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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Also, du solltest ein bisschen schlafen«, sagte Kaveh, aber es klang nicht sehr überzeugend. »Morgen müssen wir schließlich alle bereit sein.«

»Dann solltest du auch schlafen«, gab Nill leise zurück.

Er fuhr sich durch die Haare. »Das kann ich nicht. Schlafen ist jetzt das Letzte, was ich tun kann.«

Sie senkte das Gesicht und lächelte müde. »Ich weiß.«

Und sie blickten wieder in das sterbende Feuer.

Kurz vor der Morgendämmerung erklangen die Schlachthörner. Es war so weit. Die Gurmenen malten sich mit roter Erdfarbe Runenzeichen auf Gesichter und Hände und summten ununterbrochen ihre geheimnisvollen Stammeslieder. Die Elfen tauschten Segen und schützende Amulette aus. König Lorgios gab auch Nill einen breiten Armreif, in den galoppierende Tiere geschnitzt waren, die Nill erst für Pferde hielt – doch sie hatten lange Hörner und gezackte Schwänze. Nill bedankte sich und ließ sich fest von ihm in die Arme schließen. Auch Aryjen, die einen großen Bogen trug, umarmte Nill und wünschte ihr Glück. Kaveh überreichte Nill ein Kurzschwert.

Dann wiederholte er noch einmal ein paar Tricks mit ihr und drückte ihre Hände fest um den Griff. Nill fühlte sich seltsam fern dem Geschehen; fast, als stünde sie neben sich. Das aufgeregte Durcheinander im Wald schien nicht enden zu wollen. Und dann, wie mit einem Paukenschlag, war plötzlich alles bereit und Wölfe, Wildschweine, Riesen, Elfen und Hirsche warteten auf die Schlacht. Kaveh, umringt von einer Schar Krieger, drängte sich nach vorne an den Waldrand.

»Kaveh! Kaveh!« Lorgios kam ein paar Schritte auf ihn zu. »Bleib hier! Du wartest hinten, bis die Krieger der Königin in den Wald vorgedrungen sind.«

Kavehs Brust hob sich, als er einatmete. »Nein, Vater. Ich werde in der ersten Reihe kämpfen.« Er sagte es leise und entschlossen.

»Kaveh! Das tust du nicht! Kaveh! «

Aber so laut Lorgios auch rief, Kaveh hatte sich bereits umgedreht und ging unbeirrt davon. Nill sah sich noch einmal zum König der Freien Elfen um, dann huschte sie der Kriegerschar, die Kaveh umschloss, hinterher. Sie musste sehen, was jenseits der Wälder vor sich ging.

Die Bäume lichteten sich. Kaveh und seine Ritter drängten sich durch die Menge bis nach vorne. Dann blieben sie reglos stehen.

Und auch Nill war wie vom Donner gerührt. Ein jäher Wind brauste auf und ließ den Schnee der Bäume auf sie herabwirbeln. Am Horizont war das Heer der Königin aufgetaucht.

Eine flirrende schwarze Masse zog hinter den weißen Hügeln herauf. Wie Öl sickerte die dunkle Welle heran, kroch über das Land, kroch näher, unendlich langsam ... Dann hatte die wimmelnde Flut sich verdoppelt, verdreifacht und brachte die Steppen zum Brodeln. Nill wurde schlecht vor Grauen. Auch die umstehenden Elfen in ihrer Nähe wurden bleich, die Hirsche stießen unruhige Rufe aus und die Wildschweine schnaubten aufgeregt.

»Bei allen Göttern«, flüsterte Nill. Ihre Beine waren plötzlich seltsam taub. Sie spürte, wie sie auf ihnen stand wie auf wackeligen Stelzen. In der unendlichen Weite des Heeres schwankte ein winziger, roter Fleck. Es war ein Baldachin, der sich über das Weiße Kind und ihre Leibgarde spannte. Gigantische weißrote Fahnen, die von hier wie kleine Punkte in der Schwärze flirrten, flankierten das rote Dach.

Erschreckend rasant kam das Heer jetzt näher.

Obwohl die Sonne nicht schien, blitzten ihnen bald schon die stählernen Helme und Lanzen der vordersten Front entgegen. Einzelne Gestalten schälten sich aus der Masse.

»Bogenschützen!«, hallte ein Ruf, dann noch einer und noch einer durch die vorderste Reihe am Waldrand.

Elfen mit Langbogen, die ihnen bis zu den Schultern reichten, drängten sich vor. Bleiches Licht sickerte durch die schweren Wolkendecken. Die Schatten der hohen Bäume wogten über die Bogenschützen hinweg. Die Elfen zogen lange, helle Pfeile und legten sie auf die Sehnen. Nur noch wenige Augenblicke – ein paar Sekunden – dann waren die Kriegerscharen des Weißen Kindes nahe genug. Inzwischen sah man ihre Gesichter wie bleiche Flecken aus dem Metall ihrer Rüstungen hervortreten. Doch die Grauen Krieger hatten ihre Schilde noch nicht erhoben. Der Wald verbarg die vereinten Stämme vor ihren Blicken ... Nill hielt die Luft an.

