Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Perrin verlagerte unsicher sein Gewicht von einem Bein auf das andere. Essen wir hier mit einem Wahnsinnigen?
Egwene runzelte die Stirn, aber sie wartete, bis Elyas Lachanfall schwächer wurde, und sagte dann: »Vielleicht könnt Ihr uns den Weg zeigen? Ihr scheint sehr viel mehr über die Lage der Ortschaften zu wissen als wir.«
Elyas hörte auf zu lachen. Er hob den Kopf, setzte seine runde Fellkappe wieder auf, die ihm heruntergefallen war, als er sich herumwälzte, und sah sie etwas finsterer als vorher an. »Ich mag Menschen nicht besonders«, sagte er mit tonloser Stimme. »Die Städte sind voll von Menschen. Ich nähere mich nur selten Dörfern oder auch Bauernhöfen. Dorfbewohner oder Bauern mögen meine Freunde nicht. Ich hätte auch euch nicht geholfen, wenn ihr nicht so hilflos und unschuldig wie neugeborene Welpen herumgestolpert wärt.«
»Aber wenigstens könnt Ihr uns sagen, in welcher Richtung wir weitergehen sollen«, beharrte sie. »Wenn Ihr uns den Weg zum nächsten Dorf zeigt, und sei es fünfzig Meilen entfernt, wird man uns dort sicher sagen, wie wir nach Caemlyn kommen.«
»Seid still!« sagte Elyas. »Meine Freunde kommen.«
Bela wieherte plötzlich angstvoll und zerrte an ihren Zügeln. Perrin stand halb auf, als überall um sie herum im düsteren Wald dunkle Gestalten erschienen. Bela bäumte sich auf und verdrehte sich laut wiehernd.
»Beruhigt die Stute«, sagte Elyas. »Sie werden ihr nichts tun. Euch auch nicht, wenn ihr ruhig seid.«
Vier Wölfe traten in den Feuerschein, zerzauste hüfthohe Gestalten mit Gebissen, die ein Männerbein brechen konnten. Als seien die Menschen nicht vorhanden, gingen sie zum Feuer und legten sich zwischen ihnen hin. In der Dunkelheit unter den Bäumen spiegelte sich der Feuerschein auf allen Seiten in den Augen weiterer Wölfe.
Gelbe Augen, dachte Perrin. Wie Elyas Augen. Das war es, was ihm vorher nicht mehr eingefallen war. Er beobachtete die Wölfe zwischen ihnen scharf und griff nach seiner Axt.
»Das würde ich nicht tun«, sagte Elyas. »Wenn sie glauben, du wolltest ihnen etwas tun, werden sie sich nicht mehr so freundlich verhalten.«
Perrin bemerkte, daß ihn alle vier Wölfe anblickten. Er hatte sogar das Gefühl, daß ihn alle Wölfe, auch die zwischen den Bäumen hinten, anstarrten. Seine Haut juckte. Vorsichtig bewegte er die Hände von der Axt weg. Er bildete sich ein, daß er fühlen konnte, wie die Anspannung unter den Wölfen nachließ. Langsam setzte er sich wieder hin. Seine Hände zitterten, und er umfaßte seine Knie, um das Zittern zu beenden. Egwene saß so steif da, daß auch sie vor Anspannung beinahe zu beben schien. Ein Wolf, fast schwarz mit einem helleren, grauen Fleck am Kopf, lag so nahe bei ihr, daß er sie beinahe berührte.
Bela hatte aufgehört zu wiehern und sich aufzubäumen. Statt dessen stand sie jetzt zitternd und in ständiger nervöser Bewegung da und bemühte sich, alle Wölfe gleichzeitig im Blickfeld zu behalten. Manchmal schlug sie ein wenig aus, um den Wölfen zu beweisen, daß sie das konnte und ihr Leben so teuer wie möglich verkaufen würde. Die Wölfe schienen sie und die Menschen gar nicht zu beachten. Die Zungen hingen ihnen aus den Schnauzen, und sie warteten ganz entspannt.
»Jawohl«, sagte Elyas. »So ist es besser.«
»Sind sie zahm?« fragte Egwene leise und hoffnungsvoll. »Sind sie so was wie... Haustiere?«
Elyas schnaubte. »Wölfe kann man nicht zähmen, Mädchen, jedenfalls nicht so gut wie Menschen. Sie sind meine Freunde. Wir leisten uns gegenseitig Gesellschaft, jagen miteinander und unterhalten uns in gewisser Weise. Wie eben unter Freunden üblich. Stimmt's, Scheckie?« Eine Wölfin mit einem Fell, das ein Dutzend verschiedener heller und dunkler Grautöne aufwies, hob den Kopf und wandte ihn Elyas zu.
»Ihr sprecht mit ihnen?« staunte Perrin.
