Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Tatsächlich?« Seine dichten Augenbrauen hoben sich ungläubig.
»Ja.« Ich erhob mich und wies zum Foyer. »Hol mir meinen Umhang, während ich mein Mieder wieder zuschnüre. Du musst mich zum Commissariat de Police begleiten.«
Als ich sah, wie ihm der Mund aufklappte, spürte ich den ersten Hauch von Hoffnung in mir aufsteigen. Wenn es mir gelungen war, Dougal MacKenzie zu überrumpeln, konnte ich doch gewiss auch ein Duell verhindern?
»Möchtest du mir sagen, was du eigentlich glaubst, was du hier tust?«, erkundigte sich Dougal, als die Kutsche um den Cirque du Mireille rumpelte und dabei eine entgegenkommende Kalesche und einen Karren voller Kürbisse nur um Haaresbreite verfehlte.
»Nein«, sagte ich knapp, »aber ich muss es wohl tun. Wusstest du, dass Jack Randall noch am Leben ist?«
»Mir war nicht zu Ohren gekommen, dass er tot ist«, sagte Dougal sachlich.
Das verschlug mir einen Moment die Sprache. Doch er hatte natürlich recht; wir hatten ja nur deshalb gedacht, Randall sei tot, weil Sir Marcus MacRannoch die zertrampelte Leiche seines Burschen für den Offizier gehalten hatte, als er Jamie aus dem Gefängnis von Wentworth rettete. Natürlich hatte sich die Nachricht von Randalls Tod nicht in den Highlands verbreitet, weil dieser gar nicht stattgefunden hatte. Ich versuchte, meine zerstreuten Gedanken zu sammeln.
»Er ist zwar nicht tot«, sagte ich. »Aber er ist in Paris.«
»In Paris?« Jetzt war er ganz Ohr; seine Augenbrauen hoben sich, und als er weiterdachte, bekam er große Augen.
»Wo ist Jamie?«, fragte er scharf.
Ich freute mich zu sehen, dass er begriff, worum es ging. Er wusste zwar nicht, was in Wentworth zwischen Jamie und Randall vorgefallen war – das würde niemand je erfahren außer Jamie, Randall und bis zu einem gewissen Punkt ich –, doch er wusste mehr als genug über Randalls vorausgegangene Taten, um zu begreifen, was Jamies erster Impuls sein würde, wenn er dem Mann hier begegnete, außerhalb der schützenden Grenzen Englands.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich und blickte aus dem Fenster. Wir fuhren jetzt an Les Halles vorbei, und meine Nase füllte sich mit Fischgeruch. Ich zog ein parfümiertes Taschentuch hervor und hielt es mir vor Nase und Mund. Der kräftige, scharfe Duft des Moosbeergrüns, mit dem ich es parfümiert hatte, kam zwar nicht gegen den Gestank der Aalverkäufer an, doch zumindest half er ein wenig. Ich redete durch das würzige Leinen hindurch.
»Wir sind Randall heute unerwartet beim Herzog von Sandringham begegnet. Jamie hat mich mit der Kutsche nach Hause geschickt, und seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen.«
Dougal ignorierte sowohl den Gestank als auch die lauten Rufe der Fischweiber, die ihre Waren anpriesen. Er sah mich stirnrunzelnd an.
»Er wird den Mann doch mit Sicherheit umbringen wollen?«
Ich schüttelte den Kopf und erklärte ihm meine Gedanken in Bezug auf das Schwert.
»Ich kann es nicht zu einem Duell kommen lassen«, sagte ich und senkte das Taschentuch, um deutlicher zu sprechen. »Ich werde es nicht dazu kommen lassen!«
Dougal nickte geistesabwesend.
»Aye, das wäre gefährlich. Nicht, dass Jamie Randall nicht problemlos gewachsen wäre – schließlich war ich sein Lehrer«, fügte er etwas prahlerisch hinzu, »aber die Strafe für ein Duell …«
»Du hast es verstanden«, sagte ich.
»Also schön«, sagte er langsam. »Aber warum dann die Polizei? Du willst den Jungen doch nicht vorsorglich einsperren lassen, oder? Deinen eigenen Mann?«
»Nicht Jamie«, sagte ich. »Randall.«
Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht, wenn auch mit Skepsis versetzt.
»Oh, aye? Und wie willst du das bewerkstelligen?«
»Eine Freundin und ich wurden … vor ein paar Tagen abends auf der Straße überfallen«, sagte ich und schluckte bei dem Gedanken daran. »Die Männer waren maskiert; ich konnte sie nicht erkennen. Doch einer von ihnen hatte etwa dieselbe Größe und Figur wie Jonathan Randall. Ich werde sagen, dass ich Randall heute in einem Haus begegnet bin und einen der Angreifer in ihm erkannt habe.«
Dougals Augenbrauen fuhren in die Höhe und zogen sich zusammen. Sein Blick huschte kühl über mich hinweg. Plötzlich tauchte eine neue Überlegung darin auf.
