Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Nichts außer mir. Ohne die Haarsträhne loszulassen, ging ich zum Fenster und starrte hinaus, als hoffte ich, ihn auf der Straße zu sehen. Doch die Rue Tremoulins war still, und nichts regte sich außer den wabernden Schatten der Pappeln an den Pforten und den kleinen Gesten eines Dienstboten, der an der Pforte eines Hauses zur Linken mit einem Nachtwächter sprach, der seinerseits die Pfeife schwang, um seine Worte zu unterstreichen.
Ringsum summte leise das Haus, und unten wurde das Abendessen vorbereitet. Heute Abend wurden keine Gäste erwartet, daher war die übliche Geschäftigkeit gedämpft; wir aßen schlicht, wenn wir allein waren.
Ich setzte mich auf das Bett, schloss die Augen und faltete die Hände über meinem gerundeten Bauch; die Haarsträhne fest umklammert, als könnte ich ihn in Sicherheit wiegen, solange ich nicht losließ.
War ich schnell genug gewesen? Hatte die Polizei Jack Randall gefunden, ehe Jamie es tat? Was, wenn sie gleichzeitig gekommen waren und Jamie dabei angetroffen hatten, wie er Randall formell herausforderte? Ich rieb die Haarsträhne zwischen Daumen und Zeigefinger und spreizte die abgeschnittenen Enden zu einem kleinen Fächer aus rötlichem Grau und Bernstein. Nun, falls ja, waren sie vorerst beide in Sicherheit. Zwar im Gefängnis, doch das war das vergleichsweise kleinere Übel.
Und wenn Jamie Randall zuerst gefunden hatte? Ich blickte hinaus; das Licht schwand jetzt schnell. Duelle wurden traditionell im Morgengrauen ausgefochten, aber ich wusste nicht, ob Jamie bis zum Morgen gewartet haben würde. Möglich, dass sie sich in diesem Moment irgendwo gegenüberstanden, an einem zurückgezogenen Ort, an dem das Aufeinanderprallen des Stahls und der Aufschrei eines tödlich Verletzten keine Aufmerksamkeit erregen würde.
Denn es konnte nur ein Kampf auf Leben und Tod sein. Was zwischen diesem beiden Männern lag, würde nur der Tod begleichen. Und wessen Tod würde das sein? Jamies? Oder Randalls – und damit auch Franks? Jamie war vermutlich der bessere Schwertkämpfer, doch als Herausforderer musste er Randall die Wahl der Waffen überlassen. Und wenn man Pistolen benutzte, war weniger das Können des Schützen als vielmehr sein Glück für den Erfolg verantwortlich; nur die besten Pistolen zielten wirklich gerade, und selbst bei solchen Waffen kam es zu Fehlzündungen oder anderen Unfällen. Plötzlich hatte ich Jamie vor Augen, wie er leblos und still im Gras lag, während ihm das Blut aus der leeren Augenhöhle lief und der Geruch des Schwarzpulvers die anderen Frühlingsdüfte im Bois de Bologne überlagerte.
»Was zum Teufel machst du da, Claire?«
Mein Kopf fuhr so heftig auf, dass ich mir auf die Zunge biss. Seine Augen waren beide noch an Ort und Stelle und blickten mich rechts und links des messerscharfen Nasenrückens an. Mit so kurzem Haar hatte ich ihn noch nie gesehen. Es gab ihm das Aussehen eines Fremden, denn seine kräftigen Gesichtsknochen malten sich deutlich unter der Haut ab, und unter der kurzen, dichten Haarmatte war sein Schädel zu erkennen.
»Was ich hier mache?«, wiederholte ich. Ich schluckte, um mir den trockenen Mund wieder ein wenig anzufeuchten. »Was ich hier mache? Ich sitze hier mit deinem Haar in der Hand und frage mich, ob du tot bist oder nicht! Das ist es, was ich mache!«
»Ich bin nicht tot.« Er trat vor den Schrank und öffnete ihn. Er trug sein Schwert, hatte aber die Kleider gewechselt und seinen alten Rock angezogen – der es ihm ermöglichte, die Arme frei zu bewegen.
»Ja, das ist mir aufgefallen«, sagte ich. »Wie umsichtig von dir, herzukommen und es mir zu sagen.«
»Ich bin hier, um meine Kleider zu holen.« Er zog zwei Hemden und seinen Umhang hervor und legte die Kleidungsstücke über einen Schemel, während er in der Schubladenkommode nach sauberer Wäsche suchte.
»Deine Kleider? Wohin gehst du denn?« Ich hatte keine Ahnung gehabt, was mich erwartete, wenn ich ihn wiedersah, aber das hier hatte ich gewiss nicht erwartet.
»In ein Gasthaus.« Er warf mir einen flüchtigen Blick zu, dann beschloss er anscheinend, dass ich mehr verdient hatte als eine Erklärung, die aus drei Worten bestand. Er drehte sich um und sah mich an, und seine blauen Augen waren undurchsichtig wie Azurit.
