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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Er nahm ihr Gesicht in die Hände und wischte die Tränen weg. »Du bist ein Mensch und du bist eine Elfe. Und jetzt bist du ein Teil meiner Familie.«

Nill lächelte und schniefte leise. »Danke«, flüsterte sie.

»Ach, du musst mir nicht danken. Danke Kaveh.«

Ein Lächeln huschte über Lorgios’ Gesicht. »Ich glaube, er war so ungefähr am Rande seiner Kräfte, als er gestern mit dir heimgekommen ist. Aber sag ihm nicht, dass ich das gesagt habe.«

»Schläft Kaveh noch?«

Lorgios wies mit einem Kopfnicken auf eine der Öffnungen, die über mehrere Wurzelstufen in weitere Räume führten. »Dort drinnen.«

»Danke«, murmelte sie nochmals und wischte sich rasch die letzten Tränenspuren von den Wangen.

Dann stand sie auf und ging zur Öffnung in der Wand. Mit einem mulmigen Gefühl stieg sie die Wurzelstufen hinauf und strich den Vorhang aus geflochtenen Ranken beiseite. Im Schein einer Laterne sah sie Kaveh auf seinem Fellbett. Er hatte sich eingerollt und schlief.

Vor ihm ging Nill in die Hocke, verschränkte die Arme auf den Knien und stützte das Kinn auf. Es dauerte nicht lange, da erwachte Kaveh. Als er Nill erblickte, fuhr er auf und strich sich überrascht über die Zöpfe. »Nijú! Was machst du hier? Ich meine, äh, hallo ...«

»Ich wollte dir danke sagen«, flüsterte Nill. »Und ... Entschuldigung. Für alles. Dass ich die Hykaden nicht überreden konnte und dass ich gestern da lag ... wie ein toter Fisch.«

Sie musste grinsen, obwohl sie sich gar nicht danach fühlte, und Kaveh lächelte ebenfalls. Dann griff er nach seinem Hemd und Wams und zog sich beides über den Kopf. Ohne zu warten, bis sein Gesicht wieder aus dem dicken Kragen herausgekommen war, sagte er: »Und – ist der tote Fisch heute bereit für ein bisschen Training?« Nill lächelte. »Ja. Das ist er.«

Es war erschreckender als alles, was Scapa zuvor erblickt hatte. Vom hohen Balkon des Turms aus sahen sie gar nicht wie lebende Männer und Frauen aus – nur noch wie winzige Punkte, die sich zu einem Muster ordneten. Aus der Tiefe drang der laute Klang der Hörner zu ihnen herauf. Es war ein einziger, alarmierender Ton, der nicht endete. Schon seit früher Morgendämmerung hallte er ohne Unterlass durch die nebligen Sümpfe. Scapas Hand fuhr benommen an sein Herz, und ihm wurde erst jetzt wieder bewusst, wie er selbst aussah.

Er trug einen schwarzen Brustharnisch mit spitzen Nieten, Schulterpanzer wie Käferflügel, einen Gürtel mit langem Dolch und Lederhandschuhe, die ihm fast bis zu den Armbeugen reichten. Sein schwarzer Umhang flatterte hinter ihm im kalten Wind.

Neben ihm stand Arane. Ihr feuerroter Umhang hatte einen noch höheren Kragen als ihre Kleider sonst und um ihre Brust schmiegte sich ein matt glänzender Panzer aus dünnem Gold. Rüstungsschienen umschlossen ihre Unterarme, die sie über ihre Handschuhe gezogen hatte. Da sie eine Reise vor sich hatten, war ihr Kleid kürzer als sonst, sodass sie die gelben Röcke beim Laufen nicht hochziehen musste.

Gebieterisch und entschlossen wie eine Göttin stand Arane in ihrer Kriegskleidung an der Brüstung und blickte auf das Gewimmel in der Tiefe herab.

Unendlich viele Reihen Grauer Krieger waren dabei, sich aufzustellen. Es mussten mehr als fünfzigtausend sein. Hätte heute die Sonne geschienen, wären Arane und Scapa auf dem Balkon geblendet gewesen vom Reflektieren der unzähligen Schwerter, Schilde, Helme und Lanzen. Doch der Himmel hatte die Farbe von schmutzigem Eisen, und das gigantische Heer rings um den Turm spiegelte ihn wider wie eine Pfütze, in der es vor Mückenlarven wimmelt.

Scapa sah aus den Augenwinkeln, wie Arane zitterte. Ihre Gesichtszüge verkrampften sich. Gerade wollte er sie fragen, ob es ihr gut ging, da sah sie ihn an.

