Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Другие приключения » Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
Die geliehene Zeit: Roman (German Edition) - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:

Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
1 ... 104 105 106 107 108 109 110 111 112 ... 278
Перейти на страницу:

»Verflixtes Dummerchen!« Ich zog mir die Schuhe aus, raffte meine Röcke und rannte ihr nach. Auf Strümpfen war ich schneller als sie auf ihren hohen Absätzen. Vielleicht gelang es mir ja, sie zu erwischen, ehe sie jemand anderem begegnete und erwischt wurde … was gleich den nächsten Skandal nach sich ziehen würde.

Ich folgte dem Rascheln ihrer Röcke um die Biegung des Flurs. Hier lagen Teppiche auf dem Boden; wenn ich mich nicht beeilte, war es gut möglich, dass ich sie an einer Abzweigung verlor, weil ich nicht mehr hören konnte, wohin sie gegangen war. Ich senkte den Kopf, rannte um die letzte Ecke und prallte geradewegs mit einem Mann zusammen, der mir entgegenkam.

Er stieß ein verblüfftes »Uff!« aus, als ich ihn mittschiffs traf, und klammerte sich an meine Arme, um auf den Beinen zu bleiben, während wir gemeinsam stolperten.

»Es tut mir leid«, begann ich atemlos. »Ich dachte, Ihr wärt … oh, Jesus H. verdammt noch mal Christ!«

Mein ursprünglicher Eindruck – dass ich auf Alexander Randall getroffen war – hatte nicht länger gewährt als den Bruchteil einer Sekunde, den ich benötigte, um die Augen über diesem fein gemeißelten Mund zu sehen. Diesem Mund, der Alex’ so ähnlich war, abgesehen von den tiefen Falten, die ihn umgaben. Doch diese kalten Augen konnten nur einem Mann gehören.

Mein Schreck war so groß, dass mir im ersten Moment alles auf paradoxe Weise normal erschien; mein Impuls war es, mich zu entschuldigen, ihn als unbedeutend abzutun, meine Verfolgung fortzusetzen und ihn vergessen im Korridor zurückzulassen, nicht mehr als eine Zufallsbegegnung. Meine Adrenalindrüsen beeilten sich, diesen Eindruck zu korrigieren, und pumpten mir eine solche Dosis Adrenalin in den Kreislauf, dass sich mein Herz zusammenzog wie eine geballte Faust.

Auch er kam allmählich wieder zu Atem und fand seine flüchtig erschütterte Selbstsicherheit wieder.

»Ich neige dazu, Eurer Meinung zuzustimmen, Madame, wenn auch nicht Eurer exakten Wortwahl.« Er hatte meine Ellbogen noch nicht losgelassen und schob mich jetzt ein wenig von sich fort. Dabei kniff er die Augen zusammen, um mein Gesicht im Schatten des Korridors sehen zu können. Ich sah, wie seine Züge vor Schreck erbleichten, als mein Gesicht ins Licht kam und er mich erkannte. »Tod und Teufel, Ihr seid es!«, rief er aus.

»Ich dachte, Ihr seid tot!« Ich wand meine Arme und versuchte, sie aus Jonathan Randalls ehernem Griff zu befreien.

Er ließ einen Arm los, um sich den Bauch zu reiben, und betrachtete mich kalt. Seine schmalen, fein geschnittenen Gesichtszüge waren von der Sonne gebräunt und gesund; äußerlich war ihm nichts davon anzumerken, dass er wenige Monate zuvor unter dreißig tonnenschwere Rinder geraten war. Nicht einmal ein Hufabdruck auf seiner Stirn.

»Auch diesmal, Madam, teile ich Eure Meinung. Ich stand unter einem ganz ähnlichen, fehlgeleiteten Eindruck, was Euren Gesundheitszustand betraf. Womöglich seid Ihr ja doch eine Hexe – was habt Ihr getan, Euch in einen Wolf verwandelt?« Die argwöhnische Abneigung, die ihm ins Gesicht geschrieben stand, mischte sich mit einem Hauch von abergläubischer Ehrfurcht. Wenn man einen Menschen an einem kalten Winterabend inmitten eines Rudels Wölfe aussetzt, erwartet man schließlich, dass er kooperiert und unverzüglich gefressen wird. Meine verschwitzten Handflächen und der Trommelschlag meines Herzens zeugten von der enervierenden Wirkung, die es hat, wenn man plötzlich jemandem gegenübersteht, den man endgültig für tot gehalten hat. Ich vermutete, dass auch ihm ein wenig mulmig zumute sein musste.

»Das wüsstet Ihr wohl gern!« Der Drang, ihn aus der Reserve zu locken – diese eisige Ruhe zu stören –, war das Erste, was an die Oberfläche der brodelnden Masse von Gefühlen stieg, die bei seinem Anblick in mir ausgebrochen waren. Seine Finger schlossen sich fester um meinen Arm, und seine Lippen wurden schmal. Ich konnte sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete, während er begann, die Möglichkeiten durchzugehen.

