Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Trotz meiner Müdigkeit und des alles andere als harmlosen Anlasses freute ich mich auf die Reise. Abgesehen von der Verlockung des Neuen und der Möglichkeit eines Abenteuers, brachte sie die wunderbare Aussicht mit sich, dem Waschen, Kochen und der weiblichen Kriegsführung zu entkommen. Dennoch, Jamie hatte Recht; heute Nacht konnten wir wahrscheinlich für lange Zeit zum letzten Mal die Vorzüge der Zurückgezogenheit und des Komforts genießen.
Ich räkelte mich und erfreute mich bewusst der weichen Umarmung des Federbetts und der glatten, sauberen Laken mit ihrem schwachen Duft nach Rosmarin und Holunderblüte. Hatte ich genug Bettzeug eingepackt?
Rogers Stimme drang durch die Fensterläden, immer noch kräftig, wenn sie auch allmählich vor Erschöpfung ein wenig rau klang.
»Die Drossel sollte besser ins Bett gehen«, sagte Jamie mit einem Hauch von Missbilligung, »wenn er sich anständig von seiner Frau verabschieden will.«
»Ach du liebe Güte, Brianna und Jemmy sind doch schon seit Stunden im Bett!«, sagte ich.
»Der Kleine vielleicht; Brianna ist noch da. Ich habe ihre Stimme gerade noch gehört.«
»Wirklich?« Ich lauschte angestrengt, konnte jedoch nur das Rauschen des gedämpften Applauses hören, als Roger sein Lied beendete. »Wahrscheinlich möchte sie so lange wie möglich bei ihm bleiben. Die Männer werden morgen ganz schön erschöpft sein – von ihrem Kater ganz zu schweigen.«
»Solange sie noch auf einem Pferd sitzen können, ist es mir einerlei, wenn sie dann und wann im Gebüsch verschwinden und sich übergeben«, versicherte mir Jamie.
Ich kuschelte mich ein und zog mir die warme Bettdecke um die Schultern. Ich konnte das tiefe Brummen von Rogers Stimme hören. Er lachte, weigerte sich aber entschieden, noch etwas zu singen. Nach und nach verstummten die Geräusche vor dem Haus, wenn ich es auch immer noch rumpeln und klappern hörte, als jemand das Bierfass umstülpte und die letzten Tropfen herausschüttelte. Dann ein dumpfer Aufprall, als es zu Boden geworfen wurde.
Auch im Haus erklangen Geräusche; das plötzliche Aufheulen eines Babys, das schläfrige Gejammer von Kleinkindern, die von den Männern aufgestört wurden, eine Frauenstimme, die sich erst tadelnd, dann beruhigend erhob.
Mein Hals und meine Schultern schmerzten, und meine Füße waren wund von meinem langen Spaziergang zur Whiskyquelle mit Jemmy auf dem Arm. Dennoch war ich noch so wach, dass es geradezu ärgerlich war, und es gelang mir nicht, die Geräusche der Außenwelt genauso vollständig auszusperren, wie die Fensterläden ihren Anblick ausblendeten.
»Kannst du dich noch an alles erinnern, was du heute getan hast?« Dies war ein kleines Spiel, das wir manchmal nachts spielten. Jeder von uns versuchte, sich detailliert an alles zu erinnern, was er im Lauf des Tages vom Aufstehen bis zum Zubettgehen getan, gesehen, gehört oder gegessen hatte. Wie das Verfassen eines Tagebuches, schien die bewusste Erinnerung den Verstand von den Anstrengungen des Tages zu reinigen, und wir fanden es sehr unterhaltsam, uns die Erlebnisse des anderen anzuhören. Ich liebte Jamies Tagesberichte, ganz gleich, ob sie alltäglich oder aufregend waren, aber heute Abend war er nicht in der Stimmung.
»Ich kann mich an nichts mehr erinnern, das passiert ist, bevor wir die Zimmertür hinter uns geschlossen haben«, sagte er und drückte mir kameradschaftlich die Pobacke. »Danach ist mir allerdings das eine oder andere Detail in Erinnerung geblieben.«
»Das habe ich auch noch einigermaßen gut im Kopf«, versicherte ich ihm. Ich krümmte meine Zehen und liebkoste die Oberseiten seiner Füße.
Dann hörten wir auf zu reden und legten uns allmählich zum Schlafen zurecht, während unten die Geräusche verstummten und dem Brummen und Rasseln schnarchender Schläfer wichen. Zumindest versuchte ich zu schlafen. Obwohl es schon so spät und mein Körper unzweifelhaft erschöpft war, schien mein Kopf entschlossen zu sein, aufzubleiben und mich zu stören. Sobald ich die Augen schloss, erschienen Fragmente des Tages hinter meinen Augenlidern – Mrs. Bug und ihr Besen, Gerhard Muellers schmutzige Stiefel, kahl gegessene Traubenstängel, helle Sauerkrautnester, die runden Hälften von Jemmys kleinem rosa Hinterteil, Dutzende kleiner Chisholms beim Amoklauf … Ich bemühte mich entschlossen, meinen flüchtigen Verstand zu disziplinieren, indem ich mich stattdessen an eine geistige Strichliste meiner Vorbereitungen für unseren Aufbruch machte.
