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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Doch, das muss ich«, sagte er leise. »Lösch die Kerze aus, aye?«

Nicht die Küche, die noch mit emotionalen Wrackteilen übersät war. Nicht das Sprechzimmer mit all seinen scharfkantigen Erinnerungen. Jamie zögerte, wies dann aber kopfnickend zur Treppe und zog eine Augenbraue hoch. Ich nickte und folgte ihm hinauf in unser Schlafzimmer.

Es kam mir vertraut und fremd zugleich vor, wie es manchmal ist, wenn man eine Zeitlang fort gewesen ist. Vielleicht lag es nur an meiner verletzten Nase, dass es auch fremd roch – kalt und irgendwie schal, obwohl alles gewischt und abgestaubt war. Jamie stochte das Feuer, und Licht erhob sich und flackerte in hellen Streifen über die Holzwände. Die Düfte nach Rauch und Harz trugen das Ihre dazu bei, das Gefühl der Leere im Zimmer zu füllen.

Keiner von uns warf einen Blick auf das Bett. Er zündete die Kerze auf dem Waschtisch an, stellte dann unsere beiden Hocker ans Fenster und öffnete die Fensterläden, die uns von der unruhigen Nacht trennten. Er hatte zwei Zinnbecher mitgebracht; er füllte sie und stellte sie gemeinsam mit den Flaschen auf die breite Fensterbank.

Ich stand an der Tür, gerade eben innerhalb des Zimmers, und sah seinen Vorbereitungen mit einem durch und durch merkwürdigen Gefühl zu.

Ich durchlebte einen sehr seltsamen Widerspruch der Gefühle. Einerseits fühlte ich mich, als sei er ein völlig Fremder. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, ganz zu schweigen davon, mich daran zu erinnern, ihn je unbefangen berührt zu haben. Sein Körper war nicht länger eine vertraute Erweiterung des meinen, sondern etwas Fremdes, Unnahbares.

Gleichzeitig durchfuhren mich ohne Vorwarnung alarmierende Wellen der Lust. Das war schon den ganzen Tag so gewesen. Dies hatte nichts vom langsamen Brennen normalen Verlangens oder von einem plötzlichen Funken der Leidenschaft an sich. Es erinnerte nicht einmal an das zyklische, blinde, aus dem Bauch kommende Bedürfnis, sich zu paaren, das einzig körperlicher Natur war. Dies hier machte mir Angst.

Er bückte sich, um noch ein Scheit auf das Feuer zu legen, und fast wäre ich gestolpert, weil mir alles Blut aus dem Kopf wich. Das Licht schien auf die Härchen auf seinen Armen, die dunklen Schatten in seinem Gesicht –

Es war das schiere, unpersönliche Gefühl hemmungslosen Appetits – etwas, das von mir Besitz ergriffen hatte, aber kein Teil von mir war –, das mir einen Schrecken einjagte. Es war die Angst davor, die mich seiner Berührung ausweichen ließ – mehr als das Gefühl der Entfremdung.

»Ist dir nicht gut, Sassenach?« Er hatte mein Gesicht gesehen und trat stirnrunzelnd auf mich zu. Ich hob die Hand, um ihm Einhalt zu gebieten.

»Doch«, sagte ich und fühlte mich atemlos. Ich setzte mich hastig mit weichen Knien hin und ergriff einen der Becher, die er gerade gefüllt hatte. »Ähm … Prost.«

Seine Augenbrauen fuhren in die Höhe, doch er setzte sich mir gegenüber auf seinen eigenen Hocker.

»Prost«, sagte er leise und stieß meinen Becher mit dem seinen an. Der Wein in meiner Hand war schwer und duftete süß.

Meine Finger waren kalt, ebenso wie meine Zehen und meine Nasenspitze. Auch das änderte sich ständig ohne Vorwarnung. Möglich, dass ich in der nächsten Minute von Hitze überflutet wurde und mir der Schweiß ausbrach. Doch im Moment war mir kalt, und ich zitterte im regennassen Luftzug, der vom Fenster kam.

Das Aroma des Weins war so kräftig, dass es selbst auf meine beschädigten Schleimhäute wirkte, und seine Süße beruhigte meine Nerven und meinen Magen gleichermaßen. Ich trank schnell den ersten Becher und schenkte mir den nächsten ein, denn ich konnte es kaum abwarten, einen leichten Schleier des Vergessens zwischen mich und die Wirklichkeit zu schieben.

