Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Der Spielsaal in Monte Carlo.
Nicht nur das Dazwischentreten des Doctors Antekirtt war geeignet, ihn zu beunruhigen, sondern auch die gegenwärtige Lage von Silas Toronthal; sie begann ihm ernstliche Sorgen zu bereiten.
»Ja, sprach er bei sich weiter, wir sind an die Mauer gedrückt!… Morgen geht es um das Ganze!… Entweder die Bank oder wir werden gesprengt!… Wenn auch Toronthal’s Ruin den meinigen nach sich zieht, so hat das weiter nicht viel zu sagen, ich werde mir schon weiterhelfen!… Aber Silas! Das ist etwas Anderes. Dann wird er gefährlich, er kann sprechen, das Geheimniß aufdecken, auf welchem allein noch meine Zukunft beruht!… War ich bisher sein Gebieter, so kann es dann vielleicht umgekehrt kommen!«
Die Situation war genau die, wie sie Sarcany zeichnete. Er konnte sich über den moralischen Werth seines Gefährten keinen Illusionen hingeben. Er selbst hatte ihm ja einst die besten Lehren gegeben: Silas Toronthal würde schon verstehen, Nutzen aus ihnen zu ziehen, wenn er nichts mehr zu verlieren hatte.
Sarcany fragte sich also, was zu thun am gescheidtesten wäre. Er war so versanken in sein Nachdenken, daß er nichts von dem sah, was am Eingange zum Hafen von Monaco, wenige hundert Fuß unter ihm vorging.
In der Entfernung einer halben Ankerlänge von der Küste glitt ein langes, weder Mast noch Schornstein zeigendes spindelförmiges Fahrzeug an der Oberfläche des Meeres dahin, welche sein Rumpf kaum um zwei oder drei Fuß überragte. Bald, nachdem es sich langsam dem Vorgebirge Focinana genähert hatte, unterhalb dessen das Taubenschießen von Monte Carlo stattfindet, sachte es im Schutze der Brandung ein ruhigeres Fahrwasser auf. Sodann löste sich eine leichte, aus Eisenblech geformte Jolle ab, die wie einkrustirt in die Flanke des fast unsichtbaren Schiffes gewesen war. Drei Männer nahmen in ihr Platz. Einige Ruderschläge brachten sie bald an eine niedrige Uferstelle, an der zwei von ihnen ausstiegen, während der dritte die Jolle an das Schiff zurückführte Einige Augenblicke später war das geheimnißvolle Fahrzeug, das seine Anwesenheit weder durch ein Signalfeuer noch durch ein Geräusch verrathen hatte, in der Dunkelheit verschwunden, ohne eine Spur von seinem Kielwasser zu hinterlassen.
Sobald die beiden Männer das Ufer verlassen hatten, gingen sie am Saume der Klippen entlang dem Bahnhofe zu. Dann lenkten sie in die Avenue des Spelugues ein, welche die Gärten von Monte Carlo umschließt.
Sarcany hatte nichts bemerkt. Seine Gedanken führten ihn in diesem Augenblicke von Monaco fort fern nach Tetuan hin…. Doch ging er nicht allein dorthin, sein Genosse wurde von ihm gezwungen, ihn zu begleiten.
»Silas… mein Herr? wiederholte er bei sich, Silas sollte mit einem Worte mich hindern können, mein Ziel zu erreichen?… Niemals!… Wenn das Spiel uns morgen das nicht wiedergibt, was es uns genommen hat, so werde ich mich schon darauf verstehen, ihn mir folgen zu lassen!… Ja!… Er soll mir schon nach Tetuan folgen müssen und dort, an der marokkanischen Küste, wer sollte dort wohl viel danach fragen, ob Silas Toronthal verschwunden ist?…«
Sarcany war, wie man weiß, der Mann dazu, vor einem Verbrechen nicht zurückzuschrecken, namentlich wenn die Umstände, die Abgelegenheit des Landes, die Wildheit seiner Bewohner, die Unmöglichkeit, den Schuldigen zu suchen und ihn aufzufinden, die That so bequem ausführbar machten.
Der Plan war gefaßt, Sarcany schloß das Fenster, legte sich schlafen und entschlummerte auch sofort, ohne daß das Gewissen sich in ihm irgendwie bemerkbar gemacht hätte.
