Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Ein Wald lag vor ihnen, ausgedehnter als die meisten zuvor, gute vier Meilen breit. Die Sonne stand niedrig am Westhimmel und sandte schräge Schatten nach rechts hinüber. Der Wind frischte auf. Perrin fühlte, wie die Wölfe die Nachhut aufgaben und ohne Eile nach vorne kamen. Sie hatten nichts Gefährliches gewittert und gesehen. Egwene war gerade mit dem Reiten auf Bela dran. Es war Zeit, sich nach einem Nachtlager umzusehen, und das große Waldstück kam ihnen da gerade recht.
Als sie den Bäumen näher kamen, brachen drei Mastiff-Kampfhunde aus der Deckung des Waldes hervor, breit gebaute Hunde, genauso groß wie die Wölfe und noch schwerer, die die Zähne unter lautem, grollendem Knurren fletschten. Sie blieben stehen, sobald sie sich im Freien befanden, aber kaum mehr als dreißig Fuß trennten sie von den drei Menschen, und in ihren dunklen Augen glühte die Lust, zu töten.
Bela, bereits durch die Wölfe nervös gemacht, wieherte und warf Egwene beinahe ab, aber Perrin hatte im Nu seine Schleuder in der Hand und ließ sie um seinen Kopf wirbeln. Unnötig, bei Hunden eine Axt zu verwenden; ein Stein in die Rippen wurde den schlimmsten Hund vertreiben.
Elyas winkte ihm zu, ohne den Blick von den steifbeinigen Hunden abzuwenden. »Pssst! Laß das jetzt!«
Perrin sah ihn erstaunt an, ließ aber die Schleuder langsamer kreisen und schließlich schlaff an seine Seite fallen. Egwene schaffte es, Bela wieder unter Kontrolle zu bringen; sie und die Stute beobachteten mißtrauisch die Hunde.
Die Nackenhaare der Mastiffs sträubten sich, ihre Ohren waren angelegt, und ihr Knurren klang wie ein Erdbeben. Plötzlich erhob Elyas einen Finger auf Höhe seiner Schulter und pfiff lang und durchdringend. Der Pfiff wurde im Ton höher und höher und wollte nicht enden. Das Knurren brach ungleichmäßig ab. Die Hunde traten zurück, winselten und drehten die Köpfe weg, als wollten sie gehen und würden doch festgehalten. Ihr Blick war starr auf Elyas Finger gerichtet.
Langsam senkte Elyas die Hand, und damit wurde der Ton seines Pfeifens tiefer. Die Hunde folgten dem Finger, bis sie platt auf dem Boden lagen und die Zungen aus den Schnauzen hängen ließen. Drei Schwänze wedelten.
»Siehst du«, sagte Elyas und ging zu den Hunden hinüber. »Dazu braucht man keine Waffen.« Die Mastiffs leckten seine Hände, und er streichelte ihre breiten Köpfe und kraulte sie hinter den Ohren. »Sie sehen schlimmer aus als sie sind. Sie sollen uns abschrecken, und sie hätten uns nicht gebissen, außer wir hätten versucht, zwischen die Bäume zu gehen. Na ja, darüber brauchen wir uns jetzt keine Gedanken mehr machen. Wir können es bis zum Einbruch der Dunkelheit bis zu dem nächsten Waldstück dort drüben schaffen.«
Als Perrin Egwene ansah, bemerkte er, daß ihr Mund aufklaffte. Er selbst schloß den Mund mit hörbarem Zähneklicken.
