Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Perrin sah hinüber zu Egwene. Zuvor hatten sie sich eine Geschichte ausgedacht, die sie Leuten erzählen wollten, wenn sie welche fanden, um zu erklären, was sie hier machten, ohne sich damit in Schwierigkeiten zu bringen. Ohne irgend jemanden wissen zu lassen, woher sie wirklich kamen oder wohin sie tatsächlich wollten. Wer konnte wissen, welches unvorsichtig ausgesprochene Wort das Ohr eines Blassen erreichte? Sie hatten jeden Tag daran gearbeitet, die Einzelheiten zusammengetragen und Fehlerquellen beseitigt. Und sie hatten beschlossen, daß Egwene erzählen sollte. Sie konnte besser mit Worten umgehen als er, und sie behauptete, sie könne ihm immer am Gesicht ablesen, wann er log.
Egwene begann sofort, flüssig zu erzählen. Sie kamen aus dem Norden, aus Saldaea, von Bauernhöfen in der Nähe eines winzigen Dorfes. Keiner von ihnen war zuvor mehr als zwanzig Meilen weit von zu Hause weg gewesen. Aber sie hatten den Geschichten der Gaukler und der Kauffahrer gelauscht, und sie wollten etwas von der Welt sehen. Caemlyn und Illian. Das Meer der Stürme und vielleicht sogar die sagenhaften Inseln des Meervolkes.
Perrin hörte zufrieden zu. Nicht einmal Thom Merrilin hätte aus dem wenigen, was sie über die Welt außerhalb der Zwei Flüsse wußten, eine bessere Geschichte machen können, oder eine, die diesem Zweck besser entsprochen hätte.
»Aus Saldaea, eh?« sagte Elyas, als sie fertig war.
Perrin nickte. »Das stimmt. Wir dachten daran, zuerst Maradon zu besuchen. Ich würde gern den König sehen. Aber die Hauptstadt ist natürlich der erste Ort, an dem unsere Väter suchen wurden.«
Das war sein Beitrag, um klarzustellen, daß sie nie in Maradon gewesen waren. Dann konnte nämlich niemand von ihnen erwarten, daß sie etwas über diese Stadt wußten, falls sie jemandem begegneten, der wirklich schon dort gewesen war. Das war alles weit weg von Emondsfeld und den Ereignissen der Winternacht. Niemand, der diese Geschichte hörte, würde dabei an Tar Valon oder die Aes Sedai denken.
»Eine ganz nette Geschichte.« Elyas nickte. »Ja, wirklich eine feine Geschichte. Ein paar Sachen daran stimmen nicht, aber die Hauptsache ist natürlich, daß Scheckie sagt, es sei alles ein Haufen Lügen. Jedes Wort erlogen.«
»Lügen!« rief Egwene. »Warum sollten wir wohl lügen?«
Die vier Wölfe hatten sich nicht bewegt, doch nun schienen sie nicht mehr einfach nur so am Feuer zu liegen.
Statt dessen kauerten sie dort, und ihre gelben Augen starrten die Emondsfelder unverwandt an. Perrin sagte nichts, aber seine Hände verirrten sich zu der Axt an seiner Hüfte. Die vier Wölfe erhoben sich mit einer schnellen Bewegung, und seine Hände erstarrten. Sie gaben keinen Laut von sich, doch die dichten Nackenhaare sträubten sich. Einer der Wölfe unter den Bäumen schickte ein grollendes Heulen in den Nachthimmel. Andere antworteten, fünf, zehn, zwanzig, bis die Dunkelheit unter ihrem Heulen erzitterte. Dann schwiegen sie unvermittelt. Kalter Schweiß lief Perrin übers Gesicht.
»Wenn Ihr glaubt...« Egwene unterbrach sich, um zu schlucken. Trotz der kalten Luft stand auch auf ihr Schweiß im Gesicht. »Wenn Ihr glaubt, daß wir lügen, dann ist es euch wohl lieber, daß wir uns für die Nacht unser eigenes Lager bereiten, von Eurem ein Stück entfernt.«
»Das wäre mir normalerweise schon lieber, Mädchen. Aber jetzt möchte ich endlich etwas von den Trollocs und den Halbmenschen hören.« Perrin bemühte sich, das Gesicht nicht zu verziehen, und er hoffte, daß es ihm besser gelang als Egwene. Elyas fuhr im leichten Plauderton fort: »Scheckie sagt, sie habe in euren Köpfen Halbmenschen und Trollocs gewittert, als ihr diese närrische Geschichte erzählt habt. Alle haben es gespürt. Ihr seid auf irgendeine Weise mit den Trollocs und den Augenlosen verwickelt. Die Wölfe hassen Trollocs und Halbmenschen noch mehr als einen Waldbrand, mehr als alles auf der Welt, genau wie ich.
Brand möchte euch loshaben. Es waren Trollocs, die ihm diese Verwundung beibrachten, als er noch ein Jährling war. Er sagt, daß Beute im Moment rar sei, und ihr seid fetter als alle Hirsche, die er in letzter Zeit gesehen hat; er schlägt vor, wir sollten euch auffressen.
