Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ein, zwei Sekunden hatte er mit ihr gerungen, versucht, sie zu halten und sanft zu küssen. Sie hatte sich in seinen Armen gewunden wie ein Aal und sich dann beißend auf ihn gewälzt.
Er hatte sie – sie beide – mit dem Wein entspannen wollen. Er hatte gewusst, dass sie jede Zurückhaltung verlor, wenn sie etwas getrunken hatte; ihm war nur nicht klar gewesen, was sie da zurückhielt, dachte er grimmig, während er versuchte, sie zu packen, ohne ihr weh zu tun.
Ausgerechnet er hätte es wissen müssen. Weder Angst noch Trauer noch Schmerz – nur Wut.
Sie zerkratzte ihm den Rücken; er fühlte die Spuren ihrer abgebrochenen Fingernägel und dachte dumpf, dass das gut war – sie hatte gekämpft. Das war sein letzter Gedanke; dann überkam auch ihn die Raserei, die Wut und eine Lust, die über ihn herfiel wie schwarzer Donner über einen Berg, eine Wolke, die alles vor ihm verbarg, die ihn vor allem verbarg, bis jede liebevolle Vertrautheit verlorenging und er allein war, fremd in der Dunkelheit.
Es hätte ihr Hals sein können, den er packte, oder der jedes anderen. Er erinnerte sich an kleine Knochen, kleine Aufwölbungen in der Dunkelheit, und die Schreie von Kaninchen, die er mit bloßer Hand tötete. Er erhob sich wie ein Wirbelwind aus Staub und fortgespültem Blut.
Zorn kochte und ballte sich in seinen Hoden, und sie trieb ihn wie mit Sporen. Ließ seine Blitze flammen und jede Spur des Eindringlings aus ihrem Inneren sengen, und wenn es sie beide zu Knochen und Asche verbrannte – dann sollte es so geschehen.
Als er wieder zu sich kam, lag er mit seinem ganzen Gewicht auf ihr und presste sie auf das Bett. Der Atem schluchzte in seinen Lungen; seine Hände hielten ihre Arme so fest umklammert, dass sich die Knochen wie Stöckchen anfühlten, die durchzubrechen drohten.
Er hatte sich verloren. War nicht sicher, wo sein Körper endete. Sein Verstand schlug sekundenlang wild um sich, in Panik, ganz aus den Angeln gehoben worden zu sein – nein. Er spürte plötzlich einen kalten Tropfen auf seiner Schulter, und die verstreuten Teile seines Selbst sammelten sich blitzartig wie versprühte Quecksilbertropfen, und er fand sich vor Entsetzen bebend wieder.
Er war immer noch mit ihr vereint. Er wäre am liebsten hochgefahren wie eine aufgescheuchte Wachtel, doch es gelang ihm, sich langsam zu bewegen, seine festgekrallten Finger einen nach dem anderen von ihren Armen zu lösen, seinen Körper sanft von ihr zu heben, obwohl ihm das ungeheuer anstrengend vorkam, als hätte er das Gewicht von Monden und Planeten. Fast hätte er erwartet, sie zerdrückt und leblos auf dem Laken zu sehen. Doch ihr biegsamer Rippenbogen hob und senkte und hob sich erneut, ganz und gar beruhigend.
Wieder traf ein Tropfen seinen Nacken, und er zog überrascht die Schultern hoch. Von seiner Bewegung geweckt, blickte sie auf, und er erwiderte erschrocken ihren Blick. Sie teilte das Gefühl, den Schreck zweier Fremder, die sich nackt begegnen. Ihre Augen huschten von den seinen fort zur Decke hinauf.
»Das Dach hat ein Leck«, flüsterte sie. »Da ist eine feuchte Stelle.«
»Oh.« Er hatte nicht einmal gemerkt, dass es regnete. Doch das Zimmer war vom Regen verdunkelt, und über ihnen dröhnte das Dach. Der Klang schien in seinem Blut widerzuhallen wie das Schlagen der Bodhrana im Inneren der Nacht, wie sein Herzschlag im Wald.
Er erschauerte, und weil ihm nichts anderes einfiel, küsste er sie auf die Stirn. Ihre Arme hoben sich plötzlich wie eine Kaninchenfalle und hielten ihn mit aller Kraft fest, zogen ihn wieder auf sie hinunter, und auch er umarmte sie und presste sie so fest an sich, dass er spürte, wie ihr der Atem verging, doch er konnte nicht loslassen. Er dachte vage an Briannas Erzählungen von gigantischen Kugeln, die durch das All wirbelten, an diese Sache namens Schwerkraft – und was war daran schwer? Das konnte er jetzt sehr gut sehen; eine Kraft, die so stark war, dass sie einen unvorstellbar großen Körper in der Luft im Gleichgewicht schweben lassen konnte – oder zwei solcher Körper miteinander kollidieren lassen konnte, sie in einer Explosion vernichten und in Sternenrauch verwandeln konnte.
