Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Würdest du meine Aussage bestätigen?«, fragte ich abrupt.
Er blickte an der kantigen Masse des Quai des Orfèvres empor. Durch das offene Tor fiel gleißendes Nachmittagslicht.
»Bist du sicher?«, fragte er.
»Ja.« Mein Mund war trocken.
Er glitt von seinem Sitz und hielt mir die Hand entgegen.
»Dann solltest du beten, dass wir nicht beide in einer Zelle landen«, sagte er.
Eine Stunde später traten wir auf die leere Straße vor dem Commissariat de Police hinaus. Ich hatte die Kutsche heimgeschickt, damit niemand, der uns kannte, sie vor dem Quai des Orfèvres stehen sah. Dougal hielt mir den Arm hin, und ich nahm gezwungenermaßen an. Der Boden war hier rutschig, und das Kopfsteinpflaster erschwerte das Gehen auf hohen Absätzen.
»Les Disciples du Mal«, sagte ich, während wir langsam an der Seine entlang auf die Türme von Notre Dame zugingen. »Meinst du wirklich, der Comte St. Germain könnte einer der Männer gewesen sein, die … die uns an der Rue du Faubourg St.-Honoré aufgelauert haben?« Ich begann jetzt, als Reaktion auf die Ereignisse des Tages zu zittern – und vor Hunger. Ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, und allmählich begann ich das zu spüren. Wir waren in die Rue Elise eingebogen, und die Pflastersteine glänzten feucht und waren mit Unrat aller Art verschmutzt. Ein Gepäckträger, der eine Holzkiste schleppte, blieb vor uns stehen, um sich zu räuspern und mir geräuschvoll vor die Füße zu spucken. Der grünliche Schleimklecks blieb auf einem der abgerundeten Steine kleben, bis er schließlich in eine kleine Schlammpfütze in einer Lücke zwischen den Steinen rutschte, auf der er träge dahintrieb.
»Mpfm.« Dougal runzelte nachdenklich die Stirn, während er sich nach einer Droschke umsah. »Ich kann es nicht sagen; ich habe schon Schlimmeres über den Mann gehört, aber ich hatte noch nicht die Ehre, ihm zu begegnen.« Er sah mich an.
»Bis jetzt hast du deine Sache gut gemacht«, sagte er. »Jack Randall wird vor Ablauf der nächsten Stunde in der Bastille sitzen. Aber früher oder später werden sie ihn gehen lassen müssen, und ich würde nicht viel darauf wetten, dass sich Jamie unterdessen beruhigt. Möchtest du, dass ich mit ihm spreche – ihn überrede, keine Dummheit zu begehen?«
»Nein! Halt dich in Gottes Namen da heraus!« Die Räder einer Kutsche donnerten über das Pflaster, doch meine Stimme war so laut, dass Dougal überrascht die Augenbrauen hochzog.
»Also schön«, sagte er geduldig. »Ich überlasse es dir, ihn zur Vernunft zu bringen. Er ist zwar so hartnäckig wie ein Felsbrocken … aber du hast wohl deine Methoden, wie?«, sagte er mit einem Seitenblick und einem vielsagenden Grinsen.
»Das schaffe ich schon.« Das würde ich. Ich musste es. Denn alles, was ich Dougal erzählt hatte, war wahr. Alles wahr. Und doch so weit von der Wahrheit entfernt. Denn ich hätte Charles Stuart und den Kreuzzug seines Vaters mit Freuden zum Teufel geschickt, bereitwillig jede Hoffnung geopfert, seinen blinden Durchmarsch in die Torheit aufzuhalten, es sogar riskiert, dass man Jamie einkerkerte, wenn ich den Riss hätte heilen können, den Randalls Auferstehung in Jamies Seele verursacht hatte. Ich hätte ihm dabei geholfen, Randall umzubringen, und nichts als Wonne dabei empfunden, wäre da nicht eines gewesen. Die eine Überlegung, die Jamies Stolz aufwiegen konnte, die mehr Gewicht besaß als seine Männlichkeit, als sein bedrohter Seelenfriede. Frank.
Das war der eine Gedanke, der mich durch diesen Tag getrieben hatte, der mich weit über den Punkt hinaus gestärkt hatte, an dem mir der Zusammenbruch willkommen gewesen wäre. Monatelang hatte ich gedacht, Randall sei tot und kinderlos, und hatte um Franks Leben gebangt. Doch gleichzeitig hatte mich der goldene Ring am Ringfinger meiner linken Hand getröstet.
