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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Als die Gebirge vor ihnen auftauchten, verließen Scapa und Arane die Sänfte und waren froh über die Abwechslung: Zwei stattliche Schlachtrösser standen für sie bereit, man spannte ein weites rotes Stoffdach über sie, sodass der gelegentlich fallende Schnee nicht auf sie herabrieseln konnte, und dann ritten sie los. Der Boden unter ihnen war eben und es war leicht zu reiten, denn das Heer vor ihnen hatte bereits alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Der Pfad war schön, hin und wieder zogen hohe, dunkle Wälder an ihnen vorüber, und sie schlugen ihre Abendlager an einem breiten, wilden Fluss auf.

Jenseits der Berge lag das Königreich Dhrana. Sie zogen über seine bunten Felder hinweg und zertraten, was der Schnee noch nicht unter sich begraben hatte.

Vor der Burg des Königs reihten sich gut fünftausend Soldaten auf. Unter ihnen waren auch einfache Bauern mit Hacken und Heugabeln. Sie erwarteten das Heer des Weißen Kindes.

»Sind sie gegen uns?«, fragte Scapa mit einem Anflug von Besorgnis.

Aber Arane lächelte erhaben. »Ich habe längst Boten an sie geschickt. Dhrana versorgt mich seit drei Jahren mit Holzlieferungen. Das Königreich ist auf unserer Seite.«

Als die Flut der Grauen Krieger die Soldaten Dhranas erreichte, schlossen sie sich an und wurden Teil der gigantischen Masse.

Die Zeit verflog. Nill übte ohne Unterlass, und selbst wenn Kaveh nicht bei ihr sein konnte, trainierte sie weiter. Mit dem Schwert beherrschte sie bald die Grundtechniken, doch sie wusste nicht, ob sie damit in einem echten Kampf bestehen konnte, und das machte ihr Angst. Das Bogenschießen war kaum leichter zu erlernen; jedoch fühlte Nill sich damit weitaus sicherer. Sobald sie es schaffte, die Sehne zurückzuziehen und richtig zu zielen, war der Rest ein Kinderspiel. Leider kam es nicht oft vor, dass sie richtig zielte, und sie verfehlte so ziemlich alles, was weiter als zehn Meter entfernt war.

Dann kam der erste Späher zurückgestürmt. Das Weiße Kind, berichtete er, werde in zehn Tagen die Dunklen Wälder erreichen. Es ziehe mit Heeren heran, die mehr als fünfzigtausend Köpfe zählten, mit Heeren, die das Waldreich unter sich begraben würden.

Der Schreck trat allen in die Gesichter, vor allem König Lorgios.

In den nächsten Tagen trafen die versammelten Stämme ein. Elfenscharen kamen aus allen Richtungen: Es waren Frauen und Männer, die glänzende Rüstungen und helle Mäntel trugen und mit Bogen, Speeren und Schwertern bewaffnet waren. Sie schlugen ihre Lager unmittelbar über dem Elfental auf.

Ihre Zelte aus Rankengeflecht waren jedoch nur vom Dorf aus zu sehen – dem übrigen Wald blieben sie verborgen. Von Tag zu Tag trafen mehr von ihnen ein. Sie kamen aus den tiefen Westwäldern, aus den nördlichen Bergen, und einige Stämme hatten sich mit Muscheln geschmückt, die sie aus ihrer Heimat, den fernen Küstengebieten, mitgebracht hatten. Mit den Elfenheeren kamen die Bergwölfe aus dem Norden. Lautlos schlichen die Rudel mit den Elfen einher, immer in Gruppen von fünfzehn oder zwanzig Tieren. Ihre bernsteinfarbenen Augen schweiften unruhig umher und grüßten stumm die Anwesenden. Ihr Fell war buschig und grau, und die Zähne, die zwischen ihren Lefzen hervorbleckten, schienen die Rüstung eines Kriegers durchbohren zu können. Sie waren größer als alle Wölfe, die Nill zuvor gesehen hatte, manche von ihnen schienen fast so groß wie ein Pony. Da sie wussten, dass Wildschweine und Hirsche ihre Verbündeten in diesem Krieg waren, trugen einige von ihnen tote Hasen mit sich, um zu zeigen, dass sie keine Jagd auf sie machen würden.

Dann stießen die Stämme der Gurmenen zu ihnen.

Es waren allem Anschein nach Menschen, doch sie waren viel größer und kräftiger als alle Hykaden, die Nill je gesehen hatte. Ihre Schultern waren so breit wie die von Stieren, ihre Arme und Beine wirkten wie Baumstämme. Sie sprachen eine Sprache, die Nill nicht verstand, doch manche von ihnen konnten gebrochenes Elfisch. Mehr als dass sie aus den tiefen, gefährlichen Westwäldern kamen, wusste Nill nicht von ihnen. Gurmaen nannten die Elfen sie und das bedeutete wörtlich übersetzt »Riese«.