»Nijú!« Kaveh hatte Nill erst jetzt entdeckt. Er ließ seinen Bogen sinken, stürzte zu ihr und ergriff ihre Hände. »Was tust du hier vorne? Ich dachte, du wartest auf den Hornruf!«

»Ich wollte das Heer sehen.« Ihre Stimme klang erstickt.

Kaveh wollte etwas erwidern, aber er wurde von einem ohrenbetäubenden Hornsignal unterbrochen.

Der Boden vibrierte. Schnee rieselte von den Ästen.

In einer einzigen riesigen Bewegung wurden die Bogensehnen zurückgezogen. »LOS!«, brüllten mehrere Stimmen. Die Pfeile sirrten los. Gebannt beobachteten Kaveh und Nill, wie der Pfeilhagel in den Himmel schoss, kurz mit den stahlgrauen Wolken verschwamm und in die Reihen der Grauen Krieger einschlug. Entsetzliche Schreie erklangen. Wieder wurden Hörner geblasen.

Kaum einen Atemzug später wurden die Bogensehnen zurückgerissen. Die zweite Salve pfiff aus dem Wald.

»Arivor!«, schrie eine Stimme. Nill kannte das elfische Wort nicht. Aber seine Bedeutung wurde ihr schlagartig bewusst, als sich ein schwarzer Pfeil vor ihr in die Erde bohrte. Mit entsetzten Schreien wichen die Elfen zurück, manche hoben Schilde, die meisten flüchteten in den Schutz der Bäume, während die dunklen Geschosse in den Schnee nagelten.

Nill und Kaveh zogen die Köpfe ein. Ein Sprudel von Flüchen kam Kaveh über die Lippen, aber der Großteil davon ging im lärmenden Chaos unter.

Wieder stob ein Pfeilregen los und bohrte sich tausendfach in die Reihen der Grauen Krieger. Von hinten brach Bewegung aus. Die Krieger aus dem Wald drängten voran zur offenen Schlacht. Pferde wieherten, als sich die Elfen auf ihre Rücken schwangen.

Auch neben Kaveh war ein dunkler Rappe angekommen und schnaubte aufgeregt.

Alles ging zu schnell. Krieger rannten an Nill vorbei, schubsten sie voran und rempelten mit gepanzerten Schultern gegen sie. Die Ersten brachen gegen die Reihen der Königin. Kampfgebrüll tobte in der Luft. Plötzlich löste sich Kavehs Hand von Nill. Sie glaubte ihn verloren im Gedränge; dann tauchte er plötzlich wieder vor ihr auf, und neben ihm ein großer Hirsch, dessen Geweih gefährlich nahe an Nills Gesicht in die Höhe stieß. Einen Moment später hatte Kaveh sie auf den Hirsch hinaufgezogen und schwang sich selbst auf sein Pferd.

»Zurück!«, rief er Nill – oder dem Hirsch – zu.

Dann zog er sein Schwert.

»Kaveh!« Nill spürte, wie ihr Ruf im Lärm der brüllenden Stimmen und klirrenden Waffen unterging. Der Hirsch unter ihr machte eine Wendung, und sie musste sich an seinem Geweih festkrallen, um nicht zu fallen. Kavehs Gesicht schwebte irgendwo in der Menge. Dann galoppierte sein Pferd aus dem Schutz des Waldes heraus – und der Hirsch begann ebenfalls zu galoppieren, jedoch in die andere Richtung.

Elfen auf Pferden und Hirschen, Riesen mit Streitäxten und Keulen, jaulende Wölfe und Wildschweine mit gereckten Hauern zogen an ihnen vorüber. Nill klammerte sich nur noch am Hirschgeweih fest, um nicht unter die galoppierenden Hufe zu geraten. Irgendwann lief der Hirsch langsamer, machte einen weiten Bogen und wandte sich wieder zu den voranstürmenden Kriegern um. Nills Herz pumpte schmerzhaft schnell. In ihrem Kopf rauschte das Blut. Hinter den Bäumen konnte sie die Schlacht erkennen, wie ein tosender Ozean aus Blut und Schmerz und Hass. Alles ging so schnell; Gestalten sanken zu Boden, Lanzen, Schilde, Schwerter stießen in die Höhe und wieder hinab, Pferde bäumten sich auf, Graue Krieger flogen von Geweihen durchbohrt in die Luft. Es sah so unwirklich aus und war zugleich so erschreckend echt, dass Nill nichts mehr denken, nichts mehr fühlen konnte.

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