Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Martha«, hatte der Mann geflüstert, während er mich mit seinem Gewicht ins Laub drückte.
»Verdammt, verdammt, verdammt«, sagte ich ganz leise. Ich legte meine Hände ausgebreitet auf den Tisch und versuchte zu denken.
»Martha.« Und sein säuerlicher Geruch, der Druck seiner fleischigen, feuchten Oberschenkel mit den kratzigen Haaren –
»Nein!« Meine Beine und Pobacken pressten sich vor Ekel so fest zusammen, dass ich auf der Bank mehrere Zentimeter größer wurde.
»Es wäre möglich –«, begann Jamie hartnäckig.
»Nein«, wiederholte ich genauso hartnäckig. »Aber selbst wenn – Jamie, das kannst du doch nicht tun.«
Er sah mich an, und ich sah die Angst in seinen Augen aufflackern. Das, so begriff ich mit einem Schlag, war genau das, wovor er Angst hatte. Oder eines der Dinge.
»Ich meine, wir können es nicht«, sagte ich rasch. »Ich bin mir so gut wie sicher, dass ich nicht schwanger bin. Aber ich bin mir ganz und gar nicht sicher, dass ich nicht mit irgendeiner widerwärtigen Krankheit in Kontakt gekommen bin.« Das war noch etwas, woran ich bis jetzt nicht gedacht hatte, und die Gänsehaut meldete sich mit voller Wucht zurück. Eine Schwangerschaft war unwahrscheinlich; Gonorrhöe oder Syphilis waren es nicht. »Wir – wir können es nicht. Nicht, bevor ich mich nicht mit Penizillin behandelt habe.«
Ich erhob mich von der Bank, noch bevor ich den Satz beendet hatte.
»Wohin gehst du?«, fragte er verblüfft.
»In mein Sprechzimmer!«
Der Flur war dunkel und das Feuer in meinem Sprechzimmer erloschen, doch davon ließ ich mich nicht aufhalten. Ich riss die Schranktür auf und fing an, hastig umherzutasten. Ein Lichtschein fiel mir über die Schulter und beleuchtete die Reihe schimmernder Fläschchen. Jamie hatte einen Docht angezündet und war mir gefolgt.
»Was in Gottes Namen tust du da, Sassenach?«
»Penizillin«, sagte ich und ergriff eines der Fläschchen und den Lederbeutel, in dem ich meine Spritzen aufbewahrte.
»Jetzt?«
»Ja, jetzt, zum Kuckuck! Zünde die Kerze an, ja?«
Er tat es, und das flackernde Licht wuchs zu einer Kugel aus warmem Gelb heran, die sich in den Lederschläuchen meiner selbstgemachten Spritzen widerspiegelte. Zum Glück hatte ich eine ordentliche Dosis Penizillinmixtur zur Hand. Die Flüssigkeit in der Flasche war rosa; viele der Penicillium-Kulturen dieser Charge waren in schalem Wein gewachsen.
»Bist du sicher, dass es funktioniert?«, fragte Jamie leise aus dem Schatten.
»Nein«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen. »Aber es ist alles, was ich habe.« Der Gedanke, dass sich mit jeder Sekunde die Spirochäten lautlos in meinen Blutbahnen vermehrten, ließ meine Hand zittern. Ich schluckte meine Angst, dass das Penizillin nicht in Ordnung sein könnte, herunter. Es hatte schon bei einigen bösen Oberflächeninfektionen Wunder gewirkt. Es gab keinen Grund, warum …
»Lass mich das machen, Sassenach.« Jamie nahm mir die Spritze aus der Hand; meine Finger waren schlüpfrig und ungeschickt. Die seinen waren vollkommen ruhig, sein Gesicht im Kerzenschein voller Konzentration, als er die Spritze füllte.
»Dann tu’s zuerst bei mir«, sagte er und reichte sie mir zurück.
»Was – du? Aber du brauchst doch gar kein – ich meine – du hasst Injektionen«, schloss ich schwach.
Er prustete und sah mich mit gesenkten Augenbrauen an.
»Hör zu, Sassenach. Wenn ich vorhabe, meine Ängste zu bekämpfen, und deine – und das habe ich vor –, dann werde ich nicht wegen eines Piksers weiche Knie bekommen, aye? Tu’s!« Er drehte mir die Seite zu, beugte sich vor, stützte sich mit einem Ellbogen auf die Arbeitsplatte und hob seinen Kilt, um seine muskulöse Pobacke zu entblößen.
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich hätte vielleicht noch weiter mit ihm diskutiert, doch ich warf einen Blick auf ihn, wie er mit nacktem Hintern stur wie der Black Mountain dastand, und war von der Vergeblichkeit eines solchen Versuchs überzeugt. Sein Entschluss stand fest, und wir würden beide mit den Konsequenzen leben.