Nicht so bei Silas Toronthal. Der Banquier verbrachte eine furchtbare Nacht. Was blieb ihm von seinem einstigen Vermögen noch? Kaum zweimalhunderttausend Franken, welche das Spiel bisher verschont hatte, und auch über diese Summe war er schwerlich noch der Herr. Sie war der Einsatz zum letzten Spiele. So wollte es sein Complice, so wollte er selbst es. Sein geschwächtes, von chimärischen Berechnungen erfülltes Gehirn erlaubte ihm nicht mehr, richtig und kühl zu denken. Er war sogar unfähig – in diesem Augenblicke wenigstens – sich über seine Lage klar zu werden, wie es Sarcany gekonnt hatte. Er sagte sich nicht, daß sie die Rollen getauscht, daß er jetzt denjenigen in seiner Macht hätte, der ihn so lange in der seinigen gehabt. Er sah nur die Gegenwart mit seinem bevorstehenden Ruin und dachte nur an den folgenden Tag, der ihn entweder wieder flott machte oder ihn auf die unterste Stufe des Elendes schleuderte.
So verging diese Nacht für die beiden Genossen. Während sie dem Einen einige Stunden des Schlafes gönnte, verhängte sie über den Anderen alle Schrecken der Schlaflosigkeit.
Am folgenden Tage gegen zehn Uhr sachte Sarcany Silas Toronthal auf. Der Banquier saß am Tische und bedeckte die Seiten seines Notizbuches mit Ziffern und Formeln.
»Nun, Silas? fragte Sarcany mit dem oberflächlichen Tone Jemandes der den Misèren dieser Welt nicht mehr Wichtigkeit beizulegen gedenkt als sie es verdienen, nun, haben Sie in Ihren Träumen dem Roth oder dem Schwarz den Vorzug eingeräumt?
– Ich habe nicht einen einzigen Augenblick geschlafen… ganz gewiß… nicht einen einzigen, antwortete der Bankier.
– Um so schlimmer, Silas, um so schlimmer!… Heute ist kaltes Blut von Nöthen und einige Stunden der Ruhe wären Ihnen unbedingt dienlich gewesen. Sehen Sie mich an! Ich habe in einem Zuge geschlafen und bin ganz dazu aufgelegt, gegen das Glück zu kämpfen. Es ist schließlich eine Frau und liebt die Leute, welche im Stande sind, ihr Zügel anzulegen.
– Sie hat uns aber schmählich verrathen!
– Pah!… Eine bloße Laune!… Ist sie vorüber, kommt sie zu uns zurück.«
Silas Toronthal erwiderte nichts. Hörte er überhaupt, was Sarcany sagte, während seine Augen sich nicht von der Seite seines Notizbuches erhoben, auf die er so viele unnütze Combinationen niedergeschrieben hatte?
»Was schreiben Sie da? fragte Sarcany. Berechnungen? Kniffe?… Teufel… Sie scheinen mir wirklich bedenklich krank zu sein, theurer Silas!… Es gibt keine Berechnungen, denen man den Zufall unterordnen könnte, und der Zufall allein könnte es sein, der sich auch heute gegen uns erklärt.
– Schön! meinte Silas und schloß das Notizbuch.
– Das ist nun einmal so, Silas!… Ich kenne nur eine Art, den Zufall zu lenken, sagte Sarcany ironisch. Doch muß man zu diesem Zwecke Specialstudien gemacht haben… und unsere Erziehung weist an dieser Stelle eine Lücke auf. Halten wir uns also an die Chance…. Sie war gestern für die Bank. Es ist möglich, daß sie sich heute von ihr abwendet,… Wenn dem aber so ist, Silas, so kann uns das Spiel Alles wiedergeben, was es uns genommen hat.
– Alles?!…
– Ja, Alles, Silas! Nur keine Muthlosigkeit. Im Gegentheil, Kühnheit und kaltes Blut!
– Und heute Abend, wenn wir ruinirt sind? fragte der Bankier und sah Sarcany scharf ins Gesicht.
– Nun, dann verlassen wir Monaco.
– Und gehen wohin? schrie Silas Toronthal. Verflucht sei der Tag, an welchem ich Sie kennen gelernt habe, Sarcany, verflucht der Tag, an welchem ich Ihre Dienste beanspruchte!… Ich wäre nicht dahin gekommen, wo ich mich heute befinde!
– Sie kommen mit dem Bedauern ein wenig spät, mein Theurer, antwortete der unverschämte Patron, und Sie machen es sich etwas zu bequem, Leute bloßzustellen, deren man sich bedient hat.
– Nehmen Sie sich in Acht! rief der Bankier.
– Ja!… Ich werde mich in Acht nehmen!« murmelte Sarcany.
Diese Drohung Toronthal’s bestärkte ihn mehr als alles Andere in dem Entschlusse, ihn unschädlich zu machen.