»Himmel, du hast Nerven wie der Teufel. War es ein Raubüberfall?«, fragte er leise. Unwillkürlich spürte ich, wie mir die Wut in die Wangen stieg.
»Nein«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
»Ah.« Er lehnte sich in der Kutsche zurück, ohne den Blick von mir abzuwenden. »Aber dir ist nichts passiert?« Ich blickte hinaus auf die Straße, doch ich konnte spüren, wie sich seine Augen in meinen Ausschnitt bohrten und sie über die Rundung meiner Hüften glitten.
»Mir nicht«, sagte ich. »Aber meine Freundin …«
»Ich verstehe.« Er schwieg einen Moment, dann sagte er nachdenklich: »Hast du schon einmal von ›Les Disciples du Mal‹ gehört?«
Mein Kopf fuhr mit einem Ruck zu ihm herum. Er kauerte lässig in der Ecke wie eine Katze und beobachtete mich, die Augen zum Schutz vor der Sonne zusammengekniffen.
»Nein. Was ist das?«, wollte ich wissen.
Er zuckte mit den Schultern und setzte sich aufrecht hin. Sein Blick fiel an mir vorbei auf den herannahenden Quai des Orfèvres, der grau und trostlos über der glitzernden Seine aufragte.
»Eine Art … Bruderschaft. Junge Männer aus gutem Hause mit … sagen wir, ungesunden Interessen?«
»Sagen wir«, erwiderte ich. »Und was genau weißt du über Les Disciples?«
»Nur das, was ich in einem Wirtshaus in der Stadt gehört habe«, sagte er. »Dass die Bruderschaft ihren Mitgliedern einiges abverlangt und der Preis für die Aufnahme hoch ist … verhältnismäßig.«
»Und zwar?« Ich sah ihn herausfordernd an. Er lächelte grimmig, ehe er antwortete.
»Zum Beispiel eine Jungfernhaut. Oder die Brustwarzen einer verheirateten Frau.« Er warf einen raschen Blick auf meinen Busen. »Deine Freundin ist Jungfrau, oder? Zumindest war sie es?«
Mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Ich wischte mir mit dem Taschentuch über das Gesicht und steckte es in meinen Umhang. Es gelang mir erst beim zweiten Versuch, denn meine Hände zitterten.
»Sie war es. Was hast du noch gehört? Weißt du, wer mit Les Disciples zu tun hat?«
Dougal schüttelte den Kopf. Das rote Haar an seinen Schläfen war mit silbernen Strähnen durchzogen, in denen sich das Licht des Nachmittags fing.
»Nur Gerüchte. Der Vicomte de Busca, der jüngste Sohn der Charmisses – vielleicht. Und der Comte St. Germain. Heda! Geht es dir gut, Kleine?«
Etwas bestürzt beugte er sich vor und sah mich an.
»Bestens«, sagte ich und atmete tief durch die Nase. »Wirklich bestens.« Ich zog das Taschentuch wieder hervor und wischte mir den kalten Schweiß von der Stirn.
»Wir wollen Euch nichts tun, Mesdames«, hallte es ironisch in meiner Erinnerung wider. Der Mann mit dem grünen Hemd war mittelgroß und dunkelhaarig, schlank und schmal. Diese Beschreibung traf zwar auf Jonathan Randall zu, genauso jedoch auf den Comte St. Germain. Aber hätte ich seine Stimme erkannt? War es vorstellbar, dass mir ein normaler Mann keine zwei Stunden nach dem Zwischenfall auf der Rue du Faubourg St.-Honoré beim Essen gegenübersaß, Lachsmousse speiste und sich höflich unterhielt?
Wenn man es logisch betrachtete, warum nicht? Ich hatte das schließlich auch getan. Und wenn die Gerüchte stimmten, hatte ich keinen Grund zu der Annahme, dass der Comte – selbst für meine Verhältnisse – ein normaler Mann war.
Die Kutsche kam zum Halten, und mir blieb nur wenig Zeit zum Überlegen. War ich im Begriff, dafür zu sorgen, dass der Mann, der für Marys Vergewaltigung verantwortlich war, ungeschoren davonkam, und dass gleichzeitig Jamies schlimmstem Feind nichts zustoßen konnte? Ich holte tief und zitternd Luft. Mir blieb verdammt wenig anderes übrig, dachte ich. Das Leben stand an erster Stelle; die Gerechtigkeit würde warten müssen, bis sie an der Reihe war.
Der Kutscher war abgestiegen und hatte die Hand schon nach der Tür ausgestreckt. Ich biss mir auf die Unterlippe und sah Dougal MacKenzie an. Er erwiderte meinen Blick mit einem kleinen Achselzucken. Was wollte ich von ihm?