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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Nach vier Tagen Fahrt den Fluß hinunter saß Rand oben auf dem stumpfen Mastende und hatte die Beine um die Querstreben geschlungen. Die Gischt schwankte sanft, doch fünfzig Fuß hoch über dem Wasser ließ dieses leichte Schwanken den Mast in weiten Bögen hin und her schwingen. Er warf den Kopf in den Nacken und lachte in den Wind hinein, der ihm ins Gesicht blies. Die Ruder waren draußen, und von hier oben sah das Schiff aus wie eine zwölfbeinige Spinne, die den Arinelle hinunterkrabbelte. Er war schon zuvor so hoch oben gewesen — daheim auf den Bäumen der Zwei Flüsse -, aber diesmal gab es keine Zweige, die seine Sicht behinderten. Alles an Deck, die Matrosen an den Rudern, Männer auf ihren Knien, die das Deck mit Schleifsteinen schrubbten, Männer, die an Tauen und Luken arbeiteten, sahen aus dieser Höhe und diesem Winkel — in gerader Linie von oben — so eigenartig aus, alle zusammengedrückt und verkürzt, daß er eine Stunde allein damit verbracht hatte, sie zu betrachten und zu lachen.

Er mußte immer noch lachen, wenn er auf sie hinunterblickte, aber nun betrachtete er die vorbeischwimmenden Ufer. So schien es wenigstens, als stehe er still — außer natürlich, was dieses Schwanken von einer Seite auf die andere betraf -, und die Ufer glitten langsam vorbei; Hügel und Bäume glitten auf beiden Seiten nach hinten weg. Er saß still, und die ganze Welt bewegte sich an ihm vorbei.

In einem plötzlichen Anfall von Leichtsinn nahm er die Beine von den Querstreben am Mast und breitete Arme und Beine aus. So balancierte er das Schwanken aus. Drei vollständige Bögen bewältigte er auf diese Art, und dann war plötzlich das Gleichgewicht weg. Er schlug mit Armen und Beinen wild um sich, kippte nach vorn und bekam gerade noch die Fockstag zu fassen. Seine Beine hingen frei zu beiden Seiten des Mastes. Nichts hielt ihn an seinem luftigen Platz als seine beiden Hände an der Stange, und er lachte. Er sog sich die Lunge voll mit dem frischen, kalten Wind und lachte voll übermütiger Freude.

»Junge«, erreichte ihn Thoms Stimme, »Junge, wenn du versuchst, deinen dummen Hals zu brechen, dann falle wenigstens nicht auf mich!«

Rand blickte hinunter. Thom hielt sich an den Rattenscheiben direkt unter ihm fest und sah ihn ziemlich ernst von unten her an. Wie Rand hatte auch der Gaukler seinen Umhang unten gelassen. »Thom«, sagte er entzückt. »Thom, wann seid Ihr denn hier heraufgekommen?«

»Als du nicht darauf geachtet hast, daß die Leute dir etwas zuriefen. Junge, jeder denkt, du seist verrückt geworden!«

Er sah hinunter und war überrascht, daß alle Gesichter zu ihm nach oben schauten. Nur Mat, der mit überschlagenen Beinen und den Rücken an den Mast gelehnt am Bug saß, sah ihn nicht an. Sogar die Männer an den Rudern hatten die Augen erhoben und kamen dabei aus dem Rhythmus. Und niemand schimpfte deswegen. Rand verdrehte den Kopf und blickte unter dem Arm hindurch zum Heck. Kapitän Domon stand am Steuerruder, hatte die kräftigen Fäuste in die Hüften gestützt und sah böse zu ihm hinauf. Er wandte sich wieder Thom zu und grinste. »Wollt Ihr, daß ich jetzt hinunterkomme?«

Thom nickte lebhaft. »Das würde ich sehr begrüßen.«

»In Ordnung.« Er verlagerte den Griff an der Fockstag und sprang mit einem Satz von der Mastspitze weg. Er hörte, wie sich Thom einen Fluch verbiß, als sein Fall aufgehalten wurde und er an beiden Händen von der Stange herunterhing. Der Gaukler sah ihn mißbilligend an, eine Hand halb ausgestreckt, als wolle er ihn fangen. Er grinste Thom erneut zu. »Ich steige jetzt hinunter.«

Er schwang die Beine hoch, hakte sich mit einem Bein an einem dicken Tau fest, das vom Mast zum Bug herunterhing, warf einen Arm darüber, so daß er das Tau im Winkel zwischen Oberarm und Unterarm hatte, und ließ los. Langsam, dann immer schneller, glitt er hinunter. Direkt vor dem Bug ließ er sich fallen und landete geradewegs vor Mat auf dem Deck. Er machte einen Ausfallschritt, um das Gleichgewicht wieder zu erlangen, und dann drehte er sich dem übrigen Schiff mit weit ausgebreiteten Armen zu, wie es Thom nach einem akrobatischen Kunststück immer tat.

