Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nun, jedenfalls nicht aus den Gründen, die du mir einreden wolltest. Was Frank betrifft«, sagte er, »nun ja, es stimmt, dass ich ihm die Frau genommen habe, und ich bedaure ihn deswegen – manchmal mehr, manchmal weniger«, fügte er hinzu und zuckte unverschämt mit der Augenbraue. »Dennoch, ist es nicht genauso, als ob er hier mein Rivale wäre? Du hattest die freie Wahl zwischen uns, und du hast mich gewählt – obwohl er Annehmlichkeiten wie fließendes warmes Wasser auf seiner Seite hatte. Uff!« Ich befreite einen Fuß mit einem Ruck und trat ihn in die Rippen. Er richtete sich auf und packte den Fuß, ehe ich erneut zutreten konnte.
»Bedauerst du deine Wahl etwa?«
»Noch nicht«, sagte ich und versuchte, meinen Fuß wieder in meine Gewalt zu bringen, »aber es kann jede Minute so weit sein. Sprich weiter.«
»Nun denn. Ich war nicht der Meinung, dass die Tatsache, dass du mich gewählt hast, Frank irgendwelche besonderen Rechte garantiert. Außerdem«, sagte er unverblümt, »gebe ich zu, dass ich ein kleines bisschen eifersüchtig auf den Mann bin.«
Ich trat mit dem anderen Fuß zu und zielte diesmal tiefer. Er fing den Tritt mit einer geschickten Drehung an meinem Knöchel ab.
»Und was die Frage angeht, ob ich ihm aus Prinzip sein Leben schulde«, fuhr er fort, ohne meine Fluchtversuche zu beachten, »das ist ein Thema, das Bruder Anselm im Kloster mehr liegt als mir. Ich würde gewiss nie kaltblütig einen Unschuldigen umbringen. Aber ich habe natürlich schon Männer im Kampf getötet, und ist das hier etwas anderes?«
Ich musste an den Deserteur denken und an den Jungen im Schnee, den ich auf unserer Flucht aus Wentworth umgebracht hatte. Zwar quälte ich mich nicht länger mit dem Gedanken an sie, aber ich würde sie immer bei mir tragen.
Er schüttelte den Kopf. »Nein, da gibt es reichlich Für und Wider, aber am Ende bleibt nur eines: Man tötet, wenn man muss, und hinterher lebt man damit. Ich habe das Gesicht jedes einzelnen Menschen im Kopf, den ich getötet habe, und das wird immer so bleiben. Doch das ändert nichts daran, dass ich lebe und sie nicht, und das ist meine einzige Rechtfertigung, ob es nun richtig ist oder nicht.«
»Aber das trifft doch auf diesen Fall gar nicht zu«, wandte ich ein. »Es geht hier nicht darum, zu töten oder getötet zu werden.«
Er schüttelte den Kopf, um eine Fliege zu verscheuchen, die sich in seinem Haar niedergelassen hatte. »Genau da irrst du, Sassenach. Das, was zwischen Jack Randall und mir steht, wird erst beglichen sein, wenn einer von uns tot ist – und vielleicht nicht einmal dann. Man kann sich mit Messern oder Pistolen gegenseitig umbringen, doch es gibt Dinge, die schlimmer sind als der körperliche Tod.« Sein Ton wurde sanfter. »In Ste. Anne hast du mich aus mehr als einer Art von Tod gerissen, a nighean donn, glaub nicht, dass ich das nicht weiß.« Er schüttelte den Kopf. »Vielleicht schulde ich dir ja doch mehr als du mir.«
Er ließ meine Füße los und verlagerte seine langen Beine. »Und das ist der Grund, warum ich auch an dein Gewissen denken muss, nicht nur an das meine. Du hattest schließlich keine Ahnung, was geschehen würde, als du deine Wahl getroffen hast, und es ist eine Sache, einen Mann im Stich zu lassen, aber eine andere, ihn zum Tod zu verurteilen.«
Diese Beschreibung meiner Handlungsweise gefiel mir überhaupt nicht, aber ich musste den Tatsachen ins Auge sehen. Ich hatte Frank nun einmal im Stich gelassen, und ich konnte diese Wahl zwar nicht bedauern, doch ich tat es trotzdem, und ich würde immer bedauern, dass sie nötig gewesen war. Jamies nächste Worte spiegelten genau diese Gedanken wider.
Er fuhr fort: »Wenn du gewusst hättest, dass es Franks … nun, sagen wir, seinen Tod bedeuten würde, hättest du dich vielleicht anders entschieden. Da du aber mich gewählt hast – habe ich das Recht, deinen Handlungen mehr Tragweite zu verleihen, als es deine Absicht war?«
Er war so sehr damit beschäftigt gewesen, seine Gedanken in Worte zu fassen, dass er gar nicht mitbekam, was für eine Wirkung seine Worte auf mich hatten. Als sein Blick jetzt auf mein Gesicht fiel, hielt er plötzlich inne und betrachtete mich schweigend, während die Kutsche weiter durch die grüne Landschaft wankte.