Mit einem plötzlichen, merkwürdigen Gefühl der Ruhe hob ich die Spritze und drückte sie, um eventuelle Luftblasen zu entfernen.
»Dann stell dich auf dein anderes Bein«, sagte ich und stieß ihn unsanft an. »Entspanne diese Seite; ich will nicht, dass mir die Spritze abbricht.«
Er holte zischend Luft; die Nadel war dick, und es war noch genug Restalkohol des Weins übrig, dass es gemein brannte, wie ich feststellte, als ich eine Minute später meine eigene Spritze bekam.
»Autsch! Au! Oh, Himmelherrgott noch einmal!«, rief ich aus und biss die Zähne zusammen, als ich mir die Spritze aus dem Oberschenkel zog. »Himmel, tut das weh!«
Jamie, der sich noch den Hintern rieb, lächelte mich schief an.
»Aye, gut. Der Rest wird auch nicht schlimmer sein als das hier, nehme ich an.«
Der Rest. Ich fühlte mich plötzlich hohl, und mir war schwindelig, als hätte ich eine Woche nichts gegessen.
»Bist du – bist du sicher?«, fragte ich und legte die Spritze hin.
»Nein«, sagte er. »Das bin ich nicht.« Dann holte er tief Luft und sah mich an, sein Gesicht unsicher im flackernden Kerzenlicht. »Aber ich habe fest vor, es zu versuchen. Ich muss.«
Ich strich mir das Leinenhemd über meinen zerstochenen Oberschenkel und sah ihn dabei an. Er hatte all seine Masken längst fallen gelassen; Zweifel, Wut und Angst, alles war da, deutlich in die verzweifelten Linien seines Gesichts graviert. Ausnahmsweise, so dachte ich, war meine eigene Miene weniger einfach zu lesen, da die Verletzungen mir als Maske dienten.
Etwas Weiches strich mit einem leisen Zirpen an meinem Bein vorbei, und als ich hinunterblickte, sah ich, dass mir Adso eine tote Wühlmaus gebracht hatte, zweifellos als Ausdruck seiner Anteilnahme. Ich begann zu lächeln, fühlte meine Lippe prickeln, dann blickte ich zu Jamie auf, ließ sie aufreißen und schmeckte Blut wie warmes Silber auf meiner Zunge.
»Nun ja … du bist bis jetzt immer gekommen, wenn ich dich gebraucht habe; ich glaube nicht, dass es diesmal anders ist.«
Im ersten Moment war seine Miene absolut verständnislos, weil er meinen lahmen Witz nicht verstand. Dann begriff er, und das Blut schoss ihm ins Gesicht. Seine Lippe zuckte, zuckte noch einmal, und er konnte sich nicht zwischen Schock und Gelächter entscheiden.
Als er mir dann den Rücken zukehrte, dachte ich zuerst, er wollte sein Gesicht vor mir verbergen, doch in Wirklichkeit hatte er sich nur umgedreht, um den Schrank zu durchsuchen. Er fand, wonach er suchte, und drehte sich wieder um, eine dunkel leuchtende Flasche meines besten Muskatellers in der Hand. Er hielt sie mit dem Ellbogen an seinen Körper gepresst und griff nach einer zweiten Flasche.
»Aye, bestimmt«, sagte er und streckte seine freie Hand nach mir aus. »Aber wenn du glaubst, dass einer von uns es nüchtern tun wird, Sassenach, dann irrst du dich gewaltig.«
Ein Windstoß, der durch die offene Tür fuhr, riss Roger aus seinem unruhigen Schlaf. Er war auf der Bank am Kamin eingeschlafen, die Beine auf den Boden gestützt, das Kind warm und schwer an seine Brust gekuschelt.
Er sah blinzelnd und orientierungslos auf, als sich Brianna über ihn beugte, um ihm den Kleinen abzunehmen.
»Regnet es draußen?«, sagte er, weil ihn ein Hauch von Feuchtigkeit und Ozon von ihrem Umhang traf. Er setzte sich aufrecht hin und rieb sich mit der Hand über das Gesicht, um zu sich zu kommen. Er spürte die Stoppeln seines Viertagebartes.
»Nein, aber es wird gleich regnen.« Sie legte Jemmy wieder in sein Bettchen, deckte ihn zu und hängte ihren Umhang auf, bevor sie zu Roger kam. Sie roch nach der Nacht, und ihre Hand war kalt auf seiner erhitzten Wange. Er schlang die Arme um ihre Taille, lehnte den Kopf gegen sie und seufzte.
Er wäre liebend gern für ewig so verharrt – oder wenigstens für die nächsten ein oder zwei Stunden. Doch sie strich ihm ein paar Sekunden sanft über das Haar, dann wandte sie sich ab und bückte sich, um am Kaminfeuer eine Kerze zu entzünden.