Er hatte ihr Prellungen zugefügt; seine Finger hatten rote Flecken auf ihren Armen hinterlassen. Innerhalb eines Tages würden sie schwarz werden. Die Spuren der anderen Männer blühten schwarz und violett, blau und gelb, verschwommene Blütenblätter unter ihrer weißen Haut.
Seine Oberschenkel und Pobacken waren vor Anstrengung angespannt, und er bekam einen Krampf, dessen Heftigkeit ihn aufstöhnen ließ. Er wand sich, um sich Erleichterung zu verschaffen. Seine Haut war feucht, genau wie die ihre, und sie glitten langsam und widerstrebend auseinander.
Geschwollene, verfärbte Augen, milchig wie wilder Honig, Zentimeter von den seinen entfernt.
»Wie fühlst du dich?«, fragte sie leise.
»Grauenvoll«, erwiderte er wahrheitsgemäß. Er war heiser, als hätte er geschrien – Gott, vielleicht war es ja so. Ihr Mund hatte erneut geblutet; sie hatte eine rote Schmierspur auf dem Kinn, und er selbst schmeckte Metall.
Er räusperte sich und hätte gern den Blick von ihren Augen abgewandt, doch er konnte es nicht. Er rieb mit dem Daumen über die Blutspur und wischte sie ungeschickt ab.
»Du?«, fragte er, und die Worte kratzten in seinem Hals. »Wie fühlst du dich?«
Sie war vor seiner Berührung sacht zurückgewichen, hielt die Augen aber fest auf die seinen gerichtet. Er hatte das Gefühl, als blickte sie weit über ihn hinaus, durch ihn hindurch – doch dann schärfte sich ihr Blick wieder, und sie sah ihn direkt an, zum ersten Mal, seit er sie heimgebracht hatte.
»Sicher«, flüsterte sie und schloss die Augen. Sie holte ein einziges Mal tief Luft, und ihr ganzer Körper entspannte sich und wurde schlaff und schwer wie ein sterbender Hase.
Er hielt sie fest, beide Arme um sie geschlungen, als wollte er sie vor dem Ertrinken retten, doch er fühlte sie dennoch dahinsinken. Er hätte ihr gern zugerufen, nicht zu gehen, ihn nicht allein zu lassen. Sie verschwand in den Tiefen des Schlafs, und er sehnte sich ihr nach, wünschte sich Heilung für sie, fürchtete ihre Flucht und senkte den Kopf, um sein Gesicht in ihrem Haar und ihrem Duft zu vergraben.
Der Wind ließ im Vorbeiwehen die offenen Fensterläden knallen, und draußen in der Dunkelheit rief eine Eule, die sich vor dem Regen versteckte, und eine andere antwortete ihr.
Dann weinte er, lautlos, die Muskeln bis zur Schmerzgrenze angespannt, um nicht zu zittern, damit sie nicht erwachte und es merkte. Er weinte, bis er leer war und sein Atem keuchte, das Kissen nass unter seinem Gesicht. Dann lag er erschöpft da, über jeden Gedanken an Müdigkeit hinaus, zu weit vom Schlaf entfernt, um sich daran zu erinnern, wie er sich anfühlte. Sein einziger Trost war das kleine, so zerbrechliche Gewicht, das warm auf seinem Herzen lag und atmete.
Dann hoben sich ihre Hände und ruhten auf ihm, die trocknenden Tränen kühl auf seinem Gesicht, ihre weiße Haut rein wie der leise Schnee, der Brandspuren überdeckt und Blut und die Welt mit Frieden überzieht.
Kapitel 30
Der Gefangene
Es war ein stiller, heißer Morgen. Nur ein Specht klopfte an einen Baum, und irgendein Insekt erzeugte im hohen Gras hinter dem Haus ein Geräusch, das wie metallisches Schaben klang. Ich kam langsam die Treppe hinunter und empfand ein vages Gefühl der Körperlosigkeit – und wünschte mir, ich wäre körperlos, da ich fast überall Schmerzen hatte.
Mrs. Bug war heute Morgen nicht gekommen; vielleicht fühlte sie sich nicht gut. Oder vielleicht war sie auch noch unsicher, wie sie sich verhalten sollte, wenn sie mich sah, oder was sie dann zu mir sagen sollte. Mein Mund presste sich ein wenig zusammen; etwas, das ich nur bemerkte, weil der halb verheilte Riss in meiner Lippe dabei brannte.
Ich entspannte bewusst mein Gesicht und machte mich daran, die Kaffeeutensilien vom Küchenregal zu holen. Eine Karawane winziger, schwarzer Ameisen wanderte an der Regalkante entlang, und ein ganzer Schwarm umwimmelte die kleine Blechdose, in der ich meine Zuckerklümpchen aufbewahrte. Ich wischte sie mit einigen energischen Hieben meiner Schürze beiseite und nahm mir vor, mich auf die Suche nach Nelkenwurz zu begeben.