Jamie trank langsamer, schenkte sich aber gleichzeitig mit mir nach. Vom Feuer erwärmt, begann die Wäschetruhe aus Zedernholz, ihren vertrauten Duft im Zimmer zu verbreiten. Er sah mich hin und wieder an, sagte aber nichts. Das Schweigen zwischen uns war zwar nicht das, was man beklommen nennen würde, doch es war geladen.

Ich sollte etwas sagen, dachte ich. Doch was? Ich trank den zweiten Becher in kleinen Schlucken und zermarterte mir das Hirn.

Schließlich streckte ich langsam die Hand aus und berührte die Stelle auf seiner Nase, an der sich die schmale Linie des längst verheilten Bruches weiß auf seiner Haut abzeichnete.

»Weißt du«, sagte ich, »du hast mir nie erzählt, wie du dir die Nase gebrochen hast. Wer hat sie für dich gerichtet?«

»Och, das? Niemand.« Er lächelte und fasste sich etwas befangen an die Nase. »Es war einfach Glück, dass es ein sauberer Bruch war, weil ich in der damaligen Situation überhaupt nicht darauf geachtet habe.«

»Wohl nicht. Du hast gesagt –« Ich brach ab, denn plötzlich fiel mir ein, was er gesagt hatte. Als ich ihn wiedergefunden hatte, dort in seiner Druckerei in Edinburgh, hatte ich ihn gefragt, wann er sich die Nase gebrochen hatte. Er hatte geantwortet: »Ungefähr drei Minuten nachdem ich dich zuletzt gesehen hatte, Sassenach.« Am Vorabend von Culloden also – auf jenem felsigen Hügel in Schottland, unterhalb des Ringes aufrechter Steine.

»Es tut mir leid«, sagte ich etwas schwach. »Daran denkst du wahrscheinlich nicht gern, oder?«

Er ergriff meine freie Hand und sah zu mir herunter.

»Du kannst es haben«, sagte er. Seine Stimme war ganz leise, doch er sah mir direkt in die Augen. »Alles. Alles, was mir jemals angetan worden ist. Wenn du es möchtest, wenn es dir hilft, durchlebe ich es noch einmal.«

»O Gott, Jamie«, sagte ich leise. »Nein. Ich brauche es nicht zu wissen; alles, was ich wissen muss, ist, dass du es überlebt hast. Dass alles gut ist. Aber …« Ich zögerte. »Werde ich es dir erzählen?« Was mir angetan worden war, meinte ich, und er wusste es. Jetzt wandte er den Blick ab, doch er hielt meine Hand umfasst und rieb sanft mit der Handfläche über meine wunden Fingerknöchel.

»Musst du es denn?«

»Ich glaube schon. Irgendwann. Aber nicht jetzt – außer, du … du musst es hören.« Ich schluckte. »Vorher.«

Er schüttelte kaum merklich den Kopf, sah mich aber nicht an.

»Nicht jetzt«, flüsterte er. »Nicht jetzt.«

Ich zog meine Hand fort und schluckte den restlichen Wein in meinem Becher, rauh und warm, mit dem Aroma von Muskat und Traubenschalen. Mir wurde nicht länger abwechselnd heiß und kalt; jetzt war mir nur noch durch und durch warm, und dafür war ich dankbar.

»Deine Nase«, sagte ich und schenkte mir nach. »Dann erzähl’s mir. Bitte.«

Er zuckte sacht mit den Achseln.

»Aye, nun gut. Zwei englische Soldaten kamen als Kundschafter den Hügel hinauf. Ich glaube nicht, dass sie damit gerechnet hatten, jemanden anzutreffen – keiner von ihnen hatte seine Muskete schussbereit, sonst wäre ich ein toter Mann gewesen.«

Sein Tonfall war ganz beiläufig. Mich durchlief ein Schauer, doch nicht vor Kälte.

»Sie haben mich gesehen, und dann hat dich einer von ihnen oben auf dem Hügel entdeckt. Er hat etwas gerufen und wollte dich verfolgen, also habe ich mich auf ihn gestürzt. Mir war gleichgültig, was passiert, solange du nur gehen konntest, also bin ich einfach auf ihn losgegangen und habe ihm meinen Dolch in die Seite gestoßen. Aber seine Patronenbüchse ist mir dazwischengeraten, und das Messer ist darin stecken geblieben, und –« Er lächelte schief. »Und während ich versucht habe, es herauszuziehen und nicht umgebracht zu werden, ist sein Freund gekommen und hat mir seinen Musketenkolben ins Gesicht geschwungen.«

Beim Erzählen krümmte sich seine freie Hand und umklammerte in der Erinnerung einen Dolch.

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