Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Wieder eine Bewegung, und diesmal war die Ursache klar. Ein Mann schritt eine weit entfernte Rampe hinauf. Er achtete nicht auf fehlende Geländer und den drohenden Sturz ins Nichts. Der Umhang des Mannes flatterte durch die gravitätische Eile seines Schritts, und sein Kopf drehte sich suchend in allen Richtungen. Die Entfernung war zu groß, als daß Rand in der trüben Luft mehr als die Umrisse hätte erkennen können, aber er mußte gar nicht näher kommen, um zu wissen, daß der Umhang die rote Farbe frischen Blutes hatte und daß die suchenden Augen wie das Innere eines Brennofens flammten.
Er bemühte sich, das Labyrinth mit den Augen abzusuchen, um festzustellen, wie viele Übergänge Ba'alzamon noch brauchte, bevor er ihn erreichte, gab es dann aber auf. Entfernungen täuschten hier; eine andere Lektion, die er gelernt hatte. Was fern schien, konnte vielleicht erreicht werden, wenn man um die nächste Ecke kam, und was nahe lag, konnte sich völlig außerhalb jeder Reichweite befinden. Das einzige, was er tun konnte, war — wie schon seit Beginn -, in Bewegung zu bleiben. Sich fortbewegen, ohne zu denken. Denken war gefährlich, das wußte er.
Und doch: Als er sich von Ba'alzamons ferner Gestalt abwandte, konnte er nicht anders, als sich über Mat Gedanken zu machen. Befand sich auch Mat irgendwo in diesem Irrgarten? Oder gibt es zwei Irrgärten und zwei Ba'alzamons? Sein Verstand schreckte davor zurück; die Vorstellung war zu entsetzlich, um die Gedanken dort länger verweilen zu lassen. Ist das wie in Baerlon? Warum können sie mich dann nicht finden? Das war ein wenig besser. Eine kleine Erleichterung. Erleichterung? Blut und Asche, wo ist die Erleichterung daran?
Zwei- oder dreimal waren sie sich beinahe begegnet, auch wenn er sich nicht mehr genau daran erinnern konnte, aber lange, lange Zeit — wie lang? — war er davongerannt, und Ba'alzamon hatte ihn vergebens verfolgt. War das nun wieder wie in Baerlon, oder war es einfach ein Alptraum, nur ein Traum wie der anderer Menschen?
Einen Augenblick lang — gerade lang genug, um Luft zu holen — wußte er, warum es gefährlich war zu denken und woran er nicht denken sollte. Wie schon zuvor flimmerte die Luft, wenn er sich erlaubte, sich das in den Sinn zu rufen, was ihn als Traum umhüllte. Ein Schatten senkte sich über seine Augen. Die Luft wurde zähflüssig und hielt ihn fest. Nur einen Augenblick lang.
Die drückende Hitze ließ seine Haut prickeln, und sein Hals war schon lange ausgetrocknet, als er durch den Irrgarten von Dornenhecken trabte. Wie lange ging das jetzt schon so? Sein Schweiß verdunstete, bevor er noch Gelegenheit hatte, in Tropfenform herunterzurinnen, und seine Augen brannten. Oben — und nicht einmal sehr weit oben — kochten wilde, stählerne Wolken mit schwarzen Streifen, doch im Labyrinth rührte sich kein Lufthauch.
Einen Moment lang dachte er, es sei diesmal anders gewesen, aber der Gedanke verdampfte in der Hitze. Er war schon seit langer Zeit hier. Es war gefährlich, zu denken, das wußte er.
Glatte, blasse, abgerundete Steine fügten sich zu einem dürftigen Pflaster, halbbegraben unter knochentrockenem Staub, der selbst beim leichtesten Schritt hochgewirbelt wurde. Er kitzelte ihn in der Nase. Beinahe wäre ihm ein verräterisches Niesen entflohen; als er jedoch versuchte, durch den Mund zu atmen, verklebte ihm der Staub die Kehle, bis er fast erstickte.
Dies war ein gefährlicher Ort; auch das war ihm klar. Vor sich konnte er drei Öffnungen im hohen Dornengestrüpp erkennen, und dann machte der Weg eine Kurve, die ihm die Sicht nahm. Ba'alzamon konnte jeden Moment aus einer dieser Ecken auftauchen. Sie waren sich schon zwei- oder dreimal fast begegnet, auch wenn er sich über diese Tatsache hinaus an kaum etwas erinnern konnte, außer daß er entkommen war... irgendwie. Gefährlich, zuviel nachzudenken.
