Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Er ging vorn neben Bela her und fragte sich, ob sie heute abend irgend etwas zu essen finden würden, da fiel ihm zum ersten Mal dieser Geruch auf. Die Stute blähte die Nüstern und drehte im nächsten Moment den Kopf. Er packte ihr Zaumzeug, bevor sie wiehern konnte.
»Das ist Rauch«, sagte Egwene aufgeregt. Sie beugte sich im Sattel vor und holte tief Luft. »Ein Lagerfeuer. Jemand brät gerade sein Abendessen. Kaninchen.«
»Vielleicht«, sagte Perrin vorsichtig, und ihr erfreutes Lächeln schwand. Er tauschte seine Schleuder gegen den bösartig schimmernden Halbmond der Axt aus. Seine Hände schlossen sich und lösten sich unsicher wieder von ihrem dicken Schaft. Es war eine Waffe doch weder seine heimlichen Übungsstunden hinter der Schmiede noch der Unterricht Lans hatten ihn wirklich darauf vorbereitet, sie als solche zu benützen. Selbst der Kampf vor Shadar Logoth war in seiner Erinnerung zu verschwommen, um ihm Selbstvertrauen einzuflößen. Und er konnte auch nie richtig mit dieser Leere arbeiten, über die Rand und auch der Behüter gesprochen hatten. Sonnenschein fiel schräg zwischen den Ästen hinter ihnen durch, und der Wald war immer noch eine ruhige Masse fleckiger Schatten. Der schwache Geruch eines Holzfeuers umgab sie, gewürzt mit dem Aroma bratenden Fleisches. Es könnte Kaninchen sein, dachte er, und sein Magen knurrte. Es könnte auch etwas anderes sein, rief er sich in den Sinn. Er sah Egwene an, und sie beobachtete ihn. Anführer zu sein bedeutete Verantwortung.
»Warte hier«, sagte er sanft. Sie zog die Stirn kraus, aber kaum hatte sie den Mund geöffnet, da schnitt er ihr das Wort ab. »Und sei leise! Wir wissen noch nicht, wer es ist.« Sie nickte — zögernd zwar, aber immerhin. Perrin fragte sich, warum das nicht auch so sein konnte, wenn er versuchte, sie dazu zu überreden, daß nur sie auf dem Pferd ritt. Er holte tief Luft und ging los, auf die Quelle des Rauchs zu.
Er hatte nicht soviel Zeit in den Wäldern um Emondsfeld herum verbracht wie Rand und Mat, aber er hatte durchaus auch eine Menge Kaninchen gejagt. Er schlich von Baum zu Baum, ohne auch nur ein winziges Ästchen zu zertreten. Es dauerte nicht lang, und er spähte hinter dem Stamm einer hohen Eiche mit weit ausladenden, gekrümmten Zweigen, die sich zum Boden hin senkten und dann wieder nach oben wuchsen, hervor. Dahinter befand sich ein Lagerfeuer, und ein großer, von der Sonne gebräunter Mann lehnte nicht weit von den Flammen entfernt an einem der Eichenzweige.
Wenigstens war es also kein Trolloc, doch es war wohl der eigenartigste Bursche, den Perrin je gesehen hatte. Zum einen schienen seine Kleidungsstücke ausnahmslos aus Tierhäuten genäht, mitsamt dem Fell darauf, selbst seine Stiefel und die seltsame runde, abgeflachte Kappe auf seinem Kopf. Sein Umhang zeigte ein verrücktes Muster aus Kaninchen- und Eichhörnchenfellen; die Hose schien er aus dem Fell langhaariger brauner und weißer Ziegen gefertigt zu haben. Sein bereits graufleckiges braunes Haar hing ihm bis auf die Hüften hinunter und war im Nacken mit einem Lederstrick zusammengebunden. Ein dichter Bart reichte bis auf die halbe Brust herunter. An seinem Gürtel hing ein langes Messer, schon fast ein Schwert zu nennen, und Bogen und Köcher hatte er in Reichweite an einen Ast gelehnt.
Der Mann hatte sich mit geschlossenen Augen zurückgelehnt und schlief anscheinend, doch Perrin rührte sich nicht in seinem Versteck. Sechs Stöcke hatte der Bursche über das Feuer gehängt, und an jedem Stock hing ein abgehäutetes Kaninchen. Sie waren bereits braun geröstet, und manchmal tropfte Saft herunter, der in den Flammen aufzischte. Der Geruch, noch dazu aus dieser Nähe, ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen.
