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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Der Hirsch unter ihr schnaufte und schlug mit den Hufen gegen die Erde. Abwarten, schien er zu sagen.

Warte ab, bis dein Augenblick gekommen ist ...

Und Nill erkannte, dass sie tatsächlich warten musste. Es war das Einzige, was sie tun konnte. Sie musste warten, bis das Heer näher gekommen war.

Oder bis sie, was ihr jetzt sehr zweifelhaft erschien, durch den ohrenbetäubenden Schlachtlärm hindurch Kavehs Horn hörte. Sie musste warten, bis der rote Stoffbaldachin der Königin hier war ... Und ihre zitternde Hand schloss sich fest um den Steindorn. Er war warm.

Das Opfer

Etwas in Scapas Brust hatte sich zusammengezogen.

Die Wirklichkeit rings um ihn erschien ihm wie verschwommen.

Vier Ringe von Reitern umgaben ihn und Arane unter dem roten Stoffdach. Von hinten strömte das Heer an ihnen vorüber wie eine Flut an einem kleinen Fels. Dort, wo in der Ferne die hohen Bäume des Waldes aufragten, entbrannte die Schlacht.

Das Kriegsgemetzel sah noch winzig aus von hier – der abscheuliche Lärm hing wie ein verzerrtes Windheulen in der Luft. Und doch zitterte Scapas Faust, die sich so fest um den Griff seines Dolches schloss, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Er wusste, dass Arane neben ihm seit Beginn der Schlacht so bleich war wie er selbst.

Aber erst jetzt sah er, dass sie lächelte. Bewunderte sie die gigantische, unaufhaltsame Sturmflut ihrer Heere? Die schwarze, kochende Masse, die am flatternden Dach vorbeispülte, würde in den Wald hineinströmen und allen Widerstand unter sich ersticken. Und sie, Arane, war es, die alles befehligen konnte. Sie war es, die die Macht der fünfzigtausend Grauen Krieger in den Händen hielt. Jeder Schwertschlag, der heute einen Krieger der Dunklen Wälder niederstreckte, war ihr Schwertschlag. Jeder Schrei, der heute geschrien wurde, ihr Schrei. Jeder Zentimeter, der heute erobert wurde, wurde von ihr erobert.

»Wie sieht es da vorne aus?«, fragte sie schließlich voll Wohlgefallen.

»Majestät, Eure Kriegerscharen sind unüberwindbar«, sagte der König von Dhrana, der neben ihnen geritten war, träumerisch. Scapa sah den alten Mann misstrauisch an. Er war ihm nicht geheuer, vor allem seine seltsam fahrige Art zu sprechen. Der Greis schien Scapa mehr tot als lebendig. Außerdem zitterte er, als falle es ihm schwer, seinen Körper unter Kontrolle zu halten ...

»Ich will es genau sehen«, sagte Arane. »Was?« Scapa wandte sich vom König von Dhrana ab. »Das ist viel zu gefährlich. Wir sollten warten, bis der gröbste Widerstand gebrochen ist. Meinst du nicht?«

Arane schien eine Weile mit sich selbst zu ringen, doch schließlich blickte sie wieder zum Waldrand.

»Wenn der gröbste Widerstand gebrochen ist. In Ordnung.«

Eine Stunde verging. Der kalte Winterwind brauste ihnen entgegen und trieb flatternde Wellen durch das Stoffdach. Feiner Schnee stob auf sie zu. Als Scapa sich die Flocken aus den Augen wischte, waren sie rotgefärbt. Erschrocken strich er sich die Hand am Umhang ab.

Der Kampflärm schwoll an und kam näher. Einigen Kriegern der Dunklen Wälder war es gelungen, weiter vorzudringen. Sie hatten den Wald verlassen und kämpften auf den offenen Hügeln. Doch auch Graue Krieger waren in den Wald vorgerückt, denn ein großer Teil von ihnen war nicht mehr zu sehen.

Ihre Pferde wurden unruhiger. Sie rochen das Blut, sie hörten das Gebrüll und Waffenklirren, das der Wind immer lauter zu ihnen herantrug. Unruhig tänzelten die Tiere im Schnee.

Schließlich hob Arane ihre Reitpeitsche und schnalzte damit in der Luft. »Jetzt dringen wir vor! Ich will die Schlacht mit ansehen.«

Bewegung brach rings um sie aus. Die vier Schutzringe, die sie umschlossen, ritten los, den roten Baldachin in ihrer Mitte. Plötzlich erklang ein markerschütterndes Brüllen, Pferde wieherten. Ein hünenhafter Mann, groß wie ein Riese, war vor der Leibgarde des Weißen Kindes aufgetaucht. Seine Keule fegte durch die Luft und riss einen Reiter aus dem Sattel. Ein Zweiter wurde von ihm in den Rücken getroffen und sackte vornüber weg. Arane stieß einen spitzen Schrei aus, und dann geschahen mehrere Dinge auf einmal.