Vereinzeltes Klatschen von der Mannschaft war zu hören, aber er blickte überrascht auf Mat hinunter und darauf, was Mat in den Händen hielt, durch seinen Körper vor allen anderen verborgen: einen gekrümmten Dolch mit einer Goldscheide und fremdartigen Schriftzeichen darauf. Der Griff war mit feinem Golddraht umwickelt, und obenauf saß ein Rubin, so groß wie Rands Daumennagel, gehalten von zähnefletschenden Schlangen mit Goldschuppen. Mat fuhr noch einen Moment lang fort, den Dolch in die Scheide hineinzuschieben und wieder herauszuziehen. Er spielte immer noch damit, als er den Kopf langsam hob. Seine Augen schienen in weite Fernen zu blicken. Plötzlich jedoch richteten sie sich auf Rand, und er fuhr zusammen und steckte den Dolch rasch unter seinen Mantel. Rand hockte sich auf die Fersen und schlang die Arme um die Knie. »Wo hast du das her?« Mat sagte nichts, sondern sah sich nur hastig um, ob irgend jemand anders in der Nähe sei. Erstaunlicherweise waren sie allein. »Du hast das doch nicht etwa aus Shadar Logoth, oder?«

Mat sah ihn an. »Es ist deine Schuld. Deine und Perrins. Ihr zwei habt mich von dem Schatz weggerissen, obwohl ich ihn bereits in der Hand hatte. Mordeth hat ihn mir nicht gegeben. Ich habe ihn genommen, also trifft Moiraines Warnung vor seinen Geschenken nicht zu. Du erzählst es doch niemandem, Rand. Sonst stehlen sie ihn mir vielleicht.«

»Ich sage es nicht weiter«, versprach Rand. »Ich halte Kapitän Domon für ehrlich, aber den anderen traue ich nicht, besonders Gelb.«

»Niemandem«, beharrte Mat. »Nicht Domon, nicht Thom, niemandem. Wir sind die einzigen beiden aus Emondsfeld, die noch übrig sind, Rand. Wir können es uns gar nicht leisten, irgend jemand anderem zu trauen.«

»Sie sind am Leben, Mat. Egwene und Perrin. Ich weiß, daß sie noch leben.« Mat blickte beschämt drein. »Aber ich werde dein Geheimnis bewahren. Nur unter uns beiden. Wenigstens müssen wir uns jetzt des Geldes wegen keine Gedanken machen. Wir können ihn so gut verkaufen, daß wir dafür wie die Könige nach Tar Valon reisen können.«

»Natürlich«, sagte Mat nach einer Pause. »Wenn es sein muß. Sag nur niemandem etwas, bevor ich es dir erlaube.«

»Ich habe schon mal gesagt, ich tu das nicht. Hör mal, hast du wieder neue Träume gehabt, seit wir an Bord gegangen sind? Wie in Baerlon? Das ist jetzt die erste Gelegenheit, dich zu fragen, ohne daß sechs Leute zuhören.«

Mat drehte den Kopf weg und sah Rand von der Seite her an. »Vielleicht.«

»Was meinst du mit vielleicht? Entweder hast du oder nicht.«

»Ist schon gut, ja, ich hatte welche. Ich will nicht darüber sprechen. Ich will nicht mal daran denken! Es bringt nichts.«

Bevor einer von ihnen noch mehr sagen konnte, kam Thom über das Deck her, seinen Umhang über den Arm gelegt. Der Wind zerzauste sein weißes Haar, und seine langen Schnurrbartenden schienen zu beben. »Es ist mir noch einmal gelungen, den Kapitän davon zu überzeugen, daß du nicht verrückt geworden bist«, verkündete er, »sondern daß es ein Teil deiner Ausbildung war.« Er ergriff die Fockstag und rüttelte daran. »Dieser närrische Trick, am Tau herunterzurutschen, half dabei, aber du hast Glück gehabt, daß du dir nicht den Hals gebrochen hast.«

Rands Blick ging zur Fockstag und dann hinauf zur Mastspitze, und die Kinnlade fiel ihm herunter. Er war daran heruntergerutscht. Und er hatte auf dem Mast ge...

Plötzlich stellte er sich vor, wie er da oben mit gespreizten Armen und Beinen saß. Er setzte sich schwerfällig hin und fing sich gerade noch ab, bevor er platt auf dem Rücken lag. Thom blickte nachdenklich auf ihn herunter.

»Ich wußte gar nicht, daß du Höhen so gut verträgst, Junge. Wir können vielleicht in Illian oder Ebou Dar oder sogar in Tear damit Vorstellungen geben. Die Leute in den großen Städten im Süden sehen gern Hochseiltänzer und Schlappseilartisten.«

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