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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Er blickte das Spiegelbild seines eigenen Gesichts an, blaß und zitternd bei der beißenden Kälte. Hinter seinem wuchs Ba'alzamons Bild empor, sah ihn an, sah nichts, aber starrte noch immer. In jedem Spiegel wüteten hinter ihm die Flammen von Ba'alzamons Gesicht, umhüllten sein Bild, verschlangen es, verschmolzen damit. Er wollte schreien, doch seine Kehle war wie zugeschnürt. In den endlosen Spiegeln war nur noch ein Gesicht zu erkennen: sein eigenes Gesicht. Ba'alzamons Gesicht. Ein Gesicht.

Rand zuckte zusammen und öffnete die Augen. Dunkelheit, nur ein wenig erhellt von einem blassen Licht. Er atmete kaum und bewegte nichts außer den Augen. Eine rauhe Wolldecke bedeckte ihn bis zu den Schultern, und den Kopf hatte er auf die Arme gelegt. Unter den Händen konnte er glatte Holzplanken fühlen. Deckplanken. Die Takelage knarrte durch die Nacht. Er atmete langsam aus. Er war auf der Gischt. Es war vorbei... wenigstens für diese eine Nacht.

Ohne sich etwas dabei zu denken, steckte er den Finger in den Mund. Als er Blut schmeckte, blieb ihm die Luft weg. Langsam hob er sich die Hand vors Gesicht, so daß er sie im trüben Mondlicht betrachten und sehen konnte, wie sich der Blutstropfen an der Fingerspitze bildete. Blut, wo er sich an einer Dorne gestochen hatte.

Die Gischt bewegte sich langsam den Arinelle hinunter. Der Wind war stark, kam aber aus Richtungen, die die Segel zur Nutzlosigkeit verdammten. Trotz Kapitän Domons Anordnungen, schneller zu fahren, kroch das Schiff nur den Fluß entlang. In der Nacht saß ein Mann mit einer Laterne am Bug und meldete dem Steuermann in singendem Ton die Tiefen nach hinten, während die Strömung das Schiff gegen den Wind bei eingezogenen Rudern den Fluß hinunter trieb. Im Arinelle mußte man keine Riffe befürchten, doch es gab genug Untiefen und Sandbänke, auf die ein Schiff leicht auflaufen konnte, und dort würde es dann mit dem Bug im Schlamm steckend auf Hilfe warten müssen. Falls es die erwünschte Hilfe war, die zuerst eintraf... Tagsüber arbeiteten die Ruderer von früh bis spät, aber der Wind kämpfte gegen sie an, als wolle er den Kahn wieder flußaufwärts zurückschieben.

Sie gingen nicht an Land, weder bei Tag noch bei Nacht. Bayle Domon trieb Kahn wie Besatzung pausenlos an, beklagte den Gegenwind und verfluchte die langsame Fortbewegung. Er beschimpfte die Besatzung als lahme Schnecken an den Riemen und zog ihnen mit Worten für jedes falsch festgezurrte Tau das Fell über die Ohren. Seine leise, harte Stimme malte ihnen zehn Fuß hohe Trollocs aus, die an Deck kamen und ihnen den Hals brachen. Zwei Tage lang genügte das, um jeden Mann kräftig anzutreiben. Dann verblaßte der Schock des Trolloc-Überfalls allmählich, und die Männer fingen an, von einer Stunde an Land zu schwärmen und darüber zu klagen, wie gefährlich es sei, nachts flußabwärts zu fahren.

Die Besatzung schimpfte aber nur leise. Sie schauten aus den Augenwinkeln, ob Kapitän Domon nahe genug war, um sie hören zu können, und er schien tatsächlich alles zu hören, was auf seinem Kahn gesprochen wurde. Jedesmal, wenn das Murren wieder einsetzte, holte er schweigend das lange, sichelförmige Schwert und die Axt mit dem furchtbaren Haken daran hervor, die sie nach dem Angriff an Deck gefunden hatten. Er hängte sie eine Stunde lang am Mast auf, und die Verwundeten tasteten nach ihren Bandagen, und das Gespräch verstummte — wenigstens einen Tag lang oder so, bis es dem einen oder anderen Besatzungsmitglied einfiel, daß sie nun sicherlich die Trollocs lange hinter sich gelassen hatten. Dann begann das Ganze von neuem.