»Es kann einfach keine Sünde gewesen sein, dass du so gehandelt hast, Claire«, sagte er schließlich und streckte die Hand aus, um sie auf meinen bestrumpften Fuß zu legen. »Ich bin genauso dein rechtmäßiger Ehemann, wie er es je gewesen ist – oder sein wird. Du hast doch gar keine Gewissheit, ob du zu ihm hättest zurückkehren können; a nighean donn. Es hätte auch sein können, dass du noch weiter zurückgehst oder an einem ganz anderen Punkt der Zukunft auskommst. Du hast so gehandelt, wie du geglaubt hast, es tun zu müssen; das ist das Beste, was man tun kann.« Er hob den Kopf, und sein Blick durchbohrte mir die Seele.
»Ich bin so ehrlich zu sagen, dass es mich nicht kümmert, was richtig und was falsch gewesen wäre, solange du hier bei mir bist, Claire«, sagte er leise. »Wenn es eine Sünde war, dass du mich gewählt hast … würde ich sogar zum Teufel gehen und ihm danken, weil er dich in diese Versuchung geführt hat.« Er hob meinen Fuß und küsste mich sanft auf die Spitze des dicken Zehs.
Ich legte ihm die Hand auf den Kopf; das kurze Haar war zwar borstig, aber weich wie bei einem ganz jungen Igel.
»Ich glaube nicht, dass es falsch war«, sagte ich leise. »Aber falls doch … dann gehe ich mit dir gemeinsam zum Teufel, Jamie Fraser.«
Er schloss die Augen und beugte den Kopf über meinen Fuß. Er hielt ihn so fest, dass ich spürte, wie sich die langen, dünnen Mittelfußknochen aneinanderrieben; dennoch zog ich ihn nicht zurück. Ich bohrte Jamie die Finger in die Kopfhaut und zog ihn sacht am Haar.
»Warum also, Jamie? Warum hast du beschlossen, Jack Randall leben zu lassen?«
Er ließ meinen Fuß nicht los, öffnete aber die Augen und lächelte mich an.
»Nun, mir ist einiges durch den Kopf gegangen, Sassenach, während ich an diesem Abend auf und ab spaziert bin. Erstens habe ich gedacht, dass du leiden würdest, wenn ich das Schwein umbringe. Ich würde einiges tun oder auch lassen, um dir Kummer zu ersparen, Sassenach, aber – wiegt dein Gewissen wirklich meine Ehre auf? Nein.« Wieder schüttelte er den Kopf, und der nächste Punkt war abgehakt. »Jeder von uns kann nur die Verantwortung für seine eigenen Handlungen und sein eigenes Gewissen tragen. Was ich tue, kann man dir nicht anrechnen, ganz gleich, welche Folgen es hat.« Er blinzelte, denn vom staubigen Wind tränten ihm die Augen, und er fuhr sich mit der Hand durch das Haar, um die zerzausten Enden zu glätten – jedoch vergeblich. Es war so kurz geschnitten, dass ein Wirbel auf seinem Scheitel trotzig abstand wie ein Pinsel.
»Warum dann?«, wollte ich wissen und beugte mich vor. »Du hast mir sämtliche Gründe gesagt, warum nicht; was bleibt denn noch?«
Er zögerte einen Moment, dann sah er mir direkt in die Augen.
»Charles Stuarts wegen, Sassenach. Bis jetzt haben wir ja verhindert, was wir konnten, aber mit dieser Investition – nun, möglicherweise gelingt es ihm ja doch, sich an die Spitze einer Armee in Schottland zu stellen. Und wenn das geschieht … nun, du weißt besser als ich, was dann kommen könnte, Sassenach.«
So war es, und mir wurde kalt, wenn ich daran dachte. Mir fiel plötzlich ein, wie ein Historiker das Schicksal der Highlander in Culloden beschrieben hatte: »Die Toten lagen zu viert aufeinandergestapelt, vom Regen und ihrem eigenen Blut getränkt.«
Die schlecht geführten und halbverhungerten Highlander würden zwar bis zum Ende tapfer kämpfen, doch ihr Leben würde in einer entscheidenden halben Stunde verwirkt werden. Zuhauf würde man sie im Aprilregen verbluten lassen, und das Ziel, das sie hundert Jahre lang nicht aufgegeben hatten, würde mit ihnen sterben.
Jamie beugte sich plötzlich vor und nahm meine Hände.
»Ich glaube nicht, dass es geschehen wird, Claire; ich glaube, wir werden ihn aufhalten. Aber falls doch …« Er war jetzt völlig ernst, seine Worte leise und drängend. »Wenn es doch geschieht, möchte ich, dass es einen Ort für dich gibt; ich möchte, dass es jemanden gibt, zu dem du gehen kannst, wenn ich … nicht mehr für dich sorgen kann. Wenn ich es nicht sein kann, möchte ich doch, dass es ein Mann ist, der dich liebt.« Seine Hände legten sich fester um meine Finger; ich konnte spüren, wie sich beide Ringe in meine Haut drückten, wie ernst und wichtig es ihm war.