Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Wir gehen aber nach... « Im letzten Moment erinnerte sich Rand daran, sich erst einmal umzusehen, ob jemand nahe genug war zum Lauschen. Ein paar Besatzungsmitglieder beobachteten sie, darunter auch Gelb, der wie gewöhnlich finster dreinblickte, aber keiner konnte hören, was er sagte. »Nach Tar Valon«, vollendete er. Mat zuckte die Achseln, als sei es ihm gleich, wohin sie gingen.
»Im Augenblick sieht es so aus, Junge«, sagte Thom und setzte sich neben sie. »Aber morgen... wer weiß? So ist das Leben eines Gauklers.« Er nahm eine Handvoll farbiger Bälle aus einem seiner weiten Ärmel. »Nachdem du jetzt nicht mehr da oben bist, können wir ja am Dreierschnitt weiterarbeiten.«
Rands Blick wanderte noch einmal zur Mastspitze, und ein kalter Schauder lief ihm den Rücken hinunter. Was ist denn mit mir los? Licht, was geschieht mit mir? Er mußte es herausfinden. Er mußte nach Tar Valon gehen, bevor er wirklich überschnappte.
25
Das fahrende Volk
Bela trottete gelassen unter der blassen Sonne einher, als seien die drei Wölfe, die unweit von ihr nebenherliefen, nur Dorfhunde, doch an der Art, wie sie von Zeit zu Zeit die Augen rollte, wenn sie die Wölfe ansah, merkte man, daß sie sich ganz anders fühlte. Egwene, die auf dem Rücken der Stute saß, erging es genauso. Sie beobachtete die Wölfe ständig aus den Augenwinkeln und drehte sich manchmal im Sattel nach hinten blickend um. Perrin war sicher, sie suche nach dem Rest des Rudels, als er das aber ihr gegenüber andeutete, stritt sie es ärgerlich ab. Sie bestritt, sich vor den Wölfen zu fürchten, die mit ihnen durch den Wald liefen; bestritt, sich Gedanken über den Rest des Rudels und sein weiteres Verhalten zu machen. Sie bestritt alles und sah sich weiter mit zusammengekniffenen Augen um, wobei sie sich andauernd die Lippen befeuchtete.
Der Rest des Rudels war weit entfernt; das hätte auch er ihr sagen können. Was nützt es, selbst wenn sie mir glaubt? Oder gerade, wenn sie mir glaubt? Er hatte keine Lust, sich ihrem Zorn auszusetzen, solange es nicht nötig war. Er wollte auch nicht darüber nachdenken, wieso er das wußte. Der in Felle gekleidete Mann sprang vor ihnen her. Manchmal wirkte er beinahe selbst wie ein Wolf. Er sah sich nie um, wenn Scheckie, Springer und Wind auftauchten, aber es war auch ihm bewußt.
Die Emondsfelder waren in der Morgendämmerung des ersten Tages erwacht und hatten gesehen, wie Elyas weitere Kaninchen zubereitete und sie über seinen Vollbart hinweg ausdruckslos beobachtete. Außer Scheckie, Springer und Wind waren keine Wölfe zu sehen. Im blassen Licht des frühen Tages lag unter der großen Eiche noch tiefer Schatten, und die kahlen Bäume dahinter wirkten wie Finger, die man bis auf die Knochen abgenagt hatte.
»Sie sind in der Gegend«, antwortete Elyas, als ihn Egwene fragte, wohin der Rest des Rudels verschwunden war. »Nahe genug, um zu helfen, falls es nötig ist. Weit genug entfernt, um Problemen mit Menschen aus dem Weg zu gehen, selbst wenn wir darin verwickelt sind. Früher oder später gibt es immer Schwierigkeiten, wenn auch nur zwei Menschen zusammen sind. Wenn wir sie brauchen, sind sie da.«
Etwas kitzelte im hintersten Winkel von Perrins Verstand, als er einen Bissen Röstkaninchen mit den Zähnen herausriß. Eine verschwommen wahrgenommene Richtung. Natürlich! Dort sind... Der heiße Bratensaft in seinem Mund verlor plötzlich jeglichen Geschmack. Er aß ein wenig von den Knollen, die Elyas auf der Kohle geröstet hatte — sie schmeckten ein bißchen wie Rüben -, aber der Appetit war ihm vergangen. Als sie aufgebrochen waren, hatte Egwene darauf bestanden, daß sie sich alle beim Reiten abwechselten, und Perrin hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihr zu widersprechen. »Zuerst bist du dran«, sagte er zu ihr. Sie nickte. »Und dann Ihr, Elyas.«
»Meine eigenen Beine sind gut genug für mich«, sagte Elyas. Er sah Bela an, und die Stute rollte die Augen, als sei er einer der Wölfe. »Außerdem glaube ich nicht, daß sie mich auf ihr reiten lassen möchte.«
»Das ist Unsinn«, erwiderte Egwene entschlossen. »Es hat keinen Zweck, in der Hinsicht stur zu sein. Es ist nur vernünftig, wenn jeder von uns hin und wieder reitet. Nach Euren Worten haben wir noch einen langen Weg vor uns.«
»Ich habe nein gesagt, Mädchen.«
Sie atmete tief ein, und Perrin fragte sich, ob es ihr gelingen würde, Elyas genauso wie ihn herumzukommandieren, doch dann bemerkte er, daß sie mit geöffnetem Mund dastand und kein Wort herausbrachte. Elyas sah sie an; blickte sie einfach nur mit den gelben Wolfsaugen an. Egwene trat zurück, nur weg von dem grobknochigen Mann, leckte sich die Lippen und trat nochmals einen Schritt zurück. Bevor sich Elyas abwandte, war sie rückwärts bis zu Bela gekommen und kletterte hastig auf den Rücken der Stute. Als der Mann sich abwandte, um sie weiter nach Süden zu führen, verglich Perrin dessen Grinsen ebenfalls mit dem eines Wolfs.