Während Elyas noch die Hunde streichelte, betrachtete er das angedeutete Waldstück. »Dort werden Tuatha'an sein. Das Fahrende Volk.« Sie blickten ihn verständnislos an, und er fügte hinzu: »Kesselflicker.«
»Kesselflicker?« rief Perrin. »Ich wollte immer schon Kesselflicker sehen! Manchmal lagern sie bei Taren-Fähre auf der anderen Seite des Flusses, aber soviel ich weiß, kommen sie nie ins Gebiet der Zwei Flüsse. Ich weiß nicht, warum.«
Egwene schnaubte. »Vielleicht weil die Leute aus Taren-Fähre genauso große Diebe sind wie die Kesselflicker. Zweifellos würden sie sich gegenseitig das letzte Hemd stehlen. Meister Elyas, wenn wirklich Kesselflicker in der Nähe sind, sollten wir dann nicht weiterziehen? Wir wollen doch nicht, daß Bela gestohlen wird und... na ja, wir haben sonst nicht viel, aber jeder weiß ja, daß die Kesselflicker alles stehlen, was nicht niet-und nagelfest ist.«
»Auch Babys?« fragte Elyas trocken. »Entführen sie auch Kinder und so?« Er spuckte aus, und sie errötete. Diese Geschichten über Babys wurden gelegentlich erzählt, am häufigsten von Cenn Buie oder einem der Coplins oder Congars. Die anderen Geschichten waren allgemein bekannt. »Die Kesselflicker machen mich auch manchmal krank, aber sie stehlen nicht mehr als andere Leute. Erheblich weniger als einige, die ich kenne.«
»Es wird bald dunkel, Elyas«, sagte Perrin. »Wir müssen irgendwo lagern. Warum nicht bei ihnen, wenn sie es uns erlauben?« Frau Luhhan besaß einen von den Kesselflickern reparierten Topf, von dem sie behauptete, er sei besser als je zuvor. Meister Luhhan war nicht sehr angetan davon, daß seine Frau die Kesselflicker lobte, aber Perrin wollte zusehen, wie sie arbeiteten. Und doch zögerte Elyas, was Perrin nicht verstand. »Gibt es einen Grund, warum wir uns von ihnen fernhalten sollten?«
Elyas schüttelte den Kopf, doch das Zögern war immer noch in der Haltung seiner Schultern und der schmalen Linie seines Mundes fühlbar. »Na ja, wir können schon hin. Achtet einfach nicht auf das, was sie sagen. Eine Menge Quatsch. Meistens benimmt sich das Fahrende Volk ziemlich frei, aber manchmal legen sie auch Wert auf Formalitäten. Also macht einfach nach, was ich mache. Und behaltet eure Geheimnisse für euch. Kein Grund, alles auszuplaudern.«
Die Hunde liefen schwanzwedelnd neben ihnen her, als Elyas sie zwischen die Bäume führte. Perrin fühlte, wie die Wölfe ihren Schritt verlangsamten, und wußte, daß sie nicht mit hineinkommen würden. Sie hatten keine Angst vor den Hunden — sie verachteten die Hunde, die für einen Platz am Lagerfeuer ihre Freiheit aufgegeben hatten -, aber sie mieden Menschen.
Elyas schritt gezielt voran, als kenne er den Weg, und beinahe in der Mitte des Waldstücks tauchten denn auch die Wagen der Kesselflicker auf, zwischen den Eichen und Eschen verteilt.
Wie alle in Emondsfeld hatte Perrin eine Menge von den Kesselflickern gehört, sie aber noch nie gesehen, und ihr Lager war genauso, wie er es sich vorgestellt hatte. Ihre Wagen waren kleine Häuser auf Rädern, hohe Holzkästen, lackiert und bunt bemalt in Rot und Blau und Gelb und Grün und einigen Farbtönen, für die er keinen Namen wußte. Das Fahrende Volk ging enttäuschend alltäglichen Arbeiten nach. Sie kochten, nähten, beaufsichtigten Kinder, flickten Zaumzeug, doch ihre Kleidung war noch bunter als ihre Wagen und anscheinend völlig planlos gewählt; einige trugen Mantel und Hose oder Kleid und Schal in Farbkombinationen, die in den Augen weh taten. Sie wirkten wie Schmetterlinge auf einer Blumenwiese.
Vier oder fünf Männer an verschiedenen Flecken des Lagers spielten Geige und Flöte, und ein paar Leute tanzten wie regenbogenfarbene Kolibris. Kinder und Hunde rannten spielend zwischen den Lagerfeuern herum. Die Hunde waren Mastiffs wie jene, die die Reisenden empfangen hatten, aber die Kinder zogen sie an den Ohren und Schwänzen und kletterten ihnen auf den Rücken, und die kräftigen Hunde ertrugen alles gelassen. Die drei neben Elyas blickten mit heraushängenden Zungen zu dem bärtigen Mann auf, als sei er ihr bester Freund. Perrin schüttelte den Kopf. Sie waren immer noch groß genug, um die Kehle eines Mannes zu erreichen, praktisch ohne die Vorderpfoten vom Boden zu heben.
Plötzlich hörte die Musik auf, und er merkte, daß alle Kesselflicker ihn und seine Begleiter anblickten. Selbst die Kinder und die Hunde waren stehengeblieben und beobachteten sie mißtrauisch, beinahe fluchtbereit wirkend.
Einen Augenblick lang war es totenstill, und dann trat ein kleiner, drahtiger und grauhaariger Mann vor und verbeugte sich mit ernster Miene vor Elyas. Er trug einen roten Mantel mit hohem Kragen und eine ausgebeulte, hellgrüne Hose, die er in kniehohe Stiefel gesteckt hatte. »Seid willkommen an unseren Feuern. Kennt Ihr das Lied?«