Das war alles andere als hilfreich, denn innerhalb weniger Minuten war ich vor lauter unterdrückter Nervosität hellwach und malte mir aus, wie mein Sprechzimmer vollständig zerstört wurde, wie Brianna, Marsali oder die Kinder einer plötzlichen, grauenvollen Epidemie zum Opfer fielen und Mrs. Bug ganz Fraser’s Ridge zu Aufruhr und Blutvergießen anstiftete.
Ich drehte mich auf die Seite und betrachtete Jamie. Er hatte sich wie üblich auf den Rücken gelegt, die Arme wie eine Grabfigur über seinem Bauch gekreuzt, sein Profil klar und streng vor der ersterbenden Glut des Kamins, ordentlich zum Schlafen zurecht gelegt. Seine Augen waren geschlossen, doch seine Stirn war leicht gerunzelt, und seine Lippen zuckten dann und wann, als sei er dabei, einen inneren Streit auszufechten.
»Du denkst so laut nach, dass ich es bis hier hören kann«, sagte ich im Plauderton. »Oder zählst du nur Schafe?«
Seine Augen öffneten sich sofort, und er drehte sich um und lächelte mich reumütig an.
»Ich habe Schweine gezählt«, unterrichtete er mich. »Und ich war auch schon ziemlich weit. Nur, dass ich im Augenwinkel immer wieder diese weiße Kreatur gesehen habe, die ganz knapp außer Reichweite hin und her gehüpft ist, um mich zum Narren zu halten.«
Ich lachte mit ihm und rückte dichter an ihn heran. Ich legte meine Stirn an seine Schulter und seufzte tief.
»Wir müssen wirklich schlafen, Jamie. Ich bin so müde, dass es sich anfühlt, als würden meine Knochen schmelzen, und du bist schließlich noch länger auf als ich.«
»Mm.« Er legte einen Arm um mich und zog mich in seine Schulterbeuge.
»Das Kreuz – es wird doch das Haus nicht in Brand stecken, oder?«, fragte ich kurz darauf, da mir etwas Neues eingefallen war, worüber ich mir Sorgen machen konnte.
»Nein.« Er klang ein wenig schläfrig. »Es ist schon lange erloschen.«
Das Feuer im Kamin war zu einem Teppich aus glühenden Kohlen heruntergebrannt. Ich drehte mich wieder um und beobachtete sie ein paar Minuten, während ich versuchte, meinen Verstand aller Gedanken zu entledigen.
»Als Frank und ich geheiratet haben«, sagte ich, »sind wir zu einem Priester zur Beratung gegangen. Er hat uns empfohlen, unser Eheleben damit zu beginnen, dass wir jeden Abend zusammen im Bett den Rosenkranz beteten. Frank meinte, er sei sich nicht sicher, ob dies als Akt der Religiosität, als Hilfe zum Einschlafen oder nur als von der Kirche sanktionierte Verhütungsmethode gedacht war.«
Jamies Brust vibrierte hinter mir, als er lautlos lachte.
»Nun, das können wir gern versuchen, wenn du willst, Sassenach«, sagte er. »Aber die Ave Marias musst du zählen; du liegst auf meiner linken Hand, und meine Finger sind eingeschlafen.«
Ich drehte mich ein wenig, damit er seine Hand unter meiner Hüfte hervorziehen konnte.
»Lieber nicht den Rosenkranz«, sagte ich. »Aber vielleicht ein Gebet. Kennst du irgendwelche guten Nachtgebete?«
»Aye, viele«, sagte er. Er hielt seine Hand hoch und beugte langsam die Finger, in denen das Blut wieder zu zirkulieren begann. In der Dunkelheit des Zimmers erinnerten mich seine langsamen Bewegungen an die Art, wie er Forellen unter Steinen hervorlockte. »Lass mich kurz nachdenken.«
Unten im Haus war es jetzt still bis auf das übliche Knarren und Ächzen der Dielen, die sich noch nicht richtig gesetzt hatten. Ich glaubte, irgendwo draußen eine Stimme zu hören, die sich zum Disput erhob, doch vielleicht war es auch nicht mehr als das Klappern der Äste im Wind.
»Ich weiß eins«, sagte Jamie schließlich. »Ich hatte es schon fast vergessen. Mein Vater hat es mir kurz vor seinem Tod beigebracht. Er hat gesagt, er glaubte, ich könnte es vielleicht eines Tages nützlich finden.«