»Hast du dich sattgesehen?« Der Mann öffnete ein Auge und sah zu Perrins Versteck herüber. »Du und deine Freundin, ihr könnt euch genausogut hersetzen und etwas essen. Ich habe die letzten Tage über nicht gesehen, daß ihr viel gegessen hättet.«
Perrin zögerte und stand dann langsam auf, wobei er seine Axt mit festem Griff hielt. »Habt Ihr mich etwa zwei Tage lang beobachtet?«
Der Mann lachte kehlig. »Ja, ich habe dich beobachtet. Und dieses hübsche Mädchen. Sie schubst dich herum wie einen jungen Gockel, nicht wahr? Habe euch vor allem gehört. Das Pferd ist das einzige von euch, das nicht so laut herumtrampelt, daß man es auf fünf Meilen Entfernung noch hören kann. Willst du sie herbitten, oder möchtest du alle Kaninchen allein essen?«
Perrin war empört; er wußte, daß er keineswegs viel Lärm verursachte. Man konnte im Wasserwald nicht nahe genug an ein Kaninchen herankommen, um es mit der Schleuder zu erlegen, wenn man Lärm machte. Aber der Geruch der brutzelnden Kaninchen erinnerte ihn daran, daß Egwene auch hungrig war, ganz davon zu schweigen, daß sie darauf wartete zu erfahren, ob es denn nun ein Trolloc-Feuer sei, das sie gerochen hatten. Er steckte den Schaft seiner Axt in die Gürtelschlaufe und hob die Stimme: »Egwene! Alles klar! Es ist tatsächlich Kaninchen!« Er streckte dem Mann die Hand hin und fügte in normaler Lautstärke hinzu: »Ich heiße Perrin. Perrin Aybara.«
Der Mann blickte die Hand an, bevor er sie ungeschickt ergriff, als sei er nicht daran gewöhnt, Hände zu schütteln. »Man nennt mich Elyas«, sagte er und blickte auf. »Elyas Machera.«
Perrin schnappte nach Luft und ließ Elyas Hand beinahe los. Die Augen des Mannes waren gelb, wie hellglänzendes Gold. Irgendeine Erinnerung kitzelte Perrins Verstand ganz kurz und war dann wieder verflogen. Alles, woran er in dem Moment denken konnte war, daß sämtliche Trolloc-Augen, die er gesehen hatte, fast schwarz gewesen waren.
Egwene erschien, vorsichtig Bela am Zügel hinter sich herziehend. Sie band die Zügel der Stute an einen der kleineren Äste der Eiche und sprach ein paar höfliche Worte, als Perrin sie vorstellte, doch ihre Augen kehrten immer wieder zu den Kaninchen zurück. Sie schien die Augen des Mannes nicht zu bemerken. Als Elyas sie zum Essen aufforderte, machte sie sich mit Eifer darüber her. Perrin zögerte noch ein wenig, doch dann folgte er ihrem Beispiel. Elyas wartete schweigend, während sie aßen. Perrin hatte solchen Hunger, daß er ganze Fleischstücke losriß, doch sie waren so heiß, daß er sie von Hand zu Hand jongliertes bis er sie in den Mund stecken konnte. Selbst Egwene zeigte diesmal nicht ihre sonst so einwandfreien Manieren; fettiger Saft rann ihr am Kinn herunter. Der Tag neigte sich zur Dämmerung, bis ihre Gier endlich ein wenig nachließ. Eine mondlose Dunkelheit senkte sich über sie, und dann sprach Elyas.
»Was macht ihr hier draußen? Es gibt auf fünfzig Meilen in der Umgebung kein einziges Haus!«
»Wir gehen nach Caemlyn«, sagte Egwene. »Vielleicht könntet Ihr...« Ihre Augenbrauen hoben sich kühl, als Elyas den Kopf zurückwarf und schallend lachte. Perrin starrte ihn an; mit einem Kaninchenbein hielt er auf halbem Weg zum Mund inne.
»Caemlyn?« Elyas Atem pfiff, als er wieder zu sprechen in der Lage war. »Der Weg, den ihr eingeschlagen habt, die Richtung, in der ihr die letzten beiden Tage gelaufen seid, werden euch zweihundert Meilen oder mehr nördlich an Caemlyn vorbeiführen.«
»Wir wollten nach dem Weg fragen«, sagte Egwene rechtfertigend. »Aber wir haben noch kein Dorf und keinen Bauernhof gefunden.«
»Das werdet ihr auch nicht«, sagte Elyas lachend. »Wenn ihr so weitergeht, dann könnt ihr bis zum Rückgrat der Welt laufen, ohne einen anderen Menschen zu treffen. Natürlich, falls ihr es fertigbringt, das Rückgrat zu erklimmen — an ein paar Stellen kann man das schaffen -, findet ihr in der Aiel-Wüste Menschen, aber es würde euch dort nicht gefallen. Ihr würdet bei Tag vor Hitze vergehen und bei Nacht erfrieren und zu jeder Zeit verdursten. Man muß schon ein Aielmann sein, um in der Wüste Wasser zu finden, und die mögen Fremde nicht besonders. Nein, ganz bestimmt nicht, würde ich sagen.« Er brach erneut in noch schallenderes Lachen aus und wälzte sich dabei doch tatsächlich am Boden. »Bestimmt nicht sehr«, brachte er heraus.