Für den Bruchteil einer Sekunde war Scapa wie erstarrt. Ein schreckliches Leuchten wanderte durch ihre Augen. Die Schatten in ihrem Gesicht verwandelten sich in tiefes, schimmerndes Schwarz. Dunkelheit trat unter ihrer weißen Haut hervor wie Tinte, die durch dünnes Papier sickert; und Scapa erkannte, dass es die Krone war. Die Krone goss ihre hässliche, ölige Schwärze über Aranes Gesicht. Über ihren ganzen Körper.

»Was ist mit dir?«, fragte Arane, doch selbst ihre Stimme schien gedämpft.

»Arane?«, flüsterte Scapa. Ihm wurde schwindelig. Bildete er es sich ein? Oder sah er tatsächlich den Wahnsinn in Aranes Augen?

»Starr mich nicht so an!«, fauchte sie. »Hör auf damit, hör auf! Starr mich nicht immer so an, Scapa!«

Ein schreckliches Elendsgefühl breitete sich in ihm aus. Er war es, der glücklich sein sollte und es nicht war – er, nicht Arane! Er hatte alles gefunden, wonach er sich gesehnt hatte, und konnte dennoch nicht zufrieden sein. Scapa wollte eine nervöse Entschuldigung stammeln, als Arane ein paar Schritte zurücktrat. Ihre Hände berührten die Steinkrone.

»Du starrst sie an!«, sagte sie. »Du – du starrst die Krone an, Scapa!«

Ihre schönen Augen waren finsterer als alle mondlosen Nächte, die Scapa je gesehen hatte. Er wollte sagen, dass es nicht stimmte, dass er die Krone nie angesehen hatte, aber seine Kehle war wie zugeschnürt. Und dann, wie ein Schleier, fiel das schreckliche Leuchten von Aranes Blick und sie sah ihn zärtlich an.

»Lass uns gehen«, murmelte sie verwirrt. »Auf uns wartet eine Sänfte.«

Die Schlacht

Da der Weg durch die Marschen selbst zu Pferd beschwerlich war, reisten Scapa und die Königin in einer Sänfte, in der es Decken, Felle und Kissen zum Wärmen gab. Sechs Pferde trugen sie durch Schlamm und Sumpf, während sie rings ein Heer aus Reitern umgab – dahinter schloss sich die unendliche Masse der Fußsoldaten um sie wie ein Meer. Die Marschen wurden unter Tausenden von Füßen gleichgetreten, alles versank im Morast und die Tümpel wurden von der lehmigen Erde zugeschüttet, die die zahllosen Stiefel mit sich trugen. Das Heer des Weißen Kindes ebnete den Boden, machte alles flach. Zurück blieb zertretenes Gras und aufgeschäumter Morast. In den Marschen von Korr gab es nicht viel mehr, das hätte zerstört werden können.

Am Abend erklangen erneut die ohrenbetäubenden Hornsignale. Der durchdringende Ton hing mehrere Minuten über den Sümpfen und verschluckte selbst das erschrockene Krächzen der Raben. Das riesige Heer hielt an und alles wurde für die Nacht vorbereitet. Lagerfeuer glommen rings um die Sänfte auf, die man am Boden abgestellt hatte, ansonsten war die Nacht in den Sümpfen tief und lichtlos. Vor Erschöpfung fiel die gesamte Streitmacht sofort in Schlaf.

Und auch die Königin war erschöpft vom Tagesmarsch, obgleich sie nicht mehr gelaufen war, seit sie den Turm verlassen hatten. Das ewige Rütteln und Schwanken hatte sie ermüdet, dann die feuchte, kalte Moorluft und das dämmrige Licht. Zum Glück war es Winter – wenigstens die Mücken und Stechfliegen der Sümpfe waren verschwunden.

Matt lag Arane zwischen den Kissen neben Scapa und blickte zur Decke der Sänfte auf, wo eine rote Laterne hing.

»Es ist so sinnlos«, murmelte Arane. Sie klang bereits, als würde sie halb schlafen. »Wonach wir bloß immer streben ... was wollen wir wirklich? Die Unsterblichkeit. Alles tun wir, um unsterblich und niemals vergessen zu werden. Kinder kriegen, Ruhm suchen, uns opfern. Und am Ende haben nicht wir etwas von der Unsterblichkeit unseres Namens, sondern die, die uns folgen. Diesen Krieg kämpfen wir nicht für uns, Scapa. Sondern für die zukünftigen Menschen ...«

»Sich opfern?«, murmelte Scapa.

Arane lachte. »Oh ja, manchmal habe ich das Gefühl, mich zu opfern.« Sie räkelte sich in den Kissen und legte die Arme über ihren Kopf.

»Die Welt ist eben zu klein für zwei gleiche Völker. Sie kann nur dem einen oder dem anderen gehören.«

Dann war sie eingeschlafen.

Ihre Reise durch die Marschen glich einem fiebrigen Schlaf. Sie lagen in der Sänfte, bewegten sich nicht, lauschten dem Stampfen und Klirren des Heeres und waren trotzdem der Welt ferner denn je.

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