Drei Tage lang reisten sie so, gingen oder ritten den ganzen Tag nach Südosten und rasteten erst, wenn sich die Dämmerung senkte. Elyas schien wohl die typische Betriebsamkeit der Stadtmenschen zu verachten, doch er verschwendete gewiß keine Zeit, wenn er irgendein Ziel anstrebte.
Die drei Wölfe ließen sich selten sehen. Jede Nacht kamen sie für eine Weile ans Feuer, und manchmal tauchten sie auch am Tag kurz auf, wenn man sie am wenigsten erwartete, und verschwanden wieder auf die gleiche Art und Weise. Perrin wußte allerdings, daß sie dort draußen waren und wo. Er wußte, wenn sie den Weg vor ihnen erkundeten und wenn sie ihnen den Rücken deckten. Er wußte, wenn sie das übliche Jagdrevier des Rudels verließen und wenn Scheckie das Rudel zurückschickte, um auf sie zu warten. Gelegentlich verblaßten die drei übriggebliebenen in seinem Geist, aber nach kurzer Zeit, bevor sie wieder nahe genug waren, um sich blicken zu lassen, fühlte er sie zurückkehren. Selbst als der Baumbestand dünner wurde und sich in weit verstreute Haine auflöste, die durch weite Flächen winterwelken Grases voneinander getrennt waren, wirkten sie wie Gespenster, wenn sie nicht gesehen werden wollten. Er hätte jedoch jederzeit geradewegs auf sie deuten können. Er wußte nicht, woher diese Fähigkeit kam, und er versuchte, sich selbst davon zu überzeugen, daß ihm lediglich seine Phantasie einen Streich spielte, aber es half nichts. Genau wie Elyas wußte er immer, wo sie sich befanden.
Er bemühte sich, nicht an Wölfe zu denken, doch sie schlichen sich immer wieder in seine Gedanken. Er hatte nicht mehr von Ba'alzamon geträumt, seit er Elyas und die Wölfe kennengelernt hatte. In seinen Träumen, soweit er sich in wachem Zustand daran erinnern konnte, ging es um alltägliche Dinge, von denen er auch zu Hause geträumt hätte... vor Winternacht... vor Baerlon. Normale Träume — mit einer Ergänzung. In jedem Traum, an den er sich erinnern konnte, kam ein Punkt, wo er sich von der Arbeit an Meister Luhhans Amboß aufrichtete, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen, oder vom Dorfgrün ging, wo er mit den Mädchen getanzt hatte, oder seinen Kopf von einem Buch hob, das er vor dem Kamin las, und gleichgültig, ob er sich unter einem Dach oder im Freien aufhielt, es war immer ein Wolf in der Nähe. Immer drehte ihm der Wolf den Rücken zu, und er wußte auch immer — in den Träumen erschien ihm dies ganz selbstverständlich, sogar bei Alsbet Luhhans Abendessen -, daß die gelben Augen des Wolfs danach Ausschau hielten, was kommen könnte, um ihn davor zu behüten. Nur im wachen Zustand erschienen ihm die Träume eigenartig.
Drei Tage ging es so, und Scheckie, Springer und Wind brachten ihnen Kaninchen und Eichhörnchen, und Elyas zeigte ihnen Pflanzen, von denen Perrin nur wenige erkannte, die sie gut essen konnten. Einmal brach ein Kaninchen fast unter Belas Hufen hervor. Bevor Perrin noch einen Stein in seine Schleuder legen konnte, nagelte Elyas es auf zwanzig Schritt Entfernung mit seinem langen Wurfmesser fest. Ein andermal schoß Elyas mit seinem Bogen einen fetten Fasan in der Luft. Sie aßen viel besser als zuvor allein, doch Perrin wäre auch mit den alten Kleinportionen zufrieden gewesen, wenn damit andere Gesellschaft verbunden gewesen wäre. Er war sich nicht sicher, wie Egwene darüber dachte, doch er wäre auch zum Hungern bereit gewesen, falls das ohne die Wölfe notwendig gewesen wäre. Bis zum Nachmittag des dritten Tages.