»Wenn Ihr es nicht wart, wessen Leiche haben Sir Fletchers Männer dann aus dem Verlies geholt?«, wollte ich wissen und versuchte, jeden noch so kleinen Riss in seiner Fassung auszunutzen. Ein Augenzeuge hatte mir beschrieben, wie man »ein blutiges Lumpenbündel« – vermutlich Randall – von der Szene der durchgehenden Rinderherde entfernte, die Jamies Flucht aus ebendiesem Verlies getarnt hatte.

Randall lächelte ohne großen Humor. Falls er ähnlich erschüttert war wie ich, war es ihm nicht anzusehen. Er atmete ein wenig schneller als normal, und die Falten rings um seinen Mund und seine Augen waren tiefer als ich sie in Erinnerung hatte, aber er schnappte nicht nach Luft wie ein gestrandeter Fisch. Ich schon. Ich verleibte mir so viel Sauerstoff ein, wie meine Lungen fassten, und versuchte dann, durch die Nase zu atmen.

»Es war mein Bursche, Marley. Doch wenn Ihr meine Fragen nicht beantwortet, warum sollte ich dann die Euren beantworten?« Er betrachtete mich von oben bis unten und machte sich sorgfältig ein Bild von meiner Erscheinung: Seidenkleid, Haarschmuck, Juwelen und Strümpfe.

»Dann habt Ihr also einen Franzosen geheiratet?«, fragte er. »Ich habe Euch ja immer schon für eine französische Spionin gehalten. Ich hoffe, Euer neuer Ehemann hat Euch besser im Griff als …«

Die Worte erstarben ihm auf der Zunge, als er aufblickte, um zu sehen, wer der Verursacher der Schritte war, die gerade hinter mir in den Flur eingebogen waren. Wenn es mein Wunsch gewesen war, ihn aus der Fassung zu bringen, so wurde dieses Drängen nun voll und ganz gestillt. Kein Hamlet auf der Bühne hatte je mit so überzeugendem Grauen auf das Erscheinen des Geistes reagiert wie dem, was ihm jetzt in das aristokratische Gesicht geschrieben stand. Die Hand, die nach wie vor meinen Arm festhielt, krallte sich tief in meine Haut, und ich spürte den Schreck, der ihn durchfuhr, wie einen elektrischen Schlag.

Ich wusste, was er hinter mir sah, und hatte Angst, mich umzudrehen. Im Flur herrschte tiefes Schweigen; selbst das Rauschen der Zypressenzweige am Fenster schien Teil der Stille zu sein, so wie die ohrenbetäubende Ruhe der Wellen am Meeresboden. Ganz langsam löste ich meinen Arm aus seinem Griff, und seine Hand sank wie betäubt an seine Seite. Hinter mir war kein Geräusch zu hören; ich konnte nur hören, wie sich im letzten Zimmer des Korridors Stimmen erhoben. Ich betete, dass die Tür geschlossen bleiben würde, und versuchte verzweifelt, mir ins Gedächtnis zu rufen, wie Jamie bewaffnet war.

Mein Kopf war leer, dann blitzte das beruhigende Bild seines Kurzschwertes darin auf, das mitsamt dem Gürtel an einem Haken unseres Kleiderschrankes hing, wo sich die Sonne im Email des Griffes fing. Doch er hatte natürlich seinen Dolch und das kleine Messer, das er aus Gewohnheit in seinem Strumpf trug. Was das betraf, so war ich mir sicher, dass er notfalls auch seine Hände als vollkommen adäquate Waffe betrachtet hätte. Und wenn man meine gegenwärtige Lage, meine Position in der Mitte zwischen den beiden, als Notfall bezeichnen wollte … ich schluckte und drehte mich langsam um.

Er stand völlig reglos da, nicht mehr als einen Meter hinter mir. Neben ihm befand sich eines der hohen Glasfenster, und die dunklen Schatten der Zypressennadeln liefen über ihn hinweg wie Wasser über einen versunkenen Stein. Er zeigte auch nicht mehr Ausdruck als ein Stein. Was auch immer hinter seinen Augen lebte, war verborgen; sie waren groß und leer wie Fensterscheiben, als sei die Seele, deren Spiegel sie waren, längst entfleucht.

Er sagte nichts, doch nach ein paar Sekunden streckte er die Hand nach mir aus. Sie schwebte offen in der Luft, und schließlich brachte ich die Geistesgegenwart auf, sie zu ergreifen. Sie war kühl und hart, und ich klammerte mich daran wie an das Holz eines Floßes.

Er zog mich dicht an sich heran, nahm meinen Arm und drehte mich um, immer noch ohne zu sprechen oder eine Miene zu verziehen. Als wir die Ecke des Flurs erreichten, erhob Randall hinter uns die Stimme.

»Jamie«, sagte er. Seine Stimme war vor Schrecken rauh und hatte einen Unterton irgendwo zwischen Unglauben und Flehen.

1 ... 104 105 106 107 108 109 110 111 112 ... 278
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)