Rand bemerkte, daß sich Thom Merrilin von der Mannschaft fernhielt, wenn die Fahrensmänner miteinander zu flüstern begannen und finstere Gesichter machten, obwohl er ihnen sonst auf die Schultern klopfte und Witze erzählte und mit ihnen herumspaßte, daß selbst der am härtesten arbeitende Mann grinsen mußte. Thom beobachtete diese geheimen Gespräche sehr aufmerksam, während er sich auf das Entzünden seiner langstieligen Pfeife, oder auf das Stimmen seiner Harfe oder irgend etwas anderes zu konzentrieren schien; nur die Besatzungsmitglieder interessierten ihn dann scheinbar überhaupt nicht. Rand verstand nicht, warum er dieses Spiel trieb. Es waren ja nicht sie drei, die von Trollocs gejagt an Bord gekommen waren und denen von der Mannschaft die Schuld daran gegeben wurde, sondern vielmehr Floran Gelb. An den ersten ein oder zwei Tagen konnte man Gelbs drahtige Gestalt ständig dabei beobachten, wie er mit jedem Besatzungsmitglied sprach, das er zu diesem Zweck in eine Ecke drängen konnte, und jedem erzählte er seine Version der Geschichte, wie Rand und die anderen an Bord gekommen waren. Gelbs Verhalten änderte sich ständig — von Prahlerei zu Jammern und wieder zurück, und er verzog jedesmal den Mund verächtlich, wenn er auf Thom oder Mat deutete, aber besonders bei Rand. Natürlich versuchte er, ihnen die Schuld in die Schuhe zu schieben.

»Sie sind Fremde«, klagte Gelb ruhig und dabei immer nach dem Kapitän Ausschau haltend. »Was wissen wir schon von ihnen? Die Trollocs sind mit ihnen gekommen, das ist gewiß. Sie gehören zusammen.«

»Gelb, halt mal die Luft an!« grollte ein Mann, der sein Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte und einen kleinen blauen Stern auf eine Wange tätowiert trug. Er sah Gelb nicht an, während er ein Tau auf dem Deck einrollte. Er tat das mit Hilfe der nackten Füße. Alle Fahrensleute liefen trotz der Kälte barfuß herum; Stiefel konnten auf einem nassen Deck zu leicht wegrutschen. »Wenn man dich läßt, bezeichnest du noch deine eigene Mutter als Schattenfreund. Hau ab!« Er spuckte auf Gelbs Fuß und wandte sich wieder dem Tau zu.

Die ganze Besatzung hatte nicht vergessen, daß Gelb auf Wache geschlafen hatte, und die Reaktion des Mannes mit dem Pferdeschwanz war noch das Höflichste, was er zu hören bekam. Niemand wollte mit ihm zusammenarbeiten. Gelb wurden Arbeiten zugewiesen, die er allein erledigen konnte, und alle waren schmutzig, wie zum Beispiel das Ausschrubben der schmierigen Töpfe in der Kombüse, oder er mußte auf allen vieren in den Kielraum kriechen, um unter dem Dreck von vielen Jahren nach Lecks zu suchen. Bald gab er die Bemühungen auf, mit den anderen zu sprechen. Die Schultern abwehrend eingezogen, stand er in verletztem Schweigen herum — je mehr Menschen anwesend waren, desto anklagender seine Haltung -, aber das brachte ihm nicht mehr als ein kurzes Brummen ein. Wenn Gelbs Blick aber auf Rand oder auf Mat oder Thom fiel, dann stand ›Mord‹ auf seinem langnasigen Gesicht geschrieben. Wenn Rand sich Mat gegenüber äußerte, daß Gelb ihnen früher oder später Schwierigkeiten bereiten werde, dann sah sich Mat auf dem Kahn um und sagte: »Können wir einem von ihnen trauen? Überhaupt irgendeinem?« Dann ging er weg und suchte nach einem Plätzchen, um allein zu sein, so allein wie es eben auf einem Kahn möglich war, der vom Bug bis zur Heckstange, wo das Steuerruder angebracht war, nur weniger als dreißig Schritte maß. Nach Rands Meinung, hatte Mat seit der Nacht in Shadar Logoth zu viel Zeit allein und grübelnd verbracht.

Thom meinte: »Wenn wir in Schwierigkeiten kommen, Junge, dann nicht Gelbs wegen. Jedenfalls noch nicht. Keiner aus der Mannschaft steht hinter ihm, und er hat nicht den Mut, etwas auf eigene Faust zu unternehmen. Aber was die anderen betrifft...? Domon scheint fast zu glauben, daß die Trollocs hinter ihm persönlich her seien, doch der Rest glaubt, die Gefahr sei vorüber. Sie könnten zu dem Entschluß kommen, daß sie die Nase voll haben. Die Stimmung ist so schon kritisch genug.« Er zog sich seinen Flickenumhang über, und Rand hatte das Gefühl, er überprüfe seine versteckten Wurfmesser — seinen zweiten Satz. »Sollten sie meutern, Junge, dann lassen sie keine Passagiere zurück, die alles ausplaudern könnten. Das Gesetz der Königin mag so weit von Caemlyn entfernt nicht viel Einfluß haben, aber selbst ein Dorfbürgermeister wurde in so einem Fall eingreifen.« Nach diesem Gespräch bemühte sich auch Rand, unbemerkt die Besatzungsmitglieder zu beobachten.

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