Ein Grauer Krieger köpfte den Riesen glatt mit einem Schwertstreich. Ein Schrei erklang, doch nicht der Mann stieß ihn aus, der wie ein gefällter Baumstamm in den Schnee sank. Sondern König Ileofres.

Seine trüben Augen waren weit aufgerissen. Die Hände vorausgestreckt wie Klauen, stürzte er vom Pferd auf Arane zu.

»Die Krone!«, schrie er. »Die Krone ist mein!«.

Scapa riss seinen Dolch hervor, doch er erstarrte mitten in der Bewegung. Die krallenartigen Hände des Königs hatten kaum Aranes Rock berührt, da wich er zurück wie schmelzendes Wachs vor einem Feuer. Ileofres brüllte.

Feuer überzog sein Gesicht wie eine aus dem Nichts entstandene Flammenwand. Er versuchte sich mit den Händen auf die Augen zu schlagen. Rauch quoll aus jeder Pore, die Haut platzte auf. Er stürzte auf die Knie. Seine verkrampften Hände wurden rot, sie schmolzen unter Zischen und Dampfen und schwärzten sich. Dann blieb der König verrenkt und reglos im Schnee liegen. Seine Haut war verkohlt.

Scapa starrte ihn noch an, als er sich längst nicht mehr rührte. Der grässliche Anblick brachte ihn zum Würgen. Nichts konnte er mehr sagen, nichts denken.

Arane atmete schwer. Endlich fand sie ihre Fassung wieder, zog so fest an den Zügeln, dass sich ihr Pferd aufbäumte, und befahclass="underline" »Los jetzt! Weiter!«

Scapa riss den Blick vom verbrannten König los.

Mit aller Macht versuchte er, die Übelkeit zurückzudrängen, während sie sich einen Weg voran bahnten, auf die hohen, rauschenden Bäume der Dunklen Wälder zu.

Nill und der Hirsch waren tiefer in die Dunklen Wälder geflüchtet. Überall zwischen den Bäumen tobte nun die Schlacht.

Nill war heiß unter der schweren Kriegskleidung.

Während sie auf dem Hirsch weiterritt, riss sie sich den breiten Kragen zur Seite, damit ein kalter Luftzug an ihren Hals und Nacken dringen konnte. Ihr waren bereits zwei Graue Krieger in den Weg gekommen; den einen hatte sie im Galopp erschlagen können, den anderen hatte der Hirsch mit seinem Geweih durchstoßen. Ihre Sinne waren schärfer denn je, und gleichzeitig fühlte sie sich wie in einem Traum gefangen. Während das Schwert an ihrem Gürtel klirrte, schloss sich ihre linke Hand fest um den steinernen Dorn. Er war warm, ja. Aber ihre Hand schwitzte. Sie wusste nicht, ob sie nur ihre eigene Wärme spürte.

Die Ruhe der Wälder umgab sie nun. Nur die gedämpften Hufschläge des Hirsches hallten in den hohen Baumkronen wider, das Geschrei der Kämpfenden war nur noch ein verzerrtes Sirren im Wind. Sie war alleine. Sie war in Sicherheit, flüsterte eine hoffnungsvolle Stimme in ihrem Hinterkopf. Aber ein Teil von Nill wollte gar nicht in Sicherheit sein.

»Bitte«, sagte sie und schloss die Augen. »Bitte! Lasst mich die Königin finden ... Ihr Geister des Waldes, führt mich zur Königin!«

Von einem plötzlichen Entschluss gepackt, brachte sie den Hirsch zum Stillstand. Sie stürzte taumelnd von seinem Rücken und fiel nach wenigen Schritten in den Schnee.

Mit bebenden Fingern zog Nill den Steindorn hervor.

Bilder der Schlacht durchzuckten sie. Sie sah das unglaubliche Gemetzel. Hörte die Schreie. Die beiden Grauen Krieger, die sie getötet hatte, die vor ihren Augen gestorben waren. Das Blut, das in den Schnee strömte ...

All das konnte beendet werden, wenn die Königin starb! Wenn die Moorelfen von ihrem Bann freigesprochen wären, dann endete diese irrsinnige Schlacht! Jetzt, endlich, musste Nill ihr Schicksal – und die Bestimmung des magischen Messers – erfüllen, damit das Grauen aufgehalten wurde!

Sie schloss fest die Augen. Wenn sie ihre Aufgabe jetzt nicht erfüllte, waren die Dunklen Wälder verloren. Lange hielten die vereinten Stämme der Übermacht Korrs nicht mehr stand.

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