Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Der Unglückliche bildete sich ein, er hätte auf eine Nummer gesetzt, die herauskommen sollte, doch der Cylinder habe, von einem phantastischen Taumel ergriffen, sich immer weiter gedreht und drehe sich noch bis ans Ende aller Dinge…. Der Aermste war wahnsinnig.
»Haben Sie sich endlich beruhigt, Silas? fragte Sarcany seinen Compagnon, der sich nicht mehr zu fassen wußte. Lernen Sie von diesem Unsinnigen, daß man nie den Kopf verlieren soll…. Wir haben kein Glück gehabt, das ist leider wahr, aber die Chance wird wieder eine günstigere für uns werden, weil sie es werden muß und ohne daß wir den Finger zu rühren brauchen…. Wir wollen uns gar nicht bemühen, die Chancen zu verbessern. Es ist dies gefährlich und übrigens unnütz…. Man kann einmal keine Karte anders schlagen lassen, wenn sie schlecht schlägt und ebenso wenig kann man sie anders fallen lassen, wenn sie sich günstig wendet…. Wir wollen unsere Zeit abwarten, und wenn sie da sein wird, so werden wir das Glück kühn an unser Spiel fesseln.«
Hörte Silas Toronthal diese Rathschläge – dumme Rathschläge, wie alle Begründungen, wenn es sich um ein Spiel des Zufalls handelt? Nein! Er war vollständig geknickt und hatte augenblicklich den einen Wunsch: der Herrschaft Sarcany’s entgehen, fliehen, so weit fliehen zu können, daß seine Vergangenheit sich nicht wieder an ihn wagen durfte. Doch solche Anfälle von eigenen Willensäußerungen konnten in diesem unselbständigen, haltlosen Gemüthe nicht lange anhalten.
Silas wurde überdies auch von seinem Complicen nicht aus den Augen gelassen. Ehe Sarcany ihn sich selbst überließ, mußte er seine Heirat mit Sarah vollzogen sehen. Dann wollte er sich von Silas Toronthal gern trennen, ihn vergessen und sich nicht einmal daran erinnern, daß dieses schwache Geschöpf jemals gelebt, daß Beide jemals ihre Hand in einer und derselben Sache im Spiele gehabt hätten. Bis dahin aber mußte der Banquier von ihm abhängig sein.
»Wir sind heute zu unglücklich gewesen, Silas, begann Sarcany von Neuem, als daß die Chancen für uns nicht bessere werden sollten…. Morgen muß uns das Glück hold sein!
– Und wenn ich das Wenige, was ich noch besitze, verliere? warf Silas Toronthal ein, der vergebens sich bemühte, den erbärmlichen Rathschlägen sein Ohr zu verschließen.
– So wird uns Sarah Toronthal noch erhalten bleiben, antwortete Sarcany lebhaft. Sie ist und bleibt das beste Atout in unserem Spiele. Es ist unmöglich, dieses zu übertrumpfen.
– Ja!… Morgen!… Morgen!« rief der Banquier, dessen Sinne sich in der Verfassung befanden, in welcher ein Spieler seinen Kopf riskirt.
Beide kehrten in ihr Hotel zurück, das halben Weges auf der Straße gelegen war, welche von Monte Carlo nach der Condamine hinabführt.
Der Hafen von Monaco, den man vom Vorgebirge Focinana bis zum Fort Antoine rechnet, besteht aus einer ziemlich offenen Rhede, welche den nordöstlichen und südöstlichen Winden ausgesetzt ist. Er rundet sich zwischen dem Felsen, der die Hauptstadt des kleinen Fürstenthums trägt, und dem Plateau ab, auf welchem die Hotels, die Landhäuser und das Etablissement von Monte Carlo errichtet sind, am Fuße des herrlichen Mont Agal, dessen Gipfel in einer Höhe von elfhundert Metern einen großartigen Ueberblick über die Gestade Liguriens gewährt. Die von zwölfhundert Einwohnern bevölkerte Stadt ähnelt einem Tafelaufsatze, der auf den imposanten, von drei Seiten vom Meere bespülten Felsentisch von Monaco gestellt ist und fast verschwindet unter dem ewigen Grün der Palmen, Granaten, der Sycomoren, Pfefferbäume, Orangen, Citronen, Eucalypten, der Geraniumzwergbäume, Aloën, Myrthen, Mastixbäume, der Palme Christi, die hier und dort in einem wunderbaren Durcheinander erblühen.
Auf der anderen Seite des Hafens macht Monte Carlo der kleinen Hauptstadt Platz mit ihrem merkwürdigen Gemisch von Wohnhäusern, die sich über alle Vorsprünge des Berges ziehen, mit ihren schmalen, hügeligen, im Zick-Zack angelegten Straßen, die bis zur Straße der Corniche hinausführen, welche auf halber Höhe des Gebirges schwebt, mit ihrem Schachbrett von ewig blühenden Gärten, ihrem Panorama von Landhäusern jeden Styles, von Villen jeder Gattung, von denen einige buchstäblich über den stets klaren Wogen dieses Busens des Mittelmeeres hängen.