»Nachdem ich dich mit der Kutsche heimgeschickt hatte, bin ich ein Stück zu Fuß gegangen, bis ich mich wieder im Griff hatte. Dann bin ich nach Hause gekommen, um mein Schwert zu holen, und zum Haus des Herzogs zurückgekehrt, um Randall formell herauszufordern. Der Butler sagte mir, Randall sei verhaftet worden.«
Sein Blick ruhte auf mir, fern wie der Grund des Ozeans. Ich schluckte erneut.
»Ich bin zur Bastille gegangen. Dort hat man mir gesagt, du hättest unter Eid Anklage gegen Randall erhoben und gesagt, er hätte dich und Mary Hawkins an jenem Abend überfallen. Warum, Claire?«
Meine Hände zitterten, und ich ließ die Haarsträhne fallen. Da meine Finger ihren Zusammenhalt gestört hatten, löste sie sich auf, und die feinen roten Haare verteilten sich auf meinem Schoß.
»Jamie«, sagte ich, und meine Stimme zitterte ebenfalls, »Jamie, du kannst Jack Randall nicht umbringen.«
Es zuckte ganz sacht in seinem Mundwinkel.
»Ich weiß nicht, ob ich gerührt sein soll über deine Sorge um meine Sicherheit, oder ob ich beleidigt sein soll, weil du es mir nicht zutraust. So oder so brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Ich kann ihn umbringen. Problemlos.« Das letzte Wort kam leise und hatte einen Unterton, in dem sich Gift und Genugtuung vermischten.
»Das ist es nicht, was ich meine! Jamie!«
»Glücklicherweise«, fuhr er fort, als hörte er mich nicht, »kann Randall beweisen, dass er sich am Abend der Vergewaltigung in der Residenz des Herzogs befand. Sobald die Polizei die dort anwesenden Gäste befragt und sich vergewissert hat, dass Randall unschuldig ist – zumindest in diesem Fall –, wird man ihn gehen lassen. Ich bleibe im Gasthaus, bis er wieder frei ist. Und dann suche ich ihn.« Sein Blick war auf den Schrank gerichtet, doch er sah eindeutig etwas anderes. »Er wird mich erwarten«, sagte er leise.
Er stopfte Hemden und Wäsche in einen Leinenbeutel und legte sich den Umhang über den Arm. Er hatte sich schon der Tür zugewandt, als ich vom Bett aufsprang und ihn am Ärmel festhielt.
»Jamie! Um Himmels willen, Jamie, hör mir zu! Du kannst Jack Randall nicht umbringen, weil ich es nicht zulassen werde!«
Er starrte mich voll blankem Erstaunen an.
»Wegen Frank«, sagte ich. Ich ließ seinen Ärmel los und trat zurück.
»Frank«, wiederholte er und schüttelte den Kopf, als wollte er seine Ohren von einem Summen befreien. »Frank.«
»Ja«, sagte ich. »Wenn du Jack Randall jetzt umbringst, wird Frank … nicht existieren. Er wird gar nicht geboren. Jamie, du kannst doch keinen Unschuldigen umbringen!«
Sein Gesicht, das normalerweise einen hellen Bronzeton hatte, war während meiner Worte zu einem fleckigen Weiß erbleicht. Jetzt kehrte die Röte zurück, so dass seine Ohrmuscheln brannten und seine Wangen in Flammen standen.
»Einen Unschuldigen?«
»Frank ist ein unschuldiger Mensch! Es interessiert mich nicht, was Jack Randall …«
»Nun, mich schon!« Mit einem Ruck griff er nach der Tasche und schritt auf die Tür zu, den Umhang auf dem Arm. »Großer Gott, Claire! Willst du wirklich verhindern, dass ich mich an dem Mann räche, der mich gezwungen hat, für ihn die Hure zu spielen? Der mich gezwungen hat, vor ihm auf die Knie zu gehen und seinen Schwanz zu lutschen, der mit meinem Blut beschmiert war? Himmel, Claire!« Er warf die Tür krachend auf und war schon im Flur, als ich ihn erreichte.
Inzwischen war es dunkel, doch die Dienstboten hatten die Kerzen angezündet, und der Flur war in sanftes Licht getaucht. Ich packte seinen Arm und zerrte daran.
»Jamie! Bitte!«
Ungeduldig entriss er mir seinen Arm. Ich war den Tränen nah, hielt sie aber zurück. Ich bekam die Tasche zu fassen und zog sie ihm aus der Hand.
»Bitte, Jamie! Warte, nur ein Jahr! Das Kind – Randalls Kind – wird nächstes Jahr gezeugt. Danach spielt es keine Rolle mehr. Aber bitte – um meinetwillen, Jamie – warte bis dahin!«