»Es ist eigentlich kein Sprechen«, erwiderte Elyas bedächtig. »Die Worte spielen keine Rolle, und sie stimmen auch nicht ganz, wenn man es genau nimmt. Sie heißt nicht wirklich Scheckie. In Wirklichkeit drückt ihr Name etwa aus, wie die Schatten an einem Mitwinterabend über einen Waldteich spielen, dessen Oberfläche sich im Wind kräuselt, und dazu den Geschmack von Eis, wenn das Wasser die Zunge berührt, und eine Andeutung von Schnee in der Luft, bevor die Nacht anbricht. Aber auch das drückt es nicht vollständig aus. Man kann es nicht in Worte fassen. Es ist mehr ein Gefühl. So sprechen die Wölfe. Die anderen hier sind Brand, Springer und Wind.« Brand hatte eine alte Narbe an der Schulter, von der sein Name herrühren mochte, aber an den beiden anderen Wölfen war nichts, was auf die Herkunft ihrer Namen hätte schließen lassen.
Obwohl Elyas so barsch wirkte, glaubte Perrin, er sei dennoch froh über die Gelegenheit, mit anderen Menschen zu sprechen. Er schien es auf jeden Fall zu genießen. Perrin beäugte die im Feuerschein schimmernden Wolfszähne und entschied, es sei auf jeden Fall besser, Elyas durch ihr Gespräch bei Laune zu halten. »Wie... wie habt Ihr gelernt, mit den Wölfen zu sprechen, Elyas?«
»Sie haben das herausgefunden«, antwortete Elyas, »nicht ich. Jedenfalls nicht zuerst. Wie ich jetzt weiß, geht das immer so. Die Wölfe finden dich, nicht umgekehrt. Einige Leute glaubten, ich sei vom Dunklen König besessen, weil immer Wölfe dort auftauchten, wo ich mich aufhielt. Ich glaube, manchmal dachte ich das auch. Die meisten anständigen Leute mieden mich, und diejenigen, die den Kontakt mit mir suchten, waren so oder so nicht gerade solche Leute, wie ich sie eigentlich kennenlernen wollte. Dann bemerkte ich, daß die Wölfe manchmal zu wissen schienen, was ich dachte, und auf das reagierten, was in meinem Kopf vorging. Das war der echte Beginn. Sie waren neugierig in bezug auf mich. Die Wölfe fühlen normalerweise das Herannahen von Menschen, aber nicht auf diese Weise. Sie waren froh, mich gefunden zu haben. Sie sagen, es sei lange Zeit her, seit sie mit Menschen zusammen jagten. Und wenn sie von ›langer Zeit‹ reden, dann fühlt sich das an wie ein kalter Wind, der seit dem Ersten Tag her die ganze Zeit über heult.«
»Ich habe noch nie davon gehört, daß Menschen zusammen mit Wölfen jagen«, sagte Egwene. Ihre Stimme klang nicht sehr fest, aber schon die Tatsache, daß die Wölfe einfach nur so dalagen, schien ihr Mut zu verleihen.
Elyas zeigte durch nichts, daß er sie gehört hatte. »Die Wölfe erinnern sich auf andere Art als die Menschen«, sagte er. Seine fremdartigen Augen blickten in die Ferne, als treibe er selbst auf dem Strom der Erinnerungen davon. »Jeder Wolf erinnert sich an die Geschichte aller Wölfe, oder zumindest an den ungefähren Verlauf. Wie ich schon sagte: Man kann das schlecht in Worte fassen. Sie erinnern sich daran, Seite an Seite mit Menschen Beute gejagt zu haben, aber das war vor so langer Zeit, daß es eher schon der Schatten eines Schattens ist und keine unmittelbare Erinnerung.«
»Das ist sehr interessant«, sagte Egwene, und Elyas sah sie mit forschendem Blick an. »Wirklich, ich meine es so. Es ist interessant.« Sie befeuchtete sich die Lippen. »Könntet... äh... könntet Ihr uns beibringen, mit ihnen zu sprechen?«
Elyas schnaubte wieder. »Das kann man niemandem beibringen. Einige können es, andere nicht. Sie sagen, daß er es kann.« Er deutete auf Perrin.
Perrin blickte auf Elyas Finger, als sei es ein Messer. Er ist wirklich verrückt. Die Wölfe starrten ihn wieder an. Er rutschte unruhig hin und her.
»Ihr sagt, ihr geht nach Caemlyn«, sagte Elyas, »aber das erklärt noch nicht, was ihr hier draußen treibt, Tage entfernt von irgendwo.« Er warf seinen aus Fellstücken genähten Umhang von den Schultern und legte sich hin. Er lag auf der Seite, hatte sich mit einem Ellenbogen aufgestützt und wartete gespannt.