Zwischen Monaco und Monte Carlo, im Hintergrunde des Hafens, von der Küste bis zur Einengung des buchtenreichen Thales, welches die Gebirgsgruppe trennt, breitet sich eine dritte Stadt aus, die Condamine.
Ueber ihr zur Rechten erhebt sich ein wuchtiger Berg, sein dem Meere zugewendetes Profil hat ihm den Namen des Hundskopfes eingebracht. Auf diesem Kopfe, der fünfhundertzweiundvierzig Meter hoch ist, erhebt sich jetzt ein Fort, welches das Recht hat, sich für uneinnehmbar zu halten. Es bildet zugleich auf dieser Seite die Grenze des Fürstenthums Monaco.
Von der Condamine nach Monte Carlo können Wagen über eine herrliche Rampe passiren. Auf ihrem oberen Theile erheben sich abgesonderte Baulichkeiten und Hotels; in einem von diesen wohnten Silas Toronthal und Sarany. Von den Fenstern ihrer Zimmer konnte der Blick über die Condamine und bis über Monaco hinausschweifen. Der Hundskopfberg mit seinem Bulldoggesicht, der das Mittelländische Meer wie eine Sphinx die lybische Wüste zu befragen scheint, schnitt die weitere Fernsicht ab.
Sarcany und Silas Toronthal hatten sich in ihre Gemächer zurückgezogen. Dort legten sich Beide die Situation zurecht, natürlich Jeder von seinem Gesichtspunkte. Sollte es den Wechselfällen des Spieles gelingen, das Gemeinsame ihrer Interessen zu durchbrechen, welches sie nun schon seit fünfzehn Jahren so eng verband?
Sarcany fand in seinem Zimmer einen Brief vor, der aus Tetuan kam; er erbrach sofort das Siegel.
In wenigen Zeilen schrieb ihm Namir über zwei wichtige Dinge, welche sein höchstes Interesse herausforderten: erstens berichtete sie den Tod Carpena’s, der im Hafen von Ceuta im Anschluß an ganz eigenthümliche Vorfälle ertrunken war; sodann das Erscheinen des Doctors Antekirtt auf jenem Punkte der afrikanischen Küste, die Beziehungen, welche er zu dem Spanier gehabt hatte und sein unmittelbar darauf erfolgtes Verschwinden.
Als Sarcany den Brief gelesen, öffnete er das Fenster seines Zimmers. Sich über die Brüstung lehnend, bemühte er sich mit unstäten Blicken seine Gedanken zu sammeln.
»Carpena todt?… Gelegener konnte er wahrhaftig nicht sterben!… Jetzt sind seine Geheimnisse mit ihm ertrunken!… Von dieser Seite also habe ich nichts zu befürchten!… In dieser Beziehung kann ich nun beruhigt sein!…«
Jetzt bleiben mir nur noch knapp zweimalhunderttausend Franken. (S. 434.)
Dann wendeten sich seine Gedanken dem zweiten Theile des Briefes zu:
»Um so bedenklicher ist das Erscheinen des Doctors Antekirtt in Ceuta!… Wer mag dieser Mann eigentlich sein?… Ich würde im Grunde genommen nach Allem, was bisher geschehen, wenig überrascht sein, wenn ich finden würde, daß dieser Doctor bei allen mich angehenden Dingen mehr oder weniger die Hand im Spiele hat…. In Ragusa hatte er Beziehungen zu der Familie Bathory!… In Catania stellte er Zirone einen Hinterhalt!… In Ceuta war es wahrscheinlich seine Einmischung, welche Carpena das Leben gekostet hat!…
Er war also in der Nähe von Tetuan, doch scheint er nicht dorthin gegangen zu sein, auch scheint er keine Kenntniß von Sarah’s Aufenthalt zu haben. Ihre Auffindung wäre allerdings der furchtbarste Schlag für mich gewesen, er kann aber noch immer eintreten!… Wir wollen sehen, ob es nicht gerathen ist, den Schlag zu pariren, nicht nur für die Zukunft, sondern auch für jetzt. Die Senusisten werden bald die Herren von der ganzen Cyrenäis sein und nur einen Meerarm zu durchschiffen haben, um sich auf Antekirtta zu werfen… Sollte man sie dazu veranlassen müssen, so soll es an mir nicht fehlen!…«
Daß sich verschiedene dunkle Punkte am Horizonte Sarcany’s zeigten, war klar. Bei der schmutzigen Machination, die er Schritt für Schritt verfolgte, angesichts des Zieles, welches er erreichen wollte und dem er sich nahe genug befand, konnte das kleinste Steinchen des Anstoßes ihn so zu Boden schmettern, daß er das Aufstehen vergaß.