Aber Brand ist immer ungeduldig. Warum erzählt ihr mir nicht die Wahrheit? Ich hoffe, Ihr seid keine Schattenfreunde. Es gefällt mir nicht, Leute zu töten, die ich zuvor gefüttert habe. Denkt nur daran, daß sie wissen werden, wann ihr lügt, und sogar Scheckie ist mittlerweile fast genauso aufgebracht wie Brand.« Seine Augen, gelb wie die der Wölfe, starrten sie ebenfalls ohne Zwinkern an. Das sind die Augen eines Wolfs, dachte Perrin.
Egwene sah ihn an. Er bemerkte, daß sie auf seine Entscheidung wartete, was zu tun sei. Aha, plötzlich bin ich wieder der Anführer. Sie hatten gleich zu Beginn beschlossen, daß sie es einfach nicht riskieren konnten, jemandem die wahre Geschichte zu erzählen, aber er sah keine Möglichkeit, so davonzukommen, selbst wenn er es schaffte, seine Axt zu ziehen, bevor...
Scheckie grollte tief in der Kehle, und die anderen drei am Feuer und danach auch die Wölfe in der Dunkelheit schlossen sich dem Laut an. Das bedrohliche Grollen erfüllte die Nacht.
»In Ordnung«, sagte Perrin schnell. »In Ordnung!« Das Grollen brach scharf und schnell ab. Egwene entspannte die verkrampften Hände und nickte. »Es begann alles ein paar Tage vor Winternacht«, fing Perrin an, »als unser Freund Mat einen Mann mit einem schwarzen Umhang sah... «
Elyas hörte mit gleichbleibendem Gesichtsausdruck zu und veränderte auch seine Lage am Boden nicht, doch da war etwas an der Neigung seines Kopfes, das ein Ohrenspitzen andeutete. Die vier Wölfe setzten sich hin, als Perrin erzählte; er hatte den Eindruck, daß auch sie lauschten. Die Geschichte war lang, und er berichtete fast alles. Allerdings behielt er den Traum, den er und die anderen in Baerlon gehabt hatten, für sich. Er wartete darauf, daß die Wölfe mit irgendeinem Anzeichen zu erkennen gaben, daß sie das Auslassen bemerkt hatten, aber sie beobachteten ihn nur. Scheckie erschien ihm freundlich, während Brand zornig war. Als er schließlich geendet hatte, war er heiser.
»... und wenn sie uns in Caemlyn nicht findet, gehen wir weiter nach Tar Valon. Wir haben keine andere Wahl, als die Hilfe der Aes Sedai in Anspruch zu nehmen.«
»Trollocs und Halbmenschen so weit im Süden«, grübelte Elyas laut. »Das ist nun etwas, worüber man sich Gedanken machen muß.« Er griff nach hinten und warf Perrin einen ledernen Wasserbeutel zu, ohne ihn dabei anzusehen. Er schien nachzudenken. Er wartete, bis Perrin getrunken hatte, und steckte den Stöpsel wieder hinein, bevor er weitersprach: »Ich halte nicht viel von den Aes Sedai. Die Roten Ajah, das sind diejenigen, die nach Männern suchen, die mit der Einen Macht herumspielen. Sie wollten sich einst mit mir anlegen. Ich sagte ihnen ins Gesicht, sie seien Schwarze Ajah und dienten dem Dunklen König, und das gefiel ihnen gar nicht. Sie konnten mich aber nicht fangen, als ich einmal im Wald war. Doch sie taten ihr Bestes. Allerdings, wenn ich richtig überlege, bezweifle ich, daß mich irgendwelche Aes Sedai noch freundlich behandeln wurden. Die Roten Ajah haben ein paar Behüter verloren. War keine schöne Geschichte, Behüter zu töten. Ich mag das nicht.«
»Dieses Mit-den-Wölfen-Sprechen«, sagte Perrin gedrückt. »Hat... hat das mit der Macht zu tun?«
»Natürlich nicht!« grollte Elyas. »Sie hätten mich niemals von etwas abbringen können, aber daß sie es versuchten, hat mich wild gemacht. Das hier ist eine alte Sache, Junge. Älter als die Aes Sedai. Älter als alle, die je die Eine Macht benutzten. So alt wie die Menschheit. So alt wie die Wölfe. Auch das gefällt den Aes Sedai nicht. Daß alte Dinge wiederkehren. Ich bin nicht der einzige.
Es gibt noch andere Dinge, andere Leute. Das macht die Aes Sedai nervös; sie schimpfen, daß die alten Barrieren immer schwächer werden. Alles bricht auseinander, behaupten sie. Sie haben Angst, daß der Dunkle König freikommt, ganz bestimmt. So wie ein paar von denen mich ansahen, hätte man denken können, es sei alles meine Schuld. Natürlich die Roten Ajah, aber auch ein paar andere. Der Amyrlin-Sitz... Aaaah! Ich halte mich von ihnen und den Freunden der Aes Sedai fern. Das solltet ihr auch, wenn ihr schlau seid.«