Er war das Gegenstück zu Jamies Silberring an meiner Rechten, mein Talisman in den dunklen Stunden der Nacht, wenn die Zweifel den Träumen auf dem Fuße folgten. Wenn ich seinen Ring noch trug, würde der Mann, der ihn mir gegeben hatte, auf die Welt kommen. Das hatte ich mir tausendmal gesagt. Auch wenn ich nicht wusste, wie ein Toter ohne Nachkommen eine Abstammungslinie zeugen konnte, die zu Frank führte; der Ring war da, und Frank würde leben.
Jetzt wusste ich, warum der Ring nach wie vor an meiner Hand glänzte, so kühl wie mein kalter Finger. Randall lebte noch, konnte noch heiraten, konnte das Kind noch zeugen, das sein Leben an Frank weitergeben würde. Es sei denn, Jamie brachte ihn vorher um.
Fürs Erste hatte ich getan, was ich konnte, doch an der Tatsache, der ich im Korridor des Herzogs gegenübergestanden hatte, änderte das nichts. Der Preis für Franks Leben war Jamies Seele, und wie sollte ich zwischen diesen Alternativen wählen?
Ohne Dougals Rufe zu beachten und zu halten, ratterte die nahende Droschke vorbei, und schmutziges Wasser spritzte von ihren Rädern auf Dougals Seidenstrümpfe und meinen Rocksaum.
Statt eines herzhaften Wortschwalls auf Gälisch schwang Dougal der verschwindenden Kutsche nur die Faust hinterher.
»Schön, und was jetzt?«, fragte er rhetorisch.
Der mit Schleim durchsetzte Speichelklecks trieb zu meinen Füßen auf der Pfütze, und graues Licht spiegelte sich darin wider. Ich konnte ihn zäh und kalt auf meiner Zunge spüren. Ich streckte die Hand aus und griff nach Dougals Arm, hart und glatt wie ein entrindeter Platanenast. Hart, doch er schien zu wanken und mich weit über das kalte, glitzernde, nach Fisch riechende, schleimige Wasser hinauszuschwingen. Vor meinen Augen erschienen schwarze Flecken.
»Jetzt«, sagte ich, »übergebe ich mich.«
Es war kurz vor Sonnenuntergang, als ich zur Rue Tremoulins zurückkehrte. Meine Knie zitterten, und es gelang mir nur mit großer Mühe, einen Fuß nach dem anderen auf die Treppe zu setzen. Ich ging direkt ins Schlafzimmer, um meinen Umhang abzulegen, während ich mich fragte, ob Jamie schon hier gewesen war.
Er war. Ich blieb im Eingang stehen und ließ den Blick durch das Zimmer schweifen. Meine Medizintruhe stand offen auf dem Tisch. Die Schere, die ich zum Zertrennen von Verbandsmaterial benutzte, lag aufgeklappt auf meiner Ankleidekommode. Sie war ein hübsches Werkzeug, das mir ein Messerschmied geschenkt hatte, der hin und wieder im Hôpital des Anges arbeitete; ihre Griffe waren vergoldet und wie Storchenköpfe geformt, deren lange Schnäbel die silbernen Scherenklingen bildeten. Sie lagen in einer Wolke rötlich goldener Seidenfäden und glänzten in den Strahlen der untergehenden Sonne.
Ich trat einige Schritte auf die Ankleide zu, und die seidig schimmernden Strähnen hoben sich, durch meine Bewegung aufgestört, und drifteten über die Tischplatte.
»Ach du lieber Himmel«, hauchte ich. Er war hier gewesen, oh ja, und jetzt war er fort. Ebenso wie sein Schwert.
Das Haar lag in dichten, glänzenden Strähnen, wie es gefallen war, auf Kommode, Hocker und Fußboden verstreut. Ich hob eine der geschorenen Locken auf und spürte, wie sich die feinen, weichen Haare in meinen Fingern voneinander trennten wie die einzelnen Fäden der Stickseide. Ich empfand kalte Panik, die irgendwo zwischen meinen Schulterblättern begann und mir den Rücken hinunterlief. Ich erinnerte mich daran, wie Jamie am Rand des Springbrunnens im Garten der Rohans gesessen und mir von seinem ersten Duell in Paris erzählt hatte.
Mitten im Kampf hat sich mein Haar gelöst. Der Lederriemen ist gerissen, und der Wind hat es mir in die Augen geweht, so dass ich kaum noch sehen konnte, was ich tat.
Er ging kein Risiko ein, dass das noch einmal geschah. Während ich die Spuren betrachtete, die er zurückgelassen hatte, die weiche Haarsträhne in meiner Hand, die sich noch wie lebendig anfühlte, konnte ich mir die kalte Zielstrebigkeit vorstellen, mit der er es getan hatte; das Schnippen der Metallklingen an seinem Schädel, während er alles Weiche fortschnitt, das ihm den Blick verstellen konnte. Nichts würde zwischen ihm und dem Mord an Jonathan Randall stehen.