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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Der König der Freien Elfen hielt beide Kronenhälften in den Händen. In dem Augenblick, da das steinerne Messer den Kronenträger getötet hatte, hatte es sich in die Kronenhälfte Elyor zurückverwandelt. Nun waren beide Hälften nicht mehr als ein zerbrochener Stein.

Mit einem letzten Seufzen ließ Lorgios die beiden Steinkronen in die Erdmulde sinken. Dann häufte er das kleine Loch im Boden wieder zu und strich die dunkle Erde darüber glatt. Über ihm rauschten die Zweige einer alten, hohlen Birke. Die ersten Blätter waren an den Zweigen gesprossen. Ein warmer Wind strich durch die Baumkronen. Es war Frühling geworden.

Mit einem Ächzen stand Lorgios auf und strich sich die Hände sauber. Sein jüngster Sohn stand neben ihm. Obwohl er nie die Krone Elyor tragen würde wie einst Lorgios, würde er doch König werden. Es würde eine harte Probe für ihn werden. Seine Führung musste so stark sein, dass alle Elfenstämme ihm treu blieben, auch ohne Zauber. Aber Lorgios war zuversichtlich. Kaveh hatte genug Temperament und Herz, um die Elfen der Dunklen Wälder zusammenzuhalten.

Schweigend gingen die beiden los. Der Wald war nach dem langen Winter dabei zu erwachen. Die Vogelrufe kamen Lorgios klarer und schöner vor denn je. Er atmete tief die frische Luft ein. Aber so kam es ihm immer vor, wenn ein neues Jahr anbrach. Alles schien reiner und unberührter als im Jahr zuvor.

»Es ist schon so«, sagte Lorgios, während sie unter den dunkelgrünen Schatten dahinwanderten. »Die Zeit ist der größte Zauber, den es gibt. Sie heilt und lindert alles, und was unheilbar scheint, nun, das verblasst dennoch mit der Zeit. Alles, was sie je von Liebe, von Hass, von jedem noch so mächtigen Krieg hinterlässt, ist nichts als eine Erinnerung. Erinnerungen sind das Erbe aller Dinge des Lebens, mögen sie noch so gigantisch gewesen sein.« Er schloss die Augen und lächelte friedlich. »Solange ich weiß, dass eine Erinnerung an unsere Zeit bleibt, existieren wir ewig. Ganz gleich, wie das Schicksal unseres Volkes auch aussehen mag.«

Kaveh blieb stehen. Als Lorgios sich ihm zuwandte und seinen unzufriedenen Gesichtsausdruck sah, glaubte er einen Moment lang, sich selbst als Jungen zu sehen.

»Wir existieren ewig, Vater?«, wiederholte Kaveh ungläubig. Dann drehte er sich um und kniete kurz entschlossen nieder. Er hob einen Haufen Erde vom Boden und drückte ihn in die Hand seines Vaters.

»Fühlst du diese Erde? Fühlst du meine Hand? Das ist existieren! . Wenn man uns vergisst und unser Volk zerfällt, wie du es vorausgesagt hast, dann sind wir verloren in der Finsternis der Vergangenheit. In keinem Gedanken und keiner Erinnerung, selbst wenn sie länger besteht als unser Volk, kannst du fühlen, was jetzt gegenwärtig ist!«

Lorgios lächelte zum Erstaunen des jungen Prinzen, schüttelte sich die Erde aus den Fingern und schloss dann beide Hände um das Gesicht seines Sohnes. Verwirrt zog Kaveh die Augenbrauen zusammen.

»Du bist jung, Kaveh! Wenn du das Leben gelebt hast, wenn du diese Erde oft genug in den Händen gehalten hast, dann wirst du verstehen. Bis dahin«, er lachte, »fühle jedes Gefühl dieser Welt und lass einen alten Mann in seinen Erinnerungen schwelgen.«

Und Lorgios drehte Kaveh sanft in die andere Richtung um. Einen Augenblick sah Kaveh nichts als die hohen Bäume. Doch dann erkannte er, was der König ihm zeigen wollte: Nicht weit entfernt ging Nill durch das Unterholz, ohne sie bemerkt zu haben.

Sie schien auf dem Weg zum See zu sein.

Lächelnd und nicht besonders zärtlich wischte Lorgios seinem Sohn die Erde aus dem Gesicht.

Die Bäume trugen wieder ein leuchtend grünes Blätterkleid. Hier und da blitzte noch ein kahler Ast aus dem erwachenden Leben; sonst war von den Spuren des Winters nichts geblieben.

Die Zeit war verstrichen. Und doch, als Nill den See erreichte und am seichten Ufer stehen blieb, hatte sie das Gefühl, nur ein Tag sei seit der Bestattung vergangen ... seit den Tagen in Korr, seit sie aufgebrochen war, um einem König das Messer zu überbringen, von dem sie noch nie zuvor gehört hatte. Sie seufzte beim Anblick des dunklen Wassers und fragte sich, ob sie je wirklich die Ereignisse hinter sich lassen konnte.

Hinter ihr knackte ein Ast. Als sie sich umdrehte, tauchte Kaveh aus den Schatten der Bäume auf.

»Hallo. Wie geht es dir?« Angesichts ihres blassen Gesichts wandte er den Blick rasch zum Himmel.

»Was für ein schönes Wetter! Endlich ist es Frühling, nicht wahr? Und im Sommer können wir hier im See schwimmen!« Kaveh schluckte, als ihm bewusst wurde, dass er etwas sehr Falsches gesagt hatte.

Mit einem Zucken um die Mundwinkel wandte sich Nill dem See zu. Ein lauer Wind strich ihr entgegen, und obwohl es nicht kalt war, zog sie die Schultern hoch und verschränkte fröstelnd die Arme.

Kaveh trat neben sie. Eine Weile haderte er mit sich selbst, dann fuhr er sich mit der Zunge über die Lippen und murmelte: »Ach Nijú! Weißt du, ich glaube alle Wunden heilen. Irgendwie beginnt man, mit allem zu leben, und jeder Verlust und jeder Schmerz wird irgendwann erträglich ... Außerdem«, fügte er leise hinzu, »wachsen auch die kürzesten Haare wieder nach.«

Nill lächelte matt. »Nein«, sagte sie gefasst. »Bei mir ist es verloren. Für immer.«

Kaveh erwiderte lange Zeit nichts. Er war nicht sicher, was sie mit »es« meinte, doch er hatte eine Vorstellung. Schließlich brachen die Worte aus ihm hervor: »Vielleicht stimmt das nicht! Wenn alles auf der Welt immer wiederkehrt, wenn der Regen aus dem Boden steigt und wieder aus den Wolken fällt, wenn die toten Pflanzen zu Erde werden und die Erde wieder zu neuen Pflanzen und wir einatmen und wieder ausatmen, dann – dann müssen auch unsere Gefühle und Gedanken, ja alles, was wir je empfinden und erträumen und glauben, immer wiederkehren! Dann sind auch Glück und Liebe und Traurigkeit und Freude nur etwas, das beginnt und endet und wieder neu wächst. Nichts in der Welt ist je verloren. Es kommt uns nur so vor. Aber in Wirklichkeit wiederholt sich alles. Alles geht. Und kommt wieder.«

Nill sah ihn an. Und zum ersten Mal hatte Kaveh das Gefühl, als sehe sie ihn wirklich. Er atmete aus.

Der Wind löste Haare aus seinen Zöpfen und ließ sie über sein Gesicht tanzen. Er senkte den Kopf.

»Wenn du«, begann er, »wenn du nicht weißt, wohin du möchtest ... willst du dann vielleicht bei den Freien Elfen bleiben? Bei mir?« Bei Letzterem versagte ihm fast die Stimme, Nill hatte es bestimmt gar nicht gehört.

Einige Momente lang blieb es still zwischen ihnen, während Kaveh äußerst interessiert seine Fingernägel betrachtete. Dann trug der Wind ein Geräusch mit sich, das wie eine Melodie klang. Fein und zart hing es in der Luft und dann erkannten Nill und Kaveh das Lied aus dem Elfendorf:

»... Sollt unser Volk einmal vergehen, wird tief im Schlaf Erinnerung bestehen, die als Legende einst erwacht;

drum tanz für hundert Jahre,

Feuer der Dämonennacht ...«

Helles Kinderlachen schwebte dem Lied nach. Kaveh runzelte die Stirn: Die Dämonennacht war so schnell wiedergekommen! Er sah auf. Ein zögerliches Lächeln lag auf Nills Gesicht. Und plötzlich lachte sie.

Der Wind brauste übermütig über sie hinweg und trug die ersten Düfte des Sommers mit sich.

»Ja, wer weiß, was noch passieren wird. Und ob ich bleibe«, sagte Nill und eine ungewohnte Freude blühte in ihr auf. »Mal sehen – mal sehen ...«

Epilog

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