Unter der drückenden Hitze schwer atmend blieb er stehen und betrachtete die Wand des Irrgartens. Es waren dicht verwobene Dornbüsche, braun und abgestorben wirkend, mit bedrohlichen schwarzen Dornen wie zentimeterlange Haken. Zu hoch, um darüber hinwegblicken zu können; zu dicht, um hindurchzusehen. Vorsichtig berührte er das Gestrüpp und keuchte überrascht. Trotz aller Vorsicht stach ihm ein Dorn in den Finger und brannte wie eine heiße Nadel. Er stolperte rückwärts. Seine Fersen blieben an den Steinen hängen. Die verletzte Hand wurde durchgeschüttelt und verspritzte dicke Blutstropfen. Das Brennen ließ allmählich nach, aber seine ganze Hand pulsierte.
Plötzlich vergaß er den Schmerz. Seine Ferse hatte einen der glatten Steine umgeworfen, ihn aus dem trockenen Boden herausgetreten. Er sah auf ihn hinab, und leere Augenhöhlen blickten ihn an. Ein Schädel. Ein menschlicher Schädel. Er blickte den Weg entlang auf all die glatten, blassen Steine, die ziemlich gleich aussahen. Hastig nahm er die Füße herunter, doch er konnte nicht weitergehen, ohne auf sie zu treten, und er konnte nicht stehenbleiben, ohne auf ihnen zu stehen. Ein Nebengedanke formte sich undeutlich — die Dinge waren vielleicht nicht so, wie sie schienen -, doch er unterdrückte ihn rücksichtslos. Denken war hier etwas Gefährliches.
Er riß sich einigermaßen zusammen. Auf demselben Fleck zu bleiben, war auch gefährlich. Das war eine der Tatsachen, an die er sich zwar nur verschwommen erinnerte, deren er sich aber sicher war. Das Blut floß nur noch in zähen Tropfen aus seinem Finger, und das Pulsieren hatte auch schon beinahe aufgehört. Er saugte an der Fingerspitze und setzte sich, den Weg in der Richtung hinunter in Bewegung, in die er zufällig schaute. Hier war ein Weg so gut wie der andere.
Er erinnerte sich daran, daß er einmal gehört hatte, man könne aus einem Irrgarten entkommen, indem man immer in der gleichen Richtung abbog. Nach der ersten Öffnung im Dornengestrüpp wandte er sich nach rechts und bei der nächsten wieder. Und dann stand er Ba'alzamon gegenüber.
Überraschung breitete sich auf Ba'alzamons Gesicht aus, und sein blutroter Umhang hing still, als er plötzlich stehenblieb. Flammen loderten in seinen Augen auf, doch in der Hitze des Labyrinths fühlte Rand sie kaum. »Wie lang glaubst du, mir noch ausweichen zu können, Junge? Wie lange, glaubst du, kannst du deinem Schicksal noch entrinnen? Du gehörst mir!«
Während er rückwärts stolperte, fragte sich Rand, warum er an seinem Gürtel herumfummelte, als suche er nach einem Schwert. »Licht, hilf mir«, murmelte er, »Licht, hilf mir.« Er konnte sich nicht daran erinnern, was das bedeutete.
»Das Licht wird dir nicht helfen, Junge, Und das Auge der Welt wird dir nicht dienen. Du bist mein Jagdhund, und wenn du nicht auf mein Kommando springst, dann werde ich dich mit dem Kadaver der Großen Schlange erwürgen!«
Ba'alzamon streckte die Hand aus, und plötzlich fiel Rand ein Weg ein, wie er entkommen konnte — eine nebelhafte, halbausgeformte Erinnerung, die ›Gefahr‹ schrie, aber das war nichts gegen die Gefahr, vom Dunklen König berührt zu werden.
»Ein Traum!« rief Rand. »Das ist ein Traum!«
Ba'alzamon riß die Augen auf, überrascht oder zornig oder beides, und dann flimmerte die Luft; seine Gesichtszüge verschwammen und verblaßten.
Rand drehte sich auf dem Fleck herum und riß nun seinerseits die Augen auf. Er erblickte sein eigenes Abbild, das tausendfach auf ihn zurückgeworfen wurde. Zehntausendfach. Über ihm war Schwärze, und unter ihm war Schwärze, doch um ihn herum standen Spiegel, Spiegel, die in jedem möglichen Winkel nebeneinanderstanden, Spiegel, so weit er blicken konnte, und alle zeigten ihn, gebückt und in der Drehung befindlich, wie er mit ängstlich geweiteten Augen hineinblickte.
Ein roter Schleier trieb durch die Spiegel. Er wirbelte herum, versuchte, ihn zu fangen, doch in jedem Spiegel trieb er hinter sein eigenes Abbild und verschwand. Dann war er wieder da, aber nicht nur schleierhaft wie zuvor. Ba'alzamon schritt durch die Spiegel hindurch — zehntausend Ba'alzamons, suchend, zwischen den Spiegeln hin- und herkreuzend.