar und begann, mir geistesabwesend den Hals zu streicheln.
»Aye«, sagte er nachdenklich. »Vielleicht. Das ist der Grund, warum Dougal auf mich gewartet hat; er hatte Neuigkeiten.«
»Tatsächlich? Welcher Art?« Ich wandte den Kopf, um ihn wieder anzusehen; durch die Bewegung kam mein Ohr in Reichweite seiner Finger, und er begann, es sacht zu liebkosen, so dass ich am liebsten den Hals gereckt und wie eine Katze geschnurrt hätte. Doch ich unterdrückte den Impuls, um stattdessen herauszufinden, was er vorhatte.
»Ein Bote von Colum«, sagte er. »Er hatte uns hier gar nicht erwartet, aber er war Dougal zufällig unterwegs begegnet. Dougal soll also sofort nach Leoch zurückkehren und Ned Gowan das Eintreiben der restlichen Pacht überlassen. Und Dougal schlägt vor, dass wir ihn begleiten.«
»Zurück nach Leoch?« Es war zwar nicht Frankreich, aber viel besser war es auch nicht. »Warum?«
»Sie erwarten dort in Kürze einen Besucher, einen englischen Adelsherrn, der schon öfter mit Colum zu tun hatte. Er ist ein einflussreicher Mann, und vielleicht können wir erreichen, dass er sich für mich einsetzt. Noch habe ich ja weder wegen Mordes vor Gericht gestanden noch bin ich verurteilt worden. Es ist denkbar, dass er die Aufhebung der Anklage oder eine Begnadigung erwirken kann.« Er grinste ironisch. »Es geht mir zwar gegen den Strich, für etwas begnadigt zu werden, das ich gar nicht getan habe, aber es ist besser, als gehängt zu werden.«
»Ja, das ist wahr.« Der Fleck bewegte sich tatsächlich. Ich kniff die Augen zusammen, um ihn genauer beobachten zu können. »Wer ist denn der englische Adelsherr?«
»Der Herzog von Sandringham.«
Mit einem Ausruf fuhr ich hoch.
»Was hast du, Sassenach?«, fragte Jamie alarmiert.
Ich zeigte mit zitterndem Finger auf den schwarzen Fleck, der sich nun langsam, aber entschlossen über sein Bein bewegte.
»Was ist das?«, fragte ich.
Er warf einen Blick darauf und schnippte es beiläufig mit dem Fingernagel fort.
»Oh, das? Nur eine Wanze, Sassenach, kein Grund zur …«
Mein abrupter Abgang unterbrach seine Worte. Bei dem Wort »Wanze« war ich unter der Decke hervorgeschossen und stand jetzt flach an der Wand, so weit wie möglich von dem Ungeziefernest entfernt, als das mir unser Bett jetzt erschien.