Und schließlich erwachte Nill eines Morgens durch gänzlich unbekannte Geräusche. Sie schlüpfte in ihren Mantel, eilte aus dem Baumhaus und stieß im Dorf auf Mareju, Arjas und Kaveh. Überall liefen aufgeregte Kinder umher und auch die Erwachsenen traten neugierig aus ihren Hütten. Mit einer Schar Elfen liefen sie aus dem Dorf und sahen, woher der Lärm kam: Aus dem Wald erschien ein Heer von zweitausend Wildschweinen.

In Scharen waren sie bis an den Rand der Dunklen Wälder gezogen. Elfen, Hirsche, Riesen, Bergwölfe und Wildschweine – mehr Völker waren es nicht.

Und doch war die Zahl der Krieger so beeindruckend, dass Nill bei ihrem Anblick schwindelig wurde und sie sich schwer vorstellen konnte, dass irgendeine Macht der Welt sie überrennen könnte.

Aber sie hatte die Eisenminen gesehen. Und wenn es nur halb so viele Graue Krieger gab wie Arbeiter ...

Die vereinten Stämme schlugen das Nachtlager am Waldrand auf und postierten Späher, die nach Westen hin, wo sich weites Steppenland erstreckte, nach dem Heer des Weißen Kindes Ausschau hielten. Die Elfen, die in der Nacht am besten sehen konnten, kletterten hoch auf die Bäume und beobachteten das weite, dunkle Land. Ein paar Wölfe waren in das Hügelland hinausgeschlichen, wo sie bessere Witterung aufnehmen konnten. Der Geruch der Krieger würde dem Heer der Königin weit vorauseilen.

Weiter hinten hatten Nill, die Königsfamilie und die Zwillinge ihre Lager errichtet. Um ihren Feuerplatz scharten sich die meisten Krieger ihres Dorfes und im Flammenschein erkannte Nill ausschließlich sorgenvolle Mienen. Auch Nill wurde von zehrender Unruhe erfasst.

War es Furcht? Eine schlimme Vorahnung? Nill wusste es nicht. Niemand schien mehr genau zu wissen, was er dachte und fühlte. Selbst die Tiere waren nervöser geworden, seit sie den Waldrand erreicht hatten.

In der Nacht, als das Lagerfeuer fast schon heruntergebrannt war, setzte sich Kaveh neben Nill.

»Hast du noch das magische Messer?«, flüsterte er.

Nill nickte und steckte die Hand in ihre Rocktasche, um es hervorzuholen. In den vergangenen Stunden hatte sie es fast ausschließlich durch den Stoff hindurch gehalten, und nun stieg ein merkwürdiges Begehren in ihr auf, den Steindorn noch einmal zu sehen.

Aber Kaveh berührte ihr Handgelenk. »Nein, hole es nicht heraus. Es ist schon gut, wenn du es einfach hast.«

Nill nickte. Kaveh schien offenbar etwas auf dem Herzen zu haben. Mehrere Augenblicke lang schien ihm Verschiedenes auf der Zunge zu liegen, aber schließlich sagte er nur: »Du weißt, was zu tun ist? Ich meine, das Messer ...«

Wieder nickte Nill. Auch daran hatte sie gedacht.

Sie würde jemanden töten müssen, so oder so. Mit ihren eigenen Händen würde sie den Steindorn in die Brust des Weißen Kindes stoßen ... Nun, vorausgesetzt sie würde überhaupt die Möglichkeit dazu bekommen. Es war ein lähmendes Gefühl, daran zu denken, doch es erschreckte sie nicht mehr so sehr wie früher. Nichts erschreckte sie mehr wie früher.

»Wir werden versuchen, durch die Schutzreihen zu brechen, die die Königin auf jeden Fall bewachen werden. Du hältst dich solange im Hintergrund. Wenn du einen Hornruf hörst ...« Kaveh schob seinen Kragen zur Seite und zog ein längliches Horn hervor. Es hing ihm an einer dünnen Lederschnur um den Hals. »Wenn du das hörst, heißt das, dass der Weg frei ist und wir es geschafft haben. Dann kommst du mit dem Steinmesser und ... ja.« Was dann geschehen musste, erklärte er nicht mehr.

Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander und starrten in die sterbenden Flammen. Obwohl rings im Wald mehr als fünfzehntausend Krieger auf den Morgen warteten, lastete